Wie helfen???

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von tini1234 - 27.07.11 - 10:26 Uhr

Hallo,

ich weiß gar nicht, ob dies das richtig Forum ist, aber ich versuche es jetzt einfach mal.

Es geht um meinen Bruder. Er ist jetzt fast 34 und kriegt einfach sein Leben nicht geregelt. Jetzt ist mal wieder ein absoluter Tiefpunkt und wir als Familie haben auch keine Kraft mehr...
Diese Probleme kommen und gehen seit er 16 ist. Er hat alles schon durch - über Schulden, Arbeitslosigkeit, Drogen, Obdachlosigkeit bis Gefängnis...

Und hier die aktuelle Situation... Vor etwas 6 Wochen kam ein Brief seines aktellen Vermieters zu meinen Eltern. In diesem stand, dass schon seit Monaten die Miete offen ist, ihn seit Wochen keiner gesehen hat und er sich Sorgen macht, ob alles OK ist. Dazu muss er sagen, dass mein Bruder bei uns und meinen Eltern ein und aus gegangen ist und nie etwas gesagt hat - alles ist in Ordnung... Na jedenfalls haben ihn meine Eltern beim nächsten Besuch darauf angesprochen, was denn wieder los sei und da hat er nur den Brief genommen und ist gegangen. 2 Tage ohne Kontakt folgten. Horror für meine Eltern - vorallem meine Mutter. Dann hat er sich bei mir gemeldet und mich um ein Treffen gebeten. Obwohl ich nich den besten Kontakt zu ihm habe, hab ich natürlich eingewilligt - ist ja trotzdem mein Bruder. bei diesem Treffen hat er mir bissl was erzählt, wie die Situation ist. Er sagte mir damals, es ist die Wahrheit und er aht mir alles gesagt - über seine Schulden und das er die Arbeit verloren hat. Wir haben dann entschieden, dass wir gemeinsam zu einer Schuldenberatung gehen und er alle offenen Gläubiger zusammen sucht. Das war schon der Hammer... 11 000 € Schulden.
Na jedenfalls hat er jetzt 400 km weit weg wieder Arbeit gefunden und da die Beraterin sagte, dass Arbeit jetzt erstmal das wichtigste ist, ist er auch gefahren. Er hat immer wieder versprochen, dass er mit seiner Vermieterin in Kontakt tritt, um die Räumungsklage hinaus zu zögern. Außerdem wollte er nach spätestens 3 Wochen kommen, um die Wohnung auszuräumen und sauber zu machen.
Tja und das Ende vom Lied... Nix hat er eingehalten. Und das Schlimmste - seit einer Woche meldet er sich jetzt nicht einmal mehr. Wir waren jetzt mal in der Wohnung, um mal nach dem Rechten zu schauen den Briefkasten zu leeren. Da der nächsten Schock. Rechnungen über Rechnungen - manche über ein Jahr alt.
Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Auf der einen Seite würd ich es gern ignorieren - Scheiß drauf... Dann ist es eben sein Problem. Aber auf der anderen Seite - er ist doch mein Bruder und mit so einer Last kann man ja gar nich alleine zurecht kommen. Ich glaub, er brauch professionelle Hilfe - auch um endlich mal sein Leben in den Griff zu bekommen.
Aber ich kann nich mehr - hab ja auch noch ein eigenes Leben und er will ja grad scheinbar keine Hilfe. Aber es war auch schon so oft. Was, wenn es wieder noch schlimmere Formen an nimmt. Ach es ist so erdrückend...

Habt ihr nich eine Idee, was man machen kann?

Liebe Grüße

Beitrag von kerstini - 27.07.11 - 11:12 Uhr

Ohje, da hast du´s momentan ja nicht leicht!

Bei uns ist es ähnlich in der Familie. Ich möchte da jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich habe gelernt mich davon zu distanzieren. Ich mache mich nur selbst dabei kaputt!

Anscheinend dankt er es dir ja auch nicht im geringsten dass du dich so für ihn einsetzt und außer Ärger hast du nichts davon! Der einzige Rat den ich dir geben kann ist, beschränke den Kontakt aufs nötigste und lass Dich nicht einlullen falls er doch mal wieder vor der Tür steht.

Seit WIR unser Leben leben und ich mich nicht auch noch um das Leben gewisser Familienmitglieder kümmere geht es mir wesentlich besser. Ich weiß das ist wirklich hart. Aber so wie es sich anhört hast du ja schon jede Menge versucht deinem Bruder zu helfen und er ist ja anscheinend auch nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt. Entweder er möchte sich ändern oder nicht. Nur er hat das in der Hand. Wenn er sein Leben nur aus Gefälligkeit zu seiner Familie ändern will wird das nicht von langer Dauer sein. ER muss sich das Vertrauen seiner Familie zurückerobern wollen!

