Wer war mit seinem Kind schon mal beim Kinderpsychologen?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von snowwhite1974 30.05.11 - 21:51 Uhr

Hallo,

habe morgen (endlich) ein Erstgespräch mit meinem Großen (12) bei einem Kinderpsychologen, da wir in letzter Zeit einige Probleme mit ihm haben und ich das Gefühl habe, dass er in der Familie nicht glücklich ist und fast zwanghaft rebelliert.

Möglicherweise (oder wahrscheinlich) haben die Gründe auch mit uns Eltern zu tun - ich denke schon, nichts kommt von ungefähr.

Morgen ist nun das erste Gespräch und ich mache mir den Kopf, was ich sagen soll, warum wir da sind - bei der Anmeldung habe ich schon so Stichpunkte wie aggressives, unangebrachtes Verhalten, häufige Kopfschmerzen, mangelnde Impulskontrolle, Leistungsverweigerung etc. angeführt - aber das will ich ja nicht vor meinem Sohn besprechen, der fühlt sich doch total vorgeführt, oder?

Er hat mich gefragt, was wir da machen und ich habe ihm gesagt dass wir mit jemand sprechen, wie es bei uns in der Familie vielleicht besser laufen kann, also ohne ihn jetzt explizit als Ursache zu benennen.

Weiß jemand wie so ein Gespräch abläuft und wie ich das "Vorführszenario" vermeide?

Danke und Gruß snowwhite

Beitrag von sternchen718 30.05.11 - 22:58 Uhr

Hallo,

wir waren vor einem Jahr mit unserem Sohn bei Kinderpsychologen und der hat zuerst unseren Sohn gefragt warum wir den da sind.

mein Sohn reagiert auch so wie du es geschrieben hast und er wusste ja nun ganz genau warum wir den da sind. Das Gespräch kam dann ganz ungezwungen ins laufen.

Habt ihr vorher einen Bogen ausfüllen müssen? Wir mussten das machen und da hatte der Psychologe dann schon mal einen Grundüberblick.

Meiner geht nun seit ca. 6 Monaten 1mal wöchentlich zum Kinderpsychotherapeut und mal ist es gut und mal schlechter.
Wobei wir schon einen längeren Weg mit Erziehungsberatung und ner Sozialpädagogiktante usw. hinter uns haben.

Wir haben auch schon die Erfahrung machen müssen das man als Eltern immer schuld ist und das Kind immer unschuldig. Ich denke es gehören zwei dazu und wenn bestimmte Muster eingeschliffen sind kann man das nicht mit einem "So das haben Sie verbockt nun wissen sie das und ändern sie es!" abtun

Bei einem anderen wurden wir auch nicht wirklich ernst genommen da hieß es dann nur "Na ja ein Mittelkind das wird sich nicht ändern!"

Ich hoffe für euch das ihr an einen guten Kinderpsychologen geraten seit der euch nicht das Gefühl gibt ihr als Eltern seit die Totalversager. Denn das hilft niemanden weiter.

LG
Corinna

Beitrag von katalin 30.05.11 - 23:04 Uhr

Hallo,

erst einmal eine Frage zum Verständnis: geht ihr zum Psychologen oder zum Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche? Das ist nämlich ein großer Unterschied...
Leider kann ich Dir nicht genau sagen, wie so ein Gespräch abläuft, da es keine Standardregel gibt und jede Persönlichkeit es nach eigenem Gespür handhaben wird. Ich kann Dir nur sagen, wie ich es als Kinderpsychotherapeutin mache:

- meistens lade ich die Eltern für das erste Gespräch ALLEINE ein, eben damit man offen reden kann über das Kind, ohne dieses vor den Kopf zu stoßen. In einer nächsten Sitzung dann sehe ich das Kind.

- kommen Eltern und Kind zusammen, dann würde ich das Eingangsgespräch sehr kurz halten, den Jungen auch selbst nach seinen Einfällen, Gefühlen, etc. fragen, die Eltern wenn nötig ein wenig bremsen und dann die meiste Zeit mit dem Jungen ALLEINE verbringen und die Eltern zu einem zeitnahen Termin alleine einbestellen, um eine Anamnese zu erheben.

Ich würde Deinem Sohn übrigens die Wahrheit sagen: dass ihr Hilfe sucht, weil Du das Gefühl hast, ihm gehe es in der Familie nicht so gut. Dass es so oft Streit gäbe und er unglücklich wirkt, etc. Sage ihm, dass ihr zu jemandem gehen wollt, der ganz für den Jungen und seine Sorgen, Probleme und Anliegen da ist und wo er einen Platz nur für sich hat. Ist der Sohn so vorbereitet, wird er nicht aus allen Wolken fallen, wenn ihr vor Ort seit. Wenn Du vor dem Sohn erzählen sollst, warum ihr da seid, etc., dann bleibe am besten in der Ich-Form:Ich habe das Gefühl, Du bist derzeit nicht glücklich in der Familie. Ich mache mir viele Sorgen, weil Du so oft auf Stress mit Kopfschmerzen reagierst, etc.

Konnte ich Dir ein wenig weiterhelfen?

