Theorie 1, Praxis 6

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Beitrag von juliesunshine - 22.07.11 - 12:18 Uhr

Moin zusammen, ich hab mal ne Frage in die Runde.

Der 14jährige Sohn meines Freundes ist allgemein ein guter bis sehr guter Schüler, seine schlechteste Note im letzten Zeugnis war eine 3 in Sport. Er legt selbst sehr viel Wert drauf, gute Noten zu schreiben, macht freiwillig Extra-Hausaufgaben etc. - ist aber dabei kein Streber. Offensichtlich fällt ihm der Schulstoff so zu und er muß nicht groß lernen. (Leider interessiert er sich sonst nur für seine PC-Spiele.) Auch sonst ist er vielen Altersgenossen beim Verstehen von Zusammenhängen und Fakten etwas voraus.

Letztes Jahr waren wir im Urlaub in Schweden, und er wollte seinen beiden Kumpels eine Urlaubskarte schicken. Er fragte mich, was Deutschland auf Schwedisch heißt. Ich buchstabierte es ihm, und er schrieb dann auf die Karte: Tyskland, dann Postleitzahl/Ort, dann die Strasse... ich fragte ihn, ob er nicht wüßte, in welcher Reihenfolge man eine Adresse schreibt? Ich war echt baff. Er wußte es aber offensichtlich wirklich nicht. Ich sagte nur: jaja, eine 1 in Latein, aber sonst nicht lebensfähig! Sein Vater war zwar erstaunt, aber alles weitere drehte sich nur um meinen Kommentar bezüglich der Lebensfähigkeit, sowas kann ich doch zu dem armen sensiblen Professorchen nicht sagen etc.
Die Situation haben wir aber noch im Urlaub geklärt. Wir waren uns einig, daß man sowas eigentlich mit seinen damals 13 Jahren voraussetzen kann, und mein Spruch mit der Lebensfähigkeit war vielleicht etwas patzig, aber inhaltlich war da schon was dran...

Nun war der Junge letzte Woche bei uns und ich habe ihn mit auf einen kurzen Spaziergang genommen, auf dem ich verschiedene Gräser sammeln wollte, um sie unseren Farbmäusen zu füttern. Ich hatte schon einige Halme gepflückt, als er an einer Hirtentäschelpflanze rupfte. Ich fragte ihn, ob er denn auch Gras pflücken möchte. Er erwiderte überrascht: ja, ist denn das kein Gras? Nein, ich habe ihm erklärt, daß es Hirtentäschel ist. Darauf griff er zur nächsten Pflanze (obwohl er ja sehen konnte, was in meiner Hand war): "Und das?" Offensichtlich wußte er wirklich nicht, was denn nun Gras ist, er probierte es noch ein paarmal. Schließlich riß er etwas gefrustet ein paar grüne Halme aus dem Boden.

Ich fand das schon merkwürdig, daß er mit seinen 14 Jahren so einfache Dinge nicht kennt oder kann, die andere Kinder spätestens beim Eintritt in die Grundschule lernen. Dabei ist er so gut in der Schule. Seine liebste Erklärung, wenn seine Alltags-Praxis-Unwissenheit bei uns auf Unverständnis stößt, ist: "Das war in der Schule noch nicht dran." Offensichtlich glaubt er, daß sich ein Leben allein mit gelerntem Schulstoff meistern läßt? Er ist auch sonst sehr unselbständig, z.B. haben wir inzwischen eine Vereinbarung, daß er sich am Wochenende bis 13 Uhr anzieht und Zähne putzt. Vorher hat er es einfach nicht getan oder vergessen, aber wir müssen ihm auch jetzt noch einmal vorher Bescheid sagen...

Kennt das jemand oder kann mir helfen, das zu verstehen??

Danke und Grüße,
Julie

Beitrag von juju0980 - 22.07.11 - 12:31 Uhr

Ich habe keine Ahnung, aber hat er vielleicht autistische Züge? Ist das mal abgeklärt worden?

