Unsere schöne Geburt!

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Beitrag von guschdl - 30.10.11 - 11:48 Uhr

Julian Johannes

18.10.2011, 13:22 Uhr (53 cm, 3320 Gramm, 35 cm Kopfumfang)

Schon Wochen vor dem ursprünglichen Entbindungstermin (30.10.2011) war deine Mama tierisch aufgeregt und konnte es kaum erwarten dich endlich im Arm zu halten.
Auch deine Omas und die Patentante waren schon ganz hibbelig und haben mich fast täglich angerufen um rauszufinden ob wir den schon im Kreißsaal sind. Zwar meinten es alle nur gut, aber Mama hat das ganz schön wirr und ungeduldig gemacht.

Vor allem weil die Ärzte in der Uniklinik bei der Krankenblattanlage verkündet haben, sie wollen die Geburt am 30.10.2011 einleiten. Das lag daran dass meine Zuckerwerte nicht ganz optimal waren. Also hab ich auf jedes kleine Zeichen meines Körpers geachtet und oft gedacht „jetzt geht’s los“.

Bereits seit der 36. Woche hatte ich immer mal wieder Wehen, die sich dann aber als Senkwehen entpuppt haben, obwohl sie stundenlang im Abstand von 5 Minuten auftraten.
Als ich beschlossen habe nicht mehr auf diese „Senkwehen“ zu reagieren, ging’s dann richtig los. Noch montags ging der Schleimpropf ab. Mama wusste aber dass es dann immer noch einige Tage dauern kann.

Doch in der Nacht von Montag auf Dienstag wurde ich um 00:32 Uhr von einer starken Wehe geweckt. Eigentlich wollte ich darauf mit weiterschlafen reagieren. Als ich dann aber ein leises „Plopp“ im Bauch hörte stand ich doch auf um auf die Toilette zu gehen. Da ich nur ein weinig geblutet habe bin ich auch wieder ins Bett und dachte es ist mal wieder nur Fehlalarm und eine Kontaktblutung von der Untersuchung vom Vortag. Nun bemerkte aber dein Papa dass ich alle 30 Minuten ganz schön schnaufen musste. Beim nächsten Gang zur Toilette war meine Hose schon komplett durchnässt und meine Verdauung war auf einmal ganz schön angeregt. Also stieg ich schon mal in die Dusche um zu sehen ob die Wehen stärker werden.

Eigentlich hatte ich vor deinen Papa noch schlafen zu lassen und im Wohnzimmer noch ein wenig zu lesen, bis die Schmerzen schlimmer wurden. Doch beim eincremen bemerkte ich dass auch mein Bademantel komplett durchnässt war. Das konnte nur noch Fruchtwasser sein. Ich war mir nur nicht sicher ob die Blase geplatzt oder nur gerissen war. Diese Frage konnte mir nur meine Hebamme Sonja beantworten. Mitten in der Nacht (03:50 Uhr) musste ich sie bitten zu uns zu kommen. Bei dem Telefonat wurde dann auch Papa hellwach und fing an sich um den Kamin zu kümmern, damit Mami schön warm hat während sie auf dich wartet.
Gegen 04:30 Uhr war Sonja auch schon da und hat erstmal nach deinem Herzschlag geschaut. Dir ging es prima und wir mussten uns noch ein wenig die Zeit vertreiben. Mama musste zu dem Zeitpunkt schon 3 x ihre Windel (Handtuch in der Hose) wechseln und hatte Wehen im Abstand von 10 Minuten, die Sie aber nur entspannt veratmen musste. Um Kraft für die Geburt und den langen Tag zu sammeln gingen Papa und ich erstmal Brötchen holen und haben dann gemeinsam mit Sonja gemütlich gefrühstückt. Nach dem Frühstück war der Muttermund gerade mal 2 cm eröffnet und Sonja schlug vor einen schönen Spaziergang zu machen. So sind wir 3 noch ein wenig durch Erbach gelaufen.

Langsam wurden die Wehen so stark, dass ich mich alle 3-4 Minuten an Papa abstützen musste um sie zu veratmen und mich zu entspannen. Für die Eltern, die gerade ihre Kleinen in den Kindergarten und die Schule brachten, muss ich ganz schön lustig ausgesehen haben. Auch Sonja, Papa und ich hatten noch viel zu lachen.
Gegen 08:00 Uhr wurde es langsam immer heller draußen und Mama wollte lieber Richtung heimische Toilette laufen. Zu Hause beschlossen wir langsam in die Klinik zu fahren und uns schon mal aufnehmen zu lassen. Um ca. 09:00 Uhr waren wir dann dort und durften erstmal ins Untersuchungszimmer. Da wurde ich dann erstmal ans CTG angeschlossen um zu sehen wie es dir geht. Auch da war alles in Ordnung und Mamas Wehen kamen vor Aufregung nur noch selten. Papa konnte sogar noch lustige Fotos von mir machen, so entspannt und gut gelaunt waren wir da noch. Nachdem der Arzt, Dr. Papaioannou einen Ultraschall von dir gemacht hat, Sonja mir Blut abgenommen und eine Braunüle gelegt hatte, durften wir unser Familienzimmer beziehen. Übrigens schätzte der Doktor dein Gewicht auf ca. 3.200 gramm.

