Wie bindend ist eine Patientenverfügung ?

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Beitrag von jolin80 29.05.11 - 21:37 Uhr

Hallo ,

es geht um meinen Opa , der vor 9 Jahren eine Patientenverfügung bei einem Notar gemacht hat .

In dieser steht u.a. das er bestimmt das er falls er irgendwann nicht mehr im Besitz seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten ist, in ein Pflegeheim möchte .
Desweiteren steht da das seine Rente und sein Vermögen dafür verwendet werden soll. (Gut , das Vermögen existiert aber nicht mehr ).
Seine Betreuungsperson bzw. seine Bevollmächtigte hat dafür zu sorgen .

Die Bevollmächtigte in diesem Fall ist meine Mutter , seine Tochter also .
Sie regelt schon seit einigen Jahren alles für ihn .

Mein Opa ist schon seit Jahren pflegebedürftig und bettlägerig , geht nicht mehr alleine zu Toilette und einmal am Tag kommt ein Pflegedienst .

Jetzt kam es am Wochenende zum wiederholten male zu einem sehr unschönen Vorfall , wo wir ,die Enkel , meinen Opa u.a. gesundheilich gefährdet sehen .

Die Patientenverfügung haben wir gestern das erste mal lesen müssen und haben den o.g. Wunsch meines Opa´s gelesen .

Meine Mutter , also die Bevollmächtigte , möchte ihn aber partout nicht in ein Pflegeheim geben , sie sagt immer nur " das kann ich nicht " , sie hätte den Eindruck er würde sich dann abgeschoben fühlen .
Aber es war doch sein Wunsch !

Wir würden aus verschiedenen Gründen dem Wunsch meines Opas gerne nachkommen , wir sehen ihn da aus mehreren Gründen besser aufgehoben als bei meiner Mutter .

Frage ist , was können wir tun ? Muß meine Mutter sich an den Wunsch halten ? Also ist sie verpflichtet dazu ?

Wie können wir dem Wunsch meines Opas nachkommen auch wenn die Bevollmächtigte das nicht will ?

Das war zwar ziemlich lang , aber es diente der Erklärung , ich beantworte gerne noch Fragen und freu mich auf eure Antworten !


lg

Beitrag von iris1971 29.05.11 - 22:04 Uhr

Hallo Jolin!

Die Sache mit den Patientenverfügungen ist immer noch eine Grauzone und wie sich das im privaten (sprich famiiären Bereich) auswirkt weiß ich auch nicht so ganz genau. Am ehesten würde ich einen Termin mit dem Notar vereinbaren und mich bei dem erkundigen.

Aber ganz ehrlich, ich glaub, du wirst da so oder so einen Familinstreit provozieren.

Vielleicht kannst du deine Muttter auch dazu bewegen, sich mit euch zusammen mal ein paar Pflegeheime anzuschauen, mag sein, daß ihr eins findet, mit dem deine Ma sich anfreunden könnte.

Eiine andere Möglichkeit könnte auch sein, den Pflegedienst öfters einzubestellen, sprich, die Pflegestufe raufzusetzen. Hier wäre der Hausarzt und der SMD gefragt, das könnte deine Mutter auch entlasten.

Ich wünsch dir alles Gute!!

LG`s Iris

Beitrag von jolin80 29.05.11 - 22:18 Uhr

Den Pflegedienst öfter einbestellen geht aus finanziellen Gründen nicht .

Pflegeheime ansehen mag sie sich auch nicht weil es für sie auf keinen Fall in Frage kommt Opa dahin zu geben .

Ich denke sie selber sieht das auch nicht realistich und objektiv .

Es spielen da auch finanzielle Aspekte eine große Rolle , wäre Opa in einem Heim müßte sie aus der viel zu großen Wohnung ausziehen etc .
Das möchte sie nicht . Und es gibt noch ne Menge anderer solch dummer Gründe aus denen sie das nicht will , leider denkt sie da mehr an sich als an meinen Opa !!!

Beitrag von windsbraut69 30.05.11 - 06:10 Uhr

Wenn schon kein Geld für den Pflegedienst vorhanden ist, wie wollt Ihr denn ein vernünftiges Pflegeheim finanzieren?
Ich denke, Deine Mutter hat auch davor nachvollziehbare Ängste.
Habt Ihr Euch über die Finanzierung mal in Ruhe Gedanken gemacht?

