Allein erziehend - und glücklich(er)? *silopo*

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von phantastica123 22.05.11 - 22:25 Uhr

Hallo Runde.

Ich habe jetzt Feierabend, die Kleine ist heute aus dem Umgang zurück gekommen, ich habe heute ohne Partner einen tollen Tag verbracht, an dem ich interessante Menschen kennengelernt habe und an dem ich trotzdem viel Wichtiges erledigen konnte.

Dazwischen kam ich ins Grübeln und mir fiel einfach etwas auf und ein: Ich war ja fünf Jahre allein mit meiner Kleinen, und obwohl ich sehr viel Stress mit dem KV hatte und noch habe, haben wir ein sehr tollen Leben miteinander gehabt. Wir haben ein inniges, gutes und harmonisches Verhältnis und meine Tochter hat sich wunderbar entwickelt. Sie hat einen tollen Freundeskreis, ist beliebt, intelligent - ich bin einfach stolz auf sie. Und es gibt keine gravierenden Probleme.

Ich habe mich immer nach einer tollen Partnerschaft gesehnt, habe aber immer wieder festgestellt, dass ich alleine irgendwie besser klar komme. Jetzt lebe ich in einer Beziehung, die derzeit ihre Tiefen erlebt, aber ich bin darüber nicht verzweifelt oder völlig aufgelöst. Ich bin sehr gefasst und ruhig. Es ist, wie es ist. Wenn sich was ändert, freue ich mich. Wenn nicht, dann gibt es einen Ausweg.

Was ich sagen will ist, dass ich als Alleinerziehende irgendwie auf einem ziemlich klaren Weg war. Ich mag den durchstrukturieren Alltag, das Finden von Interimslösungen, das Leben im Netzwerk, das man sich geschaffen hat.

Mit Partner ist das irgendwie anders. Der bringt auch seine Probleme mit nach Hause, durch unsere Konstellation gibt es Attacken von außen, und irgendwie komme ich immer wieder aus dem Tritt, was das Organisatorische angeht.

Bei uns lief der "Laden", als meine Tochter und ich alleine lebten, ziemlich gut und straff. Jetzt ist es mit Partner auch schön (meine Tochter kennt ein Leben zu Dritt gar nicht), aber doch irgendwie anders. Mir fehlt auch die Zeit für mich allein, habe ich festgestellt. Früher habe ich gerne gelesen, wenn die Kurze im Bett war. Heute ist irgendwie viel mehr zu tun - ich komme weniger zur erholenden Ruhe. Denn wenn ich gerade fertig bin mit allem, kommt der Partner und will noch irgendwas von einem.

Und ich habe festgestellt, dass ich alleine ziemlich gut organisieren kann. Während mein Partner sagt: "Ja, ich mache das nächste Woche (ich weiß, er erledigt das nicht)", habe ich längst eine andere Lösung gefunden.

Ich hoffe, Ihr habt verstanden, was ich meine. Alleinerziehend heißt nicht automatisch unglücklich, habe ich festgestellt.

Viele Grüße.

Beitrag von miamarleen 22.05.11 - 22:51 Uhr

Das hast du schön geschrieben, finde ich. :-)

Beitrag von emilymaria 23.05.11 - 03:02 Uhr

ich kann dir da nur beipflichten, auch ich sehe in alleinerziehend keinerlei Grund zum Unglücklichsein. Warum auch?
Ich habe mich vor einigen Wochen nach fast 12 Jahren von dem Vater meiner Kinder getrennt (vorausgegangen ca. 1 Jahr Stress etc. und allen Registern, die man ziehen kann, um es trotzdem zu schaffen zusammen zu bleiben).
Seitdem lebe ich ruhiger und glücklicher und vorallendingen beide Kinder auch (dazu muss man sagen, dass ein Kind seines und nicht meines ist, aber trotzdem bei mir geblieben ist, was wohl viel sagt!)
Nun kann ich alleine mit den Kindern den Alltag bestimmen und das klappt im Dreierteam wunderbar. Ich habe trotz alleiniger Verantwortung für die Kinder mehr Zeit für mich als vorher und haushalt etc. ist auch ordentlicher und organisierter - ich muss mich nur auf mich verlassen und weiß dann auch sicher, das und das ist erledigt und das und das nicht - aber dafür bin ich verantwortlich und niemand anderer, der unzuverlässig ist oder einfach anders tickt.

