Viele kennen die Geschichte ja, deswegen nur ganz kurz: Meine Tochter hat eine Schilddrüsenunterfunktion und bekommt regelmäßig Blut abgenommen seit sie 2,5 Jahre alt ist. Toll fand sie das noch nie, aber Anfang des Jahres eskalierte es und sie machte vorher, dabei und danach ein riesen Theater, sodass die von der Kinderärztin heftig Mecker bekam. Sie sei affektiert usw.
Ich war kurz davor zu wechseln. Letztlich haben wir uns in Ermangelung von besseren Ärzten entschlossen, dort zu bleiben, können aber seitdem die Bedingungen vorgeben. Klingt arrogant, war aber dringend nötig, sich dort durchzusetzen. Unter anderem habe ich darauf bestanden, dass sie nicht mehr festgehalten und auch nicht mehr angemeckert wird. In Zusammenarbeit mit der Kinderärztin haben wir es dann im August tatsächlich geschafft, dass sich unsere Tochter freiwillig Blut abzapfen ließ und anschließend sehr stolz auf sich war. Ein toller Erfolg für sie (und für uns), den wir erstmal gefeiert haben.
Nun sollten wir die Schilddrüsen-Tropfen absetzen und mussten heute nochmal kontrollieren lassen. Wenn die Werte Ok sind, braucht unsere Tochter keine Tropfen mehr und ist auch die Blutabnahmen erstmal los. Hoch motiviert ging sie also heute in die Praxis.
Da es beim letzten Mal gut klappte, sollte es heute genauso laufen: Papa sollte im Wartezimmer warten und sie wollte alleine in den Behandlungsraum. Leider war aber eine andere Arzthelferin da. Sie rief meine Tochter auf und als diese sich alleine auf den Weg machte, fragte sie den Papa, ob er denmn nicht mitkommt. Er verneinte. Daraufhin fragte sie meine Tochter, ob sie denn gar keine Angst hat. 
Diese Frage muss meine Tochter dann so verunsichert haben, dass sie im Behandlungsraum erstmal über schlimme Schmerzen im Knie klagte (die sie seltsamerweise vorher nicht hatte). An dieser Stelle greift dann mein Beitrag über die "Heule-Eule", denn es ist recht typisch für sie, dass sie bei Ängsten und Unsicherheit erstmal über Schmerzen klagt. Das weiß aber die Ärztin nicht, weil es sich nie ergeben hat, dass ich ihr das erzähle (meine Tochter war immer dabei).
Die Blutabnahme klappte, allerdings verließ meine Tochter die Praxis mit einem Knieverband und Schmerzmitteln, die sie eine Woche lang täglich nehmen soll. Außerdem hat sie Sport- und Kindergartenverbot und soll nächste Woche wiederkommen.
Als sie vom Arzt kam, humpelte sie und musste von Papa getragen werden. Als Papa zur Arbeit ging, konnte sie dann innerhalb weniger Minuten normal laufen. Ich habe das heute erstmal beobachtet und nichts weiter dazu gesagt. Objektiv betrachtet ist das Knie völlig in Ordnung. Ja, sie ist mal drauf gefallen, wie Kinder eben auf ihr Knie fallen. Aber da ist nur ein kleiner blauer Fleck. Es ist nicht dick, sie kann sich normal bewegen, beim Spielen kniet sie sich hin und steht völlig normal auf. Mir wurde hier mehrfach geraten, gelassener zu werden. Ich bemühe mich wirklich, aber das ist jetzt echt etwas hart. Wäre ich an dieser Stelle gelassen, würde ich ihr diese Schmerzmittel geben. Aber das kann es doch nicht sein.
Was meint Ihr dazu?
Heule Eule überwindet Spritzenphobie, aber...
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Beitrag von bine3002 - 26.10.11 - 22:18 Uhr
Beitrag von marion2 - 27.10.11 - 07:41 Uhr
Hallo,
objektiv betrachtet, hat ein Kind, das über Schmerzen klagt, Schmerzen.
Wenn sie auch zu Hause über Schmerzen klagt, braucht sie wahrscheinlich die Medizin. Hilft allein der Verband und evt. ein bisschen kühlen, braucht sie das Schmerzmittel nicht.
Ob sie Schmerzen hat und wie stark entscheidest nicht du, auch nicht der Kinderarzt oder der Papa.
Sie kann sprechen. Sie kann allein zum Kinderarzt gehen. Frag deine Tochter.
Es könnte auch sein, dass das Kind einfach nicht mehr mit dir über seine Knieschmerzen sprechen wollte, weil es ja schon weiß wie du reagierst. Nimmst du Schmerzen bei deiner Tochter überhaupt wirklich ernst? (Aufs Knie fallen tut auch Kindern weh.)
Gruß Marion
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 11:34 Uhr
Na sicher nehme ich Schmerzen ernst. Nur fällt es manchmal schwer zu beurteilen, ob sie wirklich Schmerzen hat oder ob der Schmerz aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus entsteht. Solche "Schmerzen" hat sie ja mehrfach die Woche überall mal (Kindergarten etc.). Wenn ich denke, dass sie solche "Schmerzen" hat dann frage ich sie, was wirklich los ist, weil ich denke, dass es wichtig ist, dass sie ihre Gefühle benennen kann (z. B. Angst). Nur dann kann man ja auch darüber reden, Teipps geben etc.
