Autonomiephase oder mein Kind erklärt mir den Krieg ;-)

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von apfelkuchen 23.05.11 - 22:45 Uhr

Hallo und guten Abend in die Runde,

ich habe zur Zeit ein Problem,dass mich schier zur Verzweiflung treibt.

Mein Sohn (31/2) hört seit ca. 2-3 Wochen nicht mehr/ kaum noch.Es ist fast egal was ich sage,er macht genau das Gegenteil.Ich muss dazu sagen,im KIGA läuft alles normal,da gibt es nur positive Rückmeldungen.

Es sind zwar keine lebensgefährlichen Sachen die da passieren,aber es stört einfach gewisse Abläufe zu Hause.Ich denke er ist jetzt in der berühmten Autonomiephase.

Beispiele sind u.a. : Wir sind auf dem Weg zum Kindergarten,kommen gerade aus dem Haus.Wir wohnen direkt am Fußballplatz,sodass wir quasi aus der Tür fallen und auf dem Sand/Rasenplatz stehen.Auf dem Sandplatz spielt mein Sohn gern und buddelt dort.Kommen wir also aus dem Haus,kann ich es oft nicht verhindern,dass er in dem Moment wo ich die Tür abschließe, entwischt und über die Wiese auf den Sandplatz flitzt.
Wenn ich dann rufe,er soll stehenbleiben,wir fahren in den KIGA,dann grinst er schelmisch und rennt gerade los.Ich hole ihn dann aus dem Sand,da er ja nicht freiwillig kommt.Einmal habe ich gesagt:Ok wenn du nicht kommst,ich muss jetzt aber los und bin schon eingestiegen,da fing er an zu weinen und rannte los.Mir tat es dann leid,dass er weinte,aber ich habe ihn zwar hochgenommen aber ohne Kommentar ins Auto gesetzt.
Oder: Ich rufe zum Essen...schaut er mich an, ruft lautstark nein,und rennt in sein Zimmer oder ein anderes.Manchmal wirft er dann wütend Schuhe die Treppe hinunter oder knallt die Türen zu.Ich muss gestehen,mich lässt das nicht immer völlig kalt
Ich sage ihm dann,wenn er nicht zum Essen kommt,dann essen wir allein und das er später Hunger haben wird und wenn ich abgeräumt habe und er nicht da war,es kein Essen mehr gibt.Ich finde mich fast schon grausam...
Am Schlimmsten ist es aber zur Zeit beim Waschen,Zähneputzen,und beim zu Bett gehen.
Das letztere ist wirklich am anstrengendsten,nervenaufreibendsden für beide Parteien.
So läuft also der Abend ab: Wir essen gegen 18-18.30 Abendbrot,da wir allein sind und Papa immer bis Freitag auswärts arbeitet,also ich und die Kinder.
Danach kommt der Versuch den Kleinen Räuber dazu zu bewegen sich zu waschen oder zu duschen.Er ist viel draußen,also dementsprechend sieht er dann auch aus,soll heißen, waschen muss sein.Meistens endet dieser Versuch mit Geschrei und ich will mich nicht waschen ect. Dann der zweite Versuch,Zähneputzen.Es klappt manchmal mit Überredungskunst und in Abhängigkeit von seiner "Laune" ganz gut.Manchmal wehrt er sich mit Händen und Füßen.Aber die Zähne nicht putzen,kann ja auch nicht sein...Ich will aber nicht mit "Gewalt" ran,also ihn festhalten und einfach putzen ob er will oder nicht,warte dann kurz ab,starte dann einen neuen Versuch.Aber meine Schmerzgrenze ist auch irgendwann erreicht.Genau das gleiche ist es mit dem Waschen...ok am dreckig sein ist noch keiner gestorben,aber bei Kleinkindern und Karies hört der Spass dann auf.
So,je nach dem wie es dann im Bad gelaufen ist habe ich dann ein schreiendes zappelndes nasses Bündel im Handtuch eingewickelt und trage es dann ins Kinderzimmer.Kurze Zeit später hat er sich beruhigt,ich lege ihn ins Bett und verdunkle alles so weit wie möglich zu dieser Jahreszeit.
