Gewerkschaft der ... macht mobil

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Beitrag von grafzahl - 03.08.11 - 15:03 Uhr

Das "..." könnt ihr nach Herzenslust ergänzen.

Durch relativ kleine Berufsgruppen, die sich für unentbehrlich halten und betonen, welche Superverantwortung sie tragen.

Lokomotivführer, die derzeit die diversen Konkurrenten der DB AG bestreiken. Vor ca. 4 Jahren haben sie genau diese DB AG mit einer 31%-Forderung überfallen.

Fluglotsen, mit einem Durchschnittsgehalt von 10.000 € wollen jetzt, wo ganz Deutschland Schulferien hat, ihr Durchschnittsgehalt auf 11.000 € erhöhen.

Wer kommt dann?

Gewerkschaft der Narkoseärzte?
Gewerkschaft der Ampelbediener?
Gewerkschaft der Wasserversorger?

Soll jetzt jede kleine Spartengewerkschaft mit absurden Forderungen das öffentliche Leben lahmlegen dürfen?

Oder wird vielleicht doch das Streikrecht in erpresserischer Weise missbraucht?

Beitrag von purpur100 - 03.08.11 - 15:51 Uhr

"Oder wird vielleicht doch das Streikrecht in erpresserischer Weise missbraucht? "

Meinst du mit Mißbrauch, daß es falsch eingesetzt wird?

Ja

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=64&tid=3039411

Beitrag von nele27 - 04.08.11 - 14:23 Uhr

Oje, nicht schon wieder dieser Schinken #augen :-)

Beitrag von purpur100 - 04.08.11 - 14:29 Uhr

na aber klar doch! Wenn immer wieder auf die gleiche Art gestreikt wird, dann wird auch immer wieder der Schinken ausgepackt;-)

Beitrag von henriette.davidis - 03.08.11 - 16:19 Uhr

>... die sich für unentbehrlich halten... <

So falsch scheinen die Fluglotsen dann damit ja nicht zu liegen, sonst würdest du darüber ja keine Stresspickel bekommen.

Ansonsten hast du natürlich vollkommen recht, man sollte das Streikrecht auf Gewerkschaften mit mindestens 4 Millionen Mitgliedern beschränken und dann auch nur gewähren, wenn ein Streik zuvor von Bundestag, Bundesrat und durch eine Volksbefragung genehmigt wurde.
Ach, ich vergaß, ein eigenes Streikrecht existiert ja in Deutschland gar nicht...

Beitrag von grafzahl - 03.08.11 - 18:02 Uhr

> So falsch scheinen die Fluglotsen dann damit ja nicht zu liegen, sonst würdest du darüber ja keine Stresspickel bekommen.

Gegen die Stresspickel hilft

a) dass ich mit dem Auto im Urlaub bin

b) dass ich auf die Geiselnahme der Lokomotivführer mit der Anschaffung eines Zweitwagens reagiert habe - die können sich meinetwegen um ihren Job streiken. Und wenn ich erfahre, dass deren Streik von ver.di mit 0,01 € unterstützt wurde, kann sich ver.di meinen Mitgliedsbeitrag zukünftig von der Backe putzen.

Beitrag von tinkabell70 - 04.08.11 - 12:34 Uhr

Du bist aber nicht allein auf dieser Erde.
Andere haben kein zweites Auto, andere sind auf Bahn und Flugzeug angewiesen.

Beitrag von der-partyschreck - 03.08.11 - 21:38 Uhr

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streikdrohung-zur-urlaubszeit-warum-die-fluglotsen-nicht-unverschaemt-sind-1.1127446

Streikrecht ist ein Grundrecht. Ob nun von einer großen Gewerkschaft oder einer Minigewerkschaft organisiert.

Beitrag von grafzahl - 03.08.11 - 22:22 Uhr

Die Fluglotsen fliegen die Menschen zunächst mal in ihre Urlaubsorte - und lässt sie dann nicht zurückkehren.

Der Lokomotivführer fährt die Leute morgens zur Arbeit - aber abends nicht wieder zurück.

Wie ist das, wenn der Narkosearzt mich in Narkose versetzt, und dann nicht zurückholt - oder nur gegen 10% mehr Gehalt, die seine "Gewerkschaft der Narkoseärzte" verlangt?

Ist das dann sein Grundrecht? Oder vielleicht doch eher Erpressung?

