Der zu frühe und schwere Start ins Leben von Felix Pascal

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von pinklady666 30.05.11 - 00:39 Uhr

Hallo ihr Lieben

Unsere Geschichte beginnt eigentlich schon in der 30. SSW.
Zu der Zeit stellte man fest, dass meine alte KS Narbe viel zu dünn ist und eine Ruptur drohte. Damals musste ich stationär in die Klnik, bekam die Lungenreife und musste strenge Bettruhe einhalten. Nach gut einer Woche entließ ich mich selbst und musste von da an regelmäßig sehr engmaschig untersucht werden. Eigentlich wollte man Felix schon in der 32. Woche holen, spätestens in der 34. Woche. Ich wollte jedoch so lange mit dem KS warten bis es nicht mehr anders ging.
Anfangs wurden meine Schmerzen an der (inneren) Narbe besser, doch im Laufe der nächsten Wochen nahmen sie dann leider zu.
Am Freitag, den 20.05.2011 war es dann so schlimm, dass mein Mann mich zum Arzt schickte. Ich war da in der 36. Woche (35+2 SSW) Eigentlich hatte ich da einen Termin in der Klinik, aber da dort gerade der Bär steppte (12 KS alleine Freitag und Samstag) hatten wir den verschoben. Ich empfand es nicht als dramatisch, tat ihm aber den Gefallen. Also machte ich meine Große fertig für den Kindergarten und wollte von dort aus direkt zu meinem Arzt fahren. Zum Glück trödelte meine Große, so dass ich nicht zum Frühstücken kam. Das wollte ich nach dem Arztbesuch nachholen (eine ganz tolle Bäckerei ist direkt neben der Praxis, das muss man ausnutzen).
Beim Arzt kam ich dann direkt an die Reihe. Es wurde CTG geschrieben, auf welchem deutliche Wehen zu sehen waren. Dann schallte mein Arzt nochmal über die Narbe. Sie war leider nicht mehr darstellbar. Mit ernstem Gesichtsausdruck meinte er "gehen sie bitte direkt ins Krankenhaus, wir beenden die Schwangerschaft nun!".
In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich "gut, dann geh ich mal rüber, hol mir einen KS Termin für nächste Woche und frühstücke dann!" In der Klink angekommen schrieb man wieder CTG und ich musste ins Sprechzimmer. Die Ärztin erklärte mir, dass wir den kleinen Mann JETZT holen, ich solle mir Sachen bringen lassen und dann gehts los.
Da ich alleine unterwegs war beschloss ich erstmal nach Hause zu fahren und Koffer, Mann und meine Große abzuholen. Immer noch glaubte ich nicht wirklich, dass mein Sohn noch an diesem Tag zur Welt kommen sollte.
Also fuhr ich nach Hause, nahm meinen Koffer (der schon seit dem stationären Aufenthalt gepackt im Schlafzimmer stand) und wir fuhren zu dritt in die Klinik. Dort angekommen sind wir direkt wieder ins Sprechzimmer geschickt worden. Meinen Mann haben sie dann runter geschickt, mich anmelden. Ich bekam einen Zugang gelegt, Blut wrurde abgenommen und ich konnte mit meiner großen Tochter in den Kreißsaal. Dort bekam ich ein schickes OP Hemdchen und die heißen Thrombosestrümpfe. Da wurde mir das erste Mal richtig bewusst, dass ich heute noch Mama werde!
Mit der Hebamme sprachen wir ab, dass mein Mann und meine Tochter im Kreißsaal warten sollten und der Kleine direkt nach dem Check vom Kinderarzt zu ihnen sollte während ich noch genäht wurde.
Von da an musste ich im Minutentakt zur Toilette.
Es wurde CTG geschrieben, da noch eine Bandscheiben OP im vollen Gange war und wir erst danach an der Reihe sein sollten.
Nach einiger Zeit musste ich wieder zur Toilette. Nochmal zurück am CTG waren plötzlich die Herztöne von meinem kleinen Mann auffällig, viel zu hoch. Innerhalb von 7 Minuten war ich im OP. Eilig stellte man ein zweites OP Team zusammen, ich bekam die Spinale und plötzlich ging es meinem kleinen Mann immer schlechter.
Die Hebamme schickte derweil meinen Mann und meine Tochter vor den OP. Der Kinderarzt ging davon aus, dass er Felix ca eine dreiviertel Stunde mit auf die Intensiv zur Überwachung holen würde, danach dürfe er dann zu uns. Mein Mann und Marie könnten ihn so aber wenigstens auf dem Weg nach oben kurz sehen.