Dann das Abendritual...ich lese ihm eine Geschichte vor.Lege dann das Buch weg,sage jetzt ist Schlafenszeit,dann drücken,Kussi und evtl. Einschlafmimi.Ich bleibe dabei bei ihm liegen,da er ab und an noch seine Mimi trinkt,bisher ist er dabei immer eingeschlafen.Aber nach kurzer Kuschelzeit,dreht er sich neuerdings um, grinst mich an.Ich sage dann er soll liegenbleiben.Er steht auf stellt sich ins Bett,und lacht mich aus.Haha...ect. springt im Bett,mach Hampelmann,funktioniert sein Bett als Trampolin um.Ich sage dann...du darfst jetzt nicht mehr hopsen,versuche ihn hinzulegen.Dabei kam es schon vor,dass er mich haut,kratzt oder zwickt.
Ich bin dann erstmal geschockt...lege ihn wieder hin.Wiederhole aber das Schlafenszeit ist.Leg ihn hin,gehe raus.Er bleibt natürlich nicht im Bett.Er steht wieder auf.Fängt an seine Kästen auszuräumen und zu spielen,schmeißt sein Bettzeug aus dem Bett.Dann gehe ich hinein sehe das Chaos und befördere ihn wieder ins Bett.Er kommt wieder raus,kommt ins Wozi,oder die Küche,sagt er will nicht ins Bett.Ich sage aber er muss,ich sehe ja auch,dass er eigentlich müde ist.(Hatte zwischenzeitlich überlegt ihn früher ins Bett zu bringen.Aber um 18 Uhr ist doch sehr früh...dann müßte er schon um 16.30 rein kommen,bei dem schönen Wetter.)Nun dann spitzt sich die Lage schon etwas zu,denn es ist dann mind. eine Stunde vergangen und mein Sohn spielt immer noch Wilde Sau.Er windet sich schon fast schlangenmäßig heraus und lacht mich aus,ihn dann ins Bett bringen würde in einem Miniringkampf enden...wie soll ich diese Situation in den Griff bekommen? Solange wach lassen,bis er von selber ins Bett geht? Ich kann ich ja nicht im Bett anbinden,festhalten oder ähnliches.Ansonsten hat es immer geklappt,dass ich dabei war und er dann ruhig eingeschlafen ist.Jetzt geht das nicht mehr, er macht Rambazamba und ich mich zumindest fühle ich mich so hilflos meine Maßnahmen bringen rein gar nichts.Auch die Versuche ihn allein im Zimmer zu lassen,ins Bett legen,nach der Geschichte,geht nicht.Er liegt exakt solange im Bett bis ich die Tür hinter mir zu habe und dann krabbelt er wieder aus dem Bett.Es hilft nichts.Reden hilft nicht,Augenhöhe und erklären hilft nicht,auch wenn ich es nicht gut finde, aber ich gebe zu ich habe ihn auch schon mal (auch lauter )ausgeschimpft.Ich ärgere mich so über mich selber,denn ich würde gern ruhig bleiben,aber es gelingt mir nicht immer.Egal was...es nützt nix.Gestern hatte mein Mann das Einschlafszenario.Mit dem Unterschied,dass er um 2.00 Uhr nachts raus mußte, um zu seinem Arbeitsort zu fahren(400 km) er hat ihn dann mit zu sich ins Bett genommen und ihn dann ihm Arm gehalten( der Kleine hat vor Wut gebrüllt wie am Spieß) aber nur 5 min,dann hat er sich in mein Bett gelegt,und ist eingeschlafen.Ich muss dazu sagen,mein Sohn schlief bis vor einem 3/4 Jahr im Familienbett,jetzt kommt er nur noch nachts um 4 oder erst morgens in unser Bett als kleines Nachtgespenst.Er möchte auch in seinem großen Bett schlafen(nur zur Zeit kann ich dem kleinen Schlawiner das nicht so recht glauben)
Habt ihr anderen Evtl. inen Tipp?

