Wie würdet ihr entscheiden? Sicherheit oder Karrierechancen?

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von lana82 - 21.08.11 - 20:55 Uhr

Hallo zusammen,

wie würdet ihr euch entscheiden?

Variante 1:

alter job, langweilig und ohne Aussichten auf große Weiterentwicklung, gute Sozialleistungen-aber eher schlechtes Gehalt, Sicherheit durch jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit und öffentlicher Dienst. #gaehn

Variante 2:

neuer Job, internationales großes Unternehmen, mehr Gehalt, Karrierechancen, gute Sozialleistungen, allerdings nicht mehr so sicher, schwankende Branche (2009 überall Kurzarbeit, Werke geschlossen) aktuell wieder ein Boom, aber man weiß ja nie wie es kommt.#zitter

Also ich für mich habe schon eine Entscheidung getroffen. Variante 2. Also für mich steht der Entschluss, dass ich über kurz oder lang wechseln werde, die ersten Schritte sind schon getan.

Würdet ihr auch so entscheiden? Oder gibt es Menschen bei denen in der heutigen Zeit Sicherheit über alles geht? Als ich meinen Wunsch geäußert habe, bin ich im Familien- und Bekanntkreis eher auf Unverständnis gestoßen. WARUM DENN, SEI FROH DASS DU N JOB HAST...AUSSERDEM BIST JA EH MAMA! Na und? Darf man als Mama nicht auch einen Beruf haben der einen fordert und vor allem ausfüllt?

Ich fühle mich so unterfordert im Job und freue mich auf MEHR, ich werde auch Vollzeit arbeiten gehen -auch wenn viele schlecht darüber denken #augen. wenn ihr versteht was ich meine...liebe Grüße

Beitrag von hedda.gabler - 21.08.11 - 21:08 Uhr

Hallo.

Es kommt darauf an, auf welcher Ebene Du arbeitest.

Wenn es sich um Management/Team-und Projektleitung handelt, möchte ich zu Bedenken geben, dass gerade in großen Konzernen in dem Bereich "Hire & Fire" betrieben wird.

Ich habe bei uns im Unternehmen gerade unsere Kontakte und Verteiler aufbereitet. Bei den Emailrückläufern und der anschließenden Recherche, wo die Leute abgeblieben sind, wird sehr deutlich, dass gerade viele, die vorher auf oben genannter Ebene gearbeitet haben, keinen wirklichen Fuß mehr auf die Erde bekommen haben, nachdem sie aus dem Konzern ausgestiegen sind ... Großkonzerne versauen und verbrennen die Leute durch die Strukturen und Arbeitsweisen ... und das ist natürlich in der Branche bekannt.

Dass Du Deinen Job wechseln willst, kann ich verstehen ... ich selbst halte mich lieber an kleinere mittelständische Unternehmen. Habe gerade selbst einen Anruf von einem Headhunter bekommen, der mir einen interessanten Job in einem internationalen Konzern angeboten hat. Ich habe dankend abgelehnt. Mal abgesehen von dem "Hire & Fire"-Risiko, arbeite ich jetzt auf Management-Ebene und habe nicht noch zig Leute über mir ... und erarbeite mir durch verschiedenen Aufgabenbereiche, meine Verantwortung und Flexibilität, was die Arbeit in einem kleineren Unternehmen mit sich bringt, ein wesentlich interessanteres Profil. Und ich bin eben durch Konzern-Strukturen weder versaut noch verbrannt, was mich auch weiterhin auf dem Arbeitsmarkt gefragt macht.
Und ich bin unentbehrlich;-)

LG

Beitrag von bruchetta - 21.08.11 - 21:25 Uhr

Ist nicht leicht zu beantworten, aber aus meiner persönlichen Erfahrung heraus würde ICH die Variante 1 bevorzugen.

Ich war Mitte/Ende 20 der Meinung, ich verdiene zu wenig und habe viel zuviel Streß für viel zuwenig Geld.
Also habe ich mir etwas anderes gesucht und gekündigt.
Daraufhin folgte eine Odyssee an Arbeitsplätzen und Arbeitgeber, bei denen ich total unzufrieden war.
Ich habe es sehr bereut, den alten Arbeitsplatz gekündigt zu haben.

Meiner Meinung nach weiß man, was man hat, aber nicht, was man wieder bekommt.

Beitrag von lana82 - 21.08.11 - 21:58 Uhr

Also ich mit Ende 20 stehe wahrscheinlich am gleichen Punkt wie Du damals. Sicherlich kann es mir genauso ergehen...aber natürlich auch ganz anders.

Ich gehe ganz klar auf Risiko, denn ich habe Angst auf meinem Stuhl sitzen zu bleiben und immer von etwas anderem zu träumen. Irgendwann in 20 Jahren, sag ich mir dann "ach warum hast Du damals nicht einfach..." genauso gut kann ich in 20 Jahren sagen "warum bist Du damals nicht geblieben."

Aber wahrscheinlich ist das Leben voll von solchen Entscheidungen oder nicht? Man erreicht immer wieder seltsame Kreuzungen und muß sich für einen Weg entscheiden. Manchmal muß man sich auch für den unbekannten, unsicheren Weg entscheiden, denn man weiß, dass der sichere und einfache Weg einen nicht dort hinführt wo man eigentlich hin will....Liebe Grüße

Beitrag von susannea - 21.08.11 - 23:16 Uhr

Klar Variante 1, denn die bietet die Sicherheit für Familie, Kinder usw.
Man hat im öffentlichen Dienst die Möglichekit mit Teilzeit ohne das einem jemand doof kommt und der Job ist deutlich sicherer.