Gruß,

W

Beitrag von oma.2009 30.05.11 - 15:17 Uhr

Hallo,

ich habe meinen Mann auch die letzten Jahre gepflegt, bis zu seinem Tod. Ich bin auch in der Patientenverfügung eingesetzt, die vor einem Notar gemacht worden ist. Und mein Mann hat dort z.B. unterschrieben, dass er keine lebensverlangernde Maßnahmen wünscht. Ich habe mich aber MEHRFACH dagegen entschieden, habe nachträglich mit ihm gesprochen und er hat mir signalisiert: DAS WAR RICHTIG. Nur weil es so eine Verfügung gibt, ist derjenige, der die Entscheidung treffen soll nicht immer daran gebunden. Mein Mann war noch kurze Zeit zu Hause, der Pflegedienst kam 2x am Tag bzw. auch zwischendurch auf spezielle Anforderung. Die waren echt super vom Pflegedienst. Für mich kam, auch aus finanziellen Gründen, kein Pflegeheim in Frage obwohl mein Mann bei mehreren Heimen auf der Warteliste stand. Und jetzt, im Nachhinein, denke ich, ich habe richtig entschieden. Mir war es da auch ziemlich egal, was unsere Kinder dabei gedacht haben. Obwohl, wenn mein Mann hätte in ein Heim gemußt (wenn ich total überfordert gewesen wäre mit der Pflege), dann hätten meine Kinder mich finanziell unterstützt bzw. einen Teil der Heimkosten mitgetragen. Wir hatten Pflegestufe 2, der Antrag auf Stufe 3 lief allerdings schon. Aber da ist es nicht mehr zu gekommen. Aber ich würde immer wieder so entscheiden. Und ich hoffe einfach mal, dass meine Kinder (sind von mir in meine Patientenverfügung inkl. Generalvollmacht eingesetzt worden) genauso abwägen und dann für mich entscheiden und nicht sur nach der Verfügung gehen.

LG

Beitrag von jolin80 30.05.11 - 18:07 Uhr

Eine überforderte Pflegekraft kann die Hölle sein bzw. werden für einen kranken , bettlägerigen , in jeder Hinsicht auf Hilfe angewiesenen Menschen .

Und meine Mutter ist überfordert , er bekommt keine ärztlich Versorgung , meist nur irgendwelche Selbstversuche die dann wie letztes Wochenende im Krankenhaus enden .

Ich will jetzt hier nicht alles aufzählen und erzählen , aber so kann und darf es für meinen Oa nicht weitergehen .

Wie soll er uns etwas signalisieren ? Er ist völlig verwirrt und nicht mehr Herr seiner Sinne .

Beitrag von oma.2009 30.05.11 - 18:44 Uhr

Hallo,

mein Mann wr noch einigermaßen klar im Kopf, genau DAS war für uns das allerschlimmste....er hat alles mitbekommen, nur er konnte nichts sagen, sich nicht bemerkbar machen usw.
Aber der Arzt ist immer dann gekommen, wenn ich angerufen habe, der Pflegedienst kam 2x am Tag und bei Bedarf, ich brauchte auch dort nur anzurufen. Und ja, auch ich waar teilweise überfordert, habe abends im Schlafzimmer (1. Etage, mein Mann hatte unten sein Pflegebett stehen) gesessen und geheult, habe Gott und die Welt für unser Leid verantwortlich gemacht, habe meinen Mann erneut in eine Klinik einweisen lassen, wo die Ärzte 100% sicher waren, sie könnten ihm helfen (er hatte eine Trachealkanüle, die sollte raus...) man hat uns große Hoffnung gemacht und dann ist er dort verstorben, nach nur 1 Tag Aufenthalt dort. Aber ich hätte niemals etwas alleine entschieden, ich habe jederzeit meine/unsere Kinder befragt, was die mir raten würden und ja, wenn es hart auf hart gekommen wäre, dann hätten unsere Kinder mir die Hölle heiß gemacht warum ihr Papa bei mir so leiden müsste. Also fang an, für deine Opa zu kämpfen. Denn wenn genug Geld für ein Pflegeheim da ist, dann erst REcht für den Pflegedienst. Komm i die "Pötte" wie der norddeutsche sagen würde. Schnapp dir die Leute vom Pflegedienst und besprich es mit allen zusammen, nur erspare deinem Opa das Heim, auch wenn es ein zertifiziertes ist, es bleibt ein heim.

