Warum??????

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von tinaundronny 20.05.11 - 18:51 Uhr

Eigentlich schreibe ich nicht oft hier rein, aber mittlerweile bin ich mit meinem Latein am Ende...

Wir sind eine Patchworkfamilie. Ich habe zwei Töchter (3 und 2 Jahre alt) und mein Freund hat einen Sohn(5 jahre alt)...

Wir leben seit ca 1,5 Jahren zusammen und am Anfang war es echt schwer...
"Unser" Sohn hatte am Anfang echte Schwierigkeiten mit mir und den Mädels.

Er wurde von seiner leiblichen Mutter im Kindergarten zurück gelassen... Morgens brachte sie ihn noch und alles war Friede, Freude, Eierkuchen und am Abend rief sie dann bei Schwiegereltern an und meinte sie müssen ihn abholen. Da hat sie dann schon ihr Möbel bei ihrem neuen gehabt. Die leibliche Schwester und den großen Bruder hat sie mitgenommen.

Jeden Abend hat der Kleine sich dann in den Schlaf geweint, ständig hieß es er wolle zu seiner Mama und seinen Geschwistern. Das war nun für uns alle eine richtige zerreis Probe.

Dann war er für einige Tage bei seiner Mama (auch nur weil mein Freund sie dazu gedrängt hat), dann brachte sie ihn wieder und alles war ersteinmal wieder gut.

Nach zwei Wochen kam er denn bei uns an und fragte uns ob er nicht bei seiner Mama wohnen kann und uns dann einmal im Monat besuchen kommt. Klar haben wir erst eine Zeit lang überlegt und sind dann zu dem Entschluss gekommen das es für ihn vielleicht wirklich das beste sein wird.

Dann wurde er wieder zu ihr gebracht und keine 8 Stunden später stand sie spät Abends mit ihm vor der Tür und hat ihn uns wieder gegeben.
Dadurch hat er dann leider auch mit bekommen das sie ihn absolut nicht da haben möchte.

Seitdem ist ein Jahr vergangen und wir hatten mit der Ex-Frau meines Freundes nur ärger. Wir haben uns eine Familienhilfe geholt, aber das ging vollkommen nach hinten los. Dann kam das Jugendamt zu uns nach Hause, Weil Exfräulein ja der Meinung war, das der Kleine von mir nicht akzeptiert wird. Das Amt konnte aber nichts der gleichen feststellen.

Seit einem Jahr hat sie sich nicht mehr bei ihm gemeldet, weder noch zu sich geholt.

Heute kam dann der Hammer:

Ich bin heut den ganzen Tag allein mit dem Kleinen und meinen Töchtern. Heute morgen ging es schon los, er tritt der großen auf die Hand, sie kommt weinend bei mir an und ich habe ihn dann gefragt ob er es denn war, er verneinte.
Meine Tochter hat aber gesagt das er es war und an seinen Augen konnte man sehen das er gelogen hat. Zur Srafe habe ich ihn dann 10min. ins Zimmer geschickt damit er darüber nachdenken kann.
Als er dann wieder draussen war hat er der Kleinen die Finger geklemmt.

Klar, es sind KInder und das kann immer mal passieren, aber ich erwarte dann wenigstens eine Entschuldigung. Diese kam dann nicht und er durfte wieder ins Zimmer.

Dann ging es richtig los... Stundenlanges geschrei nach Papa.... Der kam dann zum Mittag und hat dann mit ihm geredet. Dann ging es auch wieder.

Nach dem Mittagschlaf fing er dann wieder an nach Papa zu schreien. Alles beruhigen hat nicht geholfen....

GANZ PLÖTZLICH wollte er dann zu seiner MAMA und hat seine Tasche gepackt...

Ein jahr lang war totale ruhe und jetzt will er zu Mama????

Warum macht er das???


P.S. Er ist für mich wie mein eigener Sohn und ich liebe ihn über alles... Aber wenn er schon seine Tasche packt.... Das tut mir soooooooooo weh...

Beitrag von elcheveri 20.05.11 - 19:13 Uhr

Hallo
ich kann mir glaub ich nicht im Ansatz vorstellen wie sehr alle unter dieser Situation leiden aber habt Ihr schon mal einen Psychologen mit dem kleinen aufgesucht? ich denke das er schnell Hilfe braucht um das zu verarbeiten....Seine über alles geliebte Mama hat Ihn verlassen,und wie ein Stück abgegeben..er wird nicht erkennen können das Du Ihn liebst weil das seine kleine Seele so verletzt hat..und das muß professionell aufgeabreitet werden.....

Lg Eva

Beitrag von bruchetta 20.05.11 - 19:36 Uhr

Ich denke auch, Ihr solltet einen Kinderpsychologen aufsuchen.

