Suizid meines Vates :(

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von blonderengel87 27.05.11 - 14:51 Uhr

Es ist jetz genau 16 Tage her und ich habe keinen Papa mehr...
Er ist gegangen... seinen Weg.

Mein Papa ging ganz plötzlich aus unserem Leben ohne einen Brief oder ähnliches.
Er hat sich aufgehangen im Flur meiner Eltern.

Meine Eltern wollten sich trennen, Mama hatte schon eine Wohnung, Papa 3 Tage zuvor auch..
Alles schien irgendwie vorran zugehen.. Meinem Papa ging es damit immer schlimmer, für ihn war seine Familie alles. Er ist ein totaler Familienmensch und sagte auch immer er würde alles für uns tun.

Er wurde depressiv, weinte viel und flehte Mama an doch bei ihm zubleiben.
Er war am Ende ein gebrochener Mann..

Mein Papa wird Opa, er wusste es.. Wir wollten uns am nächsten Tag eigentlich treffen da wir dann wissen würden ob es ein Junge oder ein kleines Mädchen werden sollte. Er wünschte sich immer eine kleine Prinzessin.

Er hat es nie erfahren..

Er war am Mittwoch den 11. Mai noch in der Arbeit.. kam nach Hause...war dann dort allein... Mama war in der Spätschicht, meine Schwester studiert außerhalb.. und ich ? Ich war Eis essen, es war ein warmer Nachmittag.

Wir verbrachten viel Zeit in den letzten Wochen, ich war für ihn da, wir erledigten Behördengänge und waren zusammen auf Wohnungssuche... Er telefonierte einen Abend vorher noch mit mir und überlegte wie er die Küche planen sollte wo welche Schränke stehen sollten etc.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag.
Das war das letzte was wir besprochen haben.

Meine Mama kam abends von der Spätschicht nach Hause und fand ihn schließlich im Flur.
Sie rief den Notarzt und die Polizei, danach rief sie mich an. Wir fuhren in kürzester Zeit zu meinen Eltern... Ich wollte zu meinem Papa.

Ich kämpfte mich durch die Polizei und Kriminalbeamten durch, selbst die Rettungssanitäter konnten mich nich halten.
Sie meinten du bist schwanger du kannst das nicht.

Ich aber meinte ich kann das ich bin Krankenschwester ich habe oft genug damit zu tun und er ist doch mein Papa.

Ich werde nie vergessen wie er dort hing. Es ist was andereres wenn es die eigene Familie betrifft.

Ich schrie und weinte und war völlig außer mir brach schließlich auf der Treppe zusammen.

Irgendwann, es schien ewig zu dauern durften wir nochmal zu ihm. Ich wollte zu ihm, wollte bei ihm sein und ihn sehen.

Er sah friedlich aus,erlöst.
Ich denke es hat mir geholfen mich von ihm zu verabschieden...

Es lief alles wie in einem Film an mir vorbei.. Er hinterließ nichts, legte lediglich seine Schlüssel, Krankenkassenkarte, Geldtasche und seine Basecap aufs Bett, daneben die Lampe die er vorher abgeschraubt hatte.

Wir vermuten das er nach Hause kam, es war warm, er trank noch ein Glas Cola rauchte 4 Zigaretten ( mehr fanden wir nich ) saß auf dem Balkon und fiel wieder in dieses tiefe Loch der Depression, er hatte öfter Kopfschmerzen..... er dachte vllt daran das er bald immer so allein dort sitzen wird, in der neuen Wohnung etc. und keiner ist mehr da, es war die Summe aus allem und er entschied sich seinen Weg zu gehen..

Zur Beerdigung spielten wir von Frank Sinatra - My Way

Es war sein Weg und war seine Entscheidung.
Es tut weh denn ich mache mir Vorwürfe nicht alles gemacht zu haben, vllt war ich einfach nicht genug für ihn da? Habe ich seine Probleme nicht wirklich erkannt ? Kann ich das überhaubt so objektiv sehen als Tochter ?

Ich weiß das er mit allem im Guten auseinander gegangen ist. Kein Steit nichts.
Er war das Wochenende davor bei seiner Mama ( meiner Oma ) zum Geburtstag.
Wusste er da schon von den PLänen, nahm er vllt dort schon Abschied von seiner Mama und den Brüdern ?