Ich wünsch dir alles Gute und drücke deinem Bruder die Daumen das er zur Vernunft kommt.


LG

Kerstin mit Ida im Arm #verliebt und Madita, Leo & #stern im #herzlich

Beitrag von parzifal - 27.07.11 - 11:20 Uhr

Du musst akzeptieren lernen, dass er bis dato keine Hilfe will.

Erst wenn er wirklich Hilfe will und aktiv mitmacht kannst und solltest Du helfend einschreiten.

Biete ihm an, dass wenn er wirklich bereit ist seine Probleme anzugehen (Schuldnerberatung, Privatinsolvenz, keine neuen Schulden machen etc.) dass Du ihm dann helfen wirst. Bis dahin aber solltest Du dich um nichts mehr kümmern, weil es ohnehin keinen Sinn macht und verpufft und Du leidest.

parzifal

Beitrag von lichtenstein - 27.07.11 - 12:21 Uhr

Habt ihr nich eine Idee, was man machen kann?


Garnichts. Auch wenn es noch so schwer fällt. Dein Bruder ist erwachsen und muss mit Mitte dreissig langsam lernen, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Wenn er dazu nicht bereit ist, muss er zumindest die Suppe auslöffeln, die er sich eingebrockt hat.

Hilfe kann ihm erst gegeben werden, wenn er aktiv nach Hilfe sucht. Alles andere frisst nur eure Kraft (und euer Geld). Leider.

Gruß

Lichtenstein

Beitrag von vwpassat - 27.07.11 - 12:23 Uhr

Da er Eure Hilfe offenbar nicht will, würde ich mich hier nicht weiter anbieten.

Wir haben (leider) einen ähnlichen, zwar nicht so schlimmen Fall in der Familie. Ich werde da nur tätig, wenn die betreffende Person mich bittet, mal ein Behördenschreiben oder ähnliches zu verfassen. Ansonsten distanziere ich mich ausdrücklich davor.

Mach einfach nichts mehr.

Er muss selbst mit den Konsequenzen seines Handelns leben.

Beitrag von bruchetta - 27.07.11 - 12:31 Uhr

Das einzige, was Ihr machen könnt ist, zu akzeptieren, dass der Sohn/Bruder erwaschsen und für sich selbst verantwortlich ist.

Vielleicht kriegt er ja nochmal die Kurve, vielleicht nicht, aber machen kann man da nichts.

Für viele dieser Leute, die alles Schluren lassen, ist das keine Last.
Er ignoriert das alles, vielleicht ist es ihm egal.

Insofern hat er eventuell kein Problem damit, sondern nur IHR!

Ich kann das verstehen, insbesondere Deine Eltern kann ich verstehen, aber Ihr müsst los lassen!

Beitrag von manavgat - 27.07.11 - 12:36 Uhr

Lass ihn aufknallen und regle nichts!

Wenn er richtig unten angekommen ist, dann wird er sich - vielleicht - helfen lassen.

Menschen wie Dein Bruder haben meisten psychische Probleme/Krankheiten. Weit verbreitet ist die Depression und/oder Sucht (Spielsucht, Alkohol, Drogen, Arbeitssucht usw.)

Wenn Du nur die äußeren Probleme löst (Schulden, Wohnung etc.), dann ist es eine Frage der Zeit, bis es wieder von vorn los geht.

Mein Rat: überzeuge ihn, sich freiwillig in eine Klinik einweisen zu lassen.

Wenn er dann nach einer Therpape erfolgreich hinter sich gebracht hat, dann könnt ihr - u. U. auch mit Geld - helfen die Schulden zu regulieren.

Vorher bedeutet nur: gutes Geld dem schlechten hinterher werfen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von myimmortal1977 - 28.07.11 - 15:57 Uhr

Ja, ich habe einen Tipp für Dich, bzw. für Deine Eltern.

Du wirst immer seine Schwester bleiben, Deine Eltern, immer seine bzw. Eure Eltern und demnach immer emotional mit allen verbunden! Das ist auch sehr normal und auch gut so!

ABER: Ganz ehrlich, auch wenn man familiär mit einander verbunden ist und sich um den anderen sorgt, irgendwann ist es an der Zeit, gerade wenn es ein schwarzes Schaf in der Familie gibt, eigene Wege zu gehen und sich nicht zu tief mit dem Mist des anderen zu beschäftigen.

Dein Bruder ist alt genug! Solche Menschen ruhen sich oftmals darauf aus, dass ihnen immer und immer wieder geholfen wird!

Und da dort immer Menschen sind, die die Hand reichen wollen und sagen, komm, ich helf Dir abermals und abermals und abermals.....

Wird das schwarze Schaf NIE seine Wege allein auf die Reihe bekommen, da er sich immer und immer wieder ins sichere Nest flüchten wird.

Nichts mehr machen, auch wenn es weh tut!!!!!

Euch alles Gute, Janette