Beitrag von margarita73 20.05.11 - 19:58 Uhr

Hallo,

er testet Dich! Die Mama hat ihn verlassen und Du machst auf ihn wahrscheinlich EIGENTLICH einen verlässlichen Eindruck. Aber was ist, wenn er Dich reizt? Magst Du ihn dann nicht mehr und schickst ihn auch weg wie die Mama? Bestimmt will er unbewusst genau das rausfinden. Wenn er sagt, er will zu seiner Mama, testet er Dich auf´s Extremste aus. Und natürlich vermisst er auch seine Mama - auch wenn sie keine Gute ist. So sind Kinder nunmal. Sie lieben die Eltern bedingungslos. Du musst ihm immer wieder zeigen, dass Du bleibst, auch wenn er sich daneben benimmt. Und ich denke wie meine Vorrednerinnen auch, dass er so tief verletzt wurde, dass Ihr das nur noch mit professioneller Hilfe lösen könnt. Der arme kleine Kerl! Ich wünsche Euch ganz viel Kraft! #liebdrueck

LG Sabine

Beitrag von locke1910 20.05.11 - 20:52 Uhr

N'abend!
Ich stimme den anderen zu - er hat wahrscheinlich begriffen, daß seine Mutter sich bereits laaaange nicht mehr gerührt hat und jetzt testet er, ob Ihr ihn auch annehmt, wenn er Mist baut...
Würde sein Verhalten als Hilferuf deuten und ihm deutlich zeigen, daß er, ganz egal, was er für Mist baut, zur Familie gehört!
Vielleicht könnt Ihr für den Anfang etwas basteln, was Euch alle verbindet, eine Fotowand oä; ich hatte manchmal Tageskinder hier, die auch sehr unsicher waren und als "kleine Sofortmaßnahme" war unsere Fotowand die Rettung, um ihnen zu vermitteln, daß sie in jedem Fall dazugehören.
Um eine therapeutische Hilfe werdet Ihr wahrscheinlich trotzdem nicht herum kommen - er hat bestimmt große Verlustängste, die Ihr ihm alleine nicht nehmen könnt...#liebdrueck
Ich drücke Euch fest die Daumen,daß Ihr ihm die Sicherheit vermitteln könnt, die er so dringend vermißt#herzlich

Beitrag von michi0512 20.05.11 - 21:36 Uhr

Ich schließe mich den Damen vor mir an. Der Kleine hat das ganze noch nciht verarbeitet.

1 Tag nach dem 3. Gebutstag starb mein Schwiegervater plötzlich und wir waren alle entsetzt. Mein SOhn ist im April 5 geworden. Seit 2 Jahren hat er gefargt: Seit ihr wieder traurig wenn ich Geburtstag habe? <<--- die Kleinen merken sich sowas!

Anderes Beispiel: letztes Jahr zu Ostern trennte ich mich vom Vater meiner Kids und zog 300km weit weg. Wir haben oft gestritten.. es ging einfach nicht mehr. Der Papa versprach den Kids letztes Jahr eine Oster-Radtour. 6 Wochen später wohnte Papa wieder bei uns - Liebe hat gesiegt. AAAABER: kurz vor Ostern dies Jahr fragte mein Großer: Geht Papa auch diesmal weg? <<--- ich hab mich mies Gefühlt.

Aber solche Dinge verarbeiten die Kinder eben nicht so mal eben nebenbei. Die sitzen tief - und von der eignen Mutter derart verlassen zu werden - es muss doch sein Herz in Stücke gerissen haben :-(

Der Vorschlag mit der Fotowand ist super! Und vielleicht auch mal sagen: "Ich hab Dich lieb, egal welchen Mist Du machst. Ich werd Dich immer lieb haben."

Alles Gute für Euch.

Beitrag von tinaundronny 21.05.11 - 14:10 Uhr

Danke für eure lieben antworten und Ratschläge...

Ich nehme ihn jeden Tag in den Arm und sage ihn das er immer zu uns gehört und das ihn niemand von uns jemals allein lassen wird. Und ich sage ihn auch jeden Tag das ich ihn lieb habe...

Ich habe selbst als ich Kind war jeden Tag von meinen Eltern die Worte "Hab dich lieb" mit auf den Weg bekommen. Und so möchte ich es auch bei meinen Kindern machen....
Mir ist es sehr wichtig ihnen zu sagen wie lieb ich sie habe...

Das mit der Fotowand werden wir auf jedenfall machen... Beim Psychologen war er schon, aber es hat ihn gar nicht geholfen... Dann war er im SPZ, aber auch das hat nichts gebracht...

Einige aus unseren Bekanntenkreis meinten auch das er mal auf eine stationäre Therapie müsste, aber ich glaube wenn er allein in einem Krankenhaus ist dann bekommt er erst recht wieder diese Verlustängste....

Warum ist es alles nur sooooo kompliziert.. Ich möchte ihm doch einfach nur helfen das er nicht so wahnsinnig unter dem Sch.... von seiner Mutter leiden muss.... Er darf sie nicht einmal anrufen.... SIE möchte das nicht... #aerger

Beitrag von lux-amor-lacrimae 24.05.11 - 23:40 Uhr

Hallo,

ich finde es beeindruckend und stark, dass du deine Kraft und Energie in die Kinder gibst. ich bin mir sicher dass du dem Kleinen eine große Stütze bist.