LG, Katalin

Beitrag von kanojak2011 31.05.11 - 07:42 Uhr

hi snowwhite,
gerade aber diese Vorführszenario ist vllt mal wichtig. Vermeide doch garn ichts. Du gehst doch zu dem Psychologen, DAMIT er euch hilft und nicht um etwas zu vermeiden oder zu verstecken

Beitrag von bruchetta 31.05.11 - 13:05 Uhr

Ich war mit unserer Tochter dieses Jahr beim Kinderpsychologen wegen ihrer Ängstlichkeit.
Zunächst hat meine Tochter im Wartezimmer gewartet und gemalt und ich war allein drin, um die Situation zu schildern.
Anschließend war ich im Wartezimmer und meine Tochter war drin.
Bei den nächsten beiden Terminen war wieder nur meine Tochter drin.
Dann hatten mein Mann und ich allein einen Termin zur Besprechung der Diagnose.
Wir haben die Therapie dann nicht begonnen, da die Ursache nicht bei unserer Tochter lag.
Von daher brauchte sie auch nicht therapiert werden.

Beitrag von munirah 31.05.11 - 16:35 Uhr

MAch dir keine Gedanken. Gute Kinderpsychologen wissen schon, wie sie am besten vorgehen. Ich habe in einem Praktikum auch bei einer Kinderpsychologin reingeschnuppert. Und die hat in einem Gespräch über ganz alltägliches sehr viel über die Familie herausgefunden. Und als Praktikantin durfte ich auch mal mit dem Kind etwas abseits spielen, so dass sie mit den Eltern in Ruhe reden konnte.

Beitrag von snowwhite1974 31.05.11 - 21:28 Uhr

Hallo,

danke an alle, die geantwortet haben. Der Termin ist vorbei und war total gut, supernettes Gespräch.

Allerdings wollten sie uns nicht nehmen - eher ein Fall für die Erziehungsberatung... Der Sohn macht einen psychisch absolut gesunden Eindruck - keine unbewußten Traumen, wir sollten mal an unserer familiären Interaktion arbeiten...

Nun gut, wir werden sehen.

Gruß snowwhite

Beitrag von koji 31.05.11 - 21:46 Uhr

Oh, jetzt habe ich geschrieben, dabei bist du schon fertig. Ist gut, dass das Gespräch gut gegangen ist!

Kann verstehen, dass du ein bisschen enttäuscht bist, aber wenn er wirklich keine Traumen hat, dass ist das sehr gut. Gib' der Erziehungsberatung eine Chance wünsch' euch viel Glück.

Beitrag von koji 31.05.11 - 21:38 Uhr

Ich war schon als 7-jährige beim Kinderpsychiater, da ich nach der Einschulung von zwei Nachbarmädchen, die mich schon jahrelang immer wieder beleidigt haben und dann in meine Klasse kamen, starken Terror betrieben und einen Grossteil der Klasse gegen mich aufgehetzt.
Ich habe dann aufgehört zu essen und nach dem Krankenhausuntersuchungen und Einlauf nichts geholfen haben, wurde ich zum Seelenklempner verwiesen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Mami mit mir über mich gesprochen hat. Meistens war ich schon im Sprechzimmer, während er eventuell noch mit ihr gesprochen hat, öfters habe ich das Spiel fertig aufgeräumt und sie haben noch geredet.
Die Stunden wurden meistens mit einem Spiel verbracht und dabei sich unterhalten. Er wollte halt in alltäglichen Situationen sehen, wie ich mich verhalte - zum Beispiel betrüge oder schlecht verlieren kann. Er hat mir auch Fragen gestellt, wie ich mich fühle und wollte mich zum Denken anregen.

Anscheinend war ich noch bei einem anderen Kinderpsychiater, aber an den mag ich mich nicht erinnern.

Mit 11 oder 12 Jahren wurden wir bei der Scheidung unserer Eltern vom Richter und Vater dazu gezwungen zu einer Psychiaterin zu gehen, weil es ja "nicht normal sei, dass Kinder ihren Vater nicht sehen wollen". Ich weiss, dass meine Schwester, die damals etwa 9 Jahre war, immer Spiele spielen durfte, aber mich wollte diese Frau manipulieren und hat mir gesagt, dass das nicht gut ist und mich regelrecht gedrängt, meinen Vater zu sehen - ich fand sie sehr schlimm. Sie hat auch kaum mit meinem Mami gesprochen. Ich finde die Frau auch vom heutigen Standpunkt noch grausam und wir haben uns gut 10 Jahre geweigert unseren Vater zu sehen und heute nehmen wir ihn auch nicht als solchen wahr, haben aber wieder Kontakt.

Vielleicht noch als Betroffene: meistens habe ich bemerkt, wenn ich mit dem Psychiater nichts anfangen konnte. Meinen jetzigen habe ich mit 15 oder 16 Jahren kennengelernt, damals aber noch geweigert und erst Monate später von selber hingegangen. Seitdem finde ich es gut, weil ich halt mitmache.
Mir war es wichtig, dass das "mein" Psychiater ist, er meine Ansprechperson ist. Das ist natürlich nicht leicht mit einem Kind, aber ich finde es wichtig zu respektieren und deinem Sohn das Gefühl zu vermitteln, dass er beim Psychotherapeuten frei sagen kann, was ihn beschäftigt, ohne schlechtes Gewissen oder ähnlichem. Natürlich wird der der Therapeut mit euch Rücksprachen haben. Wenn dein Sohn den Herrn oder die Frau - nicht die Idee, daran kann man in dem Alter schon sagen, dass er es zumindest versuchen soll - wirklich unangenehm findet, würde ich eine andere Person suchen.
Er ist übrigens auch nicht die Ursache. Er mag vielleicht einen Grossteil der Familienproblematik durch sein Benehmen verursachen, aber oftmals ist es auch eine (übertriebene) Reaktion. Das heisst, wahrscheinlich müsst ihr als Eltern auch etwas umstellen und der Sohn muss an sich arbeiten.