Wie rede ich mit einer 4-jährigen über den Tod?

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von hummel0710 27.05.11 - 13:09 Uhr

Hallo zusammen,

ich bin noch ganz neu unter euch und hoffe sogleich auf ein paar konstruktive Ratschläge und Tipps.

Meine Tochter (fast 4 Jahre alt) fragt mich ständig über den Tod und das Sterben aus. Das Thema beschäftigt sie schon sehr lange und ich habe von Anfang an versucht offen und ehrlich mit ihr darüber zu reden, ohne ihr Angst zu machen. Doch das Thema lässt sie einfach nicht los und scheint ihr viele Sorgen zu bereiten.

Muss gleich dazu sagen, dass ich nicht christlich bin. Ich habe irgendwie ein totales Problem damit ihr was von Himmel und Gott zu erzählen, da ich eben selbst überhaupt nicht daran glauben kann. Gleichzeitig würde ich aber auch nie sagen, dass diese Vorstellung Quatsch ist. Sie soll sich lieber selbst eine Meinung bilden, wenn sie alt genug dafür ist.

Sie stellt leider immer sehr konkrete Fragen, die unheimlich schwer zu beantworten sind und mich teilweise fast zu Tränen rühren. So fragt sie z.B. wie Jesus gestorben ist (davon hat sie im Kiga gehört) - ich konnte ihr einfach nichts vom Kreuz erzählen und sagte ich wüsste es nicht!!!
Oder sie sagt, dass sie alleine ist, wenn Mama und Papa sterben und fragt, wie sie aus dem Land, wo die Gestorbenen hinkommen (keine Ahnung wie sie darauf kommt) wieder rauskommt? Und ob wir dann noch kuscheln können! Oder sie hat Angst davor, dass sie ihre Augen nicht mehr öffnen kann, wenn sie tot ist!

Wer von euch hat schon Erfahrungen mit solchen Gesprächen und wie habt ihr das gehandhabt bzw. würdet ihr das handhaben?

Danke im Voraus!
Gruß

Beitrag von hutzis 27.05.11 - 13:33 Uhr

Hi!

Mein Sohn ist noch nicht in dem Alter, dass er danach fragt ABER wenn es soweit ist und so konkrete Fragen kommen, würde ich an Deiner Stelle mal in eine gute Buchhandlung gehen und dort mal nach Kinderbüchern schauen, die über den Tod sind. Es gibt da wirklich ganz tolle, die es den Kindern leicht erklären. Für Kinder ist das Thema ganz normal, sie gehen eben anders damit um als wir Erwachsenen.

Hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter.

LG
hutzis

Beitrag von putzemann 27.05.11 - 13:35 Uhr

he

kann dir nur das empfehlen!

http://www.editionriedenburg.at/buecher/ich_weiss_jetzt_wie/index.html#Band_13


glg

Beitrag von mellanie 27.05.11 - 13:47 Uhr

Ich fand das bei der Leseprobe jetzt etwas abschreckend.

sind mir etwas zuviel dass auch noch das ungeborene Stirbt.

Mehr bilder und mehr platz für Phantasie fände ich besser. Ich versuche mal das Buch zu finden was uns für den Kiga empfohlen wurde.

LG Melnaie

Beitrag von mellanie 27.05.11 - 13:35 Uhr

Hallo Hummel,

das scheint deine Tochter wirklich sehr zu beschäftigen.
Umso schwerer ist es für dich.

Ich denke sprich vielleicht einfach mal mit deinem Mann darüber was ihr eurer Tochter über den Tod erzählen möchtet, denn ih finde es wichtig dass man sich darüber klar ist.

Was ich im Kindergarten gelernt habe war, dass es sehr hilfreich ist wenn man sich nicht sicher ist (und wer weiß was nach dem Leben ist), den satz mit " Manche Leute Glauben...." anzufangen. Denn dann musst du nicht so darauf eingehen was du glaubst und kannst auch die Unterschiedlichen Ansichten eingehen.

Ich finde es immer wichtig und spannend sich in solchen Phasen mit dem eigenen Glauben auseinander zu setzten was man sonst wegschiebt.

Vielleicht hilft dir das, bin neugierig auf weitere Antworten....


LG Melnaie

Beitrag von kamelefant 27.05.11 - 14:21 Uhr

Für solche Fragen finde ich das Familienhandbuch immer toll. Schau doch mal http://www.familienhandbuch.de/cms/Trauer.pdf

Beitrag von inajk 27.05.11 - 16:18 Uhr

Es gelten dieselben Grundregeln wie immer:

- Alle Fragen so ehrlich wie moeglich beantworten (Luegen raechen sich fast immer)
- Alles sprachlich auf dem Niveau des Kindes halten.

