Mehrsprachig erziehen

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von touvalu 30.05.11 - 10:11 Uhr

Hallo ihr,

ich brauche mal die Meinung von anderen zu unserem lieblings Streitthema zur Zeit.#schwitz
Mein Mann ist Finne, ich bin Deutsche, miteinander reden wir englisch und wir erwarten Ende Oktober unser erstes Kind.
Nun kommen wir in Sachen multilingualer Erziehung auf keinen gemeinsamen Nenner.
Ich bin der Meinung das es am einfachsten ist wenn jeder seine eigene Muttersprache mit dem Kind spricht und wir weiterhin miteinander englisch sprechen.
Nun fühlt sich aber mein Mann benachteiligt, da wir nächstes Jahr zurück nach Deutschland ziehen werden. Er ist von Beruf Kapitän und somit lange Zeit von Zuhause weg. Er befürchtet nun, dass das Kind nicht genug finnisch hören/lernen würde und erwartet von mir, das ich mit dem Kind NUR finnisch spreche, da es ja oft genug deutsch hören wird.:-[

Ich sträube mich aber irgendwie dagegen.
Auch wenn mein finnisch ganz ok ist, möchte ich trotzdem lieber meine eigene Muttersprache mit ihm/ihr sprechen, da ich mich doch ganz anderst ausdrücken kann und es sich viel natürlicher anfühlt.

Alles beruhigen, dass ich mit dem Kind trotzdem finnisch lernen würde, finnische Filme, Bücher ect. anschauen würde, bringt nichts.
Er ist immer noch der Meinung, dass seine Muttersprachen vernachlässigt wird, wenn ich nicht mit dem Kind finnisch spreche.

Ich bin irgendwie total verwirrt, was eigentlich richtig wäre, wenn mein Bauchgefühl doch eindeutig ist.

Beitrag von ballroomy 30.05.11 - 10:14 Uhr

http://www.urbia.de/club/zwei+bzw+mehrsprachige+Erziehung

Schau doch mal im Club vorbei!

Grüße
ballroomy

Beitrag von twins 30.05.11 - 10:17 Uhr

Also,
zuerst Deutsch lernen, wenn das Kind in D aufwächst. Ist leichter hinterher mit Kiga und so weiter.
Dann könnt ihr ja eine Tageszeit einrichten, wo Du nur Finnisch redest, z.B. am Nachmittag zwei Stunden oder so. Lieder vorsingen, Gedichte, Einkaufen etc.

Kann Deinen Mann verstehen, wenn er nicht 100% deutsch redet (?) das er sich dann vielleicht mit dem eigenen Kind nicht unterhalten kann#schwitz
Und wenn er dann zu hause ist, kann er ja auch den vollen Schöpfen, das sind ja dann immer mehrere Wochen am Stück, oder?!

Grüße
Lisa

Beitrag von bruchetta 30.05.11 - 10:50 Uhr

Da Ihr ja jetzt noch in Finnland lebt, würde ich jetzt auf jeden Fall Deutsch mit den Kindern reden und in Deutschland dann zu Hause Finnisch.
Dann erleben sie die Deutsche Sprache ja überall.