Ich gehe in brenzligen Situationen schon raus,versuche mich erstmal zu beruhigen,tief durchatmen,um nicht total aus der Haut zu fahren.Aber es geht dann alles von vorn los. Ich weiß ja,dass ich die Institution sein muss,schließlich bin ich ja die Mutter,er das Kind.Aber was lasse ich zu,was nicht? Soll ich ihn spielen lassen bis um neun? Oder ohne waschen ins Bett,ohne Zähneputzen.Er versteht nicht,dass er sich sonst die Zähne ruiniert,denn wenns nach ihm ginge würde er sie gar nicht putzen.Ich lasse ihn selbst putzen,putze dann nach...wenn er denn seine Zähne putzen will.Ja und mit dem Hauen und den anderen "Gewaltausbrüchen" das ist auch neu...das kann ich keinesfalls dulden.Sage ich ihm aber streng...NEIN,das darfst du nicht,das tut mir weh,dann lacht er mich aus und holt noch mal aus.Ich halte dann die Hand fest damit er mich nicht nochmal hauen kann.
Ich hoffe ja inständig, dass sich das alles wieder gibt,aber wie verhalte ich mich,damit ich nicht mal die Fassung verliere?Ich sehe regelrecht wie er darauf wartet,welche Reaktion ich zeige.Als er mich gehaun hatte,sah ich wohl sehr traurig aus.Kurz hatte er auch sein Gesicht verzogen,aber das hielt nicht sooo lange an und es kamen wieder die Hörnchen durch!
Ich weiß ja er braucht Regeln,Grenzen,grad in diesem Alter.Aber wie setze ich es durch? Er sagt ich bleib nicht im Bett,ich sage doch...Tja wie bewege ich ihn dazu auch drin zu bleiben?Egal ob ich daneben stehe oder nicht,er steht auf.Anbinden geht ja bekanntlich nicht,auch daneben sitzen oder liegen geht nicht.Er krabbelt über mich drüber....ich habe zwischenzeitlich schon überlegt das Gitterbettchen wieder aufzustellen,aber das kann es doch auch nicht sein...es ist wie ein Teufelskreis? Hat jemand eine Idee zu meiner Situation,wie handhabt ihr solche Dinge? Ich will keine ewigen Machtkämpfe,aber bei wichtigen Dingen keine Kompromisse.

Herzliche aber verzweifelte Grüße Apfel




Beitrag von cookie79 24.05.11 - 08:16 Uhr

Hallo Apfel,

dein Sohn testet gerade ganz schön seine Grenzen aus. Da hilft nur konsequent sein, auch wenns manchmal schwer fällt. Dass mit dem Sandkasten würde ich genauso machen, wenn er nicht kommen will nach zweimaliger Ermahnung dann gehst du eben ohne ihn los, dann kommt er schon. Ob er danach dann weint ist in dem Moment unerheblich, denn er muss ja einsehen was die Konsequenz seines Verhaltens ist. Mit Grausamkeit hat das nichts zu tun. Der ganze Tagesablauf wird ja gestört, wenn er sich da stundenlang im Sandkasten rumwälzt. Du kannst ihm ja alternativ anbieten, dass er dann mittags, wenn es in euren Tagesablauf passt, auf den Sandplatz darf.
Wegen dem Essen: verhungert ist noch keiner vor dem vollen Teller, also wenn er nicht kommt, dann gibt es eben nichts. Manchmal haben die aber auch keinen Hunger wenn sie irgendwas ausbrüten oder im KIGA schon gegessen haben, man weiss es ja nicht. Zum Essen zwingen würde ich sowieso keinen, deshalb soll er selber bestimmen ob er Essen will oder nicht. Kinder müssen selber erfühlen können wann sie satt sind. Und wenn es wirklich nur Trotz war, merkt er es sich fürs nächste Mal. Hat bei meinen jedenfalls funktioniert.
Beim Waschen und Zähne putzen würde ich ihm anbieten dass er es selber machen darf, wenn er das nach einer gewissen Zeit nicht macht, dann machst du es eben. Egal ob es Geschrei gibt oder nicht, Hygiene muss nunmal sein. Und die Gute-Nacht-Mimi würde ich ganz abschaffen, denn dann brauchst du, ganz ehrlich, auch keine Zähne putzen. Wenn er danach noch trinkt kriegt er genauso Karies, wie wenn du gar nicht geputzt hättest.
Ansonsten Einschlaf-Ritual habt ihr ja, danach würde ich nur noch reingehen, wenn er wirklich arg laut ist oder raus kommt. Und ihn dann eben wieder hinpacken und im ernsten Ton sagen, dass jetzt schlafen angesagt ist. Sonst ignorieren.
Und mit dem Hauen machst du ja schon gut, einfach die Hand festhalten und Nein sagen und ihn erst wieder beachten wenn er wieder sanft mit dir umgeht. Du kannst ihm auch ruhig sagen, dass du nicht mit ihm spielen möchtest, solang er so grob zu dir ist.
Im KIGA funktioniert es ja auch. Die anderen Kinder spielen dann ja auch nicht mehr mit ihm, wenn er die haut. Er probiert eben aus, was passiert wenn ich dies oder jenes mache. Deshalb finde ich es wichtig, dass Eltern dann auch autentisch bleiben. Ein anderes Kind würde ihm ja auch nicht die andere Backe hinhalten, wenn er zuschlägt oder kratzt.
Ich wünsch dir jedenfalls viel Kraft und Geduld.

