Brauche mal Rat bzw. Eure Meinungen....vorsicht lang!!!

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von turtle1977 - 29.10.11 - 18:17 Uhr

Hallo zusammen,

kurz zu mir, ich bin 34 Jahre alt, in der 12.Woche SS und habe eine 6. jährige Tochter, die diesen Augugst in die Schule gekommen ist.

Seit ein paar Wochen hat meine Tochter mal mehr und mal weniger Heul-und Schreiattacken und ist ständig mit mir am diskutieren über alles. Da ich selbst Erzieherin bin, weiß ich, das sowas hin und wieder normal sein kann. Nur mittlerweile häufen sich diese Wutanfälle und sie kommen, ohne das ich es vorher merken kann.

Ich dachte erst, das vielleicht Schule und anschließend Hort viel Neues für sie ist und habe den Alltag dann hier zu Hause ruhiger gestaltet und in der Woche auch das Fernsehen (30 Min. Kinderprogramm) weg gelassen, weil ich dachte, vielleicht sind das einfach zu viele Eindrücke. Das funktionierte zunächst auch und es schien sich alles zu besser.

Das hielt so circa eine Woche an. Mittlerweile haben wir mindestens alle zwei Tage solche Attacken und sie schreit von 30. Min. bis hin zu 1 Std.

Ich bleibe in diesen Situationen ruhig und versuche mich ihr anzunehmen und sie zu beruhigen.

Heute hat sie beim UNO-Spiel verloren und sich so sehr reingesteigert, das sie drei Std. am Stück mal mehr und mal weniger quasi getobt hat. Weder ich noch mein Mann konnten einen Zugang zu ihr finden. Sie hat nur geschrien, Sachen durch die Gegend geworfen, sich fallen lassen usw.

Ich bin trotz allem ruhig geblieben, weil es ja in solchen Situationen bekanntlicher Weise nichts bringt selbst laut zu werden. Ich habe sie aber immer wieder in ihr Zimmer geschickt und ihr die Sachen (ihre Sachen), die sie geworfen hat abgenommen. Ich habe ihr auch deutlich gesagt, das ich dieses Schreien nicht akzeptiere und habe sie, wie gesagt, immer wieder in ihr Zimmer geschickt.

Es hat nichts geholfen......nach drei Std. hat sie von selbst gesagt, das sie rauß in den Garten möchte um sich zu beruhigen....ich habe es ihr dann erlaubt, weil ich dachte das es gut sei, wenn wir uns kurze Zeit aus dem Weg gehen. Sie war auf einmal wie ausgewechselt.

Ich habe am Dienstag mit meiner Tochter einen Termin bei einer körperorientierten Therapeutin, da ich mir einfach nicht mehr zu helfen weiß und ich sehe, das auch meine Tochter unter dieser Situation leidet.

Wer hat ähnliche Erfahrungen mit solchen Wutausbrüchen?

Freue mich über jede Antwort!!!

Beitrag von lisasimpson - 29.10.11 - 18:56 Uhr

welche ideen hat sie, denn wie sie sich beruhigen könnte oder was ihr helfen könnte, sich zu beruhigen?

überlgt das doch mal in einer ruhigen situation und frage sie, wenn sie so ausflippt, ob sie eine idee hat, was ihr jetzt hilft, sich zu beruhigen.

außerdem stelle ich es mir ziemlich merkwürdig vor, wenn deine tochter 3 stunden am stück tobt und du die komplette zeit über total ruhig und gelassen bleibst.

ich denke schon, daß unserer kinder erfahren dürfen, daß wir mamas menschen sind aus fleisch und blut und mit gefühlen und daß eine mutter durchaus mal suaer, laut oder klar sein kann.