Beitrag von henriette.davidis - 03.08.11 - 23:15 Uhr

>Die Fluglotsen fliegen die Menschen zunächst mal in ihre Urlaubsorte - und lässt sie dann nicht zurückkehren. <

Abgesehen von der etwas verqueren Grammatik (vielleicht doch Stresspickel?) kenne ich keinen einzigen Fluglotsen, der Menschen in einen Urlaubsort fliegt. (SCNR)

Abgesehen davon, ist der Arbeitgeber im Falle eines Streiks verpflichtet, die Leistungen seines Unternehmens weiter zu gewährleisten.
So leid es mir also auch tut, du wirst aus deiner Narkose wohl wieder erwachen ;-)

Beitrag von grafzahl - 03.08.11 - 23:45 Uhr

Ich dachte bislang, mein Sohn sei der größte Klugscheißer unter der Sonne. Habe ich mich tatsächlich geirrt.

Aber auf deinen Hinweis gehe ich doch gerne ein. Selbstverständlich sind es nicht die Fluglotsen, die die Menschen von A nach B fliegen. Aber sie nutzen ihre Macht als kleine bedeutende Berufsgruppe aus, um zu verhindern, dass die Piloten die Menschen von A nach B fliegen können.

Und die Damen und Herren Lokomotivführer verhindern, dass die Passagiere von A nach B gelangen. Und sie verurteilen die Zugbegleiter zur Untätigkeit. Und am Ende sind nicht nur die Lokomotivführer ihren Job los, wenn z.B. der Metronom demnächst die Strecken verliert. Da fliegen dann die Zugbegleiter gleich mit raus. Oder wenn der Metronom nur noch 50% der Züge fahren muss, weil die Pendler dauerhaft auf den PKW umgestiegen sind.


> Abgesehen davon, ist der Arbeitgeber im Falle eines Streiks verpflichtet, die Leistungen seines Unternehmens weiter zu gewährleisten.

Jetzt bin ich total beruhigt. Ich werde dann auf Malle das Zimmer nicht räumen (mein "Nachurlauber" hängt ja glücklicherweise in Deutschland fest) und meine Kinder gehen einfach X Wochen später wieder zur Schule. Und ich komme endlich von meinen 100 Überstunden runter. Die kann ich schön wegen des Fluglotsenstreiks abbummeln. Aber das ist ja für eine gerechte Sache.

Beitrag von der-partyschreck - 04.08.11 - 08:17 Uhr

Nicht jeder Vergleich der hinkt, ist auch ein guter.

Dein Narkosearzt hat einen Eid geschworen, dem er verpflichtet ist. Er dürfte also gar nicht, z.B. aus eigennützigen Gründen, eine Notsituation zum Schaden des Patienten verwenden.

Alle anderen Berufsgruppen, seien es Exoten wie Fluglotsen mit ca. 2000 Beschäftigten oder sehr umfangreiche und bekannte wie die, die den Metalltarifverträgen untersteht mit rund 3 Mio. Beschäftigten, nutzen ihre Machtposition vollumfänglich wie jeder andere das auch macht. das mag einem. je nach dem wo man steht, nicht gefallen, was ich auch verstehe aber so ist nun mal das System aufgebaut. (Arbeitgeber nutzen übrigens ihre Machtposition auch besonders gerne, wenn es in einigen Branchen darum geht, Menschen Lohndumping aufzuzwingen.)

"Der Lokomotivführer fährt die Leute morgens zur Arbeit - aber abends nicht wieder zurück."

Fällt für mich unter pP (persönliches Pech). Alternativ könnte mir auf der Heimfahrt auch das Auto verrecken. Wem gebe ich dann die Schuld?

Außerdem wo steht es denn, dass ich ein Recht hätte, dass mich der Kutscher abends wieder heimfährt? Gibt es einen rechtsverbindlichen Vertrag zwischen mir und dem Lokomotivführer? Es ist, glaube ich, ein Dienstleistungsangebot der Bahn, was dann, wenn der gute Mann abends streikt, eben kurzzeitig nicht zur Verfügung steht.

Wenn das zu oft passiert, suche ich mir andere, verlässlichere Beförderungsmittel.

Beitrag von purpur100 - 04.08.11 - 08:50 Uhr

"Wenn das zu oft passiert, suche ich mir andere, verlässlichere Beförderungsmittel. "

Super! Wenn diese Idee sehr viele haben, dann werden die Lokführer arbeitslos. Und man könnte dann sagen, sie sind selbst dran schuld.
Da aber die meisten derjenigen, die mit der Bahn fahren, sich z. B. kein eigenes Auto leisten können, wird es immer arme Säue geben, die trottelig am Bahnsteig rumstehen. Und warten, warten, warten.