Davon abgesehen ist das meiner Meinung nach auch Sache der Eltern ihm solche lebensnahen Dinge beizubringen - und Briefe schreiben macht man doch in der Grundschule schon, also wo welche Adresse hinkommt und so.

Ich finde es auch nicht gut, dem Kind auch noch weiß zu machen, er wäre ein Professorchen - das Kind, welches ich kenne, dem das immer schon so erzählt wurde ist nun 27, sitzt im Studium und kommt nicht vorwärts weil er so davon überzeugt ist, dass ihm alles zufliegt, haben ihm ja alle immer schon suggeriert!

Beitrag von alltagsphilosoph - 22.07.11 - 12:48 Uhr

Liebe Julie,

was ich nicht ganz verstehen kann, ist Dein Unverständnis.

Bildung im weitesten Sinne wächst nicht auf Bäumen.
Nicht jedes Kind weiß, wie alle Gräser heißen und nicht jedes Kind kann einen Brief schreiben, wenn das vorher noch nie geschehen ist.
Ich kenne Erwachsene Menschen, die ihre eigenen Handynummer nicht auswendig können oder die den Geburtstag ihres Partners vergessen.

Der Junge hat offensichtlich zwei Tätigkeitsfelder: Schule und Computer.
Frag ihn nach der Lösung einer Volumenberechnung eines Prismas mit dreieckiger Grundfläche oder nach dem Erscheinungsdatum von Diablo III und er wird Dir sicher was sagen können - aber er weiß vermutlich nicht was eine Bankleitzahl ist.

Dinge des Allgemeinwissens werden durch den täglichen Gebrauch vermittelt - d.h. wenn man sich damit beschäftigt und es anwendet. Wer das nicht tut, und mag er noch so intelligent sein, der weiß es eben nicht.

Mal ganz nebenher: Ich habe keine Ahnung was eine Hirtentäschelplanze ist. Ich hatte immer Haustiere, die Dosenfutter bekamen.
Und das bringt uns zur letzten Frage:

"Offensichtlich glaubt er, daß sich ein Leben allein mit gelerntem Schulstoff meistern läßt?"
Ja, das glaubt er. Denn es stimmt: Sein Leben lässt sich durch Schulstoff meistern.
Unser Schulsystem ist nicht darauf ausgerichtet, dass er sein Leben meistern lernt - es soll ihn befähigen einen Beruf zu erlernen. Eltern denken zwar manchmal, Kinder würden den Rest von ganz allein lernen (sprechen und laufen haben sie ja auch von allein gelernt), aber damit ist es nicht getan.

Solltest Du also mal wieder vor einem Jungen stehen, der etwas nicht weiß,
wundere Dich nicht, sondern begreife es als Chance ihm auf dem Weg durch´s wahre Leben etwas weiter zu helfen.
Willkommen in der Welt der Eltern.

Alles Liebe,
Christian

Beitrag von juliesunshine - 22.07.11 - 13:17 Uhr

Danke für Eure Antworten.

Nein, der Junge hat keinerlei autistische Züge. Aber ich (Asperger-Diagnose).

Daß der Junge nur diese beiden Tätigkeitsfelder hat, ist mir schon klar, und ich kann mir gut vorstellen, daß es bei mir noch extremer war. Asperger-Kinder können sich sehr auf Spezialthemen versteifen, und ich habe es sicher getan. Trotzdem habe ich mich für meine Umwelt interessiert und mir einiges selbst beigebracht oder abgeschaut. Aber der Junge interessiert sich für seine Umwelt nicht.

Das mit der Hirtentäschelpflanze war nur ein Beispiel - man muß die Pflanze auch nicht kennen, um durchs Leben zu kommen. Aber er wußte nicht mal ansatzweise, welche Pflanzen überhaupt zu den Gräsern gehören (ich erwarte ja nicht, daß er die ganzen Namen kennt). Allerdings hatte er im letzten Schuljahr in Bio Pflanzen als Thema, und die Kinder mußten dann verschiedene Blumen sammeln und bestimmen. Von exakt diesen paar Blumen kennt er die Namen. Der Rest ist Schweigen. Und das ist bei allen anderen Themen halt auch so.

