wie kommt man aus dem Teufelskreis Depression?

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Forum: Gesundheit & Medizin

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Beitrag von keyleigh76 20.05.11 - 22:38 Uhr

Hallo Zusammen,

bisher war ich immer nur stille Mitleserin, aber ich habe im Moment das Gefühl am Tiefpunkt meiner seelischen Krankheit angelangt zu sein.

Ich muss etwas ausholen. Ich habe ein Mutter-Tochter-Trauma. Habe von meiner Mutter keine Liebe und Geborgenheit erfahren. Wir hatten zu Essen und zu trinken und Kleidung. Mehr nicht. Meine Mutter trat für uns als Kinder in Erscheinung, wenn es um Prügel ging. Ich als jüngste von 3 Kindern habe sehr darunter gelitten. Ich ziehe dieses Trauma bis heute mit mir mit. Versuche mein Bestes meinen Kindern eine bessere Mutter zu sein. Es gelingt mir zum größten Teil. Aber ich bin eine tickende Zeitbombe. Ich war mit meinen Kindern in einer Mutter-Kind-Kur. Es war das reinste Paradies für mich. In den letzten 10 Jahren ging es seelisch mit mir nur bergab. Ich war und bin eigentlich ein lebenslustiger Mensch und bin aus meiner Kindheit gestärkt und selbstbewusst herausgekommen. Habe mir ein schönes Leben mit meinem Mann und meinen Kindern aufgebaut.
Nichtsdestotrotz bin ich dem Teufelskreis Depression verfallen. Manisch depressiv hat man diagnosiziert. Eine Tag himmelhochjauzend, den nächsten zu Tode betrübt, wie man so schön sagt. Ich habe verlernt mich über Dinge zu freuen. Ich stelle alles in Frage was ich sage und tue, ich kann mich über nix freuen, sehe nur die negativen Seiten des Lebens, bin extrem harmoniebedürftig, gehe jedem Streit aus dem Weg. Ich bin Dauernervös, innerlich permament unter Druck und unruhig und kann mich nie NIE entspannen oder an kleinen Dingen des alltäglichen Lebens erfreuen. Wir haben eine große 150 qm Eigentumswohnung, 460 qm Garten. Alles, was ich als Kind nie hatte. Ich und mein Mann haben beide sehr gute Jobs, verdienen gut. Kurzum, wir haben vieles, was andere gerne hätten. Ich muss es gerade so drastisch ausdrücken, weil ich betonen möchte, dass ich es DENNOCH nicht schaffe glücklich zu sein. Unsere Kinder sind gesund, wunderschön und einfach nur wunderbar. Mein Mann ist toll, steht zu mir, hält mir den Rücken frei, ein Traummann.

WAS ALSO IST MEIN PROBLEM!!??? Ich ärgere mich so dermaßen über mich selber, dass ich einfach nicht schätzen kann, was ich habe. Mein Psychologe sagt, es liegt immernoch an der fehlenden Mutterliebe in der Kindheit. Es hat mich wohl sehr geprägt.

Ja aber, wie komme ich da raus?? Wie lerne ich Dinge gelassener zu sehen?Wie lerne ich es mich wieder an Dingen zu erfreuen?

Ich nehme übrigens noch keine Psychopharmaka. Bisher weigere ich mich beharrlich dagegen und möchte selbst wieder rausfinden.

Ich freue mich über eure Statements und Tips.

Viele Grüße
Keyleigh

Beitrag von sako227 20.05.11 - 23:04 Uhr

ich kann dir leider nicht sehr viel weiterhelfen.
Arbeite aber in einer Einrichtung u. a. auch mit Menschen die Depressiv oder auch zum Teil Manisch - Depressiv sind.
Man wird in der Kindheit oft viel mehr geprägt als man sich später vorstellen kann. Ich denke ich brauche dir nix erzählen, du wirst dich mit Urvertrauen und Misstrauen etc. bestimmt auskennen.
Leider werfen Vernachlässigungen in der Kindheit oft ein Leben lang "Schatten".
Aus diesem Loch helfen kann man dir so nicht, da ja die Einsicht da ist, das es dir gut geht und du ein tolles Leben führst.
Ich kann dir nur sagen, das du dir das mit dem Psychopharmaka überlegen solltest, es ist keine Schande welches zu nehmen und ich habe oft erlebt das ein Leben wieder viel lebenswerter geworden ist. Es verändert dir ja nicht in deiner Persönlichkeit, im Gegenteil, es hilft dir nur, dich wieder frei entfalten zu können.