Anfangs rief mich der Kindergarten noch an und ich holte sie ab, wenn sie über Bauchschmerzen klagte. Mittlerweile warten selbst die Erzieherinnen im Kindergarten erstmal ab. Und genau darum geht es mir ja (auch in den letzten Postings): Es ist schwer zu beurteilen, wann sie echte Schmerzen hat und wann nicht.
Wenn sie fällt und danach weint, dann ist der Fall klar: Sie hat sich weh getan und ich tröste sie selbstverständlich. Wenn sie fällt und nicht weint, danach gleich weiter tobt und mich auch nicht beachtet, laufe ich natürlich nicht hin und dränge Trost auf. Wenn sie fällt und dann zu mir rüber schaut, dann frage ich sie, ob alles Ok ist. Je nach Reaktion tröste ich dann oder eben nicht. Das machen eigentlich alle anderen Mamas auch so. Oder wie machst Du das?
Beitrag von marion2 - 27.10.11 - 13:34 Uhr
Ich nehme es auf jeden Fall auch ernst, wenn ein Kind ohne hinzufallen sagt, es habe Schmerzen.
Ansonsten so wie du schreibst.
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 17:48 Uhr
Na ja, wie gesagt, ich nehme das auch ernst. Wir hatten aber eben schon einige Situationen, wo ihr ganz offensichtlich nichts weh getan haben kann. Wie z. B. eine Warze, die schon vor Monaten abgefallen war. Und sie sagte, es tut weh. Da war aber nur noch abgeheilte Haut. Das ist jetzt so das Beispiel, was sich am Besten beschreiben lässt. Aber es gab noch einige andere. Und komischerweise treten diese Schmerzen immer in bestimmten Situationen in Zusammenhang mit einer ganz bestimmten Gestik auf. Das ist dann so ein Bauchgefühl. Aber selbstverständlich kann das auch mal täuschen. Genau das ist ja auch mein Problem bzw. die Gefahr dabei.
Beitrag von marion2 - 28.10.11 - 09:41 Uhr
Sie fühlt diese Schmerzen, auch wenn sich ganz objektiv sagen lässt: "Da tut nichts weh"
Sie wird sich auf jeden Fall schlecht fühlen, wenn du ihr sagst:"Da ist nichts"
Klar ist da was. Sie wandelt ihr Unwohlsein in körperliche Schmerzen um. Das mag damit zusammenhängen, dass körperliche Schmerzen "greifbarer" sind.
Also musst du - auch wenn du weißt, die Haut kann an dieser Stelle nicht schmerzen - Maßnahmen zur Schmerzbekämpfung einleiten.
Beitrag von bine3002 - 28.10.11 - 10:03 Uhr
Na ja gut, das ist eine Meinung.
Ich versuche da halt einen Mittelweg, weil ich denke, dass es gut wäre, wenn sie das Unwohlsein genauer ERFÜHLT und BENENNT und sich nicht nur oberflächlich mit sich selbst beschäftigt.
Beitrag von marion2 - 28.10.11 - 10:13 Uhr
Das ist KEINE Meinung.
Das ist eine Tatsache.
Der Mittelweg wird nicht funktionieren.
Beitrag von bine3002 - 28.10.11 - 10:36 Uhr
Na wenn das eine Tatsache ist, dann ist ja alles bestens, weil "Maßnahmen zur Schmerzbekämpfung" bisher mehr als genug eingeleitet worden sind. Der Pflasterverschleiss und Kühlpads im Kindergarten ist vermutlich um 100% gestiegen seit meine Tochter dort ist 
Allerdings sage ich dir immer noch, dass es eine Meinung ist. Andernfalls könnte man ja hier nicht so viele verschiedene davon lesen. Es ist aber gar nicht so verkehrt, seine Meinung als Tatsache zu deklarieren, denn immerhin ist man dann 100%ig davon überzeugt und das ist besser als "Rumeiern". Finde ich zumindest. Ein bißchen bockig ist es aber schon. Macht aber nichts, bin ich auch
Beitrag von marion2 - 28.10.11 - 11:51 Uhr
Nur 100% Steigerung beim Pflasterverbrauch? Das ist armseelig. Echt. Haben die kein Pflasterbudget oder wie?
Man kann auch nie genug Kühlpads im Schrank haben...
Ich bin nicht bockig. Ich hab diese Aussage von verschiedenen Fachleuten.
Außerdem ist das getestet und für gut befunden... und zwar von MIR. Also Tatsache. :-P
Beitrag von golm1512 - 27.10.11 - 08:02 Uhr
Hier gelassen bleiben, heißt für mich nicht, auf jeden Fall zu tun, was die Ärztin sagt, sondern das, was du tust.
Knieschmerzen? Da guckst du erst mal hin und beobachtest. Hätte sie schlimme Schmerzen, würde sie das Knie nicht normal belasten. Wahrscheinlich hat der Knieverband schon seine heilende Wirkung getan und ausreichend Zuwendung gegeben.
Ich würde meinem Kind nicht eine Woche lang regelmäßig Schmerzmittel geben. Dazu hätte ich gern eine Begründung/Diagnose oder es sind chronische Schmerzen. Die sind bei einem Kinderknie aber eher unwahrscheinlich.
Ich persönlich finde es nicht unnormal, dass deine Tochter bei Unsicherheiten etc. Schmerzen angibt. In dem Moment hat sie die wahrscheinlich wirklich, aber deine Ärztin schießt da mit Kanonen auf Spatzen. Gut, da sie die "Macken" deiner Tochter nicht so gut kennt wie du, kann man ihr das verzeihen und ich würde da kein großes Ding von machen. Trotzdem darf man ja als Mutter mitdenken und mit entscheiden.