Klar kann der Junge keine Alltagspraxis sammeln, wenn er sich nur in der Schule oder vor dem PC aufhält! Ich habe auch Verständnis dafür und kann mir auch vorstellen, daß seine Mutter ihm nicht allzu viel Wissen vermitteln kann...#kratz Aber bei einigen Dingen wundert es mich immer wieder, wie schmal sein Wissen und sein Erfahrungsschatz einfach ist.

Auf dem Weg durchs "wahre Leben" helfe ich ihm immer gerne und er kommt inzwischen auch mit Fragen zu mir, von denen ich weiß, daß seine Mutter damit gar nichts anfangen könnte.

Beitrag von ippilala - 22.07.11 - 13:51 Uhr

Aber weswegen hätte er denn noch zusätzliche Pflanzennamen lernen sollen, wenn er ihm keinen Spaß macht? Ich kenne wirklich viele Leute, die einerseits selbst die Planzennamen vergessen haben, die in der Schule behandelt wurden und andererseits auch überhaupt kein Interesse daran haben, sich darüber Wissen anzueignen. Wozu bräuchte man denn so ein Wissen?

Beitrag von patty1205 - 22.07.11 - 13:26 Uhr

Hallo,

so ganz kann ich Dein Posting nicht nachvollziehen.

Um was geht es Dir wirklich?

1: Du willst Deine Überlegenheit beweisen
2: Du willst den Jungen bloßstellen und gehst deshalb nicht wertschätzend mit ihm um
3: Du bist defizitorientiert im Umgang mit Kindern und Jugendlichen
4:Du willst hier provozieren

Welche Antwort ist richtig ?

Patty

Beitrag von juliesunshine - 22.07.11 - 13:30 Uhr

Hallo Patty,

vielen Dank für Deine sehr nette Antwort!

1. nein
2. nein
3. nein
4. nein

Ich bin einfach nur jedes Mal verwirrt, wenn ich vor einer solchen Situation stehe, und wollte mir gerne von anderen Eltern Tipps und Erfahrungen holen!
Meiner Meinung nach ist diese Forum zu diesem Zweck da. Und nicht zum Bloßstellen oder Provozieren.

Beitrag von patty1205 - 22.07.11 - 13:40 Uhr

Hallo,

dann ist es gut, allerdings kann man es aus Deinem Ausgangsposting nicht erkennen, dass Du wirklich um Rat suchst.

Trotzdem noch eine kleine Anmerkung, gehe bitte nicht mit der Mutter in Konkurrenz.
Es ist und bleibt die Mutter, mit all ihren Fähigkeiten und Schwächen.

Wenn Du dem Jungen etwas vermitteln kannst ist das wunderbar, aber dies sollte aus Freude und wirklichem "wollen" entstehen.

Es sollte nicht darum gehen, der Mutter zu zeigen, dass sie in Deinen Augen keine Bildung vermitteln kann.
Oder habe ich es wieder falsch verstanden?

Patty

Beitrag von juliesunshine - 22.07.11 - 14:12 Uhr

Hallo Patty,

ich tu mich manchmal etwas schwer mit Worten, sorry #gruebel

Ich werde mich hüten, mit der Mutter in Konkurrenz zu treten. Ich möchte sie weder hochheben noch degradieren oder in den Schatten stellen. Zumal ich sie ja auch erst einmal gesehen habe - einen direkten Kontakt gibt es also gar nicht. Ich möchte auch nicht seine Mutter ersetzen oder versuchen, die "bessere Mutter" , das kann ich nicht und es steht mir auch nicht zu. Zumal eine Mutter-Kind-Beziehung natürlich völlig anders ist. Ich sehe mich mehr als große Freundin oder Schwester.