Unsere Trauerrednerin sagt immer diese Menschen haben einen Plan im Kopf, sie wissen das es diesen letzten Weg noch gibt und das sie ihn gehen werden. Sie wissen nicht genau wann aber sie wissen es gibt ihn und das macht sie Hoffnungsvoll und Zuversichtlich.

" Es ist gut. " Sagte sie immer, so wie es jetz ist ist es gut und vorbei.

Wir hatten eine schöne Beerdigung, er sagte einmal er hätte ja keine Freunde und soviele Leute würden eh nie zu seiner Beerdigung kommen.

Allerdings waren wir an dem Tag über 60 Leute, Familie, Freunde, Arbeitskollegen...

Ich ging schwanger in der 22. Woche und musste meinen Papa dort bei seiner letzten Reise begleiten, Ich war da.. und ich denke er hat uns gesehen und saß dort auf dieser Bank und beobachtete uns...

Ich weiß nicht ob es ihm da vllt leid tat was er getan hat... Er verlässt uns einfach mit allem... Wir lösen gerade die Wohnung, Keller, Garage, Garten und Auto auf... Es ist sooviel worum man sich jetz kümmern muss..

Aber es ist gut.

Ich denke und hoffe es geht ihm jetz besser dort wo er auch immer ist. Ich kann zu seinem Grab gehen, ihm von seiner Enkelin erzählen die fleißig boxt und werde ihr auch später viel von ihrem Opa erzählen.

Es ist gut und obwohl es immernoch sehr weh tut es hier alles nochmal so aufzuschreiben denke ich wird es mir irgendwie helfen.

Ich vermisse dich Papa :-(

Beitrag von schlunzjul83 27.05.11 - 14:59 Uhr

#liebdrueck

Hallo,

ich denke, es ist sicher SEHR schwer für euch alle, auch für deine Mutter, die sich sicher jede Menge Vorwürfe macht.

Aber bitte vergebt ihm irgendwann seinen letzten Schritt.
Er wollte es so, auch wenn es für euch hart ist!

Alles Liebe und VIEL VIEL Kraft für die kommende Zeit!!!!
Julia

Beitrag von liebelain 27.05.11 - 17:33 Uhr

Das ist ganz schlimm, was Du gerade durchmachst.

Der einzige Trost, den ich Dir geben kann, ist der, dass Du es nicht hättest verhindern können. Manche Menschen beenden ihr Leben eben selbst und wenn dieser Entschluss in ihnen erst gereift ist, kann man sie kaum noch davon abhalten. Die Frage ist dann nicht mehr, ob, sondern nur noch wann sie ihren Plan in die Tat umsetzen.

Oft merkt die Familie nichts davon und macht sich hinterher Vorwürfe, so wie Du gerade. Lass es bleiben, denn Du trägst keine Schuld. Auch Deine Mutter nicht. Das ist überhaupt keine Frage von Schuld. Das ist ausschließlich die endgültige Aussage Deines Papas zu seiner Lebensplanung. Er war nicht gemacht fürs Alleinsein, so dachte er zumindest, und er wollte es auch nicht versuchen.

Manche Menschen quälen ihre Familien jahrelang mit unzähligen halbherzigen Versuchen, aus denen sie gerade noch rechtzeitig gerettet werden können, nur um wenige Tage später den nächsten Anlauf ins Jenseits zu nehmen. Dein Papa hat Euch das erspart. Er hat Euch sehr geliebt. Aber es gab für ihn offenbar nur diese eine Lösung.

In seinem Grab liegen nur seine irdischen, sterblichen Überreste. Alles, was ihn ausgemacht hat, steckt in Dir und blebit dort für immer. Er ist jetzt pure Energie und frei von allen Ängsten und Sorgen. Und er wird immer bei Dir sein. Zwar nicht sichtbar, aber vielleicht kannst Du ihn manchmal in Deiner Nähe spüren.

Vielleicht findest Du viel von Deinem Papa in Deiner Tochter wieder: einen Gesichtsausdruck, eine bestimmte Angewohnheit, eine gewisse Vorliebe für manche Dinge. Und all diese kleinen Dinge werden Dich trösten.

