Mindestlohn

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Beitrag von nobility - 31.10.11 - 17:07 Uhr

Nachdem sich die Politik von Bundeskanzlerin Merkel vehement gegen Mindestlohn gesträubt hat, scheint jetzt doch der der berühmte „Groschen“ bei ihr und anderen gefallen zu sein. Oder steckt etwa etwas anderes dahinter. Z.B. diejenigen ALG II Empfänger die sich bislang hartnäckig geweigert haben doch Motivation zu bekommen einer geregelten Arbeit nach zu gehen. Jedoch müsste der Mindestlohn zumindest so hoch sein um Existenzsicherung zu ermöglichen. Mit der Verhinderung weiterer Ausbeutung von Arbeitskraft wäre auch das Arbeitsrecht welches vielfach durch Aushöhlung von AG verloren ging wieder so zurecht zu rücken wie es vor der Arbeitslosigkeit war. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, 22 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch Unterschiede zu machen zwischen Ost und West. Warum sollte der Mindestlohn in Deutschland Ost niedriger sein und in Deutschland West höher sein. Ist den die Teuerungsrate im Osten um so viel in der Differenz niedriger. Wohl kaum.

Beitrag von sassi31 - 31.10.11 - 21:49 Uhr

Ich bin schon lange für einen Mindestlohn. Aber dann sollte man davon auch leben können. Die angepeilten 6,89 Euro im Osten und 7,79 im Westen (Wieso eigentlich so krumme Beträge?) halte ich für eine Frechheit. Davon kann man noch immer nicht leben und schon gar keine Familie ernähren. Dann bleiben die Menschen, die den Mindestllohn erhalten, noch immer abhängig vom Staat und benötigen weiterhin ergänzendes ALG 2.

Beitrag von dentatus77 - 31.10.11 - 21:52 Uhr

Hallo!

Das niedrige Lohnniveau im Osten liegt in der Konjunkturschwäche dort begründet. In den neuen Bundesländern gibt es weniger Arbeitsplätze, die Arbeitslosigkeit ist höher, also ist das Lohnniveau dort niedriger. Das ist eigentlich das Hauptprinzip der freien Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Je höher das Angebot (hier an Arbeitskräften) und je geringer die Nachfrage (hier die Arbeitsplätze), desto niedriger ist der Preis (also der Lohn).
Aber es ist im Grunde richtig: Warum gibt es diese Unterschiede nach so vielen Jahren immer noch? Das es Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern gibt was die Arbeitslosenquote angeht, war ja auch vor der Wende schon so, aber das lag vor allem daran, dass es industriell starke und schwache Regionen gibt. Nach der Wende sind aber ja sogar viele Betriebe in den Osten abgewandert - eben wegen dieses geringen Lohnniveaus. Aber selbst das hat nichts gebracht, die damals frisch aufgebauten Betriebe sind zu einem großen Teil wieder geschlossen worden #kratz.

Nun gut, was mir sonst noch zum Thema Mindestlohn einfällt: Man sollte einen Unterschied machen zwischen Arbeitskräften in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen und 400€-Jobs. Wir hatte einmal eine Haushaltshilfe gesucht für 3-4Std die Woche auf 400€-Basis. Die Dame wollte 8,50€ pro Stunde - was tatsächlich dem Lohn einer Reinigungskraft entspricht - wenn sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Davon gehen aber bei diesen Kräften noch Steuern, Renten und Krankenversicherung ab. Und da die meisten Kräfte Frauen sind, die - wenn sie verheiratet sind - meist auch noch in Steuerklasse 5 sind, bleiben von den 8,50 nur gute 50%:

http://www.guckmal.de/steuerklasse-5.htm

Und diese gute Dame möchte 8,50% pro Stunde ohne Abzüge, zu denen ich noch meine Pauschale zahle. Allerdings wollte die Frau noch nicht einmal angemeldet werden, sie wollte schwarz arbeiten - kann sie, aber nicht bei uns!
Und leider hat sich das mit den Abzügen noch nicht zu den Kräften rumgesprochen, die lediglich geringfügig beschäftigt werden wollen. Die fordern dann den gleichen "Mindestlohn". Das halte ich wirklich nicht für gerecht. Eine sozialversicherungspflichtig beschäftigte Person muss ca. 32Std in der Woche arbeiten, um auf gut 600€ zu kommen, arbeitet er auf 400€-Basis, muss er für 2/3des Lohnes lediglich 1/3 der Arbeitszeit leisten bei gleichem Stundenlohn. Das überlegt sich doch jeder.

Liebe Grüße!

Liebe Grüße!

Beitrag von kawatina - 31.10.11 - 23:12 Uhr

Hallo,

für acht-fuffzig würdest du in meiner Region keine Putzfrau für Privat finden.