Um 10:45 Uhr trafen wir uns dann, auf unseren Wunsch, mit Sonja im Alternativen Kreißsaal. Dort wollten wir unbedingt hin, weil man da außerhalb des Kreißsaals ist und in diesem Raum alles ist was man sich zum Entbinden wünscht, wie z.B. Badewanne, Sprossenwand, usw. Man muss also nicht von Raum zu Raum wenn man zwischen Wanne und Bett wechseln will. Gegen 11:00 Uhr durfte ich endlich in die warme Wanne. Da konnte ich mich richtig schön entspannen. Zwar waren die Wehen dann schon ziemlich stark aber ich konnte mich im Wasser einfach schwerelos machen und mich voll und ganz auf die Atmung konzentrieren. In den Wehenpausen konnten Papa und ich auch immer noch Witze machen. Sonja bereitete schon mal alles für deine Geburt vor, während dein Papa immer brav bei mir saß, meine Hand drückte und immer wieder sagte wie toll ich dass mache.

Wir hatten uns auch eine Kreißsaal-CD zusammengestellt, allerdings war mir dann egal was lief und so ließen wir das Radio während der ganzen Zeit laufen. Ich war die ganze Zeit so mit mir selbst beschäftigt, dass ich nicht mitbekam was überhaupt lief. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass dein Papa einmal sagte: „Jetzt müsste er kommen“ als gerade The Final Countdown im Radio lief. Aber da warst du noch lange nicht so weit.

Dein Papa hatte so einen Hunger dass ich ihn noch an den Kiosk geschickt habe, während ich in der Wanne lag. Da durfte er sich dann zwei belegte Laugenstangen holen, die laut Papa gar nicht geschmeckt haben. Er hat nur eine Wehe verpasst in der mir aber Sonja ganz toll beigestanden hat. Zu diesem Zeitpunkt war mein Muttermund bereits 6 cm eröffnet.
Zwischendurch hat Papa mich immer brav mit Apfelsaft versorgt bis Sonja auf die Idee kam mir ganz leckeren Wehentee zu kochen um die Wehen schneller kommen zu lassen. Schon von dem Geruch wurde mir ganz schlecht und ich bat Papa mir vorsichtshalber ein Schälchen in die Nähe zu stellen, das ich tatsächlich noch gebrauchen musste. Gegen 12:40 als die Wehen immer stärker und in sehr kurzen Abständen kamen wurde mir auf einmal schrecklich übel und ich musste mich übergeben. 2 Schälchen und die Badewanne mussten herhalten. Natürlich musste ich dann gleich raus aus der Wanne. Sonja half mir dabei mich kurz abzuduschen und musste mich immer wieder Stützen wenn Wehen auf dem Weg zu Bett kamen.

Von da an ging es auch schon ziemlich schnell und ich wusste nicht in welche Position ich mich begeben soll um den Schmerz loszuwerden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich immer wieder den Kontakt zu Sonja gesucht und gefragt was ich tun soll. Ich sollte mich einfach seitlich aufs Bett legen, während Papa mein Bein stütze, meine Hand hielt und mir immer wieder sagte, dass er stolz auf mich ist und ich das ganz toll mache. Das hat mir ganz schön gut getan.

Erst jetzt wurden die Wehen wirklich unerträglich. Das muss so gegen 13:00 Uhr gewesen sein. Bei jeder Wehe sagte ich nur leise zu Papa: „Wehe“, er rief dann immer sofort Sonja bei, die zwischen drin immer wieder das Zimmer für dich herrichten musste und schon mal den Arzt auf dem Laufenden halten wollte. Sonja musste dann ein Bein Stützen und Papa das andere wobei er immer noch meine Hand hielt und versuchte Augenkontakt zu halten. Ich brauchte aber nur Ruhe und habe die meiste Zeit die Augen geschlossen gehalten um mich zu konzentrieren. Trotzdem war ich natürlich überglücklich dass er mir beistand.

