Sich wehren

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Beitrag von fbl772 - 24.10.11 - 10:16 Uhr

Guten Morgen,

ich würde gerne mal eure Meinung hören.

Mein Kleiner, jetzt 3 Jahre und 4 Monate, geht seit 2 Monaten in den Kindergarten, vorher war er seit er 6 Monate alt ist in einer Kinderkrippe. Er liebt Kinder und ging und geht gerne hin. Jetzt hatte ich letzte Woche ein Elterngespräch mit seiner Erzieherin zum "Abschluss der Eingewöhnung" - dazu brauchten wir allerdings nur eine Woche :-)

Die Erzieherin meinte, ihre wäre aufgefallen, dass sich unser Plautzenbär körperlich nicht wehrt. Das hat mich irgendwie irritiert. Wir haben ihm immer vermittelt, dass Schlagen, Beißen, Treten nicht geht (das machen nur Babies) und er hat dies auch nie getan. Wir haben ihm auch versucht zu vermitteln, dass er sich mit Worten wehren soll - also nicht zurückschlagen. Das tut er auch und wenn es nix hilft, geht er (schon auch weinend) zur Erzieherin. Er hat sehr früh angefangen zu sprechen und kann sich extrem gut verständigen und ausdrücken. Da sind andere Kinder in seiner Gruppe längst noch nicht so weit und diese beißen und kratzen ihn auch häufiger. Er ist aber überhaupt nicht nachtragend.
Natürlich stänkert er auch, aber eben nicht körperlich. Er ist sehr groß und (etwas zu) kräftig für sein Alter und die Erzieherin meint, dass er sich seiner körperlichen Überlegenheit gar nicht bewußt sei. Er war und ist auch bislang kein "Wutpinsel", was für uns eigentlich sehr angenehm ist (wenn er etwas nicht bekommt, wird er maximal von einer gewissen "Traurigkeit" erfasst, wo er sich aber extrem schnell ablenken oder trösten lässt).
Er orientiert sich ausschließlich an den 5 und 6-jährigen Jungs seiner Gruppe, die Kinder in seinem Alter bezeichnet er als "Babies" ....

Bislang war ich der Meinung, dass es ganz toll ist, dass er nicht beißt, schlägt oder tritt. Jetzt hat mich dieses Gespräch ein wenig irritiert ...

VG
Bettina

Beitrag von thea21 - 24.10.11 - 10:30 Uhr

Hallo,

mehr als zu sagen, das ich es toll finde, das mein Kind, egal in welcher Situation, nicht haut, würde ich nicht tun!

Ein Ohr rein, das andere raus!

LG

Beitrag von fbl772 - 24.10.11 - 10:56 Uhr

Hallo Thea,

ja, ich find es wirklich toll, wie er es versucht und ich wüßte auch nicht, dass ich da was dran ändern will.

Ich war nur etwas irritiert, dass sie sich darüber wundert, dass er sich sozusagen "erwachsenen-wunschgemäß" verhält - denn das wollen wir ja eigentlich alle, dass die Kleinen möglichst wenig körperliche "Gewalt" untereinander erleben.

LG
Bettina

PS: dein Name ist übrigens toll, wir bekommen nochmal Nachwuchs und da steht dein Name im Falle eines Mädchens ganz hoch im Kurs (unser Plautzenbär heißt nämlich Theo :-))

Beitrag von sillysilly - 24.10.11 - 10:47 Uhr

Hallo

ist doch super, daß er das so gut hin bekommt -
gerade wenn er sprachlich super ist, und sich auch noch Hilfe holen kann - macht er das doch genau richtig ....
da brauchst du nicht irritiert sein.

Sag doch der Erzieherin, daß ihr auf eine gewaltfreie Lösung sehr viel Wert legt und es für euch völlig ok ist, solange er sich selbst aus den Situationen helfen kann.

Meinen Töchtern vermittle ich genau, daß wie Du
aber auch den Zusatz - daß sie - wenn sie jemand dauerhaft schlägt, ärgert, schubst - sie sich dann auch mal körperlich wehren dürfen.
Bei uns gibt es die Regel - erst alles versuchen ohne "Gewalt"
Lautstark Nein rufen, und die Aufmerksamkeit im Raum auf sich ziehen ( das mögen die "Täter" nicht )
wenn es dann noch weiter geht .....
dann dem Gegenüber androhen, daß man sich jetzt wehren wird - und das es jetzt wirklich reicht
und dann, darf man auch mal zurück schupsen, Hand festhalten ( kein zusammen schlagen des Gegenüber ;-) ) - aber einfach eine körperliche Grenze ziehen

denn leider gibt es Kinder die ein gesprochenes Nein, von Kindern und auch von Erzieherinnen nicht akzeptieren
und gerne mal Kinder ärgern, die sich eben nicht wehren