Kinder ,dei das gefühl haben, daß sie von ihren eigenen emotionen so übermannt werden (und dei dann keine idee haben ,wie sie da wieder rauskommen) werden sehr geängstigt durch eltern, die teilnahmslos daneben stehen und ebenfalls keine idee haben, wie sie ihr helfen können.

ich würde mit ihr EIEN klare strategie verabreden und diese dann auch durchziehen.
deine tochter muß wissen, daß es möglichkeiten gibt, aus dieser spirale rauszukommen und daß du ihr helfen kannst

Beitrag von turtle1977 - 29.10.11 - 20:34 Uhr

Ich habe mit ihr schon sehr oft in ruhigen Momenten darüber gesprochen und sie gefragt, wie ich ihr helfen kann. Sie hat gesagt, ich solle sie in den Arm nehmen und trösten.
Das habe ich auch versucht, doch sie hat sich dann immer wieder los gerissen.
Ich habe sie auch gefragt, warum sie so extrem reagiert und sie sagte mir wörtlich:"Mami, ich weiß nicht warum ich so schreie! Das sind die Wutmännchen in meinem Bauch!"

Ich habe ihr dann den Tip gegeben, das wir die "Wutmännchen" zusammen los werden können, in dem ich mit ihr schmuse und wir die Männchen weg atmen. Aber auch das hilft nicht.

Du hast Recht, das ich nicht nur drei Stunden ruhig daneben gestanden habe, sondern ihr auch klar gesagt habe, das es mir ebenso schlecht geht. Mein Mann hat auch versucht an sie ran zu kommen, doch es gab wirklich kein Durchkommen.

Beitrag von lisasimpson - 29.10.11 - 21:27 Uhr

na dann arbeitet doch mit dem wutmännchen.
welche ideen hat hat SIE denn, was man mit dem machen müsste?!
laß sie das wutmännchen doch mal malen und überlegt mal, wie der "klein" und wie der "groß" wird, wofür der gut ist, wann man den mal "füttern" sollte und wann man ihn "an die leine legen" kann, muß er vertrieben werde usw..

es geht dabei nicht um "fertige lösungen", sonder um die idee, diese gefühl "packen" zu können ,sich anschauen und mit ihm fertig werden zu können!

Beitrag von juniorette - 29.10.11 - 20:57 Uhr

Hallo,

warum kann ich immer wieder beobachten, dass Pädagogen bzw. Menschen mit ähnlichen Berufen, die am "unangepasstesten" (ungezogen wollte ich nicht schreiben) Kinder haben?

Weil diese Kinder meiner Meinung nach an der engelsgleichen Geduld und der immerwährenden pädagogischen Perfektion ihrer Eltern einfach verzweifeln MÜSSEN! Natürlich gibt es auch Kinder, die die engelsgleiche Geduld ihrer Pädagogen-Eltern missverstehen und denken, sie können sich aufführen wie eine wildgewordene Sau.

Mein Sohn hat auch Wut-/Schrei-/Tobanfälle wie deine Tochter - aber bevor mein Sohn 3 Stunden lang tobt und schreit, zeige ich ihm, dass ich genauso wütend sein kann wie er und darüber hinaus lauter sein kann.

Eine Erzieherin, die nie wirklich laut wird UND sich trotzdem bei ihren Schützlingen durchsetzen kann, ist Gold wert.
Eine Erzieherin, die gegenüber ihrem eigenen Kind nie laut/ungehalten wird, muss auf ihr Kind wie ein Roboter wirken - unheimlich, gruselig, nicht menschlich.

LG,
J.

Beitrag von turtle1977 - 30.10.11 - 09:07 Uhr

Also entschuldige bitte mal, meine Tochter ist kein Kind, die nicht angepasst ist. Sie ist ein sehr fittes Kind und auch lieb, allerdings, haben wir halt in letzter Zeit diese "Aussetzer" und wenn Du mal genau gelesen hättest was ich geschrieben habe, wäre Dir mit Sicherheit aufgefallen, das meine Vermutung darin liegt, das es für sie in letzter Zeit einfach zu viel ist ( Schule und Hort) und sie sich wohl an die neue Situation erst gewöhnen muss!