Ums auf einen Nenner zubringen: man lebt anders, man muss organisierter sein aber bestimmt ist man nicht unglücklicher! Im Gegenteil!

LG, Emmi

Beitrag von ciocia 23.05.11 - 08:14 Uhr

Hallo

ich kann dir schon recht geben. Ich habe mir auch überlegt, es wäre gar nicht schlecht einen Freund nur am Wochenende zu haben. Unter der woche hat sich unser Alltag so eingependelt, dass ein neuer Mann alles umkrempeln würde. Abends bin ich froh wenn ich bisschen Zeit für mich haben kann oder nach Bedarf auch früh schlafen gehen kann.

Oder man findet so einen, der wirklich perfekt mit uns harmoniert, aber solche Männer gibt es leider nicht an jeder Ecke:-)

Beitrag von marjatta 23.05.11 - 10:34 Uhr

Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Bin zwar nicht alleinerziehend, aber mein Partner ist fast nie da (bestenfalls 1/3 des Jahres, den Rest beruflich unterwegs). Alle Entscheidungen etc. bleiben bei mir hängen. So als gäbe es ihn gar nicht. Er ist mehr wie ein Besucher.

Ich genieße auch die Zeit, wenn ich mit meinem Sohn alleine bin. Es ist alles durchorganisiert, ich schaffe mir meine Freiräume zum Erholen. Wenn dann der Partner da ist, will ja irgendwie doch noch "jemand" etwas von einem und man hat wesentlich mehr "an der Backe" als ohne den Partner. Nicht, dass es nicht schön wäre, aber alleine mit Kind sein hat auch seine Vorteile ;-)

Du hast das prima geschrieben, auch für solche, die sich in einer ungewöhnlichen Partnerschaftssituation als "alleinerziehend" fühlen.

Gruß
marjatta mit Sohn, 2Jahre und #ei, 33.SSW

Beitrag von 16061986 23.05.11 - 11:19 Uhr

genau das gleiche habe ich mit auch schon oft gedacht.

Alleine ist man oft besser dran als mit partner. man hat keinerlei verpflichtungen anderen (außer den kindern natürlich) gegenüber, man kann machen und tun was man will ohne immer mit jemandem absprache halten zu müssen usw.

Ich bin jetzt fast 2 jahre alleine und mir ging es eigentlich nie besser als in der zeit :)

Beitrag von sarahg0709 23.05.11 - 14:06 Uhr

Hallo,

ich habe beides erlebt, allein erziehend und in einer Beziehung lebend. Die Beziehung ist stressiger. Zumal ich in meinem Fall eigentlich wieder allein erziehend bin, obwohl wir alle unter einem Dach leben.

Und, wenn ich heute wählen müsste, alleinerziehend ja oder nein, würde ich mich für alleinerziehend entscheiden.


LG

Beitrag von schullek 23.05.11 - 17:45 Uhr

hallo,

ich würde auch gern antworten, wenn auch aus einer anderen perspektive. meiner mutter war mit uns 4,5 jahre alleinerziehend, nachdem mein vater starb und ich selber war quasi die ersten 2 lebensjahre meines kindes alleinerziehend, wir hatten also einen wochenendpapa.
ich kann nachvollziehen udn auch verstehen, was die meisten hier bereits geschrieben haben. das leben ist einfacher, wenn man sich nur auf sich selber verlassen muss, es ist geordneter und ruhiger. ich kann das auch aus meiner erfahrung mit einer alleinerziehenden mutter so bestätigen. nachdem mein stiefvater dazukam war es zumindest die ersten monate schon sehr turbulent. und das leben meiner mutter wurde zwar bereichert aber sicherlich nicht einfacher.
ich selber habe mich mit meinem sohn in den erwähnten 2 jahren auch gut organisiert unter der woche und war es nat. gewohnt, dass ich ganz meinem sinn folgen konnte.
was meiner mutter aber und mir auch gefehlt hat (wobei ich mit meinem mann natürlich am telefon besprechen konnte was anstand), war einfach die last und sorgen mit jemandem zu teilen. alleinerziehend bedeutet ja nicht nur, dass man alles physische allein managed, sondern eben auch allein die verantwortung trägt, alleine entscheidungen treffen muss, bei denen es nicht nur darum geht, was gibts zu essen, wer passt dann aufs kind auf etc. sondern eben auch teilweise existentielle.
meiner mutter fiel es sicherlich nicht leicht mich ins ausland gehen zu lassen mit unter 18. die sorge udn die frage, ob es das richtige ist, was sie tut, hat sie allein getragen. meine schwester hatte zeitweise unerklärliche bauchschmerzen mit krankenhausaufenthalt etc. auch da stand sie eben allein mit allem. der sorge und den entscheidungen udn dann wieder der sorge, ob die entscheidungen eben die richtigen sind.

