Wie lebt man mit dem trockenen Alkoholiker

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von wielebtman 22.05.11 - 10:47 Uhr

Hallo,

das "Problem" ist wohl ziemlich verbreitet - Alkohol, und ich bin auch davon betroffen:-( bzw. mein Mann.

Er macht z. Z. eine Therapie und ich wollte euch fragen (die das gleiche erleben) wie lebt man mit einem trockenen Alkoholiker???

Auf was muss ich achten oder was soll ich vermeiden um ihn zu unterstüzen?

Ich persönlich trinke nicht: nur auf einer Freier 1- 2 Gl. Wein vlt 1mal in 3 monaten.
Wir haben zu Hause Souvenir-Flaschen schon seit Jahren, muss ich die wegräumen? (wenn da überhaupt noch Alk drin ist#kratz;-) ;-)),
sollen wir in der ersten Zeit nach der Therapie auf die Feier nicht gehen? usw.

Also wer Erfahrungen damit hat bitte her mit den Tipps.

Danke für Antworten

Beitrag von white-blank-page 22.05.11 - 11:03 Uhr

Ich würde den Alkohol zunächst einmal entfernen, ja.

Ausserdem schau, ob du eine Angehörigengruppe findest. Mit professioneller Gruppenleitung. Für den Austausch, Erfahrungen anderer helfen weiter.

Alles Liebe euch und viel Kraft,


Beitrag von manavgat 22.05.11 - 12:44 Uhr

Kein Alkohol zu hause. Die Gefahr, dass sonst in der Krisensituation doch getrunken wird, ist einfach da.

Auch kein Nachtisch/Kuchen/flambiertes oder mit Wein verfeinertes Essen. Der Geschmack einer Praline kann wieder das Begehren nach Alk auslösen.

Die Frage ist auch, wie man öffentlich damit umgeht. Am besten ist: ich bin trocken und möchte es bleiben. Bitte keine Alkohol. Sonst wird einem ständig was angeboten oder man bekommt es einfach hingestellt.

ob Dein Mann sich outen kann/will hängt natürlich vom Umfeld ab. Das muss man genau überlegen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von fraumüller 22.05.11 - 14:17 Uhr

ja - ich habe erfahrungen...

also zum einen suchst du dir selber hilfe - selbsthilfegruppen bei den anonymen alkoholikern, freundeskreis, kreuzbund, caritas etc bieten auch gesprächsrunden für mit-betroffene und angehörige an.
da sitzen dann partner von alkis und die können dir am besten helfen.

zum anderen redest du mit deinem mann, denn er lernt in der therapie einen umgang mit seiner sucht - und er wird auch wissen, wie sehr ihm der alkohol wieder nahekommen kann. er weiß am besten,
ob es ihn stört, wenn alkohol im haus lagert (ist bei uns so),
ob es ihn stört, wenn ich was trinke (ist nicht so - also wenn feiern sind, kann ich auch alkohol kurzfristig lagern),
wie es für ihn ist, wenn ich nach alkohol schmecke beim küssen (stört ihn),

kochen tu ich gänzlich ohne alkohol - aber es bedeutet für meinen mann auch keine erneutes abrutschen in die sucht, wenn er mal einen tiramisulöffelchen abbekommt

verschaffe dir wissen, wie alkoholsucht entsteht, mache dir klar, dass es eine chronische erkrankung ist, die ganz viel mit dem menschen zu tun hat (und weniger mit den gelegenheiten alkohol zur verfügung zu haben...)

worauf du dich aber besonders einstellen solltest, ist dass dein mann "unbequemer" werden kann (war bei uns so - folge der therapie, aber helfend beim umgang mit der sucht) - und dass sich vieles auch in deinem leben ändern wird...

ich wünsche dir viel kraft und mut und durchhaltevermögen für die nächste zeit.
es ist auf jedenfall ein mutiger und richtiger schritt deines mannes und ich wünsche euch, dass ihr es schafft.

alles gute #klee euch!!!!!!!!!!!! #herzlich

Beitrag von einfach ich 24.05.11 - 14:08 Uhr

Hallo Du

Ich bin selbst eine Betroffene - stehe allerdings auf der anderen Seite, d.h. ich bin die Alkoholkranke.

Bei mir war es so, dass ich am Anfang keinen Alkohol zu Hause wollte. Heute, nach 3 Jahren, stört mich das nicht mehr. Wenn andere in meiner Gegenwart getrunken haben hat mir das nichts ausgemacht und auf Feiern bin ich sofort nach der Therapie wieder gegangen. Ich habe mich allerdings überall geoutet, so geriet ich auch nicht in Versuchung und mir wurde nichts angeboten.

Ansonsten rate ich Dir, mit Deinem Mann darüber offen zu sprechen. Er kann Dir am besten sagen was ihm hilft. Mich hat nichts mehr genervt als Leute, die vermeintlich rücksichtsvoll waren und mich dabei nur vor den Kopf gestossen haben!

Alles Gute für Euch