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 13:03 Uhr
Ich gebe ihr die Schmerzmittel auch nicht, denn auch heute ist das Knie augenscheinlich völlig in Ordnung.
"Ich persönlich finde es nicht unnormal, dass deine Tochter bei Unsicherheiten etc. Schmerzen angibt."
Na ja, was heißt "unnormal"? Ich wollte damit nicht sagen, dass meine Tochter völlig "irre" ist oder so. Sie kann in solchen Momenten einfach nicht über ihre Gefühle sprechen und das ist sicher noch altersgemäß. Allerdings muss sie es auch nie.
Sie hat gelernt, dass sie nur über Schmerzen klagen muss und dann die extra Aufmerksamkeit bekommt, die sie in dem Moment nötig hat oder dass sie unangenehme Situationen vermeiden kann. Das bedeutet aber nicht, dass sie zu Hause nur dann Aufmersamkeit bekommt, wenn ihr etwas weh tut. Hier kann sie nämlich sehr schön sagen, wenn sie sich nicht wohl fühlt, dass sie sauer ist oder traurig und bekommt dann die entsprechende Portion Kuscheleinheit oder wird betüdelt. Nur ist "zu Hause" eben nicht "woanders" und in der Gruppe mit 25 Kindern (wie im Kindergarten) oder bei Fremden (wie dem Arzt) schafft sie es nicht und hat offenbar das Gefühl, dass sie nur "auf den Schoß" darf, wenn ihr etwas weh tut. Verstehst Du?
Und da sehe ich mehrere Probleme:
1. Sie hat ein Verhaltensmuster entwickelt, das sie immer wieder anwendet (wenn vielleicht auch unterbewusst).
2. Sie wird nicht damit konfrontiert, über wahre Gefühle zu sprechen und kann somit auch keine Lösung finden.
3. Sie kann unangenehme Situationen recht einfach umgehen, bekommt damit auch nie das Gefühl, etwas "geschafft" zu haben.
Und "unnormal" ist das insofern schon, dass sie sich unter den vielen, vielen Kindern, die wir so kennen, als einzige so verhält. Na ja, vielleicht nicht unnormal, aber etwas bedenklich.
Beitrag von golm1512 - 27.10.11 - 13:44 Uhr
Hallo!
Wie du weißt, finde ich dich ziemlich kompliziert
Ich wollte dich nur in deiner Gelassenheit unterstützen. Du suchst jetzt wieder tausend und eine Deutung und Begründung. Ich denke, das ist nicht nötig.
Außerdem ist sie ja mit der Situation umgegangen und hat damit was erreicht. Sie hatte dann vielleicht doch ein bisschen Angst vor der Blutentnahme und kompensiert es mit "körperlichen Gebrechen". Das tun viele Erwachsene auch. Wenn es dann nach ein bisschen Betüddeln wieder gut, dann ist es doch okay. Wenn sie sich jetzt reinsteigern und wochenlang humpelnd durch die Gegend laufen würde, dann würde ich das bedenklich finden. So eigentlich nicht.
Ich finde, die Ärztin hätte etwas gelassener reagieren können, aber Drama sehe ich nirgendwo.
Im Gegensatz zu den vielen anderen habe ich nicht den Eindruck, dass deine Tochter ungeliebt ist oder zu hart angefasst wird oder sich Zuneigung erbetteln muss. Du bist eben eine, die alles genau und immer wieder durchdenken muss. Damit machst du dir das Leben schwer. Manchmal.
Ich kann dir sagen, dass meine Kinder sich auch sehr speziell verhalten und nicht so wie die anderen. Trotzdem kommen sie klar, weil sie einfach nette Kerlchen sind. Andere Kinder sind auch eher selten das Problem. Die nehmen alles hin und finden selten etwas merkwürdig. Erwachsene sind manchmal ein Problem, aber deine Tochter kommt ja ebenfalls klar. Hat sie gerade erst wieder bewiesen
Sie hat die unangenehme Situation doch gar nicht umgangen. Sie hat sich Blut abnehmen lassen. Das war das Ziel. Wie sie dahin kommt, ist doch schnuppe.
Ich glaube auch nicht, dass 5jährige jetzt adäquat vernünftig über Gefühle reden können. Ich überlege gerade, ob mein kleiner Sohn das kann und tut. Meistens geht es um Affekt und wie man ihn deutet. Dadurch kann man ihn ganz gut verstehen.
Meine Kinder sind mutistisch und reden außerhalb gar nicht. Trotzdem hat man weder in Schule noch im Kiga Probleme, die Kinder zu verstehen. Sie teilen sich anders mit und das funktioniert gut.
Also bleib gelassen. ALLE Kinder haben irgendeine !Macke" und sind dadurch erst individuell und liebenswert.
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 18:05 Uhr
"Wenn sie sich jetzt reinsteigern und wochenlang humpelnd durch die Gegend laufen würde, dann würde ich das bedenklich finden."