Beitrag von heiho 30.05.11 - 10:53 Uhr

Nach meinem Kenntnisstand ist es unnötig, wenn du mit dem Kind finnisch sprichst. Meine im Rahmen meines Studiums gehört zu haben, dass Kinder nur von authentischen Sprachbezugspersonen (weiß nicht, wie ich das formulieren soll ;-)), also die ihre Muttersprache sprechen, wirklich lernen. Man sollte es unterlassen, die Kidner mit Englischkursen und dergleichen zu bombardieren, etc. Ein Kind lernt eine Muttersprache nebenher, also, wenn eine Bezugsperson diese Sprache spricht, nicht weil man Vokabeln paukt, das können die Kids erst später (ich meine sogar anfang der Grundschule noch nicht mal), zumindest bleibt keine dauerhafter Lerneffekt. Bis sieben Jahre lernt ein Kind Sprahce nebenher, weil diese für es eine Bedeutung hat - also Mama spricht Deutsch, ich möchte sie verstehen und mich mitteilen, also lerne ich deutsch sprechen. Auch wenn euer Kind den Papa nicht so oft sieht, wird es sich schnell immer wieder neu an das finnische gewöhnen - weil Papa das spricht. Finnisch sprechen, obwohl Muttersprache deutsch macht für das Kind keinen Sinn, oft wehren sich die kinder dagegen: Mama, sag das richtig... Kenne Kinder, die auf diesem Weg (Eltern getrennt, jeder spricht in seiner Muttersprache) dreisprachig (mit Deutsch im Kiga) aufgewachsen ist. Konnte in allen drei Sprachen ohne Akzent fließend sprechen :-)
LG

Beitrag von heiho 30.05.11 - 11:40 Uhr

Bei den ganzen Antworten muss ich noch nachsetzen:
Früher haben die Erzieherinnen bei ausländischen Familien empfohlen zu Hause deutsch zu sprechen, damit die Kinder das gut lernen. Heute sollten die meisten Wissen, dass Kinder zunächst ihre Mutterspreche(n) richtig lernen sollten, da sie dabei was über grammatikalische Muster lernen, dass auch beim Spracherwerb anderer sprachen hilft. deswegen auch die authentisch sprechenden Bezugspersonen... Und aus erfahrung im Kiga muss ich sagen, auch bei den getrennt lebenden (Kind sieht Papa alle zwei WE) konnten die Kinder beide Sprachen am Ende fließend sprechen (bei euch wären es ja drei, das englische wird er lernen, wnen ihr zu dritt sprecht, wobei ich da auch kein Problem sehen würde, es hat ja eine Bedeutung für das Kind). Die Verwirrungen entstehen bei den Kindern erst, wenn man irgendwas aufgesetzes praktiziert, also festlegt, wer wann mit dem Kind welche Sprache spricht, sowas verwirrt die Kleinen eher.
LG

Beitrag von janine2785 30.05.11 - 11:08 Uhr

Hu hu

>>Ich bin der Meinung das es am einfachsten ist wenn jeder seine eigene Muttersprache mit dem Kind spricht und wir weiterhin miteinander englisch sprechen. <<

Meinst du nicht, dass dein Kind sich ausgegrenzt fühlt wenn Mama und Papa in eine Sprache miteinander sprechen die das Kind nicht spricht???

Ich denke wenn ihr es so handhabt wird euer Kind auch weder richtig Finnisch oder richtig Deutsch lernen sondern eher Englisch weil es euch ja zuhört.

Wenn ihr in Deutschland lebt, finde ich, hat Deutsch oberste Priorität, schon wegen der sozialen Kontakte, Kiga und Schule, eine 2. und 3. Sprache ist nie verkehrt, aber dein Mann hat recht, euer Kind wird nur schwer Finnisch lernen wenn dein Mann mal dann und wann da ist und Finnisch spricht, und gleichzeitig das Englisch mit einfließt, dass ihr beiden dann miteinander sprecht.

LG

Beitrag von josili0208 30.05.11 - 11:10 Uhr

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Dein Mann leider Recht hat. Einer allein pro Sprache ist schon nicht genug, wenn die Alltagssprache die andere ist, aber wenn der eine dann auch noch so selten da ist...
Wenn Du gut finnisch sprichst (nur dann) sollte die Familiensprache finnisch werden.
Als wir in Deutschland lebten, redeten wir zuhause ausschliesslich portugiesisch (einschliesslich ich) und jetzt wo wir in Portugal leben, reden wir zuhause deutsch (einschliesslich mein Mann). Anders würde es nicht funktionieren und selbst so ist es schon mit sehr viel konsequenz verbunden.
Filme etc. reichen nicht.
Lg jo

Beitrag von widowwadman 30.05.11 - 11:18 Uhr

Ich wuerde in diesem Fall auch zu finnisch als Familiensprache raten. Es ist schon so schwer genug dem Kind die weniger dominante Sprache beizubringen, ohne dass das durch ne dritte Sprache erschwert wird.