Das Problem bei dem Jungen ist, er weiß, daß seine Mutter nicht die Hellste ist und er erzählt uns immer wieder gerne, was für Schoten sie wieder gebracht hat. Er macht sie bei uns bewußt peinlich. Zumal er bei ihr zu Hause total patzig ist und auf sie nicht mehr hört, bei uns ist er respektvoll und meist folgsam, da er nicht nur Anweisungen, sondern Erklärungen bekommt. Und zu mir kommt er mit Fragen, von denen er weiß, daß seine Mutter wohl nicht mal die Frage verstehen würde (letztens fragte er z.B. nach dem menschlichen Bewußtsein, und da konnte ich ihm wohl eine ganze Menge vermitteln).
Solche Fragen beantworte ich gerne und mit Freude und wirklichem Wollen. Sie zeugen von echtem Interesse. Aber der Junge sollte auch ein gewisses repertoire an "Standardwissen" beherrschen - finde ich zumindest. Die beiden Beispiele von mir waren wirklich nur Beispiele, es gab ncoh viele andere solcher Situationen, in denen auch sein Vater total ratlos war - wie, DAS weiß er mit 14 Jahren nicht??

Beitrag von patty1205 - 22.07.11 - 14:34 Uhr

Hallo,

da der Junge in Parallelwelten lebt, ist es für ihn sicherlich schwer eine Orientierung zu haben.

Allerdings würde ich das abfällige Reden über die Mutter flott unterbinden.
Ein respektvoller Umgang und Wertschätzung der Mutter gegenüber, gehört für mich auch zur Bildung.

Wenn der Junge so brav bei Euch ist, dann sagt das erstmal nicht wirklich etwas aus, er kann auch nur angepasst sein, da es sich um einen Wochenendbesuch handelt.

Viele Jugendliche sind in dieser Altersklasse patzig und suchen die Reibung mit den Eltern, das gehört zu einer Abnabelung vom Elternhaus dazu.
Sein Verhalten sagt also auch nichts über die Fähigkeiten der Mutter aus.

Wenn der Vater so verwundert über den Bildungsstand seines Kindes ist,
dann sollte er sich fragen, ob er in den letzten Jahren seiner Verantwortung nachgekommen ist.

Ich möchte Dich nicht angreifen mit meinen Antworten, aber ich vermisse doch etwas Dein " Herz" im Umgang mit der Situation.

Patty

Beitrag von juniorette - 22.07.11 - 15:24 Uhr

"Das Problem bei dem Jungen ist, er weiß, daß seine Mutter nicht die Hellste ist und er erzählt uns immer wieder gerne, was für Schoten sie wieder gebracht hat"

Er erzählt euch IMMER WIEDER von Peinlichkeiten seiner Mutter?
Sorry, das hätte ich aber nach dem ersten Mal mit der Erklärung, dass man so nicht über seine Mutter herzieht, unterbunden.

"Aber der Junge sollte auch ein gewisses repertoire an "Standardwissen" beherrschen -"

Ja - sag das doch deinem Freund, der ist schließlich der Vater des Jungen. Man kann in einem Schwedenurlaub viel gerade biegen, was in den Monaten davor versäumt worden ist.

" gab ncoh viele andere solcher Situationen, in denen auch sein Vater total ratlos war - wie, DAS weiß er mit 14 Jahren nicht??"

Ja, welche denn?
Waren es denn Sachen, die dein Freund seinem Sohn mal erklärt hat? DANN darf dein Freund sich wundern, ansonsten nicht.

Beitrag von scotland - 22.07.11 - 13:40 Uhr

Hallo,

das klingt für mich doch nach einem relativ normalen Teenager.

Was ich nicht verstehe, ist, dass du dich an derartigen Details so hochziehst. Ich habe Abi und studiert, stehe mit drei Kindern, einem Mann, einem Haus, Haustieren und einem Vollzeitjob voll im Leben, komme gut klar - und könnte dir auf einer Wiese außer Löwenzahn. Schafgarbe und Klee keine einzige Pflanze bestimmen - und das, obwohl ich in meiner Freizeit sehr gerne draußen spazieren gehe. Warum? Es ist mir nicht wichtig, ich freue mich, dass Dinge blühen, aber will nicht wissen, wie sie heißen.

Defizite wie Hausnummer nach Straße etc. sind doch nicht nennenswert - eine Minute erklärt und der Bub kann es. Er lebt eben auch in einer anderen Generation. Bestimmt weiß er Dinge, die du nicht verstehst oder von denen du noch nie gehört hast. So what?