Hm... aber das kommt tatsächlich vor. Eine Warze war hier monatelang Thema. Nicht nur, wo sie noch an der Hand war und genervt (geblutet und wirklich weh getan hat), sondern auch noch als sie schon abgefallen war. Das ist immer so das beste Beispiel dafür, weil es sich gut beschreiben lässt. Es gibt aber noch andere. Und es kann tatsächlich auch vorkommen, dass sie in drei Woche plötzlich wieder humpelt, wenn eine unangenehme Situation auftritt. Man kann sagen: Je mehr sie betüdelt wird und den Schmerzen Bedeutung beigemessen wird, umso länger sind sie auch ein Thema.
"Du bist eben eine, die alles genau und immer wieder durchdenken muss."
Na ja, aber ich muss es doch durchdenken, wenn ich hier ein Medikament rumstehen habe, was ich ihr geben soll. Da muss ich schon darüber nachdenken, ob die Knieschmerzen wirklich existent sind oder es sich wieder um eine dieser "berühmt berüchtigten" Situationen handelte.
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 18:13 Uhr
Noch was vergessen:
"Du suchst jetzt wieder tausend und eine Deutung und Begründung."
Nein, eigentlich würde ich einfach nur gerne wissen, wenn meine Tochter krank ist. Dann würde ich ihr helfen und sie betüdeln. Im Moment muss ich sie aber erstmal beobachten und genau beurteilen, ob sie wirklich krank ist. Das finde ich einfach doof.
"Sie hatte dann vielleicht doch ein bisschen Angst vor der Blutentnahme und kompensiert es mit "körperlichen Gebrechen". Das tun viele Erwachsene auch."
Ja, die nennt man dann Hypochonder. Und nur weil es so viele tun, ist das ja noch lange nicht gut. Ich denke, dass diese Leute nie gelernt haben, ihre Gefühle zu äußern und das ist doch nicht gut...
"ALLE Kinder haben irgendeine !Macke" und sind dadurch erst individuell und liebenswert."
Ja, das weiß ich. Diese Sache geht für mich aber über eine einfache "Macke" hinaus. Gerade dann, wenn sie zur Folge hat, dass Medikamente verschrieben werden oder das Kind behauptet, es habe Krebs. Im Kindergarten hat sie auch mal erzählt, dass ihre Mama Krebs hat. Und die Erzieherinnen schauten mich tagelang betroffen an eh sie sich trauten, mich mal zu fragen. Na ja gut, da kann man im Nachhinein drüber lachen. Und das war auch noch so eine Behauptung, die unter normale "Geschichten" einer 5jährigen gehören.
Beitrag von golm1512 - 28.10.11 - 08:24 Uhr
Du glaubst, dass du ALLES über den Intellekt regeln kannst. Das funktioniert aber nicht.
Hypochondrie ist etwas anders als Psychosomatik. Beides ist im Rahmen normal, beides kann krankhaft werden.
Manche Dinge kann man nicht bereden oder beim Namen nennen. Das passiert nicht nur Leuten, die da ein Defizit haben. Manchmal ist eine Schwierigkeit eben einfacher und schneller aus der Welt, wenn man mal eben Kopfschmerzen bekommt. Das ist nie bewusst, in der Regel keine "Masche".
Deine Tochter hat das für sich perfektioniert. Du merkst doch sehr gut, ob ihr wirklich was weh tut oder ob sie "übertreibt". Schmerzen werden doch nicht nur verbal geäußert. Ich habe in meinem Leben sehr viel mit Schmerzpatienten zu tun gehabt. Man merkt auch bei Bewusstlosen, ob sie Schmerzen haben oder nicht. Bei meinen Kindern weiß ich das in der Regel auch sehr gut einzuschätzen.
Das andere ist dieses "zum Thema machen". Du machst ein Riesending daraus. Je mehr du das zum Thema machst, desto mehr ist es eins. Ich weiß, wovon ich rede, aus eigener leidvoller Erfahrung.
Wenn du mit deiner Tochter einen Weg gefunden hast, damit umzugehen ist es doch nicht mehr deine Sache, wie Trainer und Lehrer damit umgehen. Die müssen ihren Weg finden. Tun sie ja auch.
Ich habe mir einen Riesenkopp gemacht, wie denn wohl mein stummer Sohn in der Schule klar kommen soll. Wie soll denn das gehen? Es ist nicht mehr mein Problem. Die Schule hat von uns die nötigen Informationen erhalten, sie können die Therapeuten um Rat fragen, aber sie sind dafür verantwortlich, dass der Lernstoff ins Kind kommt. Man wundert sich, aber man hat sich die Mühe gemacht, meinen Sohn zu beobachten, einzuschätzen und richtig oder weitgehend richtig zu reagieren. Sie machen es anders als ich es mir vorgestellt habe und sie machen es gut.
Es gibt sicher blöde Psychologen. Wenn der eine nicht in eurer Bild passte, dann versuche einen anderen. Dein Argument, dass das dann das gesamte Umfeld mit bei ihm sitzen müsste, ist schlichtweg Blödsinn. Das würde ja für jeden gelten, der in psychologischer Behandlung ist. Die Umwelt ist wie sie ist. Ihr müsst mit ihr klar kommen, nicht die Umwelt mit euch. Säßen jetzt alle mit euch beim Psychologen, dann würdest du für deine Tochter eine Art Theaterkulisse aufbauen. Jeder agiert und regiert nur noch nach Regieanweisung. Das funktioniert noch weniger. Arzthelferinnnen mit unbedachten Äußerungen werden euch dennoch immer wieder über den Weg laufen.
Und ja, bei der Erziehung eines Kinder mischen immer sehr viele mit. Und das ist gut so!