Mich machte man eilig fertig. Zum Glück wirkte die Spinale recht schnell (nur auf der linken Seite war ich nicht ganz taub, hat aber nicht sonderlich weh getan), sonst hätte ich im letzten Moment noch eine Vollnarkose bekommen. Es ruckelte an mir und in dem Moment als sie meinen kleinen Mann raus nahmen wurde mir übel, mein Kreislauf sackte ab und ich musste brechen. Sofort bekam ich was gespritzt. Zur selben Zeit hörte ich zwei klägliche Schreie und das Geräusch des Saugers. Die Hebamme rief mir zu "ich brig ihn zum Kinderarzt, danach zeige ich ihn dir!". Dann war sie weg und man nähte mich zu. Während sie das Bauchfell zusammen zogen wurde mir wieder übel, mein Kreislauf machte schlapp und ich musste brechen. Das nähen dauerte ewig und mein kleiner Mann kam und kam nicht.
Irgendwann brachte man mich in den Kreißsaal zu meinem Mann und meiner Tochter. Ich war so müde, hatte Hunger ohne Ende (war ja noch immer nüchtern) und hatte sehnsucht nach meinem Felix!
Mein Mann klärte mich auf dass Felix Anpassungsschwierigkeiten hatte und auf der Intensiv bleiben müsste. Eventuell dürfe er Montags zu mir.
Dann kam der Kinderarzt, frage mich, ob auf der Toilette irgendwas war (Blutungen o.ä.). War aber nicht. Er konnte sich nicht erklären, was der Kleine hatte. Er atmete viel zu schnell (der Monitor kam kaum noch mit) und viel zu flach. Während ich die Spinale bekam wurden seine Herztöne ebenfalls so schnell, dass das CTG mühe hatte mit der Aufzeichnung.
Meine Tochter erzählte mir, dass ihr kleiner Bruder total süß aussehe und sie aber nicht gesehen hat, dass es ein Junge ist (zwei Tage später taten die Schwestern ihr dann den gefallen und zeigten ihr beim Wickeln dass sie wirklich einen Bruder hat).
Mein Mann brachte meine Tochter nach Hause, ich schlief in der Zeit ein bisschen. Als er wieder kam durfte er kurz zu Felix hoch und bekam von den Schwestern dort ein Bild von ihm für mich. Daran habe ich mich die nächsten Stunden festgehalten.
Gegen 22.30 Uhr wurde ich in mein Zimmer geschoben und mein Mann ging nach Hause.
Um 2 Uhr nachts rief ich dann die Schwester, da ich reisen Hunger hatte. Sie brachte mir zwei Zwieback und etwas Tee. Das tat so gut! Danach schlief ich noch etwas.
Gegen 7 Uhr kam dann die Visite. Meine erste Frage war natürlich "und, wann stehen wir auf?" Ich hatte Rückenschmerzen, das glaubt mir keiner.
Eine Stunde später kam eine liebe Schwester und "half" mir aus dem Bett. Mein Kreislauf war super, aber leider hatte ich eine Drainage, welche sehr stakt schmerzte (bei der Geburt meiner Großen bin ich an atonischen Nachblutungen fast verblutet, nun wollte man auf Nummer sicher gehen). Da ich durch die Schmerzen fast kollabiert wäre ließ man mich noch nicht zu meinem Sohn. Als die Ärztin kam bat ich sie die Drainage zu ziehen. Ich blutete auch kaum, so dass sie auf meinen Wunsch einging. Danach zog sie auch gleich den Katheter (den hätte ich noch behalten, fand ihn sehr praktisch ;-)) und versprach mir, dass ich Nachmittags zu Felix dürfe. Also mobilisierte ich alle kräfte und stand so oft es ging aus dem Bett auf.
Um 18 Uhr dann endlich war ich stabil genug um mit dem Rollstuhl auf die Kinderintensiv gefahren zu werden. Da es aber mit dem Rolli furchtbar unpraktisch war prophezeite ich der Schwester "morgen komm ich ohne das Teil!" Sie lachte - noch. Am nächsten Tag war ich Mittags schon zu Fuß (per Fahrstuhl) bei meinem kleinen Mann (musste vom 1. Stock in den 9. Stock). Und von da an mehrmals täglich. Es ging mir so gut, dass man mich nach 5 Tagen "rausschmiss" (wer so mobil ist kann auch nach Hause gehen!" - hätte auch als Begleitperson auf die Kinderstation, aber ich habe ja noch meine Große zuhause). Seit dem pendel ich zwischen Klinik und zuhause. War 6 Tage nach dem KS schon alleine im Auto unterwegs und wurde an der Kasse im Geschäft gefragt "Na, sie haben aber noch ein bsschen?" - "Nee, ich hatte vor 6 Tagen einen Not KS!". Die Gesichter waren göttlich!
Mein kleiner Mann macht sich auch super.
6 Tage nach dem KS zog er sich selbst den Sauerstoff und ist seit dem frei. Danach versuchte er sich den Zugang im Kopf zu ziehen. Die Schwestern steigerten daraufhin seine Ration Milch und entfernten auch den Zugang.
Und heute hat der Stinker sich die Magensonde selber gezogen. Seit dem trinkt er auch seine Mahlzeiten komplett leer. Nun hoffen wir dass das auch so bleibt und er bald nach Hause darf!

