Nochmal wegen Schüchternheit, Angst

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von bruchetta 30.05.11 - 11:48 Uhr

Hallo!

Ich habe hier vor geraumer Zeit schon mal wegen unserer Tochter (6) gepostet.

Sie geht noch in den Kindergarten und kommt im Sommer zur Schule.
Das Problem ist, dass sie vor neuen Situationen Angst hat.
D.h. sie verzichtet z.B. auf einen Kindergeburtstag, bei dem Kinder sind, die sie nicht kennt.
Sie traut sich nicht, einem Hobby nachzugehen, weil sie die Kinder und die Übungsleiterin nicht kennt.
Sie geht nicht zum Nachbarskind, weil sie die Eltern nicht kennt.
Somit ist das Nachbarskind jeden Tag bei uns! #schwitz
Würde man sie damit herausfordern, dass sie nicht mit dem Kind spielen kann, wenn sie nicht rüber geht, verzichtet sie.

Ich habe 2 Monate gebraucht, um sie im Winter in den neuen Kindergarten zu integrieren (mit erst permanenter und dann immer weniger Anwesenheit meinerseits).
Trotzdem gab es immer noch jeden einzelnen morgen Theater, weil sie nicht hin wollte.
Jetzt geht es ganz gut, aber jetzt kommt sie bald in die Schule.
Ich war mit ihr am Freitag in der Schule und die Leiterin hat uns durch die Schule geführt.
Meine Tochter hat nicht ein Wort mit ihr gesprochen und die ganze Zeit, an mich geklammert, auf den Boden geschaut.

Bestärken bringt ja auch nichts, das machen wir ja mit ihr!

Mit unserem Latein sind wir langsam am Ende.

Weiß jemand noch Rat?

LG
bruchetta

Beitrag von sunny42 30.05.11 - 12:03 Uhr

Liebe Bruchetta!

Sie ist wie sie ist!
Meine Große (hatte ich dir glaube ich damals auch geschrieben) ist genauso.
Da hilft nur annehmen und ihr deshalb nicht böse sein oder ungeduldig werden.
Jetzt (mit fast 9 Jahren) wird es besser und besser.
Wir haben ihr, damit es besser wird, jede Sache die sie Selbständig machen WOLLTE auch zugetraut und sie machen lassen.
Es war für sie zu Schulzeiten immer leichter sich von uns zu entfernen (also mit dem Fahrrad zu Freundinnen etc.) als wenn wir sie irgendwo hingebracht und dort gelassen haben. Also haben wir sie fahren lassen.

Ansonsten habe ich inzwischen für mich etwas gelernt was uns alle weitergebracht hat: Mit Aussagen wie "Du musst doch keine Angst haben"
wiederspreche ich völlig ihrem Gefühl.
Die Angst ist ja da, auch wenn sie für mich nicht verständlich ist.
Wir kümmern uns jetzt also gemeinsam um die Angst (reden, atmen, annehmen und erkennen das sie einen nicht umbringt, verandeln etc.)
und nehmen sie an, anstatt ihr erklären zu wollen das es quasi nicht normal ist Angst zu haben. Vielleicht könnte Euch das auch weiterhelfen.

Ansonsten hilft nur Geduld haben, bestärken und versuchen die eigenen Emotionen nicht hochkommen zu lassen wenn es das Kind anfangs sehr schwer hat.

Liebe Grüße
Sunny

Beitrag von hippychick 30.05.11 - 12:38 Uhr

Mein Sohn ist auch so, er wird im August 6.

Er geht schon in die Schule, hat den Wechsel von Kindergarten auf Schule (trotz grosser "Angst" meinerseits) gut ueberstanden.

Er hat auch Probleme zu Geburtstagen zu gehn, zu Nachbarn ins Haus etc, wo sein kleiner Bruder, fast 4, ohne Probleme mit macht.

Ich versuche ihn zu nehmen wie er ist, ihn zu bestaerken, das er ok ist so wie er ist, gehe, wenn es moeglich ist auf Geburtstage mit und oft ueberrascht er mich dann damit, dass er Sachen macht die ich nicht fuer moeglich gehalten haette.

Ihn zu Sachen die er nicht moechte zwingen, bring gar nichts, dann kann man nur noch gehn....

Er ist allerdings, sobald ich weg bin, ganz anders, macht mit in der Schule, bei Freunden etc.

Als er noch kleiner war hatte ich immer den Eindruck, er will mir nicht weh tun ndem er woanders auch Freude hat, oder gern woanders ist....

Wirklich helfen kann ich nicht, nur zeigen, dass du nicht alleine bist.....An manchen Tagen, frag ich mich ob er ein kleines bisschen autistisch ist, weil er halt so anders ist.....aber wahrscheinlich brauch er einfach laenger um sich an alles zu gewoehnen....

LG

Beitrag von tweetys-mom 30.05.11 - 15:14 Uhr

Ängstliche Kinder haben meist auch ängstliche Eltern.

Das sage ich nicht von oben herab, ich bin selbst eine eher ängstliche Mutter.

Man muss als Elternteil sehr darauf achten, das Selbstbewusstsein der Kinder zu fördern und zu stärken.