Du zerlegst meine Argumente genau wie derjenigen, die eine ganz andere These als ich aufstellen. Das finde ich sehr mühsam. Was genau möchtest du denn hören?
Gruß
Susanne
Beitrag von bine3002 - 28.10.11 - 08:39 Uhr
"Du merkst doch sehr gut, ob ihr wirklich was weh tut oder ob sie "übertreibt"."
Nein, manchmal eben nicht.
"Du zerlegst meine Argumente genau wie derjenigen, die eine ganz andere These als ich aufstellen."
Man kann es hier wirklich niemandem recht machen. Sagt man nichts zu der Antwort, dann ist man unhöflich. Geht man darauf ein, "zerlegt" man die Argumente. Und es ist mühsam ein GESPRÄCH zu führen? Ja, dann lass es halt. Zwingt dich ja niemand.
"Es gibt sicher blöde Psychologen. Wenn der eine nicht in eurer Bild passte, dann versuche einen anderen."
Der Psychologe war nicht blöd. Der war sogar sehr nett. Und fachlich sicher kompetent. Er hat getan, was ein Psychologe eben tut.
"Das würde ja für jeden gelten, der in psychologischer Behandlung ist. "
Ja tut es wohl auch, deswegen helfen ja auch viele Behandlungen nicht bzw. sind dermaßen langwierig. Ich denke, dass es wesentlich schneller ginge, wenn man die Beteiligten mit in die Behandlung einbeziehen würde.
"Jeder agiert und regiert nur noch nach Regieanweisung."
1. tun Menschen das in gewisser Weise sowieso, weil ja letztlich niemand einfach tun und lassen kann, was er will.
2. wäre das tatsächlich für eine Weile nicht verkehrt und würde zu einem schnellen Ergebnis führen.
"Arzthelferinnnen mit unbedachten Äußerungen werden euch dennoch immer wieder über den Weg laufen."
Ja na klar. Gerade deswegen ist ja auch so wichtig, dass ein Kind gestärkt ins Leben geht und über Gefühle sprechen kann, um dieser Arzthelferin mal gehörig in den Arsch zu treten. Sorry, aber die Äußerung war nicht nur unbedacht... sie war unsagbar dämlich!!!
"Was genau möchtest du denn hören?"
Das, was Du zu sagen hast.
Beitrag von golm1512 - 28.10.11 - 09:41 Uhr
Unser Psychologe hat nicht sechs Stunden darauf verwandt, sich unsere Lebens- und Familiengeschichte anzuhören. Der fing einfach mal an und ließ sich Zeit mit dem Kennenlernen. Auch bei Psychologen gibt es verschiedene Methoden und Strömungen und man muss die für sich richtige finden und den, der zu einem passt.
Wer sagt denn, dass Therapien keinen Erfolg haben? Woher hast du das? Therapien SIND langwierig. Wie kommst du darauf, dass es für alles eine schnelle Lösung gibt? Das bedeutet für mich, dass du dich gar nicht lange mit einem Thema auseinander setzen willst. Eine schnelle Lösung soll her, alles vertünchen und weiter geht es. So funktioniert das auch nicht.
Und diese Arzthelferin ist nicht unsagbar dämlich. Sie hat sich nicht an deine Regieanweisungen und deine Vorstellungen gehalten. So was kommt vor. Nicht nur bei Arzthelferinnen. Ich würde nicht wollen, dass mein Kind jedem, der unbedacht oder vielleicht auch mal dämlich reagiert "in den Arsch" tritt. Mein Ziel ist, dass sie dann gelassen bleiben und sehen, dass es einfach menschlich ist.
Was hätte deine Tochter denn auf diese Äußerung SAGEN sollen?
Die wenigstens Menschen sagen sofort, was Sache ist. Das ist auch gut so. Sonst würden wir uns dumm und düsig diskutieren. und alle wären völlig überfordert und verunsichert. Wieso muss ich jedem in den Hals gucken, der sich mal irgendwie blöd verhält? Wieso muss immer und immer wieder seine Befindlichkeiten verbal äußern? Vieles läuft non-verbal. Mehr als verbal. Sprache ist längst nicht das einzige Kommunikationsmittel.
Ja, es gibt Regeln im Miteinander, die wir einfach so einhalten. Du willst aber Regeln, die nur für deine Tochter gelten. Das wirst du nicht schaffen. Muss ja auch nicht. Jeder hat andere Bedürfnisse. Ein anderes Kind, dass jetzt nicht diese Spritzen-Geschichte hinter sich hat, hätte vielleicht laut: "Nee!" gekräht und wäre mit Stolz geschwellter Brust ins Arztzimmer marschiert.
Du musst auch nicht so perfekt sein, dass immer alles bemerkst. Dann schätzt du es eben auch mal falsch ein, ob deine Tochter Schmerzen hat oder nicht. Was würde denn da schlimmstenfalls passieren? Wenn sie echte, furchtbare Schmerzen hat, kriegst du das raus. Ganz sicher. Wenn sie mal weniger furchtbare Schmerzen aushalten muss, weil sie dich durch ihr Verhalten verunsichert hat, dass ist das nicht schön für sie, aber sie lernt ja daraus. Dann kannst du ihr ja auch sagen, warum du unsicher bist!