Ich selbst habe einen Sohn (6), dessen Vater ohne erkenntlichen Grund den kontakt eine Woche vor seinem 6. Geburtstag abgebrochen hat. Es ist nichts im vergleich zu dem was euer Kleiner erleben musste, dennoch ist es ein Verlusterleben. ich habe ihm erklärt, dass er keine Schuld daran hat, sondern dass das die Entscheidung vom Papa ist. Es war mir wichtig, dass er weiß das ich fest daran glaube, dass der Papa ihn lieb hat und bestimmt oft an ihn denkt, dass er aber Sorgen hat und Gründe die nichts mit ihm zu tun haben und sich deshalb erstmal nicht mehr meldet. Und ganz wichtig: finde ich das doof und bin darüber traurig und dass darf ich sein und genauso darf auch mein Sohn traurig sein ohne, dass ich permanent versuche die Situation "erträglich" zu reden.

Noch eine Erfahrung die dir vielleicht weiter hilft :

Mein freund ist seit knapp 1,5 jahren alleinerziehender Papa von einer 9 jährigen Tochter. Das Kind lebte in einem permanenten Mangel an Zuwendung, Liebe und Aufmerksamkeit. Ihre Mutter hat sie ernährt und das war es auch, er war während der Beziehung permanent arbeiten und hat sich auf sie verlassen. Jetzt wohnt er 60 km von der Kindsmutter entfernt und ich übernehme die Rolle der Zweitmama. Es wäre mir ein leichtes für seine Tochter zu Sorgen, wie für mein eigenes Kind. Aber ich habe erkannt, dass ich sie zwar stützen kann, ihr Liebe geben kann, ihre Enttäuschung und die Verlustangst und das mangelnde Vertrauen aber ein Verdienst der leiblichen Eltern ist und auch nur diese das wieder kitten können.

Welchen Beitrag leistet dein Freund um den Kleinen emotional wieder aufzufangen?

Wir haben uns dafür entschieden, dass wir jeder erstmal für sich den Tag plant und jeder für "sein" Kind verantwortlich handelt. Wir reden über alles und entscheiden zusammen was das beste für unsere Kinder ist. Aber ich bringe die Große nicht in die Schule und hole sie nur im Notfall ab. Er gestaltet mit ihr in der Woche die Nachmittage und das Abendritual. Sie hat ganz viel Papazeit und das brauch sie im Moment auch. Das Ganze hält mich auch nicht davon ab mit ihr zu kuscheln und ihr zu sagen wie lieb ich sie hab.

Du hast beschrieben, wie der Kleine die Jüngeren "verletzt". Kann es sein, dass er eifersüchtig ist, dass sie eine Mama (leibliche Bezugsperson) haben und wünscht sich auch eine? Wieder die Frage, was für deinen Freund noch machbar ist. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich früher meinen Sohn auch bestraft habe mit den Worten "überlege was du getan hast". Aber was hat er getan? Er ist traurig, er hat Wut und keiner erkennt sein Gefühl an. Es darf nicht sein, denn alle geben sich ja Mühe das es ihm gut geht und er sich gut fühlt. Tut er aber nicht. und das staut sich auf und staut sich auf und irgendwann muss es raus. Also gegen die Jüngeren. Wie wär es wenn du ihm in einem ruhigen Moment erklärst das er wütend sein darf und ärgerlich aber er niemanden weh tun darf. Und das wenn er den Kleinen körperlich Schmerz zufügt du die Kleinen beschützen musst und du ihn nicht ins Zimmer bringst um ihn zu bestrafen. Vielleicht kannst du dann sogar ein paar Minuten bei ihm bleiben und ihn trösten, denn die Kinder wissen das sie falsch gehandelt haben, wissen aber nicht wie sie aus ihrem momentanen Gefühlschaos anders rauskommen sollen. Eine streichelnde Hand und ein "ich sehe deine Verzweiflung" hilft da oft Wunder und baut Vertrauen auf, welches genutzt werden kann um dem Kind neue Wege zum verarbeiten und anders reagieren aufzuzeigen.

So das war jetzt ganz schön viel. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und bin mir sicher, dass ihr den für euch richtigen Weg finden werdet. #klee

Beitrag von sassi31 22.05.11 - 15:16 Uhr

***GANZ PLÖTZLICH wollte er dann zu seiner MAMA und hat seine Tasche gepackt... ***

Wie hast du denn da reagiert? Ich hätte ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, dass ich ganz traurig wäre, wenn er weg geht, weil ich ihn lieb habe.

Ich denke auch, dass er austestet, ob er wieder weggeschickt wird, wenn er sich mal nicht benimmt, wie es erwartet wurde. Er sieht in dem Verhalten seiner Mutter die Konsequenz für ein Fehlverhalten von sich. Er glaubt, er hat etwas falsch gemacht und wurde deshalb weg geschickt.

Armes Kind. Es tut mit schon weh, sowas zu lesen. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst.