Ich habe lange überlegt, ob ich jetzt (nach über drei Jahren) überhaupt noch meinen Geburtsbericht schreiben sollte oder nicht. Aber da ich, seit wir das Geschwisterprojekt für unseren "Kleinen" gestartet haben, öfter hier rumstöber, werd ich jetzt auch mal was zum Lesen beisteuern. 
Errechneter Geburtstermin war der 22.04.2008. Die Schwangerschaft verlief bis dahin wirklich super... keinerlei Beschwerden, dafür aber auch nicht das lang ersehnte Outing. 
Auch bis ET +6 (montags) tat sich nichts. Die Ärztin meinte dann noch zu mir, ich solle am Mittwoch (ET +8) zur Einleitung ins KH, falls es bis dahin immer noch so ruhig wäre. Aber eigentlich war meinem Mann und mir klar, dass wir bis Mittwochs nicht kommen, sondern unser Krümel am Dienstag zur Welt kommen würde. Warum wir uns da so sicher waren? Nun ja... dafür muss ich ein bisschen ausholen:
Der erste Enkel meiner Schwiegereltern wurde per Kaiserschnitt geholt. Und das genau an dem Tag, als der Bruder meines Schwiegervaters (also Onkel meines Mannes) beerdigt wurde. Ich fand es unheimlich schwer mit anzusehen, wie meinem Schwiegervater erst Beleid gewünscht und ihm dann zum Enkel gratuliert wurde.
Sicherlich war es für meinen Schwiegervater auch nicht leicht. Man trauert um seinen Bruder und freut sich über seinen Enkel.
Kurz nach unserem errechneten Entbindungstermin verunglückte der andere Onkel meines Mannes tödlich. Und dessen Beerdigung sollte am Dienstag (ET +7) sein.
Als wir das gehört hatten, war uns klar... an dem Tag werden wir Eltern.
Und wie sollte es anderes kommen? Morgens so gegen 10 Uhr setzten bei mir die Wehen ein. Nicht besonders stark, aber immerhin spürbar. Ich nur zu meinem Mann: "Egal wie... ich geh mit zur Beerdigung." Die war um 14.00 Uhr nachmittags. Für mich stand fest, dass meine Schwiegereltern nicht noch mal das gleiche mitmachen sollen, wie beim ersten Enkel.
Ich muss euch sagen, das war nicht schön.... Alle 7-8 Minuten Wehen und in der Kirche sitzen.
Aber alles noch auszuhalten. Musste zwar zwischendurch mal aus der Kirche raus, um zur Toilette zu gehen (mensch, war das ein Druck auf der Blase
), aber ich hab es geschafft.
Und dann mal wieder typisch ich: Kirche hinter uns gebracht und dann sag mutig zu meinem Mann: "Kaffee schaff ich auch noch!". Da war es mittlerweile 16.00 Uhr.
Das Schlimmste am Kaffee war, dass ich die Wehen unauffällig veratmen musste . Sollte ja keiner mitbekommen. Habt ihr das mal ausprobiert? 
Irgendwann hab ich dann nur leise zu meinem Mann gesagt: "Ess dir lieber noch was, wer weiß, wann du das nächste bekommst."
5 Minuten später schau ich zur Seite und seh, dass mein Mann sich grad nen Schinkenschnittchen isst... Ich total erstaunt: "Seit wann magst du denn Schinken?" Er: "Seit du gesagt hast, ich solle noch was essen!"
So gegen 17 Uhr haben wir uns dann verabschiedet. Ich muss euch sagen, ich war echt erleichtert, dass keiner mitbekommen hatte, dass ich mittlerweile im 5-Minuten-Takt relativ heftigen Wehen hatte und stellenweise ganz schön am pusten war.
Also schnell nach Hause, noch mal unter die Dusche, andere Sachen an und ab zum Krankenhaus.
Das Krankenhaus ist eigentlich nur 15 Minten entfernt. Aber auf der Bundesstraßen hatten wir die ganze Zeit einen großen LKW vor uns, der mit 70 daher geschlichen ist. Aber irgendwie hatten wir so eine innere Ruhe, dass das überhaupt nicht gestört hat. Mein Mann hätte zwar überholen können... aber warum denn? Wir haben doch alle Zeit der Welt!
Am Krankenhaus angekommen, erst nochmal zwei Runden gefahren, um zu schauen, ob es auch noch nen Parkplatz ohne Zeitbegrenzung gibt.
Man weiß ja schließlich nie, wie lange so eine Geburt dauert, oder???
Gut, dann hatten wir endlich einen passenden Parkplatz gefunden. Auf dem kurzen Fußweg zur Klinik fragt mich mein Göttergatte dann noch ganz doof, ob er sich noch in Ruhe eine rauchen könne. Na klar, mein Schatz, ich hab ja nur alle 3 Minuten Wehen!!!
Endlich waren wir so gegen 18.00 Uhr auf der Entbindungsstation und wurden von der Hebamme ins Wehenzimmer geschickt zum CTG... CTG kaputt. Die