Ich spüre eine Ablehnung des Kindes in deinem Posting, da es sich um das Kind deines Freundes handelt, finde ich es schade. Vielleicht kannst du mit ihm solche lebensnahen Dinge behandeln?

GLG
Scotland



Beitrag von ippilala - 22.07.11 - 13:40 Uhr

Also ich weiß auch nicht mehr alles, was ich mal in der Schule gelernt habe. Und wenn er selten Karten oder Briefe schreibt, ist es nur verständlich, wenn er soetwas vergisst. Wusstest du mit 14 noch denn noch alles, was irgendwann einmal im Kindergarten oder Schule bis dahin behandelt wurde?

Ganz abgesehen davon, dass auch falsch beschriftete Post den Empfänger findet.

Und den Unterscheid zwischen einer kleinen grünen Pflanze und Gras zu kennen ist weder lebenswichtig noch notwendig, wenn man Gras nicht benötigt. Es ist für ihn also völlig irrelevant.

Und du meinst nun zu sagen, dass es relevant ist? Und denkst auch noch, dass er den gleichen Dingen wie du die gleiche Relevanz zumisst?

Das ist doch völlig individuell! Wieso hätte er sich gerade über Gras informieren sollen? Es ist 1. nicht notwendig und 2. für ihn wohl absolut uninteressant.

Informierst du dich denn über alle nicht notwendigen und langweiligen Dinge? Ich schätze, dass das nicht möglich ist...

Welche anderen Kinder können denn mit Eintritt in die Grundschule Gras genau definieren und von allen anderen kleinen grünen Pflänzchen auf der Wiese unterscheiden? Insbesondere blühende Gräser...

Und abgesehen davon hattest du satte 18 Jahre mehr Zeit, dir Wissen anzueignen, es wäre schon komisch, wenn er genau den gleichen Wissensstand wie du hätte. Wenn er interessiert ist, kannst du ihm sicher noch vieles beibringen (oder auffrischen, wie bei der Adresse). Das funktioniert aber sicher weniger gut, wenn du dich über sein Unwissen empörst. Wenn er möchte, bringe ihm die Dinge einfach (nochmal) bei.

Welchen sinnigen Grund hätte es denn für ihn von sich aus am Wochenende um 13Uhr angezogen zu sein?...Wenn ich nicht zufällig um 13 Uhr etwas vorhatte, habe ich das auch nicht gemacht. Moment! ich mache es immenroch nicht. Gerade jetzt sitze ich hier im Schlafshirt vorm PC...es ist einfach viel bequemer, als wenn ich meine Ausgehsachen anhätte. Es gibt überhaupt keinen Grund, dass ich mich jetzt umziehe.

Beitrag von juliesunshine - 22.07.11 - 14:02 Uhr

Das mit dem Gras auf der Wiese war doch nur ein Beispiel. Ich möchte nicht bestimmen, was nun lebensnotwendig ist oder nicht. Ich wundere mich nur, daß sein "Alltagswissen" in einem solchen krassen Gegensatz zum Schulwissen steht, und man merkt es halt an den Dingen, die einem selbstverständlich sind.
Vielleicht ist es mir auch so unverständlich, weil ich diese Dinge schon sehr früh konnte.

Das Problem mit dem Anziehen ist eine ganz eigene Spezialität des Jungen. Klar, welch sinnigen Grund sollte es denn am WE geben, sich anzuziehen? Ganz einfach: Er hat keinerlei Rhythmus. Bei ihm gibt es keine Reihenfolgen und Abläufe (nur zur Schule muß man um 8 Uhr hin). Wir haben es eine zeitlang probiert, daß er sich einfach irgendwann anziehen soll oder auch nicht, wir wollten ihn nicht mit irgendwelchen Zwängen vergraulen. Dabei stellte sich schnell heraus, daß man ihm einen Tagesablauf oder auch eine Rhythmus vorgeben muß, sonst wird er unleidlich. Heißt also, er will überhaupt nichts machen, auch nicht mit seinen Freunden, und wenn er nicht an den PC/TV darf, vergammelt er den Tag gelangweilt in der Ecke. Dann hat er den ganzen Tag lang schlechte Laune und sagt tausendmal, daß ihm langweilig ist. Er hat dann aber selbst keine Ideen und unsere Vorschläge interessieren ihn auch nicht.
Wenn wir ihn bis 13 Uhr ins Bad schicken, dann ist er "frisch drauf" (man merkt es richtig) und läßt sich dann auch mal zu einer gemeinsamen Unternehmung mitreißen, für die dann noch genug Zeit ist und die ihm dann auch immer sehr viel Spaß macht.

