ALG II - Zahlung "Lehrgang" Alltagsbetreuerin wg. Jobangebot

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Beitrag von duchovny 29.05.11 - 21:16 Uhr

Hallo,

auch wenns heute wegen dem ALG II schon kocht! Brauche ich dennoch mal bitte Rat! Es geht um folgendes:

Meine Schwester, 23, ledig, wohnt mit meiner Mutter in einer Wohnung. Hat den Abschluss der Sozialassistentin. Danach war sie mehrere Jahre erkrankt, Bulemie, sie wog teilweise nur 40 kg. Jetzt geht es ihr aber wieder ziemlich gut, so dass der Amtarzt (?) gesagt hat, Teilzeit könnte sie arbeiten.

Das Jobcenter hat ihr eine Stellenaussschreibung geschickt! Als Alltagsbetreuerin, auf diese Stelle hat sie sich beworben! Und soll die Stelle bekommen, 3/4 Stelle also 30h die Woche! ABER sie ist "nur" Sozialassistentin und laut AG braucht sie diesen Schein/Kurs als Alltagsbetreuerin! Dies hat sie vom AG auch schriftlich, dass er sie nimmt, wenn sie den Abschluss hat!

Problem: Das Jobcenter will diesen Lehrgang nicht zahlen. Begründet haben sie es damit, dass sie keine 4 Jahre Berufserfahrung hat (in irgendeinem Beruf). So droht es jetzt zu scheitern.

Kann das sein, dass sie das ablehnen? Dieser Kurs kostet ca. 1000€!

Neuerdings wird doch jeder Hunz und Kunz als Alltagsbetreuer geschult, seitdem dies mit der Pflegekasse durch ist! Fast jeder 3. ALG II-Empfänger den ich kenne, hat diesen Kurs gemacht, ohne konkrete Jobzusage und hier wollen sie den Kurs nicht zahlen? Ist doch irgendwie unlogisch!

Hätte sie mindestens Chance auf ein Darlehen dafür?

Ein Bekannter hat den Busführerschein bezahlt bekommen, weil er so eine Zusage hatte, der an die 10.000 € gekostet hat. (Einen Teil musste er m. W. wieder zurückzahlen aber gut)! Dafür ist er nach einem Jahr geflogen und seitdem wieder ALG II-Empfänger! #augen Aber dafür ist Geld da?

Gibt es einen Weg, dass sie die Stelle doch antreten kann bze. sie den Schein bezahlt bekommt? VIelleicht mit Gesetzesgrundlage?

Bitte um Rat und danke im Voraus!

GLG

Beitrag von king.with.deckchair 29.05.11 - 22:08 Uhr

Es geht nicht darum, wofür "Geld da" ist oder wer sonst alles welche Schulungen bekommt/bekam und was mit diesen Leuten ist, sondern schlicht um rechtliche Voraussetzungen.

Es kann tatsächlich sein, dass sie diese für eine so genannte "FbW" (Förderung der beruflichen Weiterbildung) nach § 77 SGB II nicht erfüllt.

Absatz 2:

http://bundesrecht.juris.de/sgb_3/__77.html

Sie sollte aber mal klären lassen, ob sie nicht ein so genannter "Reha-Fall" sein könnte (Reha-Beratung der Agentur für Arbeit, manchmal haben auch die Jobcenter selbst eine entsprechende Fachkraft) und ob dann darüber die Schulung finanziert wird.

Eine weitere Anlaufstelle wäre ggf. der Rententräger.

Beitrag von king.with.deckchair 29.05.11 - 22:09 Uhr

Nachtrag: Wäre ich ihre Fallmanagerin würde ich sie angesichts der Vorgeschichte aber schon fragen, ob sie sich voll bewusst ist, auf welchen Job sie sich da einlassen möchte und ob sie wirklich der Ansicht ist, psychisch stabil genug zu sein...

Beitrag von duchovny 29.05.11 - 22:25 Uhr

Der Vorschlag kam ja von der Fallmanagerin, die hat ihr ja das Jobangebot ausgedruckt!

Sie hat dort Praktikum gemacht (auch von der ARGE genehmigt) und ist begeistert davon, ihr gefällt es wirklich gut! Sie ist auch total "verändert" seitdem sie einfach Arbeit hat! Ihr tut es wohl richtig gut!

Deshalb ist sie jetzt auch ziemlich enttäuscht, eben weil die Stelle vom Jobcenter kam und ihr jetzt wiederum nicht helfen wollen, dass sie die Stelle tatsächlich anfangen kann!

Danke Dir!



Beitrag von king.with.deckchair 30.05.11 - 19:09 Uhr

Das ist dann natürlich äußerst merkwürdig und ich würde schon mal den Teamleiter fragen, was das soll.

Hier übrigens noch mal die Geschäftsanweisung der BA zum § 77:

http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/HEGA-Internet/A05-Berufl-Qualifizierung/Publikation/HEGA-12-2010-Anpassung-GA-Anlage-8.pdf

Leider bin ich nicht so fit in Reha-Sachen, ich weiß auch nicht, inwieweit mit einer (überwundenen) Bulimie ein GdB vorliegt oder inwieweit man drohende Behinderung dabei einstuft, aber ich würde einfach mal bei der BA nachfragen.

http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-Sammlung/MB-12-Foerderung-Teilhabe-Arbeitsleben-AN.pdf

Guckst du auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Berufliche_Rehabilitation

Wie gesagt, kann sein, dass ich da jetzt auf der falschen Fährte bin, aber einen Versuch wäre es sicher wert.

Gruß
Ch.