LG

Cookie + Elias (7), Olli (5) und Lucia (fast 2)

Beitrag von lisasimpson 24.05.11 - 09:15 Uhr

Hallo

konnte mich nicht durch den ganzen text kämpfen, aber vielleicht ein par anregungen
- warum soll jemand essen ,wen ner keinen hunger hat?
- warum soll jemand schlafen, wenn er nicht müde ist?

ich würde sicehr nicht wegen jeder kleinigkeit einen machtkampf aufmachen.
bei uns ist ganz klar, daß die kinder nach dem abendritual ins Zimmer gehen (wir baden eigenttlich fast jeden abend und das finde beide klasse. dann spielen sie noch in der wanne- sind danach sauber- was gerade im somemr bei uns dringend nötig ist- und haben ihren spaß dabei.)
ABER: sie können doch in ihrem zimemr machen was sie wollen.
selsbt mein 2,5 jähiriger nimmt sich ein buch, wen nr noch nicht schlafen kann oder er spielt noch was odr hört cd oder odr oder.
das kann mir doch wurscht sein.
sol lange er das macht ohne jemanden zu stören ist das alles wunderbar- und wenn er müde wird legt er sich ins bett und schläft.
ich würde mich sicher nicht neben ein kind legen, das nicht schlafen möchte.

auch mit dem weggrennen- ich würde sicher nicht hinterherrennen - dsa habe ich von anfang an vermieden. klar würde ich ins auto einsteiogen, wenn vorher besprochen wurde, wie es jetzt weiter geht (2 so, wir fahren jetzt zum einkaufen, packen die sachen und los gehts")- warum denn nicht?! er is ja kein baby mehr und er kann selbst entscheiden, ob er wegrennt oder zu dir zurückkommt

auf diese machtkämpfe würd ich einfach gar nicht einsteigen.
zähneputzen kann mn doch auf so viele arten ganz nett machen (du putzt ihm und er darf dir putzen: ne gute übung, denn daran kann man merken wie unangenehm das sein kann!, ihrjagt die drachen in seinem mund- du läßt ihn mit einem vergrößernden spielge zuschauen, ihr färbt die zähne ein und schrubbt dann die ferfärbung weg und undu nd...)
mit gewalt würde ich es auch nicht machen. es muß ihm kla werden, daß er gesunde zähne nur behalten kann, wen ner regelmäßig putzt. daß man süßigkeiten und co nur dann essen kann, wenn man bereit ist zähne zu putzen- ich dneke ein 3,5 jähriger sollte das verstehen..

also mein fazit: ich habe das gefühl du nimmst ihn nicht "für voll" und das macht er nun mit dir.
nimm ihn ernst und behandel ihn nicht wie ein baby- dann kannst du erwarten, daß er dich ernst nimmt und sich nicht wie ein baby benimmt

lisasimpson

Beitrag von apfelkuchen 24.05.11 - 09:55 Uhr

Hallo und guten Morgen,

ich habe eure Antworten gelesen,danke erstmal für eure Rückmeldungen,und die ersten Tipps.
Ich werde später heute abend meinen "Senf" dazu geben.Ich habe heute abend mehr Zeit mich auf das Antworten zu konzentrieren.Also bis dahin einen schönen sonnigen Tag.
Gruß Apfel

Beitrag von claerchen81 24.05.11 - 11:05 Uhr

Hi,

ausnahmsweise möchte ich lisasimpson widersprechen, obwohl sie pädagogisch gebildet ist im Gegensatz zu mir.

