Geburtstbericht vom Mai 2009

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Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von pfeff1979 26.05.11 - 06:26 Uhr

Nach fast 2 Jahren kommt auch unser Geburtstbericht....




Am 27. Mai 2009 ist es völlig unverhofft soweit. Ich war morgens gegen 7.45 Uhr auf der Toilette. Eigentlich wollte ich in der Klinik anrufen. Mein Frauenarzt meinte bei der Untersuchung am Tag zuvor, dass er die Geburt gerne einleiten würde, weil sich Deine rechte Niere immer mehr aufstaute. Aber soweit kam es gar nicht.
Auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer, machte es in der Küche plötzlich platsch-platsch und eine kleine Pfütze lag unter mir auf dem Boden. Ich dachte noch: „Das gibt´s doch nicht, ich war doch gerade auf dem Klo und piesel jetzt hier auf den Küchenboden…..“ Schließlich hatten wir noch 3 Wochen Zeit bis zum errechneten Geburtstermin. Aber dann lief noch mehr Brühe meine Beine hinunter und mir wurde schlagartig klar, dass die Fruchtblase gesprungen ist. Ich klemmte mir ein Geschirrhandtuch zwischen die Beine…. wie naiv zu glauben, dass das kleine Tüchlein die Fruchtwassermengen aufsaugen könnte. Nie im Traum hätte ich mir vorgestellt wie es ist, wenn man einen Blasensprung hat. Schon im Schlafzimmer war mein Geschirrtüchlein durchgeweicht und plötzlich machte es richtig platsch! Ich klemmte mir ein Badetuch zwischen die Beine und entschied mich dann recht zügig Deinen Papa zu wecken. „Schatz…. ich glaub meine Fruchtblase ist geplatzt“. Papa stand senkrecht im Bett, war aber sehr gelassen. Wir zogen uns beide an und freuten uns einfach nur. Uns beiden war klar, dass wir zusammen mit Dir wieder nach Hause kommen. Ich setzte mich ins Auto, mit mittlerweile 2 Badetüchern zwischen den Beinen und wir fuhren los. Im Krankenhaus angekommen setzte ich nur einen Fuß vor die Autotür und ein riesen Schwall Fruchtwasser lief warm meine Beine hinunter. Ich sah vielleicht aus…. Komplett nass bis zu den Socken! Im Kreissaal musste ich gar nicht viel sagen, die Hebamme sah direkt was los war. Ich zog mich zuerst mal um und wurde dann untersucht und ans CTG angeschlossen. Außer dass ständig das Fruchtwasser lief, ging es mir blendend. Dir übrigens auch…. nur leider hatte ich null Wehen! Da Dein Köpfchen noch nicht im Becken war, durfte ich nur mit dem Rollstuhl fahren und liegen. Mittags wurde noch ein Ultraschall von Dir gemacht. Alles Bestens! Also hieß es erst mal abwarten.

Am nächsten Morgen bekam ich ein Gel gelegt, um die Geburt einzuleiten!
Mittlerweile warst Du auch mit Deinem Kopf nach unten gewandert und ich durfte wieder laufen.
Wir warteten, liefen auf und ab, Treppen hoch und runter, aber nix passierte. Alle 2 Stunden wurde ein CTG geschrieben…. Aber leider zeigten sich keine Wehen und auch der Muttermund blieb verschlossen. Mittags bekam ich dann zum zweiten Mal das Gel. Ätzend das Zeug. Brennt total! Nach der zweiten Einleitung tat sich was. Ich bekam Wehen, ziemlich regelmäßig alle 5 Minuten. Aber der Muttermund blieb verschlossen. Dir ging es weiterhin sehr gut. Wir liefen und liefen und jeder Baum oder Laternenpfosten gehörte mir, um die Wehen zu veratmen. Am Abend wurde noch einmal ein CTG geschrieben und endlich zeigten sich auch die Wehen auf dem Monitor. Die Hebamme meinte, dass sie sich sicher wäre, dass Du in dieser Nacht noch kommst. Leider blieb der Muttermund nach wie vor verschlossen. Papa fuhr schweren Herzens nach Hause, weil die Hebamme meinte, dass er sich noch ein wenig ausruhen sollte. Gegen 22 Uhr bin ich dann nochmal in den Kreissaal. Der Monitor schlug immerhin bis 50 aus.“Endlich dachte ich. Es geht los!“ Um noch ein wenig zu entspannen, entschloss ich mich in die Badewanne zu steigen. Es war herrlich, so schön warm. Die Hebamme legte mir eine Entspannung ´s CD ein und dimmte das Licht. Die Wehen waren plötzlich super zu ertragen. Aber nach 1 Stunde merkte ich, dass ich aus dem Wasser musste. Mir war ganz kribbelig und anstatt auf die Hebamme zu warten, stieg ich einfach alleine aus der Wanne und bekam dann gleich mal einen Kreislaufzusammenbruch. Und ganz plötzlich waren die Wehen auch wieder da…. und wie! Noch im Kreissaal bekam ich irgendeine Infusion und was Krampflösendes. Ich schlummerte am CTG ein. Gegen 2 Uhr in der Nacht wurde ich wieder wach, mit Wehen, geschlossenem Muttermund und einem riesen Frust. Die Hebamme gab mir noch was, damit ich schlafen konnte und somit ging ich wieder auf Station!