Filme, Buecher, Lieder helfen zwar, aber ausreichend sind die nicht.

Beitrag von jarmina 30.05.11 - 11:56 Uhr

Hi,

ich weiß aus dem Bekanntenkreis meiner Schwiegereltern, dass es sehr wohl hervorragend funktionieren kann. Die Freundin meiner Schwiegermutter ist arabische Muttersprachlerin, er ist Deutscher.

Sie hat mir den Kindern (beide mittlerweile groß) arabisch gesprochen, wenn sie mit ihnen allein war, er deutsch, wenn beide zusammen waren englisch.

Da er Diplomat ist, lebten die beiden nicht die ganze Zeit in Deutschland, sondern zwischendurch auch einige Jahre z. B. in Südafrika.

Heute sprechen die beiden fließend deutsch, englisch und arabisch.

Grüße

Jarmina

Beitrag von josili0208 30.05.11 - 12:15 Uhr

Leider sind aber Kinder sehr bequem ;-) und wissen schnell, dass Mama/Papa ja auch deutsch verstehen und antworten dann auf deutsch, selbst wenn Mama/Papa (in diesem Fall) finnisch sprechen oder fragen. Es ist sehr schwer, da nicht nachzugeben. Ich ertappe mich selber sehr oft, dass ich meinem Sohn (4), der hartnäckig vermeidet deutsch zu sprechen, auch auf portugiesisch antworte, OBWOHL wir zuhause eigentlich nur deutsch sprechen. Meine Tochter (11) musste ich regelrecht einige Zeit zwingen, sich zu überwinden. Mittlerweile redet sie von allein mit uns deutsch, aber es war ein langer Weg dahin.
Anders wäre es, wenn der Vater gar kein Deutsch verstehen würde und das Kind gezwungen ist, sich auf finnisch zu verständigen...war das vielleicht bei Deinen Bekannten so? (da das Ehepaar ja untereinander englisch gesprochen hat...)

lg jo

Beitrag von heiho 30.05.11 - 12:21 Uhr

Ich finde es schon seltsam, wenn man ein Kind "zwingt" die ein oder andere Sprache zu sprechen, wo bleibt da der Spaß am Inhalt des Gesprochenen??? Kinder wollen sich doch mitteilen, wenn sie mit Freunden / Bekannten / Verwandten Schwierigkeiten hätten sihc zu verständigen, würden sie schon von alleine Wert auf das Sprachenlernen legen..
Es geht auf jeden Fall auch anders (jeder muss halt für sihc den "richtigen" Weg finden).
LG

Beitrag von josili0208 30.05.11 - 12:58 Uhr

1. Gibt es auch eine natürliche Hemmschwelle die Kinder erstmal überschreiten müssen. Das Verstehen lernen der anderen Sprache ist ein Klacks, aber diese Sprache dann richtig zu benutzen ist schon was anderes, und genau da geben dann die meisten Eltern auf.
2. Das Kind hatte ja in diesem Fall keine Schwierigkeiten sich mitzuteilen, da alle im Umfeld portugiesisch sprachen, es hatte keinerlei Notwendigkeit deusch zu sprechen.
3. Merken Kinder (und die Eltern) erst einige Jahre später WIE sehr ihnen diese 2. Sprache zugute kommt, und da ist es dann meistens zu spät. Ich kenne viele Eltern, die es bitter bereuen, nicht mehr Energie in die 2sprachigkeit der Kinder gesteckt zu haben und dass aus purer Bequemlichkeit. Das ist schade.
4. Der Spass kommt von allein, wenn das Kind Filme in der 2.Sprache schauen kann und Bücher versteht. Wenn ich darauf bestehe, dass "Kann ich bitte ein Glas Saft haben" in deutsch gesagt wird, garantiere ich Dir, dass der Satz auf portugiesisch auch nicht mehr Spass machen würde ;-)
Aber nur durch das Benutzen lernt das Kind wirklich. Und dann tatsächlich wie eine 2.Muttersprache, von ganz allein. Meine grosse Tochter ist mittlerweile ziemlich stolz, dass sie mit mir in einer Art "Geheimsprache" in aller Öffentlichkeit reden kann ohne dass uns jemand versteht ;-)

lg jo

Beitrag von xyz74 30.05.11 - 13:57 Uhr

Ich finde es schon seltsam, wenn man ein Kind "zwingt" die ein oder andere Sprache zu sprechen, wo bleibt da der Spaß am Inhalt des Gesprochenen???
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Sorry, aber diese Aussage finde ich sehr bequem.
Ich wäre froh meine Mutter hätte mich als Kind gezwungen meine Muttersprache zu sprechen statt sich bequem zurückzulehnen "aber sie will doch nicht".
Dann hätte ich heute nicht solche Probleme damti und müsste jetzt nicht als erwachsene mühsam alles neu lernen.
Die Bequemlichkeit nehme ich meiner Mutter sehr übel.
Leider hat sie nichts draus gelernt und macht bei meinem Sohn den gleichen Fehler :-[

Beitrag von josili0208 30.05.11 - 14:49 Uhr

Genau das meine ich! #danke

Beitrag von widowwadman 30.05.11 - 18:25 Uhr

Bilinguale Kinder gehen duch Verweigerungsphasn - man muss dann schon Konsequenz zeigen und auch die verweigerte Sprache weiter puschen, wenn man das Projekt Zweisprachigkeit nicht an den Nagel haengen will.
Ich kenn mehrere Kinder bzw mittlerweile Erwachsene, die bedauern dass ihre Eltern sie nicht gezwungen haben, weil sie so nur die dominante Sprache gelernt haben.

Beitrag von heiho 31.05.11 - 08:47 Uhr

Hallo,
ich kenne halt mehrere Familien, wo die Kinder ohne jeglichen Zwang mehrsprachig aufgewachsen sind, nix mit Verweigerungshaltung oder so... sogar einen Fall, in dem die Kinder ein par Jahre in amerika gewohnt haben, dann nach Deutschland und später wieder nach Amerika gegangen sind, hat auch alles ohne Probleme geklappt nach einer kurzen Eingewöhnung (sind jetzt wo die Kinder erwachsen sind wieder in Deutschland).
Ich glaube, dass es bei den meisten Dingen, die sich Erwachsene ausdenken besser wäre den Kindern zu vertrauen. Ich bin nicht zweisprachig aufgewachsen und vermisse es derzeit nicht?!? Kann man aber auch auf alles andere projizieren: Wir mussten als Kidner Musik machen, und werden von allen beneidet, weil unsere Eltern doch so toll drauf geachtet haben, dass wir auch dran bleiben und zwei (oh, mittlerweile drei, hab mich vergessen, aber war ja nur die Light - Version, die zählt ja nicht) haben sogar Musik studiert! Es war die Hölle!!! Deswegen denke ich, Eltern sollten ihre Ideale überdenken und mit möglichst wenig Zwang erziehen, denn ich glaube, dass es immer einen anderen Weg geben kann, der dann vielleicht sogar Spaß macht ;-)
(Ohne, dass ich für andere den Weg wüsste, spreche nur aus Erfahrung und dem, was ich Beobachten konnte bei anderen).
LG

Beitrag von jarmina 30.05.11 - 14:54 Uhr

Hi,

ja, soviel ich weiß spricht der Vater kein Arabisch, aber die Kinder hätten sich ja mit ihm auf Englisch unterhalten können, da sie auch eine Weile auf einer amerikanischen Diplomatenschule waren, später in Kapstadt auf einer deutschen internationalen Schule.

Es ist aber die interessante Frage, ob der Vater überhaupt ausreichend Deutsch spricht, da die Umgangssprache zwischen den beiden Englisch ist.

Ich kann die die Bedenken des Vaters ja verstehen, trotzdem denke ich, dass es für das Kind doch eher schädlich ist, wenn die Mutter mit ihm Finnisch spricht und eigentlich gar nicht dahinter steht. Ich denke auch ein kleiner Wurm merkt sehr schnell ob die Mutter aus Spass an der Sprache mit ihm spricht oder eben nicht, ob die Mutter wenn sie unterwegs ist und ihre Muttersprache spricht entspannter ist und und und.

Das Problem mit dem dann Antwortet das Kind deutsch, wenn es auf finnisch angesprochen wird, kann auch passieren, wenn die ganze Familie daheim finnisch spricht.

LG

Jarmina

Beitrag von hayartim 31.05.11 - 12:17 Uhr

Ich würde unbedingt zu finnisch raten.
Das Wort Muttersprache kommt von Mutter.
Mein Mann ist Türke, täglich zu Hause, spricht mit unserem Sohn ausschließlich türkisch. Unser Sohn versteht türkisch, aber nicht alles. Er schaut auch türkische Kindersendungen. Aber er spricht super selten einzelne türkische Worte, keine ganzen Sätze und er ist 6 Jahre alt.
Er spricht eben deutsch.
Das finnisch würde verloren gehen und das wäre zu Schade!
Deutsch lernen die Kinder im Kindergarten und ein guter Kindergarten bietet Sprachförderung an.

Beitrag von marmita 30.05.11 - 11:11 Uhr

Hallo!

Wir halten es so, dass mein Freund (Nigerianer) mit unseren Kindern ausschließlich englisch spricht und ich spreche ausschließlich deutsch mit ihnen.

Das funktioniert wunderbar.

Wird denn dein Mann so selten zu Hause sein, dass euer Kind die finnische Sprache nicht regelmäßig zu hören bekommt?

Ich würde es an deiner Stelle so machen, wie du es für richtig hältst.

Viele Grüße
Katrin

Beitrag von chicle 30.05.11 - 11:31 Uhr

sie hat ausdrücklich geschrieben, dass ihr mann nicht oft genug zu hause ist ;-)

und deine aussage, es so zu machen wie sie es für richtig hält...naja, warum nicht so machen wie ER es für richtig hält :-p

Beitrag von marmita 30.05.11 - 11:53 Uhr

Oh, da habe ich vielleicht etwas überlesen?! Nein, es war nur die Rede von "lange von zu Hause weg". Das ist etwas anderes.

Da er ja offenbar recht häufig abwesend ist, ist sie letztendlich diejenige, die das Kind erzieht. Deshalb denke ich, dass sie das auch so machen sollte, wie sie es für richtig hält. Es sei denn, es wird eine Lösung gefunden, die den Wünschen beider Elternteile entspricht.

Beitrag von kikou 30.05.11 - 11:34 Uhr

Hallo Touvalou,

Bei mehrsprachiger Erziehung ist es am besten, wenn jedes Elternteil seine Muttersprache mit den Kindern spricht, immer und ausschliesslich, zumindest am Anfang des Spracherwerbs. Das hilft den Kindern bei der Zuordnung der Sprachen und dem "Sortieren". Später kann man ruhig auch mal mischen, das verwirrt dann niemanden mehr.

Ich kann deinen Mann sehr gut verstehen und denke, er hat recht, wenn er der einzige finnische Input ist und oft lange Zeit weg, dann könnte das Finnische schon ins Hintertreffen geraten und zwar ganz schnell. Ich weiss ja nicht, wo ihr hinzieht nach Deutschland, aber es würde sich sicher anbieten, finnische Kontakte/Spielgruppen etc. zu suchen, wo du hingehen könntest. Gibt es Omas / Familie, die regelmässigen Kontakt halten kann? Besuche in der Heimat, auch ohne Papa? Hättet ihr die Möglichkeit, später ein finnisches Au Pair aufzunehmen? Und klar, DVD, Hörspiele, Bücher auf Finnisch wären dann schon auch wichtig.

Einige haben schon gesagt, dass ihr eure Familiensprache auf Finnisch umstellen solltet, wenn das möglich ist. Das ist sicher sinnvoll, denn wenn ihr in Deutschland lebt, der Papa viel unterwegs ist und ihr dann Englisch miteinander sprecht, wird die Zweitsprache Englisch und nicht Finnisch, das ist leider oft so.

Ich lebe in Frankreich und habe mich immer bemüht, nur deutsch mit den Kindern zu sprechen, viel deutsche Bücher/Hörspiele und Co. anzubieten und meine Kinder sprachen halbwegs gut deutsch. Dies war sicher auch auf die sehr häufigen Besuche in D' zurückzuführen. Zwischendrin gab es auch mal Phasen, da haben wir alle praktisch nur noch französisch miteinander gesprochen, jetzt ist wieder alles im "Lot". Ich spreche mit den Kindern deutsch, meine Mann französisch und die Familiensprache ist weiterhin französisch. Allerdings habe ich Glück, meine Kinder besuchen eine zweisprachige Schule, die Fortschritte im Deutschen sind enorm, seit sie auf dieser Schule sind.

Gruss,
Kikou





Beitrag von ballroomy 30.05.11 - 12:14 Uhr

Es wird eigentlich immer empfohlen, dass jeder seine Muttersprache mit dem Kind spricht und zwar ausschließlich.
Kannst Du gut genug finnisch, um mit Deinem Mann finnisch statt englisch zu sprechen? Das würde schonmal helfen.
Natürlich hat Dein Mann recht, das finnisch etwas zu kurz kommen wird.
Dem kannst Du aber durchaus mit Büchern, Musik und Videos abhelfen.
Auch kannst Du mit Deinem Kind vielleicht in eine finnische Spielgruppe oder ähnliches gehen. Urlaube in Finnland wären auch super.

Ich gehe einmal die Woche mit meinem Sohn in eine spanische Spielgruppe. Dort bin ich die einzige Mama, die keine Muttersprachlerin ist, aber was soll ich machen, der Papa ist zurzeit nur ganz selten hier, da wir beruflich bedingt im Moment eine Fernbeziehung haben. So hat er wenigstens etwas Kontakt zur spanischen Sprache und verliert nicht völlig den Anschluss.

Fazit: Bleib dabei, sprich Du nur Deutsch mit dem Kind. Dein Mann Finnisch, und wenn es machbar ist, dann sprich Du mit Deinem Mann auch Finnisch.

Grüße
ballroomy

Beitrag von viofemme 30.05.11 - 12:55 Uhr

Dein Bauchgefühl stimmt genau mit dem überein, was auch die Wissenschaft sagt. Das Kind profitiert nur wirklich von der mehrsprachigen Erziehung, wenn sie in der jeweiligen Muttersprache des Sprechers vorgenommen wird. Alles andere könnte selbst bei sehr gutem Finnisch von dir zu richtigen Problemen führen. Es ist wichtig für den Spracherwerb, gleich welcher Sprache. Unter Umständen spricht dein Kind dann zwar zu gleichen Teilen Finnisch und Deutsch, aber keine Sprache richtig. Informiert euch nochmal mit einschlägiger Literatur zum Thema. Bin schon eine Weile weg von der Uni und kann nichts mehr nennen.
Es macht übrigens nichts, wenn dein Kind zeitweise die eine oder andere Sprache bevorzugt. Das sagt nichts über seine Kenntnisse aus. Aber wie gesagt: bitte bleibt in eurer Muttersprache, auch wenn andere Modelle " gerechter" erscheinen. Dann ist die mehrsprachige Erziehung eine echt tolle Sache. Anders kann es leider arg nach hinten los gehen.