es ist also das eine sich im alltäglichen leben zu organisieren. aber darüber hinaus gibts ja noch mehr.

lg

Beitrag von hedda.gabler 23.05.11 - 19:35 Uhr

Hallo.

>>> was meiner mutter aber und mir auch gefehlt hat (wobei ich mit meinem mann natürlich am telefon besprechen konnte was anstand), war einfach die last und sorgen mit jemandem zu teilen. alleinerziehend bedeutet ja nicht nur, dass man alles physische allein managed, sondern eben auch allein die verantwortung trägt, alleine entscheidungen treffen muss, bei denen es nicht nur darum geht, was gibts zu essen, wer passt dann aufs kind auf etc. sondern eben auch teilweise existentielle. <<<

Aber um die Last und Sorgen mit jemanden zu teilen, benötigt man doch nicht zwingend einen Partner ...

... ich lebe einen sehr engen Kontakt zu meiner Familie und einem mir nahen, kleinen, aber feinen Freundeskreis ... alles Menschen, bei denen ich a. meine emotionalen Bedürfnisse stillen kann, mit denen ich mich austausche und mit denen ich meine Last und Sorgen (ich wüsste jetzt zwar nicht welche, wollte es aber erwähnt haben, damit ich nicht wieder als unfehlbar und herablassend rüberkommen;-)) teilen kann. Und wenn esum Entscheidungen geht, sind das alles Menschen, die mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Ich verbringe mit diesen Menschen gute und schlechte Zeiten, meine Freizeit und unternehme und teile mit ihnen das, was ich auch mit einem Partner machen würde.

Bis heute fällt mir nichts ein, wofür ich wirklich einen Partner benötigen würde ... und was das Körperliche anbelangt, ich glaube ich erwähnte es schon mal: Wozu ne ganze Kuh kaufen, wenn man ab und an ein Glas Milch möchte.

Gruß von der Hedda.

Beitrag von schullek 23.05.11 - 23:38 Uhr

nun ja, dann erfüllt ja dein enger kreis das, was ich beschrieben habe: sorgen teilen, ratschläge etc.
sie sind dein partner in der hinsicht.

und das leben ist ja nun kein ponyhof. meine mutter stand mit 35 mit einer 14jährigen udn einer 10jährigen und einer ungewissen zukunft plötzlich allein da. der schock udn die trauer mal ausgenommen war das schon genug zum verdauen. und bei kindern hat man immer teils weitreichende entscheidungen zu treffen, die man vielleicht ungern alleine trägt.
klar, läuft alles glatt ist das ok. aber wenn eben nicht, dann ist es für viele doch eben leichter es mit jm. zu teilen. für die einen der oartner, für die anderen die freunde, die diesen part übernehmen. aber ganz allein magst du ja dann auch nicht sein, oder?
wobei es nichr darum geht, dass frau es nicht auch allein hinkriegen würde. das würden wohl die meisten. die frage ist, was ist die bessere variante.
ausserdem ist es für kinder meiner meinung nach von vorteil, wenn nicht nur ein erwachsener entscheidungsträger/vertrauter zur verfügung steht. ob das nun mutter/vater oder mutter/enge bekannte-verwandte sind ist da dann nebensächlich.
ich hätt mir als kind dann manchmal noch nen erwachsenen gewünscht, dem ich in bezug auf meine mutter sozusagen mein herz ausschütten hätte können udn der vielleicht auch ne andere perspektive reinbringt. udn das ist es ja auch für einen selbst, was man schätzt. oder ich: mein partner bringt andere perspektiven rein, manchmal besser, manchmal schlechter. wenn deine freunde das alles bieten können ist toll.

lg

Beitrag von hedda.gabler 24.05.11 - 07:21 Uhr

Guten Morgen.

