Gibt es eine universelle Moral ?

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Beitrag von 71068 27.05.11 - 14:42 Uhr

Gibt es eine universelle Moral, die unabhängig von religiösen oder anderen Dogmen existiert?


Der Begriff der Moral dient ja eigentlich immer dazu, instrumentalisiert zu werden. Würde unsere Gesellschaft zerbrechen, wenn nicht einmal die grundlegendsten Dinge wie Tötung etc. moralisiert oder eher als Unmoral dargestellt wären?

Könnte eine universelle Moral, wenn von allen Gesellschaftsformen zugelassen, Kriege verhindern?

Ich weiß, das sind viele Fragen, aber irgendwie gehören sie alle zusammen und ich finde allein die Antwort nicht.

Beitrag von zeitblom 27.05.11 - 15:46 Uhr

"Tue anderen nichts an, was Du selber auch nicht erleiden moechtest"... spaeter under anderem auch positiv formuliert ("liebe Deinen Naechsten wie Dich selbst").... "unmoralische" Taten hat diese Moral natuerlich nicht verhindert, aber ohne diesen allgemeinen Konsens waere eine funktionierende Gesellschaft undenkbar, sondern wir lebten im Zustand allein gegen Alle....

Beitrag von 71068 27.05.11 - 16:01 Uhr

Ich meinte ja gerade, abwegig der religiösen Pfade.

Etwas, dass tief in uns eingpflanzt ist, ohne es sagen zu müssen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst schliesse ich dabei aus. Das muss jeder Mensch erlernen, das weiss er nicht von selbst.
Nicht zu töten ist eine dieser Grundlagen. Diese wird allerdings von Religion und Gesellschaft legitimiert.

Ich glaube, als Orientierungspunkt könnte der KI von Kant gelten, aber ist dieses Verhaltensverständnis der Weltbevölkerung eigen?
Sind wir zu sehr vom gesellschaftlichen Umfeld geprägt und können gar nicht mehr in uns "hineinhören"?

Mit "Liebe deinen nächsten wie dich selbst" bestraft man all diejenigen, die in ihrer Kulturform nicht zur Selbstliebe erzogen werden. Eine Frau, der sämtliche Rechte abgesprochen wurden und die nur gehorchen muß (soll es in bestimmten Kulturkreisen geben), kann sich selbst kaum lieben. wie dann also ihren Nächsten?

Beitrag von zeitblom 27.05.11 - 16:19 Uhr

Als universelle Moral meinte ich dieses: "Tue anderen nichts an, was Du selber auch nicht erleiden moechtest"... spaeter halt auch von Religionen uebernommen...und noch viel spaeter von Kant bis zum kategorischem Imperativ ausgearbeitet... (ob Dein letzter Satz stimmt???)

Ich glaube, dass sich diese universelle Moral erst durch unangenehme Erfahrungen entwickeln konnte und nicht "von Anfang an" im Menschen angelegt... daher ist sie auch schnell vergessen....

Beitrag von 71068 27.05.11 - 16:26 Uhr

Also gibt es KEINE universelle Moral ?

Eine, die auf jeden anwendbar ist? Wenn man erst erlernen muss und dieser Prozess wiederum gesellschafts- und umfeldabhängig ist, kann es keine universelle Moral geben.

Meine Befürchtung.

Beitrag von zeitblom 27.05.11 - 16:32 Uhr

ok, wenn Du unter "universeller" Moral angeborene Moral verstehst, dann hast Du sicher Recht.....

Beitrag von lisasimpson 27.05.11 - 22:32 Uhr

was bedeutet für dich universell?
überall gültig? angeboren? dem Menschen innewohnend?