Das gilt bei Fragen ueber Tod oder Sexualitaet genau wie bei "harmlosen" Fragen ueber Jahreszeiten. EInem Kind erklaerst du ja auch nichts ueber Chlorophyll, sondern dass die Blaetter im Herbst bunt werden und dann abfallen und im Fruehling wieder neu wachsen. Bloss faellt es den meisten Leuten bei manchen Themen schwerer, sich an diese einfachen Regeln zu halten :-)

Zu deinen Beispielen:
So fragt sie z.B. wie Jesus gestorben ist (davon hat sie im Kiga gehört): Ich wuerde sagen (bin selbst auch nicht glaeubig): Das ist eine Geschichte von einem Mann der vor ganz langer Zeit gelebt hat, bla, bla, und da gab es andere Leute, die mochten den nicht und da haben sie ihn totgemacht. (WIe?) Sie haben ihn an einem Kreuz festgenagelt, und davon ist er gestorben. Ja, schrecklich, nicht wahr usf. (Denk dran: Dein Kind erfaehrt Angst, Schrecken etc. nicht so sehr vom Inhalt des Erzaehlten her, sondern aus dem was du transportierst in deiner Stimme, deiner Mimik etc. Wenn du diese Dinge ruhig erzaehlst, einfuehlsam aber so dass sie merkst dass du nicht nachts davon wachliegst, dann ist es fuer sie auch in Ordnung. In Maerchen werden die Stiefmuetter ja auch in nagelbesetzten Tonnen durch die Gegend gerollt, und die Kinder finden es prima.)

Oder sie sagt, dass sie alleine ist, wenn Mama und Papa sterben

Das fragt meine Grosse auch schon mal. Ich sage dann, dass Papa und Mama hoechstwahrscheinlich erst sterben, wenn sie schon gross ist. Dass man zwar nie weiss wann jemand stirbt, aber meist sterben Leute erst wenn sie alt sind, und bis dahin ist sie schon lange gross und hat selber Kinder.

und fragt, wie sie aus dem Land, wo die Gestorbenen hinkommen (keine Ahnung wie sie darauf kommt) wieder rauskommt?

Ich wuerde sagen dass manche Leute glauben, dass es so ein Land gibt, aber ich glaube das nicht. Dass man einfach tot und weg ist. So wie ein Blatt wenn es tot ist, das tut man auf den Kompost, und dann gibt es neue Erde, aber das Blatt merkt da nichts mehr davon, das ist einfach tot.

Und ob wir dann noch kuscheln können! Oder sie hat Angst davor, dass sie ihre Augen nicht mehr öffnen kann, wenn sie tot ist!
Nee, dann koennen wir nicht mehr kuscheln. Und die Augen kannst du auch nicht aufmachen, du bist ja tot! Dann kann man gar nichts mehr. Aber das merkt man nicht, man ist einfach weg. Man ist dann auch nicht traurig drueber. Bloss die die noch am Leben sind, die sind dann schrecklich traurig dass du tot bist und vermissen dich.

Ich verstehe nicht ganz wieso du das so schwierig findest. Fuer dein Kind ist das ein ganz normales, interessantes Gespraechsthema. Und wenn du genauso damit umgehst, dann bleibt das auch so.

Meine Grosse kommt auch immer wieder mit neuen Fragen, und dann antworte ich halt - ob es jetzt um Krieg oder Selbstmord geht (alles schon gehabt :-)) oder darum, wofuer Tampons da sind (die Fragen kam natuerlich in der Drogerie :-))

LG
Ina



Beitrag von hummel0710 27.05.11 - 21:22 Uhr

Euch allen DANKE für eure Tipps und Antworten!

@Ina: Deine Grundregeln und -sätze beherzige ich sonst auch voll und ganz so, klar! Aber ganz so einfach, wie du es beschreibst ist es nicht, denn dieses Thema interessiert sie nicht einfach, es macht ihr wirklich Sorgen wenn nicht sogar Angst! Sie träumt auch nachts davon und wacht dann weinend auf! Deine Antworten wären sicherlich für viele Kinder+Eltern okay, aber für meine Große absolut ungeeignet.

Arme Maus... Werd mich mal auf die Suche nach geeigneter Lektüre machen.

Beitrag von optimista 28.05.11 - 18:03 Uhr

Hallo,
ich wollte ein sehr tröstendes Bilderbuch zum Thema Trauer / Tod weiterempfehlen weil ich denke, dass es auch vielen anderen ( gerade Familien ) bei der Trauerbewältigung und Verarbeitung sehr helfen kann .
Das Buch heisst: "Grossmutter"
Uns hat es sehr geholfen.
Ansonsten finde ich , dass es besonders in der Familie sehr wichtig ist, darüber zu reden, über den Tod, das "Danach", die Trauer.
Liebe Grüsse
;-)

Beitrag von kathrincat 28.05.11 - 21:27 Uhr

also, meine 3 jährige habe ich es so erzählt, naja eigentlich ein toter fisch im aqu., wer tot ist kommt nicht zurück, merkt nichts mehr,...., man kann ihn auch nicht wieder kleben (kann man ja mit spielsachen mache kann).