Erfahrung mit Wochenbettdepression

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Forum: Geburt & Wochenbett

Die Geburt deines Kindes rückt näher und es tauchen immer noch neue Fragen auf? Du hast gerade entbunden und ganz spezielle Fragen in dieser besonderen Situation? Hier ist der Ort für alle Fragen rund um Geburt und Wochenbett.

Beitrag von andoura81 27.05.11 - 18:33 Uhr

Hallo,

Ich habe vor ein paar Monaten meine Tochter per Notkaiserschnitt bekommen und bin durch diverse Auslöser wie eine traumatische Geburt und starke körperliche Erschöpfung in eine Wochenbettdepression gerutscht, mit der ich noch immer zu kämpfen habe. :-(

Ich würde mich gerne mit anderen Frauen über dieses Thema austauschen und erfahren, welche Auslöser bei Euch dazu geführt haben und wie lange es gedauert hat, bis ihr diese Phase hinter Euch lassen konntet.#klee

Freue mich über Eure Antworten.
#danke

Beitrag von skm 27.05.11 - 22:00 Uhr

huhu,

meine wochenbettdepression begann als ich nach meinem 2. Kaiserschnitt alleine für die Kinder sorgen musste.

Sprich: Geburt --> 2 Wochen war mein Mann zuhause --> danach komplett alleine.

Ich habe mich irgendwie selber unter druck gesetz alles perfekt zu machen. meine große musste um 9 in der kita sein und ich wollte immer diese zeit schaffen allerdings wollte meine kleine immer dann gestillt werden. auch beim abholen lief es immer so ab. das hat mich ungemein gestresst, warum auch immer. ich lehnte nach und nach meine kleine ab. es war mir egal wenn sie schrie. wenn mein mann nicht manchmal gesagt hätte; jetzt nimm sie doch mal; hätte ich sie vermutlich garnicht mehr angefasst. selbst stillen war für mich nur noch eine qual und ein zwang.

meine hebamme war schon ganz verzweifelt und hat mit mir über medikamente geredet aber ich habe dann einfach mit stillen aufgehört von jetzt auf gleich und das war´s! der druck war weg und alles fing an sich zu normalisieren. langsam lernte ich meine tochter kennen und lieben. das abstillen lief ohne probleme.

inzwischen schäme ich mich über mich selber. meine kleine war ein absolutes wunschkind. lang ersehnt. nach sagenhaften 15 wochen habe ich sie endlich angenommen. ich versuche in jeder minute meine fehlenden 15 wochen nachzuholen.

es zerreißt mich immer noch wenn ich mich zurück erinnere. ich habe es mir nie vorstellen können das einem sein eigenes kind so egal sein kann.

wenn du magst kannst du mir gerne auch privat schreiben.

lg skm

ps. ich hoffe ich habe versändlich geschrieben bin grad total müde

Beitrag von andoura81 28.05.11 - 16:01 Uhr


Schreibe dir eine Pn.

Beitrag von tineee79 28.05.11 - 21:23 Uhr

Hatte drei Wochen nach der Geburt Wochenbettdepressionen. Ich war so wahnsinnig tieftraurig obwohl eigendlich überhaupt kein Grund da war. Ich hab viel drüber gesprochen, das hat mir geholfen. Mit meiner Freundin telefoniert, die übrigens noch kein Kind hat. Das hat mir aber trotzdem geholfen. Mit drei Monaten nach der Geburt hatte ich nach dem Abstillen noch mal einen richtigen Deressiven Schub. Der hat dann vier Wochen lang angedauert. Das war die Hölle alles war schlimm und traurig für mich. War dann bei einer Heilpraktikerin die hat mir etwas geholfen. Zumindest war alles rum als ich wieder zum ersten Mal meine Tage hatte.
Die Hormone denk ich waren das bei mir. Aber rede drüber, das ist wichtig!!!