Ich wirke auf meine Tochter mit Sicherheit nicht wie ein Roboter, denn auch ich zeige ihr, das es so nicht geht und werde auch lauter, wobei ich nicht schreien muss.....denn mit Schreien verängstigt man sein Kind nur noch mehr!!! Wenn Du dann weiterhin mal genau gelesen hättest, hättest Du auch gesehen, das meine Tochter nicht drei Std. am Stück, sondern mit Pausen sich immer wieder in was neues reingesteigert hat.

Beitrag von franzi_smile - 01.11.11 - 11:51 Uhr

Trotzdem muss ich meiner Vorrednerin recht geben.

Es spielt keine Rolle, wie lange sie am Stück oder nicht getobt hat und dass du ihr gesagt hast, dass du das nicht akzeptierst...

Du bist Erzieherin und hast deine Grundsätze, wie man mit Kindern umzugehen hat und sie zu erziehen hat. Das ist in Ordnung - für FREMDE KINDER.

Aber leider nicht für deine eigene Tochter... Die Erziehung der eigenen Kinder ist nämlich eine ganz natürliche Sache. Jeder bekommt andere Eltern, mit anderem Temparament, mit anderen Zielen und Werten. Soweit kein Problem. Solange Kinder ersteinmal geborgen darin aufwachsen und dann nach und nach mitbekommen, dass es auch andere Lebensweisen als die der Eltern gibt und aus dieser Erkenntnis ihren eigenen Weg suchen und finden.

Tatsächlich ist es NICHT NATÜRLICH, wenn deine Tochte rtobt und du gelassen mit Blabla darauf reagierst. Wenn du emotional mit deiner Tochter fühlst, musst du dich zwangsläufig über sie ärgern. Und wenn du dich ärgerst, musst du ihr das zeigen.

Ein "Thorben, du weißt aber schon, dass das eigentlich nicht richtig ist" hilft da nicht!!!! Darüber haben sich schon zahlreiche Comedians ausgelassen!

Natürlich empfindet dich deine Tochter als Roboter. Sie versucht u.U. Emotionen aus dir rauszukutzeln und du schwafelst sie zu. Sie sieht eine scheinbar perfekte Mutter, die nie sauer oder überfordert oder wütend oder traurig ist (du zeigst es ihr ja nicht) und daran MUSS sie verzweifeln. Denn sie selber hat Ängste, Wut und Trauer (wie jeder) und KEINE AHNUNG, wie sie damit umgehen soll, denn DU hast es ihr nicht beigebracht bzw vorgelebt!!!!

Beitrag von sommersprossenmaus87 - 02.11.11 - 09:11 Uhr

wieso müsst ihr denn so auf dem Beruf umreiten???? nur weil sie erzieherin ist ist sie gewesegen keine schlechtere oder bessere Mutter...was soll denn das???

Ich bin selber Tochter einer Erzieherin, und natürlich ist das nicht immer einfach, aber als "Roboter" habe ich meine Mutter nie angesehen nur weil sie ruhiger bleibt als vielleicht die ein oder andere Mutter...

Ich finde ihr Verhalten richtig und würde es sicherlich genauso machen- natürlich wird man auch lauter und forscher, aber SCHREIEN brignt ja mal gar nichts- also wer sein Kind anschreit jagt ihm mehr angst ein. und aus dem grund wird das kind vermutlich ruhig und nicht weil es sich mit der situation auseinander setzt....