Beitrag von suny123 - 22.07.11 - 16:12 Uhr

Meine Güte, der Junge ist 13 und warscheinlich auch schon in der Pubertät, da gehöhrt "Rumgammeln" dazu, eigentlich kann man froh sein, dass er in der Schule noch strebsam ist. Erfahrungswerte, wie du sie vorrausetzt haben die Meisten in dem Alter nicht,woher auch, dass kommt von ganz allein, dafür wird man Erwachsen!

Beitrag von bambolina - 22.07.11 - 14:54 Uhr

er ist aber kein Streber...

Wenn ich das von einer erwachsenen Person höre, muss ich echt den Kopf schütteln - und selbst wenn es so wäre, was ist schlimm daran, strebsam zu sein?

Und ob er "Lebensfähig" ist, geht dich schlicht und einfach gar nichts an, zumal nicht alle Eltern viel Allgemeinwissen vermitteln - können. Weiterhin steuert Interessen auch die Wahrnehmung, vielleicht hat ihn vieles auch nicht interessiert? (wie vielleicht das Briefe schreiben).
Im übrigen, das Wort "Hirtentäschelpflanze" hab ich heut auch zum erstem Mal gehört.

Er ist unselbstständig, wenn er sich z.B. bis 13 Uhr am WE nicht angezogen hat? Könnte das doch sein, dass es daheim nicht verlangt wird, dass er das schlicht und einfach nicht kennt?

Der Junge wird seinen Weg machen, auch wenn er mit 14 nicht weiß, wie man eine Adresse schreibt...

Beitrag von juniorette - 22.07.11 - 15:11 Uhr

Hallo,

für mich hörst du dich sehr weltfremd an, sorry.

Dein Urteil über den Jungen wäre genauso, wenn hier jemand sagen würde, dass du eine verschrobene Kräuterhexe bist, weil du Gräser sammelst.

Ich erkenne an Pflanzen auch nur so auffällige Sachen wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Rosen oder Tulpen, aber sicherlich nicht welches Gras zu welcher Pflanze gehört. Interessiert mich auch überhaupt nicht.

Es spricht schon sehr für den Jugen, dass er sich auf das Gräsersammeln mit dir eingelassen hat, ich hätte dir den Vogel gezeigt, wenn du mich danach gefragt hättest #rofl

Zu der falsch geschriebenen Adresse:
sicher ungewöhnlich, dass ein 13Jähriger das nicht weiß. Ich habe Briefe schreiben in der Grundschule gelernt und ansonsten als Kind immer den Briefkasten für meine Eltern geleert, wo ich ja immer wieder sehen konnte, wie man korrekt adressiert.

Dein Spruch zeugt aber von sozialer Inkompetenz, dass ich mich schon frage, wer hier nicht lebensfähig ist.

"Seine liebste Erklärung, wenn seine Alltags-Praxis-Unwissenheit bei uns auf Unverständnis stößt, ist: "

Der Vermitteln von Alltags-Praxis-Wissen (z.B. "wie bekomme ich mit einem Flaschenöffner eine Flasche auf") ist Aufgabe der Eltern, nicht die der Schule.

Warum hat sich denn dein Freund nie darum gekümmert, dass sein Sohn lernt, Briefe korrekt zu schreiben und all die anderen Dinge, wo sein Sohn (angeblich) nicht lebensfähig ist? Da kannst du höchstens deinen Freund kritisieren, aber nicht einen 13jährigen Jungen.