Beitrag von andoura81 30.05.11 - 22:55 Uhr

Danke für den Tipp, ja Reden ist auf jeden Fall wichtig, um diese Zeit zu überstehen. #klee

Ist ja gut, dass es bei Dir nicht ganz so lange gedauert hat wie bei anderen, bei denen erst nach einem Jahr der ganze Spuk vorbei ist.

Ich finde, am schlimmsten ist diese Hoffnungslosigkeit, kleine Probleme scheinen so überirdisch groß und unüberwindbar. War das bei Dir auch so?
Gab es konkrete Auslöser bei Dir, warum es Dir so schlecht ging, außer der Hormonumstellung?

Liebe Grüße

#winke

Beitrag von tineee79 31.05.11 - 17:00 Uhr

Ja Auslöser waren schon da. Vor vier Jahren verstarb meine Mutter bei einem Verkehrsunfall. Damals war das ein furchtbarer Schock für mich. Habe aber intensiv getrauert und gedacht ich hätte das ganze verarbeitet .....
..... bis zur Geburt meiner Tochter, bzw. erst einige Wochen danach.
Ich fühlte mich immer so einsam, obwohl ich viele Freunde und einen liebevollen Ehemann hatte. Aber Tagsüber ist man halt dann doch meistens alleine mit der Maus und die Einsamkeit ist dann automatisch da.

Habe dann als die Kleine drei Monate alt war auch versucht alles mögliche mitzumachen, wie Babymassage, Krabbelgruppe ab sieben Monaten. Das half mir schon auch etwas. Einfach zu wissen an zwei Tagen die Woche ist man vormittags nicht so einsam. Man lernt auch Mamis in der selben Lage kennen und kann gemeinsam drüber reden. Ich persönlich hab aber gar nicht so viel mit den anderen Mamis über meine Depression gesprochen sondern war einfach nur happy Kontakte zu haben und wieder lachen zu können, das hat mir geholfen.
Zwischendurch, bei Krankheit oder so wenn ich mal dringend Hilfe bräuchte ist es bei uns halt etwas schwierig mein Mann kann auch nicht alles abfangen, da fühle ich mich dann wieder sehr einsam und vermisse meine Mutter sehr.

Mir ist aber auch klar dass ich durch das alles eine sehr starke Frau und Persönlichkeit geworden bin und das sage ich mir dann oft wenn ich wieder leicht in depressiver Stimmung bin. Dann halte ich mir immer vor Augen was ich schon alles in meinem Leben geschafft habe. Das hilft mir.

Schreib mir ruhig öfter wenn du willst....

lg, Christine

Beitrag von rumpeline 31.05.11 - 21:55 Uhr

Hallo,
bei meiner ersten Tochter gings mir eigentlich fast gleich nach der Geburt psychisch schlecht. In der Klinik musste ich fast nur heulen, stillen hat auch nicht geklappt, wohl weil ich mich psychisch dagegen gewehrt habe. Nach einer Weile gings mir ein bisschen besser, dann wieder schlechter und das zog sich so hin. Als meine Tochter ca. 1 Jahr alt war, war ich dann am Ende und habe mir eine Psychotherapeutin gesucht. Dort habe ich dann eine Psychotherapie begonnen und auch ein Jahr ein Antidepressivum genommen. Würde schon sagen, dass ich ca. 2,5 Jahre damit zu tun hatte.
Als ich zum 2. mal schwanger wurde (auch geplant) habe ich mir gleich eine Therapeutin gesucht und die hat jetzt schon einiges aufgefangen.

Was ich daraus gelernt habe: darüber sprechen, zulassen, dass es einem nicht gut geht und gut informieren. Ich habe damals immer gedacht, was stimmt nicht mit mir??? Und das durfte ich mir auch von verschiedenen Seiten anhören. Eine PPD ist eben nicht gesellschaftsfähig, als (frische) Mami sollte man doch überglücklich sein.... Heute weiß ich, dass es vielen Frauen so geht und ich nicht "unnormal" oder eine Rabenmutter bin!

Alles Gute,
rumpeline