LG und viel Erfolg, kümmert euch, auch um eure Mutter! Klärt die Sache MITihr und nicht über ihren Kopf hinweg.

Beitrag von silbermond65 29.05.11 - 22:07 Uhr

Dein Opa hat die Patientenverfügung beim Notar gemacht,für den Fall,daß er nicht mehr selbst entscheiden kann.
Die Verfügung ist bindend und da interessiert es nicht,was deine Mutter will oder nicht.
Schau mal bei Googel ,da findest du einiges dazu.

Beitrag von jolin80 29.05.11 - 22:19 Uhr

Habe schon Google befragt , aber welchen Weg müßten wir gehen , wie vorgehen das es auch durchgesetzt wird ?
Meine Mutter ist sein gesetzlicher Vormund falls das eine Rolle spielt ?!

Beitrag von engel_in_zivil 29.05.11 - 22:07 Uhr

also eine patientenverfügung sollte im idealfall mind. 1x jährlich durch eine aktuelle unterschrift aktualisiert werden.ansonsten könnte man (das krankenhaus oder gericht etc.) es so auslegen, dass diese wünsche von damals nicht mehr den heutigen vorstellungen deines opas entsprechen.
will also heißen, diese verfügung durchzusetzen, könnte schwierig werden.

aber ist deine mutter auch die gesetzliche betreuerin deines opas? falls nicht, solltet ihr bei gericht einen antrag auf einrichtung einer gesetzlichen betreuung einreichen. das kann jemand aus der familie sein oder auch eine außenstehende person (aus beruflicher erfahrung denke ich,ist letzteres zu empfehlen, denn man sieht es immer wieder, dass angehörige nicht im sinne des zu betreuenden entscheiden....)


lg

Beitrag von jolin80 29.05.11 - 22:14 Uhr

Aber jemand der nicht mehr weiß was er tut kann doch nicht einmal im Jahr was unterschreiben wovon er nicht versteht was er da unterschreibt #kratz

Ja , meine Mutter ist die gesetzliche Betreuerin meines Opas !

Beitrag von engel_in_zivil 29.05.11 - 22:29 Uhr

dann kommts drauf an, seit wann er es nicht mehr weiß..

aber selbst wenn er es 1 tag vorher noch wüsste, könnte "man" meinen, jetzt wäre es vielleicht anders. es ist eben alles sehr schwammig bei diesem thema.

ein beispiel: du hast ne verfügung, dass du auf keinen fall lebenserhaltende maßnahmen möchtest nach nem unfall oder so. nun hast du nen autounfall, schwebst in lebensgefahr. die notärzte werden, auch wenn sie die verfügung gesehen haben, trotzdem 1. hilfe leisten und not-op`s einleiten. dazu sind sie verpflichtet. nach den op`s gibt es ne geringe überlebenschance. die ärzte werden die angehörigen befragen und aus angst, vielleicht verklagt zu werden, überlassen sie die entscheidung der familie. so ist es nur allzu oft der fall...

wenn du keinen familienstreit heraufbeschwören möchtest, musst du versuchen, deiner muttereinfühlsam die vorteile eines pflegeheimes schwackhaft zu machen.
warum besteht sie darauf, ihnzu hause zu pflegen? kommt ein pflegedienst oder pflegt sie ihn und bekommt dafür ne aufwandsentschädigung von der pflegekasse?

Beitrag von engel_in_zivil 29.05.11 - 22:32 Uhr

ok, hab grad deine anderen antworten gelesen...

das ist das problem bei betreuern aus dem familienkreis... sie können einfach nicht objektiv sein,...

du könntest die entlassung deiner mutter als gesetzliche betreuerin fordern (bei gericht). aber das ist für den familienfrieden sicher ungünstig...

Beitrag von jolin80 29.05.11 - 22:39 Uhr

Oh man alles nicht so einfach , dabei möchte ich nur das beste für meinen Opa :-(

Und ein Pflegeheim wäre definitiv das beste , das denken ja nicht nur mein Mann und ich sondern auch meine Schwester und ihr Mann .

Beitrag von cocoskatze 30.05.11 - 05:31 Uhr

In eine Patientenverfügung gehört normalerweise der Wunsch nach einem Heimaufenthalt nicht hinein.