Streik ansich, ok. Aber er muß auch richtig eingesetzt werden. Ein Streik sollte diejenigen treffen, die damit getroffen werden sollen.

Beitrag von der-partyschreck - 04.08.11 - 10:01 Uhr

"Streik ansich, ok. Aber er muß auch richtig eingesetzt werden. Ein Streik sollte diejenigen treffen, die damit getroffen werden sollen. "

Passiert doch. Oder glaubst Du ein potentieller Streik der Fluglotsen wäre seitens der Gewerkschaft gegen die Fluggäste gerichtet? Das ist bei kundennahmen Dienstleistungsunternehmen nun mal ein zwangsläufiger Nebeneffekt. Natürlich wissen die Gewerschaften um den Druck und die Verägerung der Kunden des Unternehmens, gegen die sich ein Streik richtet.

Aber andersherum: Wenn ein Streik keinerlei Auswirkungen hätte, dann wäre er als Mittel zur Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen ohnehin überflüssig.

Und das gleiche gilt auch beim Streik der Lokomotivführer. Den ich voll und ganz im Geiste unterstützt habe. Allerdings fahre ich auch nie mit der Bahn. Und wenn ich doch Bahn gefahren wäre, hätte ich mich sicher auch geärgert. Aber nicht zwingend nur über die Lokomotivführer.

Beitrag von purpur100 - 04.08.11 - 10:17 Uhr

"Und wenn ich doch Bahn gefahren wäre, hätte ich mich sicher auch geärgert. Aber nicht zwingend nur über die Lokomotivführer."

Wenn man von etwas nicht betroffen ist, läßt sichs immer gut palavern;-)

Beitrag von der-partyschreck - 04.08.11 - 10:36 Uhr

Wenn das dein noch einzig verbliebenes Gegenargument ist, dann kann ich sehr gut damit leben.

BTW: Betroffen war auch ich indirekt, denn natürlich war zur Zeit des Streiks der Lokomotivführer bedeutend mehr auf den Straßen los.

Beitrag von purpur100 - 04.08.11 - 10:52 Uhr

wenn dir danach ist, dann kannst dir ja diese Diskussion hier
http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=64&tid=3039411
durchlesen
#cool

Beitrag von datenschleuder - 04.08.11 - 06:35 Uhr

Meiner Meinung nach wird es missbraucht und sollte unterbunden bzw. beschränkt werden.

Es könnte sonst in der Weise ausgenutzt werden, dass die Berufsgruppen besonders viel Geld verdienen, deren Tätigkeitsausfall besonders hohe finanzielle Schäden verursacht.

Analog den Berufsgruppen, die bei ihrer Tätigkeit mit besonders hohen Geldsummen arbeiten (Finanzinvestoren, etc).

Das Einkommen wäre dann bei noch mehr Berufsgruppen nicht an die tatsächliche Verantwortung (mit Ausnahmen) oder Fähigkeiten und Kompetenzen gekoppelt. Sondern nur, wieviel Geld gewonnen oder vernichtet werden kann. Um es mal ganz platt zu sagen.

Beitrag von peterpanter - 04.08.11 - 08:36 Uhr

Grundsätzlich nein!! - diese Berufsgruppen können sich eben das noch leisten, was eigentlich jeder machen sollte!!!!

Leider wird es zuwenig genutzt. Man läßt sich heutzutage aus Angst um seinen Job leider fast alles gefallen und "streikt" eher im stillen und für sich alleine.

Eigentlich müßte man der Politik und denjenigen die davon schamlos profitieren und sie erpressen mal die Rote Karte zeigen.

Leider wird der "Normalverdiener" von allen Seiten als Melkkuh betrachtet, die einen beuten die Arbeitsleistung aus und der Staat stiehlt das sauer verdiente Geld um es den Unternehmen wieder in den Rachen zu werfen und zum anderen damit diejenigen ruhigstellen die nicht an dem Erwerbsleben teilhaben können/dürfen oder wollen.

Das Wort Gerechtigkeit ist leider ein Fremdwort in unserer Gesellschaft geworden und ich denke man sollte es einforden, nicht mit Streiks besonderes priviligierter schwer zu ersetztenden Berufsgruppen, sondern durch einen Streik aller!! - aber leider fehlt es hier an Solidarität.