Gruß, liebelain

Beitrag von engel23184 27.05.11 - 17:59 Uhr

#schmoll Ich sitze hier und kämpfe echt mit den Tränen! *schluck*

Mein Papa hat es auch versucht,vor 11 Jahren,allerdings hat er es mit Tabletten "versucht"!:-( Zum Glück kamen wir "zeitig" wieder nach hause,so daß man ihm im KHS noch helfen konnte. Wach bekommen hatten wir ihn hier zu hause jedoch nicht mehr!#zitter Seine Firma,wo er seit über 25 Jahren gearbeitet hatte ging pleite und er hatte Existenzängste! Aber meint er wir wären ohne ihn glücklicher geworden??? Das hätte uns das Leben doch nur noch vie schwerer gemacht!!! Ich wußte auch im Nachhinein nicht ob ich traurig oder einfach sauer war!!!

Ich finde es übrigends super toll von dir,daß du trotz der SS hin gefahren bist und auch mit auf seinem letzten Weg dabei warst! Klar es war dein Vater,aber viele meinen ja eine SS hat auf einer Beerdigung nix zu suchen...#schwitz

Wenn du reden magst,kannst du mich gerne über VK anschreiben!#liebdrueck

Beitrag von tigerbaby1976 27.05.11 - 19:13 Uhr

Hallo,
wir haben ähnliche Geschichten. Mein Vater hat es gemacht einen Tag nachdem er erfahren hat, dass es ein Mädel ist. Ich war auch schwanger und es kam ohne Ankündigung. Nie hätte einer damit gerechnet. Genau 5 Monate später kam sie dann. Er wäre ein super Opa geworden und hat sich auch total gefreut. Er wollte auch ein Mädchen, wäre aber sicher jetzt auch stolz auf seinen Enkel.
Ich drücke Dich herzlich und wünsche Dir für jetzt und die kommende Zeit alles erdenklich Gute.
LG

Beitrag von bald3fachmama 27.05.11 - 20:24 Uhr

#kerze#heul#herzlich

es tut mir von ganzen herzen Leid:-(

Beitrag von bettilein 27.05.11 - 21:28 Uhr

Hallo,

ich weiß leider nur zu gut wie es dir grad geht...meine Eltern haben sich beide auf diese Weise entschieden zu gehen...bei meinem Papa war ich grad 7 Jahre alt und bei Mutti ist es jetzt fast 5 Jahre her...und verstehen werde ich es nie!!

Bei mir ist es so, das ich eher wütend und sauer bin als traurig...immer noch...musste deswegen auch in Behandlung und dort wurde festgestellt, das ich das wohl noch nicht verarbeitet habe...ich hab auch fast gar nicht geweint...ich bin nur wütend darüber das sie mich beide im Stich gelassen haben! Irgendwann würde ich gern richtig trauern können und drüber wegkommen, ich hoffe das ich das irgendwann kann!

Ich vermisse sie ganz doll!!

Fühl dich auf jeden Fall gedrückt und ich wünsch dir viel Kraft für die nächste Zeit!!

Stille Grüße

#liebdrueck

Betti

Beitrag von .nefur. 27.05.11 - 21:44 Uhr

Hallo,

es tut mir sehr leid für euch. Mein Vater hat sich auf das leben genommen. Es ist viele Jahre her.

Ich dachte damals immer, dass mein Vater Friede über die Depressionen gefunden hat. Es war für mich wie eine Krankheit, die heilbar war oder tödlich verlaufen würde. Er hinterlies anders als dein Papa einen Brief. allerdings ist dem kaum etwas zu entnehmen. Er verabschiedete und entschuldigte sich. Aber er zeigte nicht das wahre Problem in seinem leben.

Ich wünsche dir alles erdenklich gute. Es tut mir eigentlich Leid, dass du ihn hängen sahst. Ich sah meinen Vater auch. ich wollte ihn unbedingt sehen, damit ich wirklich weiß, dass er es war.


alles gute wie gesagt. Viel Kraft - gerade für die nächste Zeit.

Beitrag von engel_in_zivil 27.05.11 - 21:51 Uhr

ich finde es gut, dass du deine gedanken offen niederschreibst! ich habe das auch gemacht.aber in ein büchlein nur für mich.
wenn du magst, kannst du mir eine pn schicken... habe auch jemanden auf diese weise verloren vor 10 monaten, aber mag hier nicht so offen schreiben... obwohl es ja eigentlich blödsinn ist, es zu verschweigen.

wie gesagt, wenn du magst, können wir uns per pn austauschen.

lg!