Schätze wenn man zu geizig ist eine Putzkraft angemessen zu entlohnen, sollte man diese

Tätigkeit,die ja nichts wert zu sein scheint, selber erledigen.:-p

.....aber in unserem Ort ist auch ein Tankstellenpächter, der sich wundert, das bei einem Stundenlohn von 3,50 Euro (auf 400 Euro Basis)ihm die Leute nicht die Bude stürmen.

Was schwebt dir denn so vor? 5,50?

Beitrag von dentatus77 - 01.11.11 - 10:50 Uhr

Hallo!

Ich hätte ihr diese 8,50 ja sogar gezahlt, aber leider ist die Dame nicht wiedergekommen (trotz Terminabsprache), als sie gehört hatte, dass ich sie offiziell auf 400€-Basis anmelden wollte. In meiner Position kann ich es mir aber nicht leisten, jemanden schwarz zu beschäftigen.

Und das ist eben das, was mich am meisten ärgert. Sie hätte zumindest sagen können, dass sie nicht angemeldet werden möchte. So hab ich gewartet, hab morgens mit der Kleinen extra Gas gegeben.
Wie ich die Lage hier einschätze, hat die Dame so viele Putzstellen, dass sie wahrscheinlich auf 1000€ kommt. Und das ist einfach nicht richtig. Und dann zahl ich auch keine 8,50!

Liebe Grüße!

Beitrag von sassi31 - 01.11.11 - 12:53 Uhr

Es geht bei einer angemessenen Entlohnung aber nicht darum, ob du das Verhalten der Dame (vermutete Schwarzarbeit) für richtig hältst, sondern allein darum, ob die Arbeit einen Stundenlohn von 8,50 Euro rechtfertigt. Und es ist völlig irrelevant, ob man auf 400 Euro-Basis arbeitet oder versicherungspflichtig. Der Wert der Arbeit bleibt gleich.

Beitrag von dentatus77 - 01.11.11 - 13:39 Uhr

Naja, für den Arbeitnehmer ist das schon ein Unterschied.

Wenn ich bei gleichem Bruttostundenlohn bei einer Halbtagsstelle (20Std) eine sozialversicherungspflichtige Anstellung habe, bekomme ich - je nach Steuerklasse - unter Umständen weniger raus, als wenn ich die auf 400€ Basis 10 Stunden arbeite. Wo ist denn das gerecht, dass der jenige, der 20 Stunden arbeitet hinterher das gleiche auf seinem Konto sieht, wie jemand, der nur 10 Stunden arbeitet?
Und darum muss man eben bei steuerfreien Beschäftigungsverhältnissen in meinen Augen Abstriche machen.

Beitrag von sassi31 - 01.11.11 - 17:42 Uhr

Da machst du es dir aber zu einfach. Die Person, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, zahlt aber auch in die Rentenversicherung ein und hat z. B. Anspruch auf Krankengeld. Und das steht einer 400 Euro-Kraft nicht zu.

Für den AG sollte es aber schnuppe sein, ob er der 400 Euro-Kraft 8,50 Euro pro Stunde zahlt oder der versicherungspflichtig beschäftigten Person. Lohnnebenkosten zahlt der AG in beiden Fällen.

Dein letzter Satz klingt für mich nach "Ich als AG möchte dann aber Geld sparen.". Und da bin ich nach wie vor der Meinung, dass der Wert der Arbeit der Gleiche bleibt, egal ob geringfügig beschäftigt oder versicherungspflichtig. Du würdest einer versicherungspflichtig beschäftigten Person doch auch nicht das Gehalt anheben, weil sie mit St.-Kl. 5 weniger raus bekommt, als andere in Steuerklasse 1. Dann würdest du auch sagen, es ist nicht dein Problem, weil die Arbeit immer noch nicht mehr (oder wengier) als 8,50 Euro pro Stunde wert ist.

Beitrag von blackbeast666 - 02.11.11 - 09:57 Uhr

Bei uns könnte ich mich bei 8,50 € vor Bewerbungen nicht retten :-)

Die Sache mit dem Mindestlohn ist schon schwierig - wenn es deutschlandweit einheitlich wäre (mal nebenbei, wie will man das kontrollieren?) dann wäre es für einige knapp an der Armutsgrenze und bei mir in der Region wäre es der Freifahrtschein in ein schönes Leben ohne finanzielle Sorgen.

Beitrag von marion2 - 01.11.11 - 11:54 Uhr

"Nach der Wende sind aber ja sogar viele Betriebe in den Osten abgewandert - eben wegen dieses geringen Lohnniveaus. Aber selbst das hat nichts gebracht, die damals frisch aufgebauten Betriebe sind zu einem großen Teil wieder geschlossen worden"

http://www.rbb-online.de/was/archiv/was__vom_31_10_2011/staatlich_gefoerderter.html

Beitrag von justwoman - 01.11.11 - 10:21 Uhr

Also ganz ehrlich wuerde ich fuer beide ob Ost oder hier im Westen einen Mindestlohn von 8-9 Euro gut finden .Es ist ja eh Brutto.