Wir werden alle für dumm verkauft und lassen es uns auch noch freudig gefallen.


..........auch ich (wenn auch nicht freudig)

grüßle


Beitrag von ninnifee2000 - 04.08.11 - 11:06 Uhr

Ich gebe dir Recht.

Aber es fehlt nicht nur an Solidarität, sondern auch an WIllen, Mut und anderen Dingen.

Den meisten Deutschen geht es noch zu gut. Warum dann also streiken? Die Volksfeste im Sommer sind voll, die Geschäfte sind voll - auch die, wo man nicht sein tägliches Brot holen muss. Die Deutschen verreisen immer noch wie wild.

Also, warum streiken?

Grundsätzlich bin ich aber für das Streiken und wenn nur die 6 Angestellten vom Bäcker nebenan streiken wollen. DAnn sollen sie es machen.

Beitrag von ong_xa - 04.08.11 - 12:46 Uhr

Das Streikrecht grundsätzlich sollte nicht angetastet werden.

Problematisch ist allerdings die Tendenz, dass kleine Gewerkschaften verstärkt nur für einen sehr geringen Teil der Belegschaft agieren während anderswo ganze Berufszweige keinen gewerkschaftlichen Schutz haben.

Diese Tendenz führt zu Spaltung in den Unternehmen und verringert das grundsätzliche Verständnis für Streiks in der Gesellschaft (z. Bsp. wenn zuerst die Fluglotsen streiken, dann die Piloten etc.) Gesamtwirtschaftlich gesehen entsteht so ein großer Schaden.

Beitrag von nele27 - 04.08.11 - 14:51 Uhr

Moin,

andersherum ists logischer und wünschenswerter: Es sollten wieder größere Menschengruppen die Möglichkeit zum Streik haben, damit der Streik auch ein Grundrecht, was von jedermann ausgeführt werden kann, bleibt.

Das ist leider immer weniger der Fall, da die Normalarbeitnehmer weniger werden und Azubis, Honorarkräfte, Aushilfen, Angestellte mit Zeitvertrag und Gewerkschaftsferne eben kaum noch streiken bzw. nicht streiken können.
So streikt eben nur noch, wer es sich leisten kann. Das ist sehr schade.

LG, Nele

Beitrag von amadeus08 - 05.08.11 - 14:58 Uhr

ah, das ist eine echt problematische Frage finde ich............sehr schwierig die Antwort!
Mich nerven Gewerkschaften schon lange und zwar vorwiegend weil man in einigen Berufen dazu gezwungen wird einzutreten (jaaaaaaaaa, gezwungen nicht im eigentlichen Sinne, aber es wird so ausgelegt, dass einem fast nichts anderes übrigbleibt, schon gar nicht wenn man jung und unerfahren ist), weil die Gewerkschaften tatsächlich manchmal Macht missbrauchen, wenn sie nämlich ihre Vitamin-B-Spritzen auspacken und Leute in bestimmte Positionen bringen, nur weil sie in der Gewerkschaft sind (ja, habe ich selbst erlebt, da ich in der falschen Gewerkschaft war!!! An Ort A, wo mein Beruf begann, war Gewerkschaft 1 führend und ich musste mehr oder weniger da eintreten, in Ort B, wo ich meine Arbeit fortsetzte, war leider Gewerkschaft 2 führend und ich hatte Riesenprobleme und konnte mich nur dank eines ganz tollen Chefs durchsetzen, der den Mut hatte das Geklüngel mal anzusprechen.....einen anderen Job wiederum habe ich dann aber nicht bekommen, weil ich eben nicht in Gewerkschaft 2 war, egal,,,,,,,,,deswegen habe ich noch lange nicht die Gewerkschaften gewechselt, wie mir sooooooo oft nahegelegt wurde......ich empfand das als Erpressung) und drittens habe ich hautnah erlebt, was sich Gewerkschafter von den Mitgliedsbeiträgen so alles gönnen.
Objektiv gesehen denke ich, das Streikrecht sollte nicht eingeschränkt werden.Es ist ein Teil unserer Demokratie, auf den wir stolz sein können,
ABER
meine Meinung ist, dass es schön wäre, wenn nicht alles so egoistisch ablaufen würde in unserer Gesellschaft. Dann würde es vielleicht auch nicht den Missbrauch vom Streikrecht geben, den Du vermutlich meinst.
Lg