Also 2 wäre mir viel zu heiß.

Und evtl. kommt die Chance ja doch noch, aber sicherer.

Beitrag von bi_di - 22.08.11 - 05:19 Uhr

Meine Schwester hat es gemacht wie Du. Sie hat ihren sicheren Teilzeitjob im öffentlichen Dienst gegen einen Vollzeitjob bei einem internationalen Unternehmen aufgegeben. Mit viel, viel Bauchweh - gerade weil sie auch noch alleinerziehend ist.
Das ist nun 8 Jahre her. Die Dienststelle bei der sie im ÖD tätig war, wurde mittlerweile aufgelöst und sie verdient nun das Doppelte von dem, was sie im ÖD verdient hatte.

Ihr Fazit ist, das ihre Entscheidung zu wechseln das Beste war, was sie tun konnte. Allerdings hat sie auch tierisch Glück gehabt: Vor 5 Jahren wurde die amerikanische Firma, bei der sie ursprünglich anfing, verkauft - an ein deutsches Grossunternehmen, dem viele nachsagen bezüglich der sozialen Absicherung noch höhere Maßstäbe zu haben als der ÖD.
Aber DAS hätte auch furchtbar schief gehen können.

Grüsse
BiDi



Beitrag von loonis - 22.08.11 - 10:01 Uhr




Vollzeit ist für mich völlig o.k.
Ich bin immer schnell nach d. Kids wieder
in den Job eingestiegen....
Arbeite aber nur noch 30h d. Wo ...werde mal
auf 35h wieder aufstocken,wenn meine Lütte
in d.Schule geht ...

Für mich wäre Variante 1 die bessere ...
das andere wäre mir zu unsicher.

Aber das muss jeder für sich entscheiden.Was das Umfeld dazu
sagt wäre mir egal.

LG Kerstin



Beitrag von fuxx - 22.08.11 - 10:36 Uhr

Diese Entscheidung hängt meines Erachtens total vom Alter und vom Familienhintergrund ab.

Ich war auch immer ein Mensch, der einen spannenden Job mit guten Karierre- und Verdienstmöglichkeiten gesucht hat und ständig eine neue Herausforderung brauchte. Ich habe einiges riskiert im Leben und bin auch nicht enttäuscht worden. Somit war ich bislang der "Variante 2 Wähler".

Zwischenzeitlich habe ich aber auch das Leben in einem großen Konzern kennengelernt und musste feststellen, dass dies überhaupt nichts für mich ist. Ich wollte keine Nummer unter Tausenden sein.
Auch habe ich gemerkt, dass ich mit zunehmendem Alter ruhiger geworden bin. Karriere ist mir nicht mehr so wichtig, meine Prioritäten sind anders gesetzt. Ich möchte Familie haben und geregelte Arbeitszeiten. Ich muss nicht mehr ständig unterwegs sein und die tollsten Dinge erleben.

Ich wünsche Dir ganz viel Glück in Deiner neuen Aufgabe und hoffe, dass Du die für Dich richtige Entscheidung getroffen hast.

Beitrag von rokkoko - 22.08.11 - 13:34 Uhr

Hallo,

das ist eine schwierige Entscheidung. Ich hatte auch mal einen langweiligen Job im öffentlichen Dienst ohne große Entwicklungsmöglichkeiten bei magerem Gehalt und habe dann was ganz neues gemacht. Heute allerdings bereue ich es doch, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Ich hatte mehrere Jobwechsel, nie ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und nun mit Kind wäre ich schon froh über die Sicherheit, die der alte Job geboten hat. Ich hab jetzt zwar auch wieder was interessantes mit passenden Arbeitszeiten gefunden, aber in einem sehr kleinem Unternehmen ohne Kündigungsschutz.

Also ich würde mich heute auf jeden Fall für Variante 1 entscheiden.

Beitrag von brynlie - 22.08.11 - 14:58 Uhr

Hi,

ich kann Dir nur sagen, wie ich mich entschieden habe, und was dabei herausgekommen ist.

Ich hätte Variante 1 haben können. Weil wir aber nicht in der Gegend wohnen wollten, wo sich dieses Leben abgespielt hätte, habe ich Variante 1 sausen lassen, ohne Variante 2 in Aussicht zu haben. Da war ich im Übrigen auch schon Mutter. Das fand mancher auch dämlich.

Variante 2 ergab sich; die Arbeit hat mir Spaß gemacht, der monatlich Blick auf den Gehaltszettel hat Spaß gemacht, die Aussichten waren rosig - dann kam die damals noch "Amerikanische Immobilienkrise" und Variante 2 war nach nicht einmal 6 Monaten betriebsbedingt ausgeträumt.

Was in den 3 Jahren danach kam, war nicht mehr der Rede wert, finanziell gesehen. Das ganze Tohuwabohu hat mir aber erlaubt, ein paar zusätzliche Stichpunkte in meinem Lebenslauf unterzubringen, so dass ich jetzt heilfroh bei "Variante 1+" gelandet bin.

Das ist kein Ratschlag, auch keine Prognose für Dich.
Wenn die Entscheidung aus Deiner aktuellen Perspektive richtig scheint, dann wirst Du vermutlich damit leben können, egal, wie's weiter geht.

Viel Glück
LG,
brynlie