Wenn man zum Beispiel immer daneben steht, immer Hand hält, immer alert ist, weil ja was passieren könnte, dann überträgt sich das irgendwann auf das Kind und es traut sich nicht mehr zu, Neues allein zu erfahren.

Es ist daher wichtig, als Elternteil selbst seine Ängste - die ja manchmal durchaus berechtigt und nachvollziehbar sind - gut zu kanalisieren und nicht vor dem Kind auszuleben.

Positive Bestärkung dessen, was sie kann und was sie sich traut, das ist wichtig.

Das mit dem Kindergarten habt Ihr doch auch geschafft. Klar, es war komplizierter als bei anderen Kindern. Klar, das nervt dann irgendwann auch. Aber zur Liebe zum Kind gehört eben auch, es so anzunehmen wie es ist.

Vielleicht wird Deine Tochter eine Weile brauchen, um in der Schule gut klar zu kommen. Na und? Dann ist das so. Manche Kinder brauchen Zeit, um aufzutauen.

Ich denke aber, es wird mit der Zeit immer besser werden. Lass sie erst mal Anschluss finden und sehen, was ihre Freunde schon alles allein machen. Irgendwann will sie dann dabei sein.

Beitrag von bruchetta 30.05.11 - 15:34 Uhr

Ganz lieben Dank für Eure Antworten.

Es ist ja schon beruhigend, dass ich nicht allein bin und es auch andere Mütter gibt, die ängstliche Kinder haben.

Früher war sie im übrigen nicht so, mit 3 oder 4 war sie nicht sonderlich ängstlich.

Mittlerweile ist es so, dass sie nicht allein einschlafen "kann". Sie hat immer schön in ihrem Bett geschlafen, jetzt schläft sie bei uns (ich leg mich mit ihr hin) und wir tragen sie später dann schlafend rüber in ihr Bett.

Tendentiell denke ich auch, dass wir sie so nehmen müssen.
Auch wenn von anderen Müttern Unverständnis dafür ernte, dass eine 6-jährige sooo ängstlich ist.

Beitrag von fibia 30.05.11 - 15:56 Uhr

...Auch wenn von anderen Müttern Unverständnis dafür ernte, dass eine 6-jährige sooo ängstlich ist. .....

Das ist immer so unmöglich #augen, als ob man es sich ausgesucht hat, dass das eigene Kind so ängstlich ist....
Aber das kenne ich auch, man selbst schwitzt schon und wünscht sich manchmal, dass es sich das Kind nicht selber so schwer macht und dann erntet man auch noch solche verständnislosen Sprüche oder Blicke :-[

Ich kann mich den anderen nur anschließen und wünsche Dir viel Kraft und Geduld, das wird schon!

LG
Fibia

Beitrag von sunny42 31.05.11 - 09:55 Uhr

Liebe Bruchetta,

mir ist noch eingefallen das meine Tochter sich oftmals Sorgen um etwas gemacht hat was so gar nicht eintrifft und deshalb solche Angst hatte.
(Also zum Beispiel, ich könnte vergessen sie abzuholen)
Zu dem Thema (Gedanken die einen belasten) liebt sie inzwischen dieses Buch heiß und innig:

Tiger Tiger ist es wahr von Byron Katie

http://www.amazon.de/Tiger-Tiger-Fragen-wieder-l%C3%A4cheln-lassen/dp/3981175271/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1306828493&sr=8-1

Liebe Grüße
Sunny

Beitrag von ma-lu 30.05.11 - 20:33 Uhr

Hallo,

es gibt ein tolles Trainingsprogramm für schüchterne Kinder ab 5 Jahren: "Mutig werden mit Till Tiger". Gibt es inzwischen in vielen, vielen Städten und Einrichtungen in ganz Deutschland.


LG
Ma-Lu

Beitrag von zahnmaus 31.05.11 - 09:32 Uhr

Hallo,

wie schon eine andere Mutti geschrieben hat, liegt es meistens an einem ängstlichen Elternteil. Meine Tochter ist 6 und geht jetzt zur Verhaltenstherapie mit Elternstunden. Ich sage dir, innerhalb von 2 Wochen habe ich ein völlig anderes, offens Kind und ich habe auch ein ganz anderes Selbstbewusstsein. ;-)

Finja musste uns als Tiere malen, wie sie uns halt sieht, ich war ein weinender Maulwurf #schock, also das war für uns der Knackpunkt, ich war so entsetzt und es war mir absolut nixht bewusst, daß ich so "rüberkomme".

Mittlerweile schmeisst sie mich aus dem KiGa raus, verabredet sich alleine, flitzt alleine durch Oki Doki, all diese Dinge waren echt Horror, jetzt kein Problem mehr.

Seit 2 Wochen schläft sie durch, was 6 Jahre lang unmöglich war#huepf. Mit Hilfe der VT hat es ganze 2 Tage gedauert und war garkein Problem.

Sie hatte Angst mich loszulassen, hatte Sorge um mich, das es mir nicht gut geht, was ja auch stimmte. Wir sind sozusagen alle in Behandlung, mittlerweile nur noch alle 2 Wochen, und es tut uns allen sehr gut. Endlich lachen wir wieder. :-D

Rede mal mit deinen KiA oder wende dich mal nur zur Beratung an ein/e VT.

Hilfe holen ist nix schlimmes :-)

LG Kerstin