Sie sollte lediglich medizinische Dinge regeln. ( Beatmung, Reanimation, Ernährung über eine Magensonde etc.......)

Der Wunsch deines Opas ist somit nicht rechtlich geregelt, sondern lediglich moralisch.

Da deine Mutter scheinbar eine Vorsorgevollmacht hat, obliegt die Entscheidung ihr.

Beitrag von oma.2009 30.05.11 - 15:28 Uhr

Hallo,

mein Mann wurde auch künstl. ernährt, hatte mehrere lebensbedrohliche Lungenentzündungen und trotzdem habe ich ihn bei mir zu Hause gepflegt (nach einem 7 monatigem Intensivaufenthalt in einem Krankenhaus). Er mußte mehrfach abgesaugt werden (ich habe von den krankenhausärzten eine Einweisung erhalten) ich mußte entscheiden, ob er zusätzlich Sauerstoff benötigte oder nicht, habe die Messungen selbe durchgeführt. Ich habe meinem Mann so noch ein paar schöne Wochen zu Hause ermöglichen können, er hat seine geliebten Enkel gesehen, mit ihnen Späße gemacht obwohl er nicht mehr sprechen konnte. Ich würde immer wieder gegen die Verfügung handeln
Er hattezu meinen Gunsten die Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Generalvollmacht bei einem Notar gemacht. Und genauso habe ich es für unsere Kinder auch gemacht, Ich hoffe mal, sie gehen damit genauso umsichtig um wie ich es gemacht habe. Es gehört sehr viel Vertrauen dazu.
LG

Beitrag von musterli70 30.05.11 - 06:46 Uhr

"Wir würden aus verschiedenen Gründen dem Wunsch meines Opas gerne nachkommen , wir sehen ihn da aus mehreren Gründen besser aufgehoben als bei meiner Mutter . "

Schon gespart, weil Vermögen von Opa gibts ja nach Deinen Angaben nicht mehr ?

Beitrag von jolin80 30.05.11 - 12:45 Uhr

Das Haus mußte mittlerweile verkauft werden , aber selbst ohne das " Vermögen " ist eine Heimunterbringung möglich , das wäre ja geklärt , aber darum geht es doch gar nicht.

Beitrag von windsbraut69 30.05.11 - 12:54 Uhr

Klar ist das ein Punkt, den Deine Mutter bedenken muß und wenn Du schreibst, es sei kein Geld für "mehr Pflegedienst" da, wird es doch fürs Heim auch nicht reichen.

Beitrag von engel_in_zivil 30.05.11 - 14:25 Uhr

da muss man aber schon seeeeehr viel verdienen, bis man belangt werden könnte...

meine eltern sollten ihre finanziellen verhältnisse damals auch offen legen. sie haben beide sehr gut verdient. aber auch kredite/abzahlungen/sonstige verpflichtungen wurden mit berechnet und sie mussten nix dazu zahlen...

Beitrag von windsbraut69 30.05.11 - 15:14 Uhr

So unglaublich viel kann das nicht sein.
Ich hätte auf jeden Fall für meine Mutter zahlen müssen.

Beitrag von engel_in_zivil 30.05.11 - 17:32 Uhr

ich will keine zahlen nennen, aber meine eltern haben jeweils das verdient, was andere paare zusammen haben...
allerdings ist das auch schon über 10 jahre her... wahrscheinlich hat sich bzgl. der freigrenzen inzwischen ne menge geändert.

Beitrag von musterli70 30.05.11 - 13:43 Uhr

Was glaubst Du wer das Heim bezahlen muss wenn bei Deiner Mutter nix mehr zu holen ist ? ;)

Beitrag von jolin80 30.05.11 - 17:59 Uhr

Wir jedenfalls nicht !

Darum geht es doch nicht , beantwortet doch meine Ausgangsfrage und mehr nicht .

Beitrag von musterli70 30.05.11 - 19:52 Uhr

Hehe, erstmal sind die leiblichen Kinder des Opa mit Zahlemann und Söhne dran, wenns da nix mehr zu holen gibt, deren Kinder und Deine Ausgangsfrage kann Dir der Notar beantworten, denn mir persönlich fehlt hier grade die Glaskugel um den Inhalt der Verfügung zu kennen.

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