Da war ich dann an einem Punkt den ich von mir nicht kenne. Ich dachte ich ertrage den Schmerz nun nicht mehr länger und flehte Sonja an mir irgendetwas zu geben. In dem Moment war mir alles egal und ich wollte einfach nur dass es vorbei ist. Doch Sonja meinte nur: „ Also ich glaub jetzt ist es zu spät, der Muttermund ist vollständig, dein Baby kommt!“. Und schon war der Schmerz gar nicht mehr so schlimm. Auch wenn ich dachte, die sagt das nur so und es dauert bestimmt noch Stunden. Aber nein, der Arzt kam einige Minuten später und ich verspürte den starken Drang zu pressen. Ich wollte einfach nur noch den Schmerz wegpressen, musste mich aber darauf konzentrieren was Sonja sagte. Den Pressen durfte ich nur, wenn auch du gerade mit geschoben hast. Aber zum Glück hattest du es eilig und so hatte ich 5 Presswehen bis Sonja sagte: „Wenn ihr jetzt mal dran greifen wollt, spürt ihr schon den Kopf und die Haare eures Babys“. Ich wollte dich aber einfach nur endlich im Arm halten und hab so stark ich konnte weitergepresst.

Eine Wehe später war dann auch dien Kopf und Bauch schon draußen und ich hab mich sofort aufgestützt um dich zu sehen, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Sonja musste lachen und sagte ich soll bitte noch einmal pressen weil deine Beine ja noch kommen müssten. Das war dann natürlich eine Kleinigkeit und schon wurdest du in ein Handtuch gewickelt und schreiend wie ein Äffchen auf meinen Bauch gelegt. Papa und ich haben uns so gefreut dich zu sehen, dass wir beide ganz schön weinen mussten. Du bist aber auch ein hübsches Kerlchen und hast uns direkt neugierig angeschaut.

Da ich stillen wollte, durftest du auch direkt deine erste kleine Mahlzeit zu dir nehmen, bis du dann mit Sonja und Papa im Nebenzimmer verschwunden bist. Ich konnte von meinem Platz aus aber schön beobachten wie du geputzt und gewogen wurdest. Sofort viel mir auf das du für so ein kleines Kerlchen ganz schön große Füße hast. Die kannst du nur von Papa haben.

Für mich war es leider noch nicht ganz vorbei und wir mussten noch auf die Nachgeburt warten. Doch leider bekam ich keine Wehen mehr. Also musste Sonja mich austricksen. Sie gab mir mein Apfelsaftglas mit Strohhalm, in das sie aber heimlich Wehentee geschmuggelt hatte. Nach einem kräftigen Zug und zwei Akupunktur Nadeln im Bauch kamen dann auch wieder kleine Wehen und die Plazenta war um 13:40 Uhr geboren. Nun war die Geburt vorbei und ich überglücklich. Leider war ich wohl innen ein klein wenig gerissen, was ich aber absolut nicht gemerkt hatte. Also betäubte der liebe Doktor mich und nähte den Riss schnell zu während du auf meiner Brust lagst und Papa sich schon mit dir unterhalten hat. So bekam ich also auch vom Nähen nicht wirklich was mit. Mein Körper hat mich scheinbar auch mit furchtbar vielen Glückshormonen versorgt, denn trotz schlafloser Nacht und der Anstrengung war ich jetzt aufgedreht und topfit.

Du musstest ab jetzt nicht mehr weg von mir und wir wurden ins Beobachtungszimmer gefahren, wo wir endlich Mittagessen bekamen und Sonja, Papa und ich auf die tolle Geburt anstoßen konnten. Endlich bekam ich ein klein wenig Sekt, den ich aber nach dem ersten Schluck schon in den Beinen gespürt habe. Seit diesem Tag sind Papa und ich wohl die glücklichsten Menschen.

Im Großen und Ganzen kann ich nur sagen, dass wir eine tolle Geburt hatten. Die Atmosphäre war zu jeder Zeit sehr entspannt und gemütlich und ich hab mich von dieser Art Schmerz nicht bedroht gefühlt. Vielleicht weil man immer weiß, dass der Schmerz bald vorbei ist und man sein großes Glück bald in den Händen halten darf. Nun bist du schon 12 Tage alt und schnarchst gemütlich auf meiner Brust vor dich hin. Ich glaube Papa und ich werden die nächste Zeit mit dir ganz gut meistern, denn bis jetzt sind wir ein ziemlich gutes Team.

Beitrag von troll3 - 30.10.11 - 14:07 Uhr

wenn man in worten die liebe einer mutter spürt, bekommt man tränen in den augen
eine wundervolle zeit! und herzlichen glückwunsch

Beitrag von jeyelle - 30.10.11 - 18:10 Uhr

Wirklich ein ganz ganz toller Geburtsbericht der mir auch Pipi in die Augen gemacht hat.

Ich wünsche dir und deiner kleinen Familie noch eine ganz tolle Zeit