Am nächsten Morgen, es war mittlerweile Freitag, entschieden wir uns bei der ersten Untersuchung es nur noch heute mit dem Einleiten zu versuchen. Dir ging es nach wie vor blendend und da ich mit einem Antibiotikum versorgt wurde, der Muttermund geschlossen war und Du immer noch genügend Fruchtwasser hattest, konnte man diesen Entschluss auch entspannt tolerieren. Ich bekam wieder ein Gel gelegt und die Wehen wurden heftiger. So langsam stieß ich wirklich an meine Grenzen. Mir tat alles Weh und diese regelmäßigen Wehen trieben mich in den Wahnsinn. Gegen Abend trafen wir im Kreissaal die leitende Oberärztin und sie meinte, dass wir Dich morgen holen würden, wenn Du jetzt nicht mal so langsam in die Gänge kommen würdest. Ehrlich gesagt, war es mir auch zu dem Zeitpunkt auch nur noch Recht. Ich hab mir immer eine normale Geburt gewünscht, aber so langsam hatte ich auch keine Lust mehr! Die Hebamme gab mir noch was für die Nacht, damit ich schlafen konnte und somit gingen wir auf unser Zimmer, mit dem Gedanken, dass am nächsten Morgen ein Kaiserschnitt gemacht werden würde. Papa blieb an diesem Abend bei uns im Krankenhaus. Wir hatten uns ein Familienzimmer genommen!

Um 1 Uhr in der Nacht wurden die Wehen plötzlich so heftig, dass ich Deinen Papa weckte und wir zusammen in den Kreissaal gingen. Wir bekamen die frohe Nachricht, dass endlich der Muttermund
2 cm offen war. Yuhuuuuuu. Die Wehen kamen nun ziemlich heftig und ich hatte kaum Zeit mich zu erholen. Die Hebamme spritze mir irgendwas zum entkrampfen in den Po, was auch kurzzeitig gut wirkte. Aber nach ca. 1 Stunde kamen die Wehen noch heftiger und ich konnte kaum noch atmen und rollte mich hin und her vor Schmerzen. Das war der Zeitpunkt, als die Hebamme meinte, dass es wohl an der Zeit ist eine PDA zu machen. Was für eine gute Idee… daran haben wir gar nicht mehr gedacht. Recht schnell war ein Anästhesist da. Es war wirklich schwierig still zu halten in dieser gekrümmten Haltung und gleichzeitig Wehen zu veratmen. Ich musste 4x gestochen werden und es tat sau weh. Deinem Papa hab ich während dieser Prozedur fast die Hand gebrochen, so fest drückte ich ihn. Aber als das Betäubungsmittel dann wirkte, war es eine Wohltat. Ganz schnell hatte ich keine Schmerzen mehr und wir konnten völlig entspannt zuschauen wie die Kurven vom Wehenschreiber immer und immer wieder bis zum Anschlag ausschlugen! Papa bekam eine Liege und somit hatten wir beide die Gelegenheit noch ein bisschen zu Ruhen und zu Schlafen. Um 8 Uhr morgens wurde ich wach und bekam noch ein wenig Betäubungsmittel in meinen Schlauch. Die Hebamme untersuchte mich und der Muttermund war fast komplett offen. „Wie entspannt“ dachte ich noch, wenn das so weiter geht, wird die Geburt ja echt easy. Aber Du lagst irgendwie total verdreht und warst ein Sternengucker! Mama musste sich immer wieder auf die Seite drehen und die Hebamme versuchte Dich auch zum drehen zu animieren. Gegen 10 Uhr spürte ich die Wehen wieder und wir starteten einen ersten Versuch und ich begann zu pressen. Man war das anstrengend und ich hatte wirklich Probleme die ganze Luft nicht in meinem Kopf anzusammeln! Es ging voran, aber leider hatte ich plötzlich keinerlei Gefühl mehr, ob nun einen Wehe kam oder nicht. Die Hebamme leitete mich an und schon nach kurzem konnte Papa Deine Haare sehen. Sie waren ganz schwarz! Naja, ich dachte mir, dann wirst Du ja bald da sein. Ich presste und presste und Dein Papa spornte mich ganz toll an, aber es ging einfach nicht voran. Mittlerweile hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren. Irgendwann kam die Diensthabende Oberärztin und noch eine Frauenärztin rein. Die eine Ärztin drückte mit Ihren Unteramen auf meinen Bauch und ich sollte pressen. Sehr lustig!!! Ich konnte nicht mehr und fing an zu schreien, dass sie mir Weh tun. Ich konnte Deinen Kopf spüren und der Druck war wirklich ziemlich heftig. Aber Du hast Dich keinen Zentimeter bewegt und es kam zu einem Geburtsstillstand. Deine Herztöne sackten immer wieder etwas ab und ich war froh, dass ich das alles gar nicht mehr so richtig wahr genommen hab. Plötzlich kam ein riesiges Gerät in den Kreissaal gerollt und uns war direkt klar, dass dies eine Vakuumpumpe war. Es war schrecklich, als sie das Teil an Deinem Kopf anbrachten und mit aller Gewalt zogen. Eine Ärztin drückte mit einer Schlinge meinen Bauch zusammen, die andere zog wie verrückt unten, ich sollte pressen….Du musstest jetzt raus, egal wie! Den Dammschnitt hab ich gar nicht mitbekommen, aber Papa erzählte, dass es ziemlich blutig war. Dann ging es recht schnell und mit einem ziemlichen lauten Platscher, warst Du dann da.
Es war genau 13 Uhr und die Uhr von Deinem Papa ist stehen geblieben!
Alle waren hektisch und wir hörten nichts von Dir. Eine Kinderärztin schnappte Dich und lief direkt mit Dir Richtung Kinderintensivstation. Papa rief nur hinterher: „Lebt er?“ Und auch ich war nun verwundert, dass man Dich nicht schreien hörte. Aber Angst hatte ich eigentlich keine, dass etwas nicht stimmen könnte. Ich hab Dich ja kurz gesehen und Du warst bildhübsch. Die Sorgen die wir uns die Wochen vorher gemacht hatten, schienen unnötig gewesen zu sein. Du sahst ganz normal aus und es war alles dran. Nachdem die Plazenta da war, begutachteten wir sie alle und waren somit während Deiner Abwesenheit etwas abgelenkt. Immerhin war sie mit Ihren ganzen Fehlbildungen nicht ganz alltäglich. Währenddessen begann die Ärztin mich zu nähen, was ziemlich zwickte, aber im Gegensatz zu dem was wir hinter uns hatten, ein Klacks war.