Meine Tochter ist gerade eingeschult worden, und wird da auch von einem Jungen körperlich angegriffen ( der mag sie sehr, und straft sie wenn sie nicht mit ihm spielen will)
der hat ihr mehrfach weh getan, und einmal ihr die Finger sehr gequetscht ....
zu dem hat sie jetzt gesagt:
" .... du hörst jetzt damit auf, ich werde mich jetzt wehren - ich kann Judo, und dann werfe ich dich zu Boden " #cool
Seitdem ist Ruhe .............

Vielleicht meint die Erzieherin auch eher, daß er Stellung beziehen soll, und eben ein massiveres Nein sagen soll, oder einen Angriff abwehren
vielleicht machen sie sich nur Sorgen, daß er eben nicht zu hilflos bleibt, falls niemand da ist der ihm von Außen helfen kann

Grüße Silly

Beitrag von fbl772 - 24.10.11 - 11:11 Uhr

Hallo Silly,

danke, so werde ich es auch weiter handhaben. Ich glaube auch, dass es irgendwann schon mal kommen wird, dass er auch mal haut. Scheinbar reicht ihm seine verbale Überlegenheit bislang noch aus :-) Vermutlich sagt er deswegen zu den Gleichaltrigen "Babies" und will ausschließlich mit den Großen spielen (die wollen natürlich nicht immer so einen kleinen Mann dabeihaben...) Er ist wirklich auch sehr selbstbewußt und kennt keine Scheu, wenn er was interessant findet oder was will (bspw. macht er gerne unsere Einkaufsbestellung beim Bäcker und Metzger).

Ich war nur etwas irritiert, weil er sich doch (zumindest hier)"erwachsenen-wunschgemäß" verhält und das als ungewöhnlich angesehen wird.

LG
Bettina

Beitrag von joanni77 - 24.10.11 - 10:56 Uhr

Bei unserem Sohn war das genauso. Er ist zwar körperlich nicht kräftig, aber wir haben auch immer gesagt, hauen, beißen, kneifen geht nicht, mache es mit Worten. Würde super klappen, wenn da nicht die anderen Kinder wären, die das vermutlich von Zuhause nicht erklärt bekommen.

Er hat sich dann immer viel gefallen lassen und irgendwann muß ich sagen, reichte es mir. Ich habe dann die Taktik geändert und gesagt, fange nicht an, aber wenn dich einer haut, hau zurück.

Er ist jetzt in der Schule und fängt gerade mal an sich zu wehren, was höchste Zeit ist, denn schnell checken die anderen Draufgänger, dass dein Sohn ein leichtes Opferziel ist, wenn er sich nicht wehrt. Und dann ist er der Dumme, weil die anderen mit ihm machen können was sie wollen.

Also erkläre ihm ruhig, hauen und beißen ist nicht ok, fang nicht an, aber wehre dich, wenn dich einer haut. Zeige deine Grenzen. Meine Erfahrung! Auch wenn ich es lieber anders sehen würde.

Wir hatten einen Jungen in der 1. Klasse der immer drauf gehauen hat und unserer hat sich nicht gewehrt. Immer wieder kam er aus der Schule, hatte schon blaue Flecken oder Kratzer. Dann habe ich gesagt, morgen haust du zurück wenn er dich haut. Und mein Sohn tat es, von da an wann zumindest mit diesem Kanidaten dann Ruhe. Unterm Strich bin ich auch dafür, dass die Kinder lernen ersteinmal zu reden, aber die Realität sieht leider anders aus. Und bevor meiner ein blaues Auge kassiert, sage ich...wehre dich!

Liebe Grüße

Beitrag von fbl772 - 24.10.11 - 11:22 Uhr

Hallo Joanni,

sicherlich ändert sich die Situation schon, wenn er älter wird und sich dann vermutlich auch seiner körperlichen Überlegenheit bewußter wird als jetzt - wobei ich auch dann hoffe, dass er das nicht "ausnutzt" gegenüber Schwächeren. Wenn er in der Schule wäre, dann würde ich mir sicher mehr Gedanken drum machen, aber bei 3 - 4-jährigen?

Er ist an sich aber ein Draufgänger und sehr selbstbewußt, so dass ich bislang noch nicht das Gefühl habe, dass er in einer Opferrolle ist. Ich glaube einfach, dass die anderen Gleichaltrigen in seiner Gruppe einfach noch nicht so weit sind, oder aber vielleicht auch vom Charakter her impulsiver sind.