Du hast aus dieser Arzthelferin-Geschichte im Laufe dieses Threads eine Riesengeschichte gemacht. Ich habe dir ausdrücklich auf den Anfangstext geantwortet, du kommst dann mit Dingen, die in der Vergangenheit abgelaufen sind. Das ist alles sehr komplex und sprengt hier einfach den Rahmen und die Möglichkeiten. Das merkst du selber. Damit wird es aber auch schwierig, dir eine hilfreiche Antwort zu geben. Du argumentierst dann mit Ereignissen dagegen, von denen ich nichts wissen konnte.
Für dich wird das Ding, was da in der Arztpraxis gelaufen ist, zu einem aufgeblasenen Monster. Und das ist wieder das Gegenteil von gelassen. Glaubst du denn, dass deine Tochter das nicht mitbekommt? Auch non-verbal? Dass du alles andere als gelassen bist und dass dich solche Ereignisse (mehr als normal???) beschäftigen?
Beitrag von bine3002 - 28.10.11 - 10:00 Uhr
"Das bedeutet für mich, dass du dich gar nicht lange mit einem Thema auseinander setzen willst."
Nö. Aber wenn ich denke, dass es auch eine andere schnellere Lösung gibt, dann wähle ich natürlich den schnelleren Weg. In dem Fall mit der Spritze war es einfach notwendig, dass wir eine schnellere Lösung finden, weil äußere Umstände den Termin vorgegeben haben. Wenn ich Flugangst habe, dann aber aus beruflichen Gründen am 5.11. eine Flugreise vor mir habe, muss ja auch eine schnelle Lösung her. Und wenn es nur erstmal etwas ist, was schnell hilft und man das wahre Problem dann danach angeht.
"Und diese Arzthelferin ist nicht unsagbar dämlich."
Ansichtssache. Die Frage, ob das Kind denn keine Angst hat, wenn es alleine in eine Praxis geht, finde ich dämlich und dabei bleibe ich. Übrigens nicht nur, weil sie das meine Tochter gefragt hat. Es wäre immer dämlich und wenn sie das nicht merkt, hat sie den Beruf verfehlt. Ganz einfach.
"Was hätte deine Tochter denn auf diese Äußerung SAGEN sollen?"
Z. B. "Klar hab ich Angst, aber muss ja sein..." 
"Die wenigstens Menschen sagen sofort, was Sache ist. Das ist auch gut so."
Na wenn Du das gut findest... ich finds scheiße. Und ich meine "scheiße".
"Du willst aber Regeln, die nur für deine Tochter gelten."
Das ist nicht korrekt. Ich will Regeln, die Sinn machen und nicht nur eingehalten werden, weil es alle tun. Wir können hier jetzt gerne eine Grundsatzdiskussion führen, aber das geht zu weit. Ich bin mit vielem nicht einverstanden, was so abläuft und ich habe das mein ganzes Leben lan auch immer gerne kundgetan (und bin genauso oft damit angeeckt). Na und? Mir doch egal!!! Ich stehe zu meiner Meinung und bereit dafür zu kämpfen.
"Dann schätzt du es eben auch mal falsch ein, ob deine Tochter Schmerzen hat oder nicht. Was würde denn da schlimmstenfalls passieren?"
Das brauchst Du mir nicht zu sagen, denn ich bin momentan in der Situation und es ist bereits vorgekommen, dass ich etwas falsch eingeschätzt habe und auch, dass ich es anschließend erklärt habe, warum das so war. Gelernt hat sie daraus nichts. Warum nicht? Weil sie es nicht KANN. Abfinden muss ich mich damit trotzdem nicht, denn ich würde meinem Kind einfach ganz gerne glauben können.
"Das ist alles sehr komplex und sprengt hier einfach den Rahmen und die Möglichkeiten."
Allerdings...
"Glaubst du denn, dass deine Tochter das nicht mitbekommt?"
Ja glaube ich, weil sie nämlich nicht da ist bzw. abends im Bett liegt. Non-verbal übertragen sich VIELLEICHT gewisse Stimmungen wie Wut oder Trauer. Ich denke aber, dass wir keine telepathischen Aliens sind und sie somit meine vollständigen Gedanken nicht lesen kann.
Beitrag von sunny42 - 27.10.11 - 09:09 Uhr
Guten Morgen bine,
Egal ob sie tatsächlich schmerzen im Knie hat oder nicht, ihr tut etwas weh.
Da schon Kinder wissen das Seelenschmerzen nicht ernst genommen und schon gar nicht akzeptiert werden, verlagert der Schmerz sich halt in ein Körperteil.
Da braucht es weniger Schmerzmittel als Verständnis, Fürsorge und Liebe.
Auch Blutabnehmen muss für niemanden ein Kinderspiel sein.
Es ist unangenehm und wenn einem Kind nach weinen ist weil es pickst, warum sollte es dann nicht weinen?
Warum geht Euer Kind lieber alleine zum Arzt ins Zimmer als mit Mama oder Papa?
Das verstehe ich nicht. Eltern sind doch eigentlich die Stützen im Rücken wenn etwas unangenehmes ansteht. Wie verhaltet ihr Euch, dass es ihr lieber ist alleine zu sein?
Ist es für sie leichter da alleine durchzugehen weil es noch schlimmer ist wenn Euer Unverständnis über ihre Gefühle mit im Raum ist?
Ich weiß, dass das gerade sehr provoziert aber ich finde es extrem herablassend wie Du über deine Tochter schreibst und wenn nur ein Teil davon bei Deiner Tochter ankommt, ist mir zumindest klar warum ihre Seele schmerzen könnte.