Alles alles Liebe und Gute für die Zukunft,
ich bin mir ganz sicher das du eine tolle Mama und Ehefrau bist

Beitrag von susen2010 21.05.11 - 01:53 Uhr

Hallo Keyleigh,

Du schreibst von Deinem Psychologen, befindest Du Dich denn in Therapie? Und wenn ja, welche Therapieform?
Deine Fragen, wie Du mit Deinen Gefühlen umgehen kannst, wie Du da wieder raus kommst und wieder Freude empfinden kannst, müsste Dein Psychologe doch dann mit Dir bearbeiten?

Wie lange ist Deine Mutter-Kind-Kur her? Ich weiß nicht, wie alt Deine Kinder sind, aber wäre es möglich, dass Du nochmal eine REHA beantragst?

Ich war auch immer Gegner von Antidepressiva etc., aber es gab eine Zeit, da hätte ich es ohne Medikamente nicht geschafft hätte und habe mich überwunden und ca. ein halbes Jahr lang Citalopram genommen ohne nennenswerte Nebenwirkungen, ohne Gewichtszuahme, fast ohne Nebenwirkungen. Mir hat das sehr geholfen, aber mit AD alleine behebt man nicht dauerhaft die Ursache.

Leider kann ich Dir nicht wirklich einen Rat geben, da mir nicht ganz klar ist, warum Du hier nach Ratschlägen und Tipps fragst, obwohl Du einen Psychologen an Deiner Seite hast. Sollte ich das falsch verstanden haben, würde ich Dir dazu raten, Dir professionelle Hilfe zu suchen!

Ich wünsche Dir alles Gute und pass' auf Dich auf!

VG, susen





Beitrag von moni66 21.05.11 - 06:55 Uhr

Hallo
ich würde dir ganz dringend raten eine Therapie zu machen um deine Kindheit aufzuarbeiten.
Und würde auch ein´Antidepressiva nicht abschlagen, damit du einfach wieder hochkommst
LG
MOni und alles Gute

Beitrag von schwilis1 21.05.11 - 08:24 Uhr

liebe keyleigh
ich hab borderline diagnostiziert bekommen. auch mit extremen stimmungsschwankungen von absolut happy bis zu suizidal in ein paar Sekunden.. nach nur einem falschen Wort.

Ich habe lange zeit nicht verstanden warum es mir so geht wie es mir geht, dass ich doch eignetlich froh sein sollte, gesund zu sein. ich hab jahrelang jede gefühlsregung von mir in Frage gestellt. mir geht es nicht schlecht (dagegen sprachen allerdings die tausend schnitte an meinem Körper) dass ich ein Poser bin, ein attentionseeker...
dass ich fake.... dass all die traurigkeit die panik die Angst nicht wirklich ist und ich es mir nur einbilde... mein leitsatz war: ich bin eine lügnerin, ich bin eine lügnerin...

ich habe Therapie gemacht. Stationär... ich war fast 1 jahr lang auf der krisenstation und auf der regulären Therapiestation.
Heute geht es mir tatsächlich besser.

Was ist mit deiner Mom? Hast du dich mal mt ihr ausgesprochen? ob nun wirklich oder beim zb Familienstellen?
Das hat mir unheimlich geholfen... Aufstellarbeit...
Ich konnte nie mit meinen eltern reden. aber als ich dann vor mit Patienten stand die meine Familie darstellte konnten sich ein paar Knoten lösen und ich konnte Dinge sagen ich sagen musste.
Mir geht es auch besser weil ich angefangen hab zu aktzeptieren dass mir meine Eltern niemals das geben koennen was ich so sehrnlichst gebraucht habe... aus welchen Gründen auch immer (man muss hier kein Verständnis für die eltern haben, darum geht es nicht) Aber man kann sich von dem GEdanken verabschieden dass man noch was von ihnen moechte (liebe, geborgenheit).
dann wird es auch aufwärts gehen... davon bin ich überzeugt

Beitrag von bokatis 21.05.11 - 15:57 Uhr

Ich selber hab kaum Ahnung, was deine Erkrankung betrifft. Habe aber bei einer Freundin erlebt, dass es unterschiedliche Therapie-Formen gibt. Ihr hat eine Verhaltenstherapie sehr gut geholfen. Sie hatte allerdings eine Angststörung. Weiß nicht, ob es bei deiner Form von Depression auch die Möglichkeit gibt. In Kombination mit Medikamenten (die nimmt sie aber nicht mehr!!!) ist sie heute völlig symptomfrei !
K.