Beitrag von musterli70 30.05.11 - 06:40 Uhr

Von einer vier jährigen benötigten Berufserfahrung in einem anderen Berug f konnte ich jetzt nichts finden, allerdings dauert die Ausbildung zur Alltagsbetreuerin 2 Jahre.

http://www.gww-netz.de/qualifizierung_zur_alltagsassistentin__zum_alltagsassistent_mit_staatlich_anerkanntem_abschluss.html

Beitrag von duchovny 30.05.11 - 09:12 Uhr

Also die ARGE bietet Kurse an die 6-8 Wochen gehen! Meine Mutter hat den auch gemacht und danach eine Stelle als Alltagsbetreuerin bekommen. Damals war es von der Diakonie. Auch von der ARGE bezahlt!

Beitrag von musterli70 30.05.11 - 13:45 Uhr

Fragt sich blos, ob einen jemand mit wso nem Schnellkurs einstellen möchte, Arbeitgeber investieren aus Erfahrung gerne wenig und fordern die best möglichste Ausbildung.
Ich würde keinen einstellen der nen Beruf dessen Ausbildung über zwei Jahre geht in nem 6-8 Wochen Schnellkurs gemacht hat.

Beitrag von duchovny 30.05.11 - 13:52 Uhr

Ja, der AG will ja, dass sie genau diesen Schnellkurs absolviert! Sie hat ja auch schon Erfahrungen in der Arbeit mit alten MEnschen! Als Sozialassistentin hat sie ja Praktika gemacht, darunter auch im Altenheim!

Der AG hat sie ja im PRaktikum bei ihm schon geprüft, es geht um den Schein, dass sie diese Tätigkeit auch ausüben kann! Eigentlich pro Forma!

Beitrag von king.with.deckchair 30.05.11 - 18:57 Uhr

"(2) Anerkannt wird die Notwendigkeit der Weiterbildung bei Arbeitnehmern wegen fehlenden Berufsabschlusses, wenn sie

1.
über einen Berufsabschluss verfügen, jedoch auf Grund einer mehr als vier Jahre #aha ausgeübten Beschäftigung in an- oder ungelernter Tätigkeit eine entsprechende Beschäftigung voraussichtlich nicht mehr ausüben können, oder
2.
nicht über einen Berufsabschluss verfügen, für den nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften eine Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren festgelegt ist. Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss, die noch nicht drei Jahre beruflich tätig gewesen sind, können nur gefördert werden, wenn eine berufliche Ausbildung oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme aus in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar ist."

http://bundesrecht.juris.de/sgb_3/__77.html

Aber mit der Rechtssicherheit hast du's ja nicht so, gell?

Beitrag von sarahjane 30.05.11 - 09:28 Uhr

1000 Euro sind ja nun nicht sooo viel Geld. Sammelt innerhalb der Familie für sie und spendiert ihr den Kurs.

Beitrag von ppg 30.05.11 - 09:41 Uhr

Das sage ich an dieser Stelle auch oft:

Aber den meisten gehts ja gar nicht darum ihren Anverwanten tatkräftig zu helfen, sondern Kohle vom Amt rauszuschlagen, selbst wenn es Monate dauert...................

Ute

Beitrag von duchovny 30.05.11 - 10:54 Uhr

Nein, nur finanziell ist es nicht drin! Bei uns nicht, weil wir gerade unser 3. Kind bekommen, meine Mama bekommt ergänzend ALG II mit meiner Schwester sind sie eine BG und reiche Verwandte haben wir leider nicht!

Wäre es finanziell möglich, würden wir es mindestens leihweise tun! Deshalb auch die Frage nach einem Darlehen!

Nur sorry, es ist auch schon etwas bescheuert! Die geben ihr ein Jobangebot als Alltagsbetreuerin (stand groß drüber). Sie bewirbt sich, soll die Stelle bekommen, die sie ihr vermittelt haben und dann kann sie die Stelle die sie ihr vermittelt haben doch nicht annehmen, weil die ihr so einen Kurs verweigern!

Es ist eigentlich abstruss, sie wollten ihr Bewerbungstraining ect. bezahlen. Sowas kostet die auch Geld manchmal sogar mehr als so ein Kurs. Statt diesem Schmarrn, den Kurs finanzieren und sie haben eine ALG II-Empfängerin weniger! Besonders sie soll ja eine unbefristete Stelle bekommen.

Ich weiß dass da viel Bürokratie herrscht. Aber logisch wäre sie zahlen es, und in spätestens 3 Monaten wieder raus, weil sie keine Leistungen bezieht. Und sind sie auf Dauer los!

Es ist schon echt schade, dass es an sowas zu scheitern droht. Besonders sie haben ihr die Stelle auch noch vorgeschlagen!

Beitrag von mel1983 30.05.11 - 11:03 Uhr

Hallo,

du stellst dir das einfacher vor, als es ist.

Einen Kurs spendieren, durch die Verwandten, ansich keine schlechte Idee. Wenn du damit aber zum Arbeitsamt gehst, werden sie hellhörig. "Was? Sie bekommen 1000 Euro geschenkt. Damit verringern sie ihre Bedürftigkeit auf ein absolutes Minimum für einige Monate - toll!"

Und schwupp hat man Ärger und Streitereien am Hals.

Desweiteren kann man nicht so einfach sagen: "So liebe Leute, ihc mache jetzt einen Weiterbildungskurs", denn dann sagt die ARGE "und tschüss" und wirft dich aus allem raus, weil du nicht mehr zur Verfügung stehst.

Alles in Allem eine sozial gute Idee, praktisch umsetzbar wäre sie selbst mit den nötigen finanziellen Mitteln nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen!

Gruß

Beitrag von manavgat 30.05.11 - 12:53 Uhr

Ich würde mit dem AG verhandeln, dass er ein Darlehen gewährt und die die Kursgebühren auf 6 Monate vom Gehalt abzieht.

Gruß

Manavgat