Liebe Grüße
Sunny
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 11:55 Uhr
"Warum geht Euer Kind lieber alleine zum Arzt ins Zimmer als mit Mama oder Papa?"
Anfang des Jahres wurde sie von der Ärztin und von zwei Arzthelferinnen festgehalten. Sie schrie und tobte vor, während und noch lange nach der Spritze. Daraufhin fing die Ärztin an, sie anzumeckern. Ich hatte sie im Arm und tröstete sie. Von dem Gemeckere der Ärztin war ich selbst so überrumpelt, dass mir in dem Moment keine passende Reaktion einfiel. Ich hatte ja auch noch das schreiende Kind im Arm, das nach allem schlug, was in der Nähe war (auch nach mir). Sie war einfach total außer sich. Blöder Tag... echt!
Ich wollte dann den Arzt wechseln, fand aber keine Alternative und telefonierte mit unsere Ärztin. Sie entschuldigte sich dann bei meiner Tochter für das Gemeckere und führte gemeinsam mit uns ein "ernstes" Gespräch mit ihr, in dem sie ihr erklärte, wie wichtig die Blutabnahme sei usw. Meine Tochter wurde von der Ärztin dann direkt gefragt, ob sie es mal ohne Mama und Papa ausprobieren wollte. Denn manchmal, warum auch immer, lenken Mamas und Papas nur ab (weil sie vielleicht unterbewusst ihre Unruhe übertragen). Meine Tochter neigt generell dazu, erwachsen zu reagieren, wenn sie wie eine Erwachsene ernst genommen wird, deswegen war dieser Weg gut und richtig für sie.
Und als es dann klappte, war sie sehr sehr stolz auf sich selbst. Das ist doch gut.
Herablassend? Wie meinst Du das? Wo denn? Wie denn? Ich habe eigentlich versucht, es objektiv zu schildern, mehr nicht.
Beitrag von hailie - 27.10.11 - 10:27 Uhr
Dass sie auf diese Art ihre Unsicherheit zu überwinden versucht und Aufmerksamkeit erhält, hast du ja selbst schon festgestellt. Ich finde es bedenklich, dass sie in ihrem Verhalten diesbzgl. immer wieder bestätigt wird und Erfolg damit hat.
Ja, was tun? Der Fall jetzt ist weitaus schwieriger, als deine bisherigen "Probleme".
A) Du glaubst ihr nicht, dass sie Schmerzen hat. Dann solltest du mit ihr besprechen, dass sie dich bei so etwas bitte nicht anlügen soll, weil du sonst nicht mehr weißt, wann sie wirkliche Schmerzen hat. Das kann natürlich ein Fehler sein, wenn ihr tatsächlich das Knie weh tut und sie sich nicht ernst genommen fühlt.
B) Du ziehst es durch. Lässt sie zuhause, schonst sie und sagst wie schade es ist, dass sie ja nun gar nichts machen darf. So ist das eben, wenn man krank ist und der Arzt es auch bestätigt...
Schmerzmittel würde ich ihr natürlich nicht geben, wenn du weißt dass sie nichts hat. Oder vielleicht einen Ersatz dafür? 
Was richtig ist, weiß ich hier selbst nicht. Ich kann deine Tochter nicht gut genug einschätzen, um das zu beurteilen.
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 13:07 Uhr
"Schmerzmittel würde ich ihr natürlich nicht geben, wenn du weißt dass sie nichts hat. Oder vielleicht einen Ersatz dafür?"
Ein Ersatz wäre ja ein z. B. ein Verband. Das haben wir natürlich auch schon mal probiert, in dem Fall war es ein Pflaster. Das dramatisiert das Ganze aber nur noch und oftmals ist es dann erst recht so, dass sie 1. jedem das Pflaster zeigt und es sie 2. immer wieder daran erinnert. D.h. wenn sie das Pflaster sieht, beginnt sie zu humpeln... ganz plötzlich und ohne Pflaster ist es schnell vergessen. Für mich bedeutet das, dass ich manchmal nur ohne Verband und ohne Schmerzmittel objektiv beurteilen kann, ob ihr wirklich etwas fehlt. Und wenn das so ist, bekommt sie natürlich alles, was sie braucht.
Beitrag von hailie - 27.10.11 - 10:46 Uhr
Was mich hier momentan aber auch etwas stutzig macht ist, dass du nicht einfach mit deiner Tochter sprichst und die Sache mit ihr klärst. Warum kannst du nicht in einem Gespräch herausfinden, was mit ihr los ist? Ich verstehe schon, dass es für ein Kind schwierig ist über Gefühle zu sprechen und bei dir vermute ich, dass du voreingenommen und/oder übervorsichtig an sie herantrittst...
Aber merkst du nicht an ihrer Reaktion, was mit ihr los ist?
Kommst du nicht an sie heran, weil sich solche Situationen ständig wiederholen?
Sie ist immerhin schon "groß" und kann sogar alleine zum Arzt gehen und mit ihm sprechen. Dann wird sie sich dir gegenüber doch auch formulieren können.
Beitrag von bine3002 - 27.10.11 - 12:32 Uhr
"Ich finde es bedenklich, dass sie in ihrem Verhalten diesbzgl. immer wieder bestätigt wird und Erfolg damit hat."
Ja das denke ich auch.
"Der Fall jetzt ist weitaus schwieriger, als deine bisherigen "Probleme"."
