Mein Vater ist Alkoholiker

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von eckilein 27.05.11 - 14:59 Uhr

Hallo,

ich bin nach einem gerade geführten Telefonat mit meiner Mutter mal wieder völlig fertig und muss einfach mal darüber schreiben, es hilft einfach und ich glaube, Antworten tun mir gut!

Mein Vater ist Alkoholiker, seit JAHREN!!!! Ich habe seit Jahren auf meine Mutter eingeredet, sie solle ihn verlassen, weil es immer schlimmer wurde und auch Tätlichkeiten ins Spiel kamen... und immer diese verbalen Streiterein mit den schlimmsten Ausdrücken... in einer LAutstärke, dass alle es mitbekamen in der Nachbarschaft.

Bei meiner Mutter ist es nun so, dass sie mit Mitte 50 nun endlich ausgezogen ist und jeden tag kommen nun ihre Anrufe bei mir an (ich wohne weiter weg) mit den neuesten Geschichten, ich kann es nicht mehr hören! Wir sind alle schuld an seinem Leid, mit mir hat er seit Februar keinen Kontakt mehr (ich bin nämlich schuld, dass sie ausgezogen ist), zu meinem Bruder nun auch abgebrochen... und seine Enkel? da kümmert er sich nicht, außer mal Geld zu Weihnachten etc. Sicherlich, ich weiß, dass er sie liebt und uns wahrscheinlich auch, aber es ist alles so festgefahren.

Am schlimmsten ist, alle anderen sind schuld. Ein Alkohlproblem hat er nicht! ich könnt so schreien jedesmal... und nun wird er wohl bald seinen Job verlieren, woran nur meine Mutter schuld ist und das bescheuerte ist, dass sie dann auch noch Unterhalt zahlen muss. was ist das für eine Welt?

Ich sag immer nur, ist halt so... sei froh, dass du weg bist und schau nach vorn... aber klar, jeden Monat über 500 Euro an einen Mann abdrücken, der dich dein Lebenlang unterdrückt hat und immer die Schuld von sich gewiesen hat... ich brauch einfach mal für mich Beispiele, wems ähnlich geht oder ergangen ist oder ob man was machen kann?

Und was ich auch so krass finde, hört ein Alkoholiker mal einige Zeit auf mit dem Trinken, stabilisieren sich die Organe wieder... es kann Jahrelang so weitergehen. und dieser Seelenterror.... ich weiß einfach nicht weiter. Er tut mir auch so leid auf der einen Seite, ich hab immer versucht, nach der Trennung für ihn da zu sein, aber man kommt auch mit guten Arguemten nicht an ihn ran.

Sorry für das viele blabla.

Eckilein

Beitrag von swety.k 27.05.11 - 17:30 Uhr

Hallo,

das ist schlimm, aber ich fürchte, daß Ihr nicht viel machen könnt. Du mußt Dir klar machen, daß sein Verhalten von seiner Krankheit kommt und daß er nicht anders kann. Er muß sich erstmal selbst eingestehen, daß er krank ist und Hilfe braucht. Dann kann's erst besser werden. Vielleicht muß er erst ganz unten ankommen, damit er merkt, was mit ihm los ist. Mag sein, daß er seinen Job verliert, seine Familie ist er schon los, möglicherweise verliert er auch seine Wohnung. Vielleicht geht es ihm erst dann schlecht genug, um seine Hilfsbedürftigkeit einzusehen.

Klar, das ist schwer zu ertragen, wenn es den eigenen Vater betrifft. Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Reden hilft nicht. Er wird sich nicht ändern, nur weil Ihr es ihm sagt. Jemand der irgendeine andere Krankheit hat, wird ja auch nicht gesund, weil man es ihm sagt.

Gut, daß Deine Mutter ausgezogen ist. Ich hoffe, sie bleibt stark. Ich kann auch verstehen, daß Du ihre Geschichten nicht mehr hören kannst, aber ich hoffe sehr, daß Du trotzdem für sie da bist und ihr den Rücken stärst. Nur so könnt Ihr Deinem Vater wirklich helfen.

Und die Sache mit den Organen: Mag sein, daß es so ist. Aber überleg doch mal, wenn er wirklich Alkoholiker ist, kann er nicht einfach so eine Weile mit dem Trinken aufhören und dann wieder anfangen. So "logisch" kann ein Süchtiger nicht denken. Wenn er es aber wirklich schafft, für eine Weile mit dem Trinken aufzuhören, dann kann er es auch schaffen, für immer aufzuhören. Wenn er nämlich eingesehen hat, wie schädlich es ist, dann fängt er auch nicht wieder damit an.

Alles Gute für Euch.

Liebe Grüße von Swety

PS: Meine Mutter war Alkoholikerin. Sie starb an dieser Krankheit, als ich erst elf war. Sie hatte nicht die Chance, die Krankheit zu besiegen. Dein Vater hat sie vielleicht.

Beitrag von anne221b 27.05.11 - 19:18 Uhr

Hallo!

Das beste, was man machen kann, das habt ihr scheinbar getan. Ihn vor die Wahl zu stellen und konsequent zu handeln.
Ansonsten hättet ihr mit allem anderen die Abhängigkeit toleriert.

Ein Alkoholiker muss selber erkennen, dass er am Boden ist und sollte aus eigenem Antrieb etwas dagegen tun wollen. Alles andere hilft nicht. Eine realistsche Chance haben Leute, die sich ihre Krankheit eingestehen und auch in der Öfentlickeit dazu stehen. Zunächst kommt der Entzug (Körper) und dann die Entwöhnung (Psyche). Beides sollte unter ärztlicher & therapeutischer Hilfestellung geschehen.

Ich habe beruflich Mitarbeiter betreut, die ein Problem hatten und diese begleitet. Sie waren für die drohenden Konsequenzen als auch die gebotenen Hilfestellungen dankbar im Nachgang.

Irgendwann kommt vielleicht die Situation, wo er am Boden sein wird: Frau weg, Job weg und er will nicht noch tiefer fallen und stellt sich seinem Problem. Oder aber er bleibt dabei und trägt auch hier die gesundheitlichen Konsequenzen.

Übrigens gibt es Statistiken, die besagen, dass die meisten Alkoholiker nach der ersten Entwöhnung rückfällig werden. Die höchsten Chance clean zu bleiben sind bei der 2. Kur.

Kopf hoch und optimistisch bleiben. Zeige deinem Vater, dass du für ihn da bist, wenn er Hilfe braucht und motiviere ihn, was zu tun. Aber bleibt konsequent, solange er leugnet.

LG, Anne

Beitrag von comapo 28.05.11 - 10:18 Uhr

Moin,

mal zu dem anderen Aspekt: Deine Mutter sollte sich einen guten Anwalt nehmen. Einerseits ist Alkoholabhängigkeit eine Krankheit, andererseits hat er seine Arbeit ja "schuldhaft" verloren. Hat er keinen Anspruch auf ALG1?

Ich würde das auf jeden Fall prüfen lassen.

Gruß, Comapo