Beitrag von bine3002 - 29.10.11 - 22:18 Uhr

Ich denke, jedes Kind hat PHASEN, wo es irgendwie unausgeglichen wirkt und mehr "bockt" als üblich. Diese Phasen sind bei unserer Tochter immer sehr deutlich zu spüren, beginnen mit einigen Nächten schlechtem Schlaf (dann schreit und spricht sie viel im Schlaf) und enden mit einigen echt blöden Tagen. Je älter sie wurde, umso weniger blöde Nächte und Tage hatten wir. Im Moment sind es so zwei bis drei Nächte und dann ebenso viele Tage. Nach solchen Phasen kann sie meist irgendwas Neues. Sie hat also auch mit 5 noch deutlich ausgeprägte Entwicklungsschübe.

Wenn es länger dauert, dann weiß ich, dass irgendetwas zu viel ist. Da sie viel Sport macht, versuche ich es erstmal mit einer Woche "Ferien", d.h. nur Kindergarten und dann Freizeit. Das hilft dann schon.

In deinem Fall würde ich davon ausgehen, dass einfach Schule und Hort wirklich etwas viel sind (weil ja auch eine Reduzierung des Nachmittagsprogramms geholfen hat). Das Dumme ist nur, dass man daran kaum etwas ändern kann. Oder kann man doch? Muss sie in den Hort? Sollte sie dorthin müssen, würde ich wirklich dabei bleiben, den Nachmittag ganz ruhig zu gestalten. Ich denke, dass sie sich daran gewöhnen wird.

Beitrag von anja1968bonn - 30.10.11 - 09:49 Uhr

Mein Sohn (9) ist auch einer, der unheimlich schnell wütend wird, und in seiner Wut dann heult, schreit, schimpft, beleidigt, Sachen wirft ... - in der letzten Zeit ist es zwar besser geworden, aber ich kenne Dein Problem.

Es hilft meinem Sohn, wenn ich ihm signalisiere, dass ich verstehe, dass er wütend/enttäuscht ist (z. B. weil er beim Minigolf verloren hat oder weil er das Flötenstück nicht so schnell hinbekommt), aber gleichzeitig auch klar ansage, dass diese Wut kein Grund ist, alles in Grund und Boden zu brüllen oder andere zu beschimpfen.

Inzwischen hat er zumindest außerhalb von zu Hause eigentlich ganz gute Strategien entwickelt, er geht Kindern, die ihn provozieren, konsequenter aus dem Weg, er murmelt Schimpfwörter vor sich hin, anstatt sie anderen an den Kopf zu werfen, er zerknüllt Papier ... Zu Hause klappt das nicht immer, aber oft schafft mein Sohn es, mir zu signalisieren: Lass mich jetzt in Ruhe, ich brauche Zeit, um wieder runterzukommen.

Vielleicht kommt ihr mit den Wutmännchen weiter, vielleicht hilft es Deiner Tochter, einfach eine Runde um den Block zu rennen - frag sie, was sie für Ideen hat, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen, aber zeige auch, dass Du wütend bist!

LG
Anja

Beitrag von marion2 - 01.11.11 - 12:00 Uhr

Hallo,

"Ich bleibe in diesen Situationen ruhig"

FALSCH!

Gruß Marion

Beitrag von lenesiegel - 03.11.11 - 21:47 Uhr

Als ich zwei Drittel Deines Textes gelesen hatte, hab ich mir gedacht: geht raus, rennen - körperlich betätigen !!!

... dann schreibst Du sie wollte raus in den Garten - "Jaaa !!!" jubel ich - Du hast es selbst entdeckt.

Sieh mal sie sitzt neuerdings in der Schule ewig an der Schulbank - im Kindergarten hatte sie in den Morgenstunden sicherlich mehr Bewegung. Das ist eine enorme Umstellung. Zudem wird seit sie in die Schule geht dort jede ihrer Leistungen viel mehr bewertet - das ist hart und, wenn dann irgendwo etwas schief läuft - spürt sie das vermutlich stärker als zuvor.

... und wenn meine Jungs "austicken", dann kann ich ne Wette darauf abschließen, daß es besser wird, sobald wir an der "frischen Luft" sind.

Alles Liebe #winke