Ich finde die Tipps super und man sollte sich das immer wieder zu Herzen nehmen. Aber es funktioniert wirklich nicht bei jedem Kind. Es gibt tatsächlich so kleine Racker, die mit 3,5 noch beratungsresistent sind.

@TE: du schreibst von unserem Sohn ;-). Ich kann dich in allen Punkten verstehen. Ich handhabe es mit sehr freundlicher Konsequenz.

Thema Essen: mir ist es wichtig, dass wir gemeinsam Essen. Auch er läuft dann weg, macht Faxen o.ä. Als Konsequenz räume ich seinen Teller ab, er ist ja satt. Dann ist diese Mahlzeit für ihn gestrichen. Das ist unglaublich hart, aber es verhungert wirklich kein Kind. Zudem tritt dieses Verhalten auch nur dann auf, wenn er wirklich nicht besonders hungrig ist.

Thema Waschen/Zähneputzen: wir nehmen sein Theater hin und halten es kurz. Da unser Sohn Neurodermitis hat, kann ich ihn nicht jeden Tag baden (will ich auch nicht), außerdem schreit er dann trotzdem, wenn z.B. Haare gewaschen werden. Ich gesteht ihm diesen Protest zu, er darf protestieren. Aber es geht kein Weg an Zähneputzen & Waschen vorbei. Hin und wieder hampeln wir nochmal, manchmal verläuft dann alles friedfertiger, aber auch nicht immer. Wenn er sich beschwert, darf er Alternativen nennen, z.B. die Haare nicht mit der Brause, sondern mit einem Eimerchen ausspülen. Mehr Mitbestimmung hat er noch nicht, da er die Reichweite noch nicht übersehen kann.

Thema Weglaufen zum Sandspielplatz: haben wir nicht, aber ich bin auch schon mal ohne ihn eingestiegen und sogar losgefahren (ca. 100 m). Ich kann das nicht empfehlen, es ist grausam, gefährlich und hat auch nichts gebracht. Auch hier lebe ich mit seinem Protest, weil er an der Hand bleiben muss oder gebe ihm etwas zu tun (trag bitte die Tasche ins Auto, halt bitte mal den Autoschlüssel o.ä.).

Thema Schlafen: Sind wir auch Spezialisten, aber die Phase, die ihr habt, haben wir schon überwunde. Wenn er Chaos macht, dann hat sein Spielzeug erstmal Pause, denn wer es nur rumwirft, hat nicht wirklich Interesse dran (das muss man sehr freundlich erklären und auch darauf hinweisen, dass das Spielzeug nur "Pause" hat, das Kind soll keine Angst haben!), Aufstehen ist erlaubt, leise beschäftigen auch - Betonung auf LEISE. Wird es laut, wird der Lärmfaktor entsorgt.
Wir lesen viel vor, auch mehrere Geschichten. Unser Sohn ist auch hibbelig, wenn er müde ist. Er braucht dann die Enge, das Umarmen. Ich würde diesen Körperkontakt, den dein Mann vorgemacht hat, wirklich weiter durchziehen. DAbei sanft einen körperlichen Rahmen geben, man muss nicht brutal festhalten, um eine Grenze zu geben. Kinder wie unsere Söhne brauchen häufig das Erleben von Nähe.


I.A. merke ich, dass unser Sohn meist Gründe für sein Verhalten hat. Müde, überfordert o.ä. Dann hilft es auch in der größten Wut, ihn in den Arm zu nehmen. Dabei nicht einengen, nur gerade, wenn man sich aufgeschaukelt hat, den Körperkontakt suchen, streicheln, ruhig reden. Meist löst sich dann alles auf - bei ihm und bei mir. Sie wollen uns nicht ärgern, sie wissen nicht wohin mit ihren Gefühlen!

Lisasimpson hat Recht, dass man die Kinder für voll nehmen muss. Gib ihm Pflichten und Rechte (Tischabräumen vs. kurz auf dem Sandplatz spielen vorm Losfahren o.ä.), das muss man üben, klappt aber schnell gut. Gestehe ihm seinen Protest zu, ziehe die für euch wichtigen Dinge aber durch (wir haben jetzt nur noch Gejammer, keine Gegenwehr mehr, aber das ist auch sein gutes Recht) und versuche gerade in der Eskalation zu beobachten, ob er nicht vielleicht gerade auf dich zugehen möchte. Bei unserem merkt man im größten Wutanfall schon, dass er eigentlich auf den Arm genommen werden möchte.