Und dann kamst Du. Nach einer kleinen Atemdepression, ging es Dir wieder super gut. Während der U1 schauten alle ganz verwundert auf Deine Zehen. Und auch Deine Hoden waren nicht ganz normal. Aber da alles andere völlig normal war, hieß es, dass sei eben eine kleine Laune der Natur und nichts besonderes. Ich bekam Dich auf den Arm und Papa liefen die Tränen. Du warst sooooo hübsch (3110 g, 49 cm, KU 37 cm). Wir konnten es nicht glauben, dass wir nun eine kleine Familie waren….





Das alles ist nun schon fast 2 Jahre her und ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Auch wenn alles ganz anders gekommen ist, als wir es uns zu dem damaligen Zeitpunkt hätten erträumen lassen, Du bist das Beste was uns jemals hätte passieren können. Wir haben so viel von Dir gelernt, von so einem kleinen Menschen, der selber gerade erst die Welt entdeckt. Wir haben so viel schon zusammen durchgemacht und überstanden! So viel haben wir noch vor uns! Aber trotz den vielen Krankenhausaufenthalten, den vielen OP ´s und nervigen Untersuchungen hast Du nie Dein Lachen und Dein Vertrauen zu den Menschen verloren und bist ein Sonnenschein wie er im Buche steht. Unser großer, starker Held!

Danke unser kleiner Schatz, wir lieben Dich über alles und sind stolz Dich als Sohn zu haben!!!



Beitrag von francie_und_marc 28.05.11 - 09:15 Uhr

Hallo!

Mensch da hast du ja auch gelitten. Leider kenne ich das zu genüge, ich habe für meine beiden Söhne jeweils 4 Tage mit Einleitung verbracht.

Darf ich fragen was dein Süsser hat, das er immer wieder operiert werden muss?

Liebe Grüße Franca mit Marc fest an der Hand, Marten still geboren 21.SSW am 19.09.2010 tief im #herzlich und Marlen 27.SSW inside.

Beitrag von pfeff1979 29.05.11 - 14:04 Uhr

Unser Schatz ist ist mit diversen organischen Fehlbildungen geboren wurden. Haben allerdings erst nach der Geburt davon erfahren...
Daher die ganzen OP´s. Aber bald haben wir es geschafft

LG

Beitrag von francie_und_marc 29.05.11 - 21:10 Uhr

Hallo!

Da habt ihr alle zusammen eine schwierige Zeit hinter euch. #liebdrueck Alles Gute weiterhin für euren Süssen.

LG