Hier mal die stolzen Maße meines kleinen Mannes

Felix Pascal

*20.05.2011 17.33 Uhr
2610 g 45 cm KU 33,5 cm

Liebe Grüße

Bianca mit Marie Danielle (*21.06.2007) und Felix Pascal (*20.05.2011 / 35+2)

Beitrag von novi-w-1987 30.05.11 - 11:14 Uhr

Hallo Bianca,

ganz schön mitreissender Bericht.

Ist aber so schön zu lesen, dass es dem kleinen Felix Pascal mittlerweile doch schon so gut geht.

Drücke euch die Daumen, dass ihr gaaaaaanz schnell zu viert zuhause sein dürft!!!

LG Jenny

Beitrag von sweetgirliemami 30.05.11 - 14:37 Uhr

Schöner Bericht, alles Gute für euch.:-D

Beitrag von minna77 30.05.11 - 17:26 Uhr

Ganz herzlichen Glückwunsch!

War es denn nun ein Gebärmutterriss? Oder welchen Grund hatten die schlechten Herztöne?

Lieber Gruß von Minna

Beitrag von pinklady666 04.06.11 - 11:33 Uhr

Hallo

Nein, die alte Naht war zum Glück noch intakt, aber hauchdünn. Ein paar Stunden und sie wäre gerissen.
Warum Felix tachypnoeisch war kann sich keiner so wirklich erklären. Eventuell hatte ereine Infektion, konnte aber nie nachgewiesen werden.

Liebe Grüße

Beitrag von erdbeer11 30.05.11 - 23:20 Uhr

Huhu =)

Erstmal herzlichen Glückwunsch #fest

Ich glaube, mit dem Racker habt ihr noch zu kämpfen. :-p :-) Da zieht der sich alle Sonden !! Sowas nennt man Willensstärke #pro

Gruß,
erdbeerchen

Beitrag von pinklady666 04.06.11 - 11:35 Uhr

Ja, mit dem werden wir noch unseren Spaß haben. Unser kleiner Kämpfer!