Denk dran: dieses Grinsen bedeutet "Hab mich lieb!" und nicht "Ich will dich ärgern!".

Gruß, C.

...die jetzt natürlich schlau reden kann, aber selber schon hin und wieder die Fassung verloren hat...muss auch mal sein, wir sind ja auch nur Menschen.

Beitrag von lisasimpson 24.05.11 - 11:29 Uhr

hallo clärchen!

na, so unterschiedlich sein unserer positionen doch gar nicht.

Ich würde natürlich auch den teller abräumen, wenn jemand nicht essen will, wer abends noch spielen will kann das machen (so lange niemand daruch gestört wird)

mit dem zähneputzen ist das so´ne sache.
wir haben das von anfang an sehr friedlich gelöst und mir war es am anfang viel wichtiger, daß sie es gerne machen als daß es gründlich ist.
eiens der spiele dabei war- gegenseitig zähne putzen. und das ist wirklich nicht angenehm, wenn jemand anders in meinem mund mit einer "riesen zahnbürste" umeiert. vielleicht habe ich daher auch viel verständnis dafür, daß man das doof findet.
und mit "gewalt" zähne putzen, damit er dann mit geputzten zähnen seine milch nuckeln kann- nee, das würd ich sicher nicht machen.
denn dann kann ich die kinder verstehen, die den sinn darin nicht erkennen.


mit dem weglaufen - da bin ich mir auch unsicher.
ich hatte das problem ehrlich gesagt nie- weil für mich von anfang an klar war, daß ich nicht hinterherrenne.
aber da haben wir vielleicht auch sehr gute Bedingungen. meine kinder dürfen schon immer alleine die Haustüre aufmachen und rausgehen- denn hier in der spielstrasse spielen immer kinder.
ich erlebe es im moment in meinem bekanntenkreis, daß kinder mit knapp 2 jahren "immer noch" einfach so davon rennen.- allerdings erlebe ich auch, daß die eltern sofort hinterherrennen (sind allerdings auch stadtwohnungs-eltern:).
bei meinem großen hätte ich das gar nicht gekonnt. sein bruder ist geboren als er 18 monate alt war- schon voher war ich (hochschwanger) gar nicht in der Lage, immer so schnell zu sein wie er (mit seinem laufrad ähnlichen teil) und ich hätte da ehrlich gesagt auch gar keine lust darauf.

und fassung verlieren ist doch völlig in ordnung - kinder dürfen ruhig erfahren, daß wir menschen sind mit echten gefühlen und daß wir auch echt stinke sauer werden können.

lisasimpson


Beitrag von marion2 24.05.11 - 10:25 Uhr

Hallo,

die Autonomiephase #rofl (was für ein schönes Wort) dauert von der Entbindung bis zum Auszug des Kindes an.

Du musst feste Regeln aufstellen. Dafür musst DU wissen, was du willst.

Willst du ein Kind, dass regelmäßig zur selben Zeit ins Bett geht, weil es morgens regelmäßig zur selben Zeit aufstehen muss - oder ist es dir egal?

Wenn es dir egal ist, muss es dir konsequent egal sein.

Wenn es dir nicht egal ist, musst du jeden Abend das selbe Programm zur selben Zeit durchziehen.

Wobei mit Wachsen des Kindes alle Regeln überdacht und neu festgelegt werden sollten.

Dein Kind will übrigens, dass du die Fassung verlierst. Es versucht heraus zu finden, ob du eigene Gefühle hast.

Wie du dich durchsetzt? Am einfachsten, wenn ein "Nein" auch ein "Nein" und kein "Vielleicht" ist.

Zum Zähneputzen: Wenn er nicht putzen will, gibt es nur noch frisches Obst und frisches Gemüse zu essen und Wasser zum Trinken. Das macht die Zähne nicht kaputt.

Gruß Marion

Beitrag von tauchmaus01 24.05.11 - 10:30 Uhr

Ui, hab nicht alles gelesen, sorry.
Mit dem Essen mach ich es so: Ich koche, deck den Tisch und leute dann eine Glocke die alle hören können. Wer dann nicht mit gewaschenen Händen an den Tisch kommt hat Pech (klappt aber immer!).
Wenn Du die Tür abschließt (Warum eigentlich?) und er wegläuft, dann nimm ihn eben an die Hand und lass ihn erst gar nicht sausen.