Das ist ein gerechter Stundenlohn.
lg

Beitrag von grafzahl - 01.11.11 - 15:12 Uhr

Ich finde, dass ein gerechter Stundenlohn mindestens 12,50 € betragen sollte.

Beitrag von grafzahl - 01.11.11 - 15:12 Uhr

...habe mich verschrieben - ich meinte natürlich 15,25 €.

Beitrag von grafzahl - 01.11.11 - 15:13 Uhr

... Mist, immer noch falsch - 18,42 € meinte ich natürlich.

Darunter ist voll ungerecht.

Beitrag von sarahg0709 - 01.11.11 - 15:48 Uhr

Hallo,

da bekommt eine Putzfrau in München schon mehr (zwischen 12 und 15 €/Stunde).

LG

Beitrag von juliz85 - 01.11.11 - 17:48 Uhr

so viel verdiene ich in Brandenburg mit meinen 4 Jahren Studium :-(

Beitrag von blackbeast666 - 02.11.11 - 09:54 Uhr

Naja du musst bedenken, dass es unterschiedliche Lebenserhaltungskosten gibt.

Mit 7,30 € verdiene ich hier für einen Aushilfsjob knapp durchschnittlich - dafür zahlt man hier für eine 77 m²-Wohnung mit guter Ausstattung nur 500 € warm. In München kriegt man sicher dafür nicht mal eine Einzimmerwohnung.

Wenn ich 12 € pro Stunde bekommen würde wär ich für meine Begriffe also Reich und könnte meine Familie ganz alleine ernähren ;-)

Beitrag von bambolina - 03.11.11 - 15:13 Uhr

Hast du mal ausgerechnet, was man bei 8€ die Stunde in etwa raus bekommt?
Bei den heutigen Lebenshaltungskosten - zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig...

Beitrag von kuestennebel - 01.11.11 - 15:46 Uhr

Der Mindestlohn kommt. Arbeitsplätze gehen.

So ist das Leben.

Beitrag von mamavonyannick - 01.11.11 - 19:09 Uhr

Glaub ich nicht. Vermutlich "gehen" dann nur Arbeitsplätze von Arbeitgebern, die ihren Mitarbeitern Dumpinglöhne gezahlt haben.Die Arbeit muss aber trotzdem gemacht werden oder glaubst du, die Leute gehen dann nicht mehr zum Friseur oder kaufen kein Brot mehr? Die Arbeitgeber, die bisher "genug" Lohn gezahlt haben, brauchen sich ja keine Gedanken machen, schließlich haben sie es bisher auch geschafft.
Und das nahe Ausland macht es uns ja vor, da hat sich die Befürchtugn von mehr Arbeitslosen bei Mindestlöhnen nicht bestätigt.

vg, m.

Beitrag von manavgat - 04.11.11 - 11:11 Uhr

Unfug.

Gruß

Manavgat

Beitrag von kuestennebel - 04.11.11 - 12:36 Uhr

#paket

Beitrag von blackbeast666 - 02.11.11 - 10:02 Uhr

Ich finde es muss schon ein Unterschied gemacht werden.

Hier kriegst du eine schöne 3 RWE für 500 € bis 600 € warm. In Hamburg bezahlt eine Freundin für 50 m² wesentlich mehr. Also müsste, um ein einigermaßen sorgenloses Leben zu garantieren, sie doch mehr kriegen als ich. ICH hätte natürlich nichts dagegen, mindestens 8 € die Stunde zu bekommen. Oder mehr. Nur in anderen Regionen wäre das am untersten Limit.

Die Frage ist was einfacher ist - alle Mietniveaus anzugleichen und die Lebenserhaltungskosten ebenso oder gestaffelte Mindestlöhne festzusetzen.

Beitrag von liebelain - 02.11.11 - 11:59 Uhr

Ob etwas anderes dahinter steckt?
Diese Frage meinst Du nicht ernst!

Frau Merkel hat es noch immer verstanden, sich Themen der Opposition, die sie bisher aufs schärfste abgelehnt hatte, rechtzeitig ein bis zwei Jahre vor den Wahlen (damit es nicht jedem Blinden sofort auffällt) zu eigen zu machen und damit den gegnerischen Wahlkampf von vorneherein zu torpedieren.

Dass die Einhaltung dieser Versprechen nach der Wahl niemanden in ihren Parteien mehr interessiert, hat die schwarz-gelbe Gurkentruppe in den vergangenen beiden Jahren mehr als hinlänglich bewiesen.

Beitrag von rahmen - 03.11.11 - 14:39 Uhr

In gewisser Weise wird wohl nachwievor versucht das niedrige Lohnniveau im Osten als Standortvorteil zu verkaufen. Zwar wurde anfang der Neunziger Jahre erklärt man wolle dort keinesfalls eine Billiglohnzone entstehen lassen, aber in der Praxis ist diese wohl längst realisiert.