Wobei ich deine Beispiele für die angebliche Lebensfähigkeit des Jungen absurd finde. Der Brief wäre auch mit der falschen Reihenfolge in der Adresse angekommen und dein Wissen über Gräser braucht kein Mensch (außer vielleicht beruflich bedingt).

Es klingt etwas Neid auf die intellektuellen Leistungen des Jungen aus deinen Zeilen heraus. Besorgnis klingt nämlich anders.

LG,
J.

Beitrag von manavgat - 22.07.11 - 15:45 Uhr

Das ist doch Blödsinn!


Die meisten Jugendlichen wissen nicht, wie man eine Adresse schreibt.

Warum nicht? Ei, weil sie keine Briefe oder Postkarten schreiben.

Dafür können sie Facebook, instant messenger, Handy, ipod und was weiß ich noch alles bedienen.

Und wenn ein Stadtkind nicht weiß was dein Hirtentäschl-dingsbums ist, dann wahrscheinlich deshalb, weil sie keine Berührung damit hatten, so wie ich....

Es gibt - angesichts der Informationsflut - kein Weltwissen mehr, was man voraussetzen könnte.

Höflichkeit, die Dir nicht eigen ist, kann man aber auch so lernen und rücksichtslos, arrogant und übergriffig bist eher Du. Jugendliche freuen sich, wenn man sie nett darauf hinweist, wie etwas heißt, wie man etwas schreibt. Und zwar dann wenn sie es brauchen.

Wer so reagiert wie Du, der ist nur eins:


verdammt uncool.


Gruß

Manavgat

Beitrag von asimbonanga - 22.07.11 - 22:01 Uhr

Sehe ich genau so.
Ich habe zwei Kids in diesem Alter, die natürlich einige Sachen nicht beherrschen die früher vielleicht Standard waren, dafür aber wiederum andere Sachen,die viele Erwachsene nicht hin bekommen.

Beitrag von wasteline - 22.07.11 - 17:28 Uhr

"Hirtentäschelpflanze"

Schön, dass Du solche Pflanzen kennst.......ich habe dann wohl auch keine Ahnung von Natur oder in der Schule geschlafen.

Alltags-Praxis-Untauglichkeit? Schönes Wort. Eltern sollten sich mal an die eigene Nase fassen, wenn ihre Kinder von Dingen des Alltags keine Ahnung haben und nicht wissen, was Gras ist.

Weißt Du, es gibt im TV lila Kühe und wenn Eltern den Kindern nicht sagen, dass die Kühe in Wirklichkeit anders aussehen, woher sollen die Kinder das wissen?

Die Alltagspraxis lernen Kinder durch Eltern, die ihnen den Alltag vorleben. Wenn es die Mutter des Jungen nicht macht, dann solltet Ihr es machen.

Beitrag von alpenbaby711 - 22.07.11 - 19:57 Uhr

In manchen Dingen scheint er mir auch ein wenig Lebensfremd. ABer gut das mit dem Hirtentäschel hätte ich auch nicht gewußt und damit kann ich auch nichts anfangen. ABer Gras kann ich schon noch unterscheiden, grins! Jedenfalls glaub ich das. :-p
Schulstoff ist etwas kaltes was man lernen kann ohne logisches Denken oft. Sowas fällt ihm wohl leichter aber deshalb gleich autistisch? Aber gut der Gedanke liegt nahe.
Ela

Beitrag von arienne41 - 23.07.11 - 08:38 Uhr

Hallo

Wenn du meinen Sohn als nicht Lebensfähig bezeichnet hättest wäre ich die Decke hochgegangen denn mehr kannst du einen 14 jährigen nicht beleidigen.

Kann er alltägliche Dinge?
Wie mal was einkaufen usw?

Wie man Adressen schreibt lernt man in der Schule ist aber nicht lebenswichtig. Karte wäre wohl so auch angekommen.
Das kann einfach daran liegen

Mich fragt im Urlaub jemand wo ich herkomme dann sage ich die Stadt und nicht den Straßennamen und so hat er es eben geschrieben.