>>> ich hätt mir als kind dann manchmal noch nen erwachsenen gewünscht, dem ich in bezug auf meine mutter sozusagen mein herz ausschütten hätte können udn der vielleicht auch ne andere perspektive reinbringt. <<<

Das kann ich sehr gut nachvollziehen ... und deswegen ist meine Tochter neben ihrer Großfamilie, in die wir mit einem vertrauensvollen Umgang eingebettet sind, mit 3 Paten ausgestattet;-)

Gruß von der Hedda.

Beitrag von ayshe 24.05.11 - 10:02 Uhr

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Alleinerziehend heißt nicht automatisch unglücklich, habe ich festgestellt.
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Wahrscheinlich nicht automatisch, das ist klar.


Es kommt ja letzlich nur auf den Partner an.

Ohne einen anstrengenden, arbeitmachenden Partner lebt es sich sicherlich besser, auch man sich um alles selbst kümmern muß.

Aber auf einen "guten" Partner, der eben auch einiges abnimmt und einem das Leben als Familie erleichtert, möchte ich nicht verzichten, da ist es eben MIT viel leichter als ohne.

Beitrag von white-blank-page 24.05.11 - 13:33 Uhr

Du sprichst mir aus der Seele.

Danke Ayshe!

Beitrag von ayshe 25.05.11 - 19:07 Uhr

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Mit Partner ist das irgendwie anders. Der bringt auch seine Probleme mit nach Hause, durch unsere Konstellation gibt es Attacken von außen, und irgendwie komme ich immer wieder aus dem Tritt, was das Organisatorische angeht.

Bei uns lief der "Laden", als meine Tochter und ich alleine lebten, ziemlich gut und straff. Jetzt ist es mit Partner auch schön (meine Tochter kennt ein Leben zu Dritt gar nicht), aber doch irgendwie anders. Mir fehlt auch die Zeit für mich allein, habe ich festgestellt. Früher habe ich gerne gelesen, wenn die Kurze im Bett war. Heute ist irgendwie viel mehr zu tun - ich komme weniger zur erholenden Ruhe. Denn wenn ich gerade fertig bin mit allem, kommt der Partner und will noch irgendwas von einem.
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Vllt bist du es einfach sehr gewohnt, alles eben auch selbst zu machen, straff und es soll natürlich nichts dazwischen kommen (ist ja auch bei Paaren eigentlich so).

Ich weiß ja, daß es in deinem Post nicht darum geht, ob man nun ohne einen alkoholabhängigen schlagenden Psychophaten glücklicher ist ;-)
Darüber muß wohl keiner diskutieren.


Du sprichst hausptsächlich von der Organisation und Abläufen.
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Und ich habe festgestellt, dass ich alleine ziemlich gut organisieren kann. Während mein Partner sagt: "Ja, ich mache das nächste Woche (ich weiß, er erledigt das nicht)", habe ich längst eine andere Lösung gefunden.
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Das liegt ja nur am Partner individuell.


Ich habe jetzt echt überlegt, ob man als AE irgendwann nicht mehr anders kann oder will.
Du schilderst es so, als wärst du lange AE gewesen, sicher regelt sich da alles ein und die Sache läuft eben.
Und in so ein festes Gefüge dringt nun ein Mann ein.
Daß das vllt erstmal nicht so paßt, ist doch verständlich.

Es ist etwas anderes als wenn man nun zusammen ist, Jahre verbringt, ein Kind kommt usw. alles spielt sich von selbst ein und bildet erst ein Gefüge.


Hm, oder aber es gibt auch Menschen, die tatsächlich keine Beziehung, kein direktes gemeinsames Leben haben wollen oder können.