Beitrag von umsche 28.05.11 - 12:56 Uhr

#liebdrueck
Mache dir keine Vorwürfe, das würde dein Vater nicht wollen. Wie du selber schon geschrieben hast: es war seine Entscheidung und sein Weg.

Ich fühle mit dir und wünsche dir und deiner Familie viel Kraft, euren Weg weiter gehen zu können mit dem Wissen, dass dein Vater es sicher so wünscht!

Alles Liebe!

Beitrag von woodgo 28.05.11 - 18:42 Uhr

Hallo,

und mein herzliches Beileid.
Ich war damals auch Eis essen und habe die Anrufe meiner Familie ignoriert, da es unser Familiennachmittag war, mein Mann, unsere Tochter damals 2 Jahre alt, und ich.
Als ich am Abend ans Telefon gegangen bin, erfuhr ich, daß sich mein Vater das Leben genommen hat.
Mir hat es damals sehr geholfen, daß ich Ihm einen Brief geschrieben habe und in seine Andenken gelegt habe. Die Zeit heilt alle Wunden, das ist wirklich so.

Alles Gute!

Beitrag von ninoschka2601 29.05.11 - 01:15 Uhr

Hallo,

es tut mir echt sehr leid,das du dein papa verloren hast. Mir kamen beim lesen echt die tränen.Lass dich mal ganz lieb#liebdrueck
ich weiss wie du dich jetzt Fühlst,ich habe mein Papa vor 9 wochen leider an Krebs verloren :-(
Wir hatten bei der Trauerfeier von mein Papa auch Frank Sinatra - My Way gespielt.
Ich wünsche dir in der nächsten Zeit ganz viel Kraft und lass den Kopf bitte nicht hängen.

Ich zünde eine #kerze für dein Papa an

Und eine #kerze für mein Papa

Ninoschka83

Beitrag von xbienchenx 30.05.11 - 09:55 Uhr

Erst mal mein herzliches Beileid zu diesen schweren Verlust.

Mein Vater hat sich auch das Leben genommen. Das ist jetzt vier Jahre her und immer noch sehr, sehr schwer. Wir haben zwar einen Abschiedbrief, aber trotz dem ist es schlimm. Mein Vater hatte damals Krebs im endstadium. Auch wir waren für den nächsten Tag verabredet. Zum Glück habe ich ihn nicht "gefunden". Mein Exfreund und Schwager wollten nach ihn sehen und fanden ihn dann auf der Couch. Später stellte sich raus das er sich 2 mal in´s Herz gestochen hat. Mich verfolgen diese Bilder immernoch...wie es wohl für ihn war, ober er Schmerzen hatte....Antworten darauf werde ich nie bekommen.

Aber ich weiß das es für ihn der richtige Weg war und er jetzt erlöst ist.
Solche Taten sind fast immer Kurzschlußreaktionen.
Und trotz dem sind es für mich Helden. Denn so einen Weg zu gehen, finde ich sehr Mutig. Viele sehen das anders.

Ich hoffe das du zur Ruhe kommst und es schaffst das zu verarbeiten. Rede so viel du kannst, das macht es leichter.

Dich lieb umarm und drück

Beitrag von engel_in_zivil 30.05.11 - 14:29 Uhr

ich bin auch der meinung, dass viel mut dazu gehört, diesen weg zu gehen. und dennoch tut man es nicht mit einem gesunden verstand... so eine diagnose,wie auch dein vater sie hatte, hat viele nebenwirkungen (depressionen) und nur dann ist solch eine tat möglich, denke ich.
es reicht ein kleiner auslöser, aber die ursachen sind viel vielfältiger :-(



Beitrag von xbienchenx 30.05.11 - 14:58 Uhr

Da hast du vollkommen Recht. Die meißten die diesen Schrit gehen, haben Depressionen. Es ist einfach traurig und für mich nicht vorstellbar, wie man so etwas tun kann.

Beitrag von engel_in_zivil 30.05.11 - 17:30 Uhr

ich werde es auch nie verstehen :-( aber nachdem ich es ja auch erlebt habe, sehe ich "sowas" mit ganz anderen augen. früher fand ich es nur schlimm, wenn ich davon gelesen haben. heute weiß ich, dass diese menschen keinen anderen ausweg gesehen haben. und jeder hat das recht, zu gehen, wann er will. für die hinterbliebenen ist ein verlust immer furchtbar. die art und weise ist da fast schon unwichtig.