MIt dem Abendritual und Deinen Kariessorgen......nach dem Zähneputzen noch Milch trinkt, dann kannst Du Dir das Zähneputzen beim Kind auch sparen ;-)Andersrum wäre es richtig und nach dem Zähneputzen vielleicht noch ein wenig stilles Wasser.

Vielleicht ist er noch nicht müde wenn er ins Bett soll? Alternativ könntest Du ihm ein Nachtlicht anmachen und ihm erlauben noch ins Buch zu schauen.
Oder lass ihn einfach mal machen. Bring ihn ins Bett und wenn er wieder aufsteht dann schau mal was passiert. Vielleicht spielt er noch ein wenig und legt sich dann wieder hin?

Mona:-)

Beitrag von heiho 24.05.11 - 10:59 Uhr

Hallo,
denke hier wird wieder die ganze Zeit von Konsequenz geschrieben #gaehn
das Machtmittel schlechthin...
Hätte einen Tipp: Kauf die das Buch "Das kompetente Kind" von Jesper Juul und glaub ihm einfach ;-)
Habe bisher intensiv nur die ersten 100 Seiten gelesen (ist angenehmn zu lesen, geht also schnell) und bin schon wieder viel gelassener :-)
LG Andrea

Beitrag von under30 25.05.11 - 10:29 Uhr

Ich versuche es auch gerade damit, ich finde es teilweise schwer zu verstehehen. Oder ich bin einfach zu dumm dafür. Nach x-mal lesen habe ich ein wenig verstanden. Lese auch immer "Nein aus Liebe" ist meiner M. nach leichter zu lesen.

Mit "Ich will..." ist es jetzt ein wenig leichter, aber immer noch sehr anstrengend.

Meine Tochter wird im Aug. 4 Jahre, und hat grad ein Schwesterchen bekommen.

LG
Theresa

Beitrag von anarchie 24.05.11 - 12:17 Uhr

Oh wie nett...;-)

ich persönlich würde
1. das Kind, wenn es nicht essen will, eben lassen.
Wenn DU beginnst zu kämpfen, hast du schon verloren.
In allen Bereichen.

Ansage: es gibt essen, kommt er nicht, dann gibt es eben nichts. Pech.
dann gibts nur noch Onst, wenn der Hunger groß ist...

ebenso beim schlafen.
Wenn ernoch nicht so weiot ist, dann lass ihn doch spielen...schlafen tut er so auch nicht eher, nur mit viel mehr Stress.
Und er aosziiert das Bett mit Stress...

Waschen...tja...da würde ich ganz klar sagen, dass ein so schmutziges Kind nicht mit mir kuscheln kann und Mimi trinken schonmal garnicht.
Dann würde ich ihn wählen lassen.

Zähneputzen ist mir auch arg wichtig.
Und das Drama kenne ich.
Da gibts auch ne Ansage:
wer keine Zähne putzt, isst NICHTS Süsses mehr. keine Nutella, keine kekse, kein Pudding-Nachtsich - NIX!
Einmal durchgezogen und gut wars.
er hat dann rumgebockt, seinen Unmut kundgetan und ist wütend ins bad gestampft und hat sich die zähne putzen lassen...

hauen ist klar, geht garnicht.
Ein Kind , dass mich haut, muss damit leben, dass ich die situation sofort verlasse.
Wir hauen nicht, hier wid nicht gehauen. Punkt.

Generell fahre ich gut mit Folgendem:

1. wenige Grenzen, die aber strikt(hauen..)
2. keine Machtkämpfe, sinnlos und kontraproduktiv
3. niemand muss essen oder schlafen, wenn ernicht hungrig oder müde ist.
4. keine Strafen, nur Konsequenzen
5. tiiiiiiief atmen
6. das Müttermantra beten"esistnureinePhaseesistnureinePhaseesist...":-p

lg

melanie mit 4 Kindern(8,7,3 und 1)

Beitrag von claerchen81 24.05.11 - 21:35 Uhr

...grmpf, und ich brauchte wieder so viel Text, dabei wollte ich nur die von dir genannten 6 Punkte verdeutlichen #rofl. Ich bin eine Labertasche.

Gruß, C.