Liebe Grüße
Bettina

Beitrag von susa31 - 24.10.11 - 13:19 Uhr

Meiner wehrt sich auch überhaupt nicht, sondern sagt "Lass das!" und geht (weinend) weg. Das finde ich grundsätzlich zwar gut, aber ich hätte ehrlich gesagt nichts dagegen, wenn er den einen Jungen in seiner Gruppe, der immer wieder alle anderen beißt und kratzt, auch mal wegschubsen würde.

Beitrag von dessimedschi - 25.10.11 - 09:20 Uhr

Genau so ist das bei uns auch.

Beitrag von bambolina - 24.10.11 - 14:42 Uhr

Hallo

mein Sohn ist zwischenzeitlich 10 und hat sich als Kleinkind auch nie gewehrt. Wir hatten ein Nachbarskind da half reden nichts, weder von ihm, noch von mir. Mein Sohn hat ständig was abgekriegt.

Ich hab ihm geraten, sofern alles reden nichts hilft, wehre dich.
Er hat lange gebraucht und es plötzlich einmal getan, von da ab ließ ihn der Junge in Ruhe.

Die Kinder lernen schnell, von wem keine Gegenwehr kommt und wen sie als "Prügelknabe" benutzen können und wen nicht.

Dein Sohn ist noch klein, aber er wird älter und dann ist nicht immer die Lehrerin, Erzieherin oder die Mama in der Nähe die helfen kann.

Ich möchte kein prügelndes Kind haben, aber auch keines, das sich da draussen verprügeln lässt.

lg bambolina

Beitrag von dessimedschi - 25.10.11 - 09:19 Uhr

Hallo,
mein Großer ist, bzw. war ehe er in den Kiga kam, ähnlich (ist auch 3J3M). Er hat nie jemand bewusst gebissen, gehauen o.ä.. Wenn jemand !"handgreiflich" wurde, hat er angefangen zu weinen und kam zu mir uns hat gesagt, was passiert ist. Ich muss sagen, so richtig gefällt mir das nicht. Ich hatte ein bisschen Angst, dass er so im Kiga "unter geht", da sich die Erziehrin nicht um alle kümmern kann und die Kinder auch sachen allein regeln müssen.
Ich habe ihm jetzt gesagt, wenn kleine Kinder (Bruder ist 1J) ihn hauen o.ä., dann machen dei das nicht absichtlich und er soll weggehen oder uns bescheid sagen. Wenn ihn aber Große hauen, soll er sagen, dass man das nicht macht und weg gehen, wenn das nicht hilft soll er auch zurück hauen. Mein Problem ist, dass ich denke, dass er mit seiner "Heulerei" einfach nicht weiter kommt. ICh denke auch im Leben muss man sich selbst wehren und nciht nur petzten und andere das Problem lösen lassen.
Ich hoffe das funktinioniert so.

Beitrag von bine3002 - 25.10.11 - 20:30 Uhr

Ich hätte mal gefragt wie sie das meint "sich körperlich wehren"? Möchte sie gerne körperliche Streitigkeiten schlichten, Beulen kühlen, Kinder trösten oder warum ist sie so scharf darauf?

Ich finde jedenfalls, dass dein Sohn das ganz gut macht für sein Alter und für einen Jungen, die oftmals etwas ruppiger miteinander umgehen. Vielleicht findet die Erzieherin auch das eher ungewöhnlich. Aber vielleicht kommt es ja noch, dass der kleine Mann keine Rauferei auslässt, wie Jungs das halt so machen.

Beitrag von laboe - 31.10.11 - 21:04 Uhr

Grundsätzlich bin ich deiner Meinung und bisher war das bei unserer Tochter auch noch nie nötig, dass sie sich körperlich wehren musste. Nun ist sie aber Schulkind und da tun sich echt neue Welten auf. Kinder sind gnadenlos. Sie wurde wochenlang von einem Jungen getreten (immer schön heimlich unterm Tisch) und hat sich die ganze Zeit immer verucht, mit Worten zu wehren, der Lehrerin bescheid zu sagen etc. Alles hat nix genützt. Da haben wir ihr auch gesagt, sie MUSS zurücktreten. Und zwar so doll, dass es ihm richtig wehtut. Das hat sie dann nach langem Zögern mal gemacht, seit dem lässt er sie in Ruhe.

Ich finde es in der heutigen Zeit schade, aber wichtig, dass man auch in der Lage ist, zurück zu schlagen. In welcher Form auch immer. Es muss halt helfen. Und das tun Worte (leider) nicht immer.

Laboe