Ich denke dass natürlich alles was der mensch gescahffen hat, aus em menschen heraus entstanden ist.
daß die entwicklung hin zu moralischen regeln (menschenreicht z.B.) eine entwicklung ist, die die menschheit in ihrer Entwicklung begleitet.

je komplexer die verstrickungen und abhängigkeiten der menschen utnereinander wurden, je dichter besiedelt, je arbeitsteiliger die abläufe wurden, die wir zur sicherung unseres bedrafes brauchen, desto wichtiger wurde es sich auf bestimmte reaktionen von anderne verlassen, auf bestimmte rechte berufen zu können.
Um das zu gewöhrleisten geben wir diese übereinkünfte in form von "moral" an unsere Nachfahren weiter.

also ist es "menschengemacht"- aber dadurch natürlich auch aus dem menschen heraus entstanden (also "angeboren").
Bestimmte Themen und konsense findest du gleichermaßen in allen kulturen (wie den kategorischen imperativ oder das Inzesttabu), aber dennoch verändern sich auch diese "universell vorfindbaren themen" immer wieder, sind überall unterschiedlich interpretiert und dem wandel der zeit unterlegen.

vollkommen neben diesen moralischen vorstellungen und moralischen urteilen jedoch mußt die das moralische handeln stellen.
denn in jeder Gesellschaft, in der es moralvorstellungen gibt, gibt es auch menschen die diese zwar teilen, aber dennoch dagegen verstoßen.

beides macht Mmn den menschen auch zum menschen
1. nicht einer angeborenen (instinkthaften) moral verpflichtet zu sein und
2. entgegen der eigenen moralvorstellungen handeln zu können

lisasimpson

Beitrag von 71068 28.05.11 - 13:37 Uhr

Danke für deine Antwort.

ich meinte mit universell allgemeingültig, bei jeder Kultur.

Ich habe heute nacht aber nochmals gegrübelt und mir überlegt, dass es eventuell gar nicht gut wäre, wenn es die universelle Moral gäbe.

Vielleicht würde jede noch so gut gemeinte universelle Moral als Ab- und Ausgrenzungsmechanismus unvermeidlich vereinheitlichend und Vielfalt (damit auch Lösungsoptionen) reduzierend wirken.
Dieser entscheidende Nachteil wäre dann der Grund dafür, weshalb sich bislang eine solche universelle Moral nicht entwickeln und entscheidend durchsetzen konnte und weshalb wir eine solche auch in Zukunft nicht mehr fordern und postulieren sollten.

Aber auch das ist nur eine andere Sichtweise und meine Frage war ja erstmal, ob es sie gibt, nicht ob es sie geben sollte.

Die Intention der ganzen Überlegung, ob eine Art Weltfrieden möglich wäre, wenn alle gleiche Voraussetzungen hätten oder schaffen könnten.

Beitrag von lisasimpson 28.05.11 - 14:08 Uhr

ich denke auch, daß eine solche moral (wenn es sie gäbe) behindert wirken würde auf fortschritt und weiterentwicklung.

und der zweite punkt ist eben- selbst wenn es so etwas gäbe (moralische vorstellungen, die in jeder kultur zur gleichen zeit gelten würden), dann hieße das noch lange nicht, daß das zu einer art "weltfrieden" führen würde.
denn zum einen ist ja gar nicht gesagt, wie diese art von moral aussähe, denn je instinkthafter/ angeborener diese wäre desto eher wäre sie aufs überleben der des eigenen Genpools gerichtet (nicht immer weltfriedentauglich)- und je weiter entfernt, also je erlernter und rein gedanklich vorhanden- desto weniger gebunden wären wir in unserer handlung daran.

also eine moralvorstellung an sich ist ja auch erst mal nicht mehr als das. eine vorstellung - tabus und gedankliche Bewertungen. diese leiten zwar unser handlungen, determinieren sie aber niemals vollständig.

lisasimpson

Beitrag von dariafer 27.05.11 - 17:25 Uhr

Interessante Frage...was ist der Mensch ohne jegliche Moralimpfungen? Ohne Gesellschaftsverträge, Religion, Erziehung oder kategorische Imperative?