Genau genommen ist das schon die ganze Zeit das "Problem" und was ich mit "Heule-Eule" zum Ausdruck bringen wollte. Sie kann ihre Gefühle nicht äussern, nennt dann Schmerzen als Grund und somit kann man ihr nicht mit ihr darüber reden, ihr ggf. helfen, Tipps geben etc. Und sie kommt immer damit durch, kann unangenehme Situationen vermeiden oder hinauszögern.
"Was mich hier momentan aber auch etwas stutzig macht ist, dass du nicht einfach mit deiner Tochter sprichst und die Sache mit ihr klärst."
Das habe ich schon einige Male getan. Neulich erzählte sie z. B. Oma und Opa, sie habe Krebs. Selbstverständlich haben auch die ihr erklärt, dass das eine schlimme Krankheit ist und man so etwas nicht erzählen sollte. Ich habe ihr auch erklärt, dass es schwierig wird, ihr zu glauben, wenn sie wirklich mal was hat. Sie versteht das auch, aber tut es trotzdem wieder und wieder.
Und da es vor allem beim Sport oder im Kindergarten passiert, habe ich keinen Einfluss darauf, wie die jeweiligen Betreuer reagieren. Ich will sie ja auch nicht brandmarken und z. B. schon vorher zum Lehrer rennen und ihn darüber aufklären, was "sie für eine ist". Das war ja auch das, was ich im letzten "Heule-Eule-Posting" gefragt habe. Im Grunde wäre es aber wichtig, über dieses Verhalten Bescheid zu wissen, um von Anfang an "richtig" damit umzugehen. "Richtig" fände ich z. B., dass sie damit konfrontiert wird, über ihre wahren Gefühle zu sprechen und sich nicht mit "Schmerzen" aus der Situation herauszuwinden. Es hat sich da einfach etwas eingeschlichen, das ich nicht beeinflussen kann, weil ich meist nicht dabei bin.
"Aber merkst du nicht an ihrer Reaktion, was mit ihr los ist?"
Doch ICH merke es meistens. Sie legt den Kopf schief, zupft an ihren Klamotten rum und dann weiß ich, dass sie gerade unsicher ist. Wenn sie dann anfängt zu weinen und von "Schmerzen" erzählt, sage ich ihr auf den Kopf zu, dass ich ihr nicht glaube und versuche mit ihr über den wirklichen Grund zu sprechen. Manchmal klappt das. Sie sagt beim Sport z. B., dass sie ein "mulmiges Gefühl im Bauch" hat. Ich habe sie dann gebeten, der Trainerin das zu sagen. Die versteht das natürlich nicht und fragt meine Tochter "Bist Du verliebt". Und da sie das tatsächlich ist, ist für meine Tochter dann der Fall klar: "Ich bin verliebt und deswegen ist mir mulmig." Was für eine Logik
Aber auch das war wieder ein "Umgehen der Situation", denn sie hat ja ihre eigentlichen Gefühle nicht benannt.
Gestern habe ich es natürlich auch gemerkt, weil sie einfach ganz normal gelaufen ist und ganz offensichtlich kein schmerzendes Knie hatte.
"Kommst du nicht an sie heran, weil sich solche Situationen ständig wiederholen?"
Weil sich diese Situationen so oft wiederholen, müsste ich praktisch ständig mit ihr darüber sprechen. Das möchte ich aber nicht, weil ich sie eben nicht schon in dieses Muster pressen möchte. Ich picke mir lediglich einige ganz besonders "heftige" Ereignisse heraus (wie die Sache mit dem Krebs) und rede mit ihr dann darüber. Oder halt beim Sport, wenn sie denn mal zu mir gelaufen kommt (was selten ist, meist beobachte ich nur und sie macht das mit den Trainern). Da steht sie dann weinend vor mir, sagt ihr tut z. B. ihre Warze weh (die vor 8 Wochen abgefallen ist und nicht weh tun KANN). Ich nehme sie in den Arm, beruhige sie erstmal, streichele sie, nehme dann ihre Hände in meine und rede ruhig mit ihr, was denn wirklich los ist. Letztens sollten die Kinder eine Rückwärtsrolle machen und sie wusste vermutlich einfach nicht, was das ist. Das habe ich dann mit etwas Geduld raus bekommen und letztlich hat sie sich dann überwunden und eine schöne Rückwärtsrolle hinbekommen. Danach war sie stolz. Kleiner Erfolg (für sie).
"Das kann natürlich ein Fehler sein, wenn ihr tatsächlich das Knie weh tut und sie sich nicht ernst genommen fühlt."
Ja, die Gefahr besteht immer. Und das ist auch schon passiert. Sie bestellte sich im Imbiss was zu futtern und sie weiß eigentlich, dass sie nur was bestellen soll, wenn sie auch Hunger hat, sonst teilen wir erstmal und holen noch was nach. Sie fing an zu essen und begann dann in typischer Weise, den Kopf schief zu legen und zu zupfen: "Bauchweh!" Na gut, ich hab sie driekt gefragt, ob sie wohl eigentlich keinen Hunger hat und nur gebeten, beim nächsten Mal dann nichts zu bestellen, kein Drama drum gemacht, sie musste natürlich nicht weiter essen. Zu Hause hat sie sich dann übergeben, also war es wirklich Bauchweh. Ich habe mich entschuldigt, dass ich ihr nicht geglaubt habe und ihr nochmal erklärt, woher das kommt. (Später natürlich als es ihr besser ging).