Klar kann er sich anziehen und Zähne putzen und er weiß es auch.
Es ist aber nicht notwendig sich anzuziehen wenn man frei hat und nicht weg will.
Manche finden sowas einfach nur gemütlich.

Das mit den Gräsern bei dir ist eher Fachwissen und man braucht es ihm Leben nicht wirklich.
Es gibt viele Menschen die Unkraut nicht von Blumen unterscheiden können und kommen trotzdem durchs leben :-)

KAnn sein das es eher mit deinem Asberger zu tun hat das du so denkst

Beitrag von kira2002 - 23.07.11 - 11:16 Uhr

Hallo Julie,

ich finde es ebenfalls furchtbar wie du über diesen Jungen urteilst.

Dein Hirtentätschelgedöns kenne ich auch nicht und deshalb bin ich auch nicht lebensunfähig. Viele Jungs und auch erwachsene Männer haben mit Briefeschreiben nix am Hut, kenne viele, die eine Adresse nicht "korrekt" schreiben können. Und ich kenne viele Frauen, die keinen Reifen wechseln können. Sind die dann auch lebensunfähig?

Jeder Mensch hat seine Fähigkeiten und wenn jemand etwas nicht besonders gut kann, finde ich es furchtbar so jemanden als lebensunfähig zu betiteln.

Er ist 14 und hat noch viel Zeit zum lernen.

LG
Kira

Beitrag von kati543 - 23.07.11 - 13:10 Uhr

Hallo,

mal ganz ehrlich... ich verstehe weder die Reaktionen der Leute, die vor mir geschrieben haben, noch die von dir Julie.

Was erwartest du, wenn du in so einem Forum postest? Normalos verstehen dich nicht unbedingt, wenn du nicht gleich anfangs mit erwähnst, dass du Asperger Autist bist. Julie, du bist der Autist, nicht der 14-jährige. Du bist anders. Wir können uns darauf einstellen und das verstehen, was du schreibst, wenn du diese "Kleinigkeit" erwähnst. Aber die Antworten, auf jede einzelne Antwort liest nun wirklich nicht jeder.
Ich weiß was du meinst, denn meine Söhne sind genauso - auch Autisten übrigens.

Zu der Erläuterung des Lebensfähigen...
Lebensfähig sind heutzutage in Deutschland die allerwenigsten Menschen. Es ist nicht überlebensnotwendig zu wissen, wie man einen Brief richtig beschriftet, Julie. Aber hast du schon mal eine Kuh gemolken, Joghurt hergestellt, Butter gemacht, geschlachtet, Getreide gepflanzt, geerntet,... Brot gebacken (ohne Brotbackautomaten, ohne Strom, ohne Ofen). Wir sind abhängig von unserer Technik. Da stört es nun wirklich nicht, in welchen Teilbereich wir Ahnung haben.
Wenn du Autist bist, dann bist du geradezu davon abhängig, dass dein Leben in geordneten Bahnen und in nahezu absoluter Regelmäßigkeit abläuft. Gesunde Menschen sind darauf nicht angewiesen. Das hat nichts mit Unselbstständigkeit zu tun. Und manchmal kann es auch ganz gut tun, einen ganzen Tag einfach zu verbummeln. Vielleicht sieht man dann nicht so gepflegt aus, aber der Seele tut es einfach gut ... und man will ja auch nicht sein Zimmer unbedingt verlassen. Und manchmal vergißt man Dinge auch einfach. Für einen Nicht-Autisten ist das auch kein Problem.

Beitrag von troll3 - 25.07.11 - 21:50 Uhr

mal aus der sicht von jemandem der noch gar nicht so lange erwaschsen ist:

was haben mich gräser gejuckt mit 14? gar nicht, sei froh das er sich nicht für ganz anderes gras interessiert

und meine güte, der bursche hatte das aziehen nicht vergessen,er hatte keine lust.

das mit der postkarte ist reine lernsache, ganz erhlch. was man nicht kennt..

im ürbigen ken ich die dumme blume auch nicht die du da nennst