Früher war man der Ansicht, dass das Wilde seien...erst durch Anstand und Moral wurde man zum "Menschen".

Meinst du mit einer univerellen Moral eine Art angeborene? Hm....nein ich glaube nicht daran..denn dann müsste diese ja in jedem Menschen gleich vorkommen, oder?



Beitrag von 71068 28.05.11 - 13:41 Uhr

Nein, nicht angeboren, sondern überall gültig.

Was dann die Frage aufwerfen würde, ob ein Teil angeboren sein könnte ( z.B. nicht zu töten) und man diesen nur überwindet ( in dem man es doch tut).

Wären wir ohne Moral "wild"? Oder überlebensfähig?


Verflixt - wenn man sich nur nicht immer so verbohren würde beim Denken..;-)

Beitrag von manavgat 28.05.11 - 13:11 Uhr

kuckstu:

http://www.amazon.de/Einf%C3%BChrung-die-Moralpsychologie-Horst-Heidbrink/dp/3621276726/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1306580998&sr=8-1


um die Frage verkürzt zu beantworten:

nein, es gibt keine universelle Moral.


Moral muss immer individuell gefunden werden. Es ist ein ständiger Prozeß. Manche erreichen diese Entwicklungstufe nie.

Gruß

Manavgat

Beitrag von 71068 28.05.11 - 13:28 Uhr

Darf ich fragen, ob du dieses Buch bereits gelesen hast?

Beitrag von manavgat 29.05.11 - 12:16 Uhr

Das ist ein Einsteigerbuch für einen Überblick.

Du kannst natürlich auch gleich einen Entwicklungstheoretiker lesen, wie z. B. Piaget. Das ist aber eher was für Leute, die Basiswissen haben, was ich jetzt - aufgrund der Fragestellung - nicht vorausgesetzt hatte.

Gruß

Manavgat

Beitrag von umsche 28.05.11 - 16:03 Uhr

In meinen Augen gibt es keine universelle Moral. Gäbe es sie, müssten wir alle gleiche Charaktereigenschaften haben, die durch die Geburt in gleiche Verhältnisse und die gleiche Kultur geprägt wären. Wir müssen alle gleich erzogen werden und die gleichen Startbedingungen ins Leben haben. Wir müssten alle die gleichen Werte als wichtig erachten und das gleiche Bedürfnis haben, sie zu wahren bzw. die gleichen Entscheidungen treffen, was die Wichtigkeit der einzelnen Werte betrifft.

Moral wird nicht in die Wiege gelegt sondern entwickelt sich durch Erziehung und Lebensumstände und letztendlich durch den jedem Menschen anhaftenden individuellen Charakter. Moral entsteht IN jedem einzelnen Menschen und deshalb KANN es niemals eine Universalmoral geben!

Liebe Grüße und viel Spaß am See
umsche

Beitrag von .doctor-avalanche. 28.05.11 - 18:12 Uhr

Die Anlagen für das Erkennen existentieller moralischer Zusammenhänge sind selbstverständlich schon in unseren Genen vorhanden.

Die Ausbildung dieser moralischen Anlagen obliegt dann dem unmittelbaren sozialen Umfeld und der Gesellschaft, in der jemand aufwächst.

Bsp: Das Töten von Artgenossen wird prinzipiell in allen menschlichen Kulturen abgelehnt, juristische Regeln schaffen Ausahmesituation. D.h. z.B. die Tötung in Notwehr wird als gesellschaftlich richtig anerkannt, ist damit juristisch nicht verfolgbar aber dennoch moralisch bedenklich. Und zwar für den Betreffenden womöglich selbst, der mit der moralischen Schuld u.U. nicht zurecht kommt, obschon er weiß dass seine Handlung in den Normen seiner Gesellschaft durchaus richtig war.

Noch ein Bsp. (gleichwohl in allen Ländern dieser Erde womöglich mit einem identischen Ausgang):
Gesetzt den Fall, in einem Krankenhaus warten fünf todkranke Patienten auf die Transplantation je eines anderen Organs. Dürften Ärzte das Leben eines zufällig hereinkommenden Menschen opfern, um die fünf zu retten? „Auf gar keinen Fall!“ werden die meisten wohl entrüstet antworten.
Dann schauen wir uns einen zweiten Fall an, in dem es um dieselbe Rechnung geht: Ein Zug rast ohne Bremsen auf eine Gruppe von fünf Gleisarbeitern zu. Sie haben jedoch die Möglichkeit, eine Weiche zu stellen und so den Horrorzug auf ein Gleis zu lenken, an dem nur eine Person werkelt. Würde man nun den Einzelnen opfern, um die Gruppe zu retten? Vermutlich schon eher. Aber warum? Weil im ersten Fall die aktive Tötung eines Menschen von einem anderen Menschen einem klaren Ja im Wege steht. Im zweiten Fall ist der Zug das tötende, nicht der Mensch.

Insofern, denke ich, gibt es eine universelle Moral, wenigstens tragen wir die Ansätze dafür von Anfang an in uns.


Beitrag von sequoia 28.05.11 - 20:30 Uhr

#pro

das war cool geschrieben!


Grüße

Beitrag von .leopoldina. 28.05.11 - 23:50 Uhr

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!

"... dies hat Bertold Brecht einst effektvoll einer Bourgeoisie entgegengeschleudert, die vom hohen Ross materieller Wohlsituiertheit den niederen Schichten Moral predigen wollte..."

Auch eine Facette der Moral. Und top aktuell.

Im Übrigen ist es meiner Meinung nach nur ansatzweise möglich, über Moral zu diskutieren, da ein zu weites Feld.

Beitrag von marion2 30.05.11 - 12:34 Uhr

Hallo,

universell gültige Moral? Oh ja, da fällt mir sofort was ein: http://www.has.vcu.edu/for/busch/bad.html

Lässt sich gut auf alle Gelegenheiten übertragen.

"Könnte eine universelle Moral, wenn von allen Gesellschaftsformen zugelassen, Kriege verhindern?"

Ohne "Lene" wird das nichts.

Gruß Marion

Beitrag von 71068 30.05.11 - 19:03 Uhr

Es tut mir leid, aber was du mir sagen wolltest, habe ich nicht verstanden.

Beitrag von .leopoldina. 30.05.11 - 19:34 Uhr

Die Geschichte und Lene dienen symbolhaft der Beantwortung der Frage:

"Könnte eine universelle Moral, wenn von allen Gesellschaftsformen zugelassen, Kriege verhindern?"

Lene symbolisiert hier den Staat, Gesetze, Werte, Gesellschaftsnormen, Regeln, Erziehung usw...Ohne diese würde die Menschheit im Chaos versinken. Ob nun mit oder ohne moralischen Wertvorstellungen.

Das ist es, glaube ich, was dir Marion veranschaulicht sagen wollte.

LG

Beitrag von 71068 30.05.11 - 20:01 Uhr

Ich befürchte, dann hat die TE meinen Denkansatz nicht verstanden.
;-)

Beitrag von .leopoldina. 30.05.11 - 20:19 Uhr

Glaube schon.
Ist aber auch schwierig via internet allumfassend zu argumentieren bzw. zu philosophieren. Auch heißt es ja: Philosophie ist der Versuch, in einem dunklen Zimmer eine Katze zu fangen, die gar nicht drin ist.

Über deine aufgeworfenen Fragen zu philosophieren, würde sich real bei einem #glas in geselliger Runde viel besser machen....;-)

LG

Beitrag von 71068 30.05.11 - 21:43 Uhr

Das allerdings hört sich gut an.
Ja.
#winke

Beitrag von marion2 30.05.11 - 21:50 Uhr

Ich habe nur eine einzige Frage beantwortet. Die steht in Anführungszeichen.

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