Die Geburt unseres Sohnes Leon - 13. April 2011

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Forum: Geburtsberichte

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Beitrag von ellismiller 24.05.11 - 23:24 Uhr

Der errechnete Termin war der 4. April 2011. Und wie wir uns doch darauf schon freuten. Die Anspannung wurde jeden Tag größer und mein Telefon klingelte jeden Tag mehrmals mit den selben Fragen: „Ist er schon da?“, „Hast du schon Wehen?“... Ich konnte es nicht mehr hören und ich wollte auch endlich, dass die Wehen kommen würden.
Doch sie blieben aus und das CTG, was ich nun alle 2-3 Tage beim Arzt machen musste, sagte uns auch nur Eines: Weiter warten! Ich hatte lediglich Übungswehen und das Gefühl im Bauch, dass es noch nicht so weit ist.
Am Freitag, den 8. April, entschied mein Arzt mich an das Krankenhaus zu überweisen. Er empfahl mir dort am Wochenende ein CTG machen zu lassen. Wir wollten kein Risiko eingehen, schließlich weiß man nie wann es so weit ist und da ich ja überfällig war, wollten wir sicher gehen, dass es dem kleinen Mann auch weiterhin gut geht.
So war es auch. Wie immer sah mein CTG mehr als gut aus, keine Wehen und ich hatte auch nicht das Gefühl bald entbinden zu müssen. Die Hebamme im Krankenhaus sprach mit mir nun, wie wir weiterverfolgen sollten und meinte es wäre besser, wenn sich bis Montag nichts ändert, mich richtig einweisen zu lassen (also dauerhaft im Krankenhaus zu bleiben). Es wäre besser, meinte sie und sie versprach, dass man nichts machen würde, was ich nicht wollte. Ich dürfte bei allem mitsprechen und sie würden das Kind nicht einfach gleich herausholen. Da es unser erstes Kind ist, wir keine Erfahrung haben und den Ärzten vertrauten, entschieden wir uns dafür.
Am 11. April kam ich also ins Krankenhaus, jedoch wurde ich gleich morgens sehr enttäuscht. Eine wirkliche Mitsprache gab es leider gar nicht. Man sprach mit mir fast kaum und sagte, man müsse jetzt einleiten. Sie schmierten ein Gel oder so was auf den Uterus. Genau weiß ich es leider nicht, wie man so etwas nennt (mit Medizin kenne ich mich nicht aus). Es sollte Wehen hervorrufen, damit die Geburt endlich in Gang kommt.
Tatsächlich kamen Wehen, jedoch keine „richtigen“. Eine Wehe sieht so aus: Du hast einen Schmerz, darauf folgt eine Pause und wieder tritt ein Schmerz auf. Doch der kleine Mann wollte wohl einfach nicht und was herauskam war ein Dauerschmerz ohne Pausen. Am Anfang glaubten mir die Schwestern usw. gar nicht. Ich konnte nicht liegen, nicht stehen, ich schrie vor Schmerzen, weinte und wusste nicht, wie mir geschah. Am Abend erst sagte mir eine Hebamme durch ein CTG, warum es mir so schlecht ging. Das Einzige, was mir half, um die Schmerzen zu ertragen, war ein Bad. Ich ging sehr oft in die Badewanne und schlief auch darin meistens ein.
Am nächsten Morgen verweigerte ich weitere Mittel. Ich war sehr geschwächt, hatte ich doch fast gar nicht geschlafen und die Schmerzen waren noch da, aber in abgeschwächter Form. Bevor ich ins Krankenhaus kam, hatte ich keine Angst mehr vor der Geburt. „Irgendwie kommen sie alle raus“, sagte ich. Nun bekam ich Angst, besonders vor diesen Schmerzen. Man lies mich am Dienstag ziemlich in Ruhe, ich hatte nur wenige CTG' s und ich durfte oft baden.
Mittwoch, es war 7 Uhr, kam ich wieder in den Kreißsaal und durfte ein Bad nehmen. Ich schlief wieder darin ein, bis die Hebamme mich weckte, damit wir ein CTG schreiben konnten und der Arzt zur Untersuchung kommen konnte. Das CTG sah wie immer aus – keine Wehen, aber dem Kleinen ging es weiterhin prima. Der Arzt kam und sagte, dass ich an den Wehentropf kommen werde, damit die Geburt eingeleitet wird. Er möchte nicht länger warten, da ich sehr schwach bin und nicht noch länger warten muss. Mir war alles egal, ich wollte nur keine Schmerzen mehr und endlich wieder schlafen. So hing man mich 9 Uhr an den Tropf und an das CTG und hofften, dass es bald los ging. Die Wirkung kam nicht sofort, ich schlief wieder ein und es war keine Wehe zu spüren (auch die „falschen“ Wehen blieben aus). Man weckte mich nach ca. einer Stunde und erhöhte die Dosis (ich weiß leider nicht, ob man das so nennt). Alle halbe Stunde wurde es nun erhöht, damit doch endlich Wehen kamen und nachdem ich schon fast die Hoffnung aufgab, kamen tatsächlich welche. Ich durfte meinen Freund anrufen und sagen, dass es heute so weit war und er bald vorbei kommen soll.
Es war vor 15 Uhr als die Wehen immer stärker wurden. Die PDA wurde schon gelegt und man schaute immer wieder nach meinen Muttermund. Leider wollte sich dieser nicht öffnen (weiterhin nur ca. 3 cm auf). War es am Anfang unser kleiner Mann, der nicht aus meinen Bauch wollte. Nun war es mein Körper der uns sagte, dass es nicht so weit war. Die Wehen wurden immer schlimmer und die Fruchtblase platzte. Der Arzt sagte, dass er nachhelfen wird und so sollte ich schon jetzt beginnen zu pressen. Wenn dies nicht funktioniert wird er einen Notkaiserschnitt einleiten. Während ich in der Wehe presste, drückte der Arzt den Muttermund mit auf und es funktionierte tatsächlich. Das Pressen lief sehr gut, ich arbeitete brav mit, schließlich wollte ich, dass es schnell ging. Auch der Kleine machte gut mit und kam schön nach unten.
Der Muttermund war auf und es konnte richtig los gehen, die Wehen wurden immer stärker und ich tat alles, was man mir sagte. Es war sehr schmerzhaft und ich schrie ein paar mal stark auf. Die schlimmsten Erlebnisse in der Geburt waren für mich, als ich 2 mal riss. Durch die PDA spürte ich keinen wirklichen Schmerz, aber es fühlte sich sehr schrecklich an. Außerdem schnitt mich der Arzt auf, dies jedoch spürte ich gar nicht. Ich wurde immer schwächer und mein Freund gab mir über eine Atemmaske Sauerstoff. Alles lief ziemlich gut, trotz der Strapazen, als auf einmal das CTG nicht mehr gut aussah. Eine Ärztin drückte auf meinen Bauch, die Hebamme und eine Schwester hielten meine Beine hoch und der Arzt half mit durch die Saugglocke. Er rutschte einmal ab (jedenfalls fühlte es sich so an – ich hatte die Augen geschlossen und kann es nicht genau sagen), aber nach nochmaligen anlegen klappte es und mein kleiner Mann entdeckte die Welt.
17:01 Uhr erblickte das wundervollste Wesen das Licht. Man schnitt schnell die Nabelschnur durch und saugte Flüssigkeit ab, damit er atmen konnte. Der erste Schrei war endlich zu hören und ich weinte. Ich war geschafft und trug weiterhin die Atemmaske, da es mir gut tat. Man legte mir Leon auf meine Brust und ich konnte nur noch „Oh mein Gott“ schreien und nicht fassen, was da auf mir lag. Er war völlig erschöpft und schlief. Leider nahmen sie ihn mir noch einmal weg, denn ich musste ja genäht werden und der Kleine musste kurz untersucht werden.
Das Nähen war nicht schön und dauerte sehr lang.. Durch die PDA spürte ich nicht alles und für die letzten Nähte bekam ich noch eine Spritze, damit ich nicht zu sehr leiden muss. Doch bald war auch das geschafft und so war die Geburt unseres Sohnes Leon David vorüber und wir konnten in unser neues Leben zu dritt gehen.

Im Anschluss möchte ich nur sagen, dass ich nach dem ganzen Wissen jetzt in vielen Dingen anders entscheiden würde. Ich wäre nie ins Krankenhaus gegangen, hätte ich gewusst, dass man so schnell einleitet. Ich finde, wenn das Kind und der eigene Körper nicht wollen, das CTG aber sehr gut aussieht, soll man nichts erzwingen und der Natur vertrauen. Außerdem hätte man mir sagen sollen, dass der Kopfumfang sehr groß für das erste Kind ist und eventuell über einen Kaiserschnitt reden sollen.
Ich kann mich an einiges nicht mehr erinnern. Erst nach der Geburt merkte ich, dass eine Ärztin und eine Schwester im Raum waren. Auch bekam ich die Gespräche nicht mit. Ich presste bei den Wehen, wie man mir es am Anfang sagte – auf mehr habe ich nicht konzentriert.
Noch heute knabbere ich an diese Geburt, denn sie war keine leichte. Ich weine immer, wenn ich nur das Wort Geburt höre und mag nicht lange darüber nachdenken. Die Hebamme erschrak als sie das Heft las (der Kleine hatte ein gebrochenes Schlüsselbein und eine kleine Schramme am Kopf; ich war sehr sehr weit gerissen). Sie sagte, dass es wichtig ist darüber zu reden, damit ich es verarbeiten kann und ich habe vor mich bald zu öffnen und auch einmal die Hebamme zu besuchen, die unseren Sohn auf die Welt brachte. Vieles weiß ich ja gar nicht, vieles unterdrückt man und ich möchte genau wissen, was wirklich alles passiert ist.
Vielleicht wird das Verarbeiten der Geburt noch etwas dauern, aber ich bereue noch heute nichts. Klar, ein Kaiserschnitt wäre leichter und auch das Richtige gewesen (so der Arzt nach der Geburt), aber wenn man dieses kleine Wesen im Arm hat heute... Es war jeden Schmerz wäre und ich würde für ihn durchs Feuer gehen, wenn es verlangt würde.

Sollte irgendein „Fachausdruck“ oder so falsch sein: Ich schreibe nur über meine Wahrnehmung, es kann gut sein, dass etwas nicht zu 100% stimmt oder ich etwas nicht genannt habe. Noch habe ich mit der Hebamme nicht gesprochen – sollte etwas nicht stimmen, werde ich es nach dem Gespräch natürlich sofort richtig stellen.

Ich hoffe sehr, dass ich niemanden Angst mache, ich bemühe mich sehr meine Geburt so zu beschreiben, dass es nicht schlimm klingt. Es ist ein Erlebnis, was jede Frau erlebt haben sollte und ihr werdet es nicht bereuen. In jedem Fall kommt etwas gutes bei raus ;)
In meinem Fall war es Leon :)

Auf die Frage jedoch, ob ich nochmals eine natürliche Geburt machen würde, kann ich jedoch nicht „ja“ antworten. Aber vielleicht wird sich das im Laufe der Jahre noch ändern...

Beitrag von nacktschnecken 25.05.11 - 10:15 Uhr

moin,

du arme, das du so schon beim ersten kind leiden musstest #liebdrueck.

bei mir wars die zweite geburt.
da ich erneut regelmäßige wehen hatte wurde bei ET-1 eingeleitet.
der wehentropf wirkte erst beim zweiten anlauf, da dieser zuerst daneben lief #aerger.
diese wehen waren um vielen heftiger als die die ich von der ersten geburt ohne hilfmittel her kannte.
irgendwann waren die wehen so heftig, das man mich mit morphium dicht gedröhnt hatte. ich bekam auch nur sehr wenig mit.
ich sollte pressen, was ich auch tat, was wohl nicht ausreichte, laut hebi.
eine saugglocke lag bereit und eine notsectio wurde gerufen.
es gelang mir doch noch richtig zu pressen, und so wurde mir ein dammschnitt (AUA) gemacht und ein arzt drückte das baby runter.

mein sohn ist mit seinem schlüsselbein an meinem schambein hängen geblieben, das nennt man schulterdystokie.
er kam mit 4375g, 58cm länge, 36 cm Ku und einen rechten schlüsselbeinbruch zur welt.
er wurde direkt untersucht und zum nähen wurde er mir auf den bauch gelegt.
ich habe den dammschnitt bemerkt und das nähen schmerzte entsetztlich.

ich musste mit ihm 40 mal zur krankengymnatik (nach bobat) bis er die defizite aufgeholt hatte. nun gehen wir zur logopädie, damit sein sprechen besser wird.

was soll ich sagen, knapp 16 monate später habe ich seine schwester mit KS holen lassen (welchen wir erst 3 tage zuvor zugestimmt hatten). ich wollte nicht, das sie das gleiche durchmachen muss, wie ihr bruder #verliebt.

so, und nun hibbel ich meinem viertem und letzten kind entgegen, welches auch mit KS kommen wird.



huch, ist etwas lang geworden #schein.


ich wünsche dir eine schöne kennlernzeit #liebdrueck

LG bettina
ps: ich hab auch lange gebraucht, diese entbindung zu verarbeiten

Beitrag von julia253 25.05.11 - 13:00 Uhr

Hallo,
erst mal Glückwunsch.
Ganz so hart wie bei dir war die Geburt unseres Sohnes nicht, allerdings würde ich auch nie wieder einleiten lassen.

Das nächste Kind wird mit Sicherheit (sofern medizinisch ok) auch natürlich zur Welt kommen, aber erst dann, wann es will (sofern medizinisch vertretbar).

Ca 1/2 Jahr nach der Geburt von Luis kam mir der Gedanke an eine weitere Geburt nicht mehr unvorstellbar und unmöglich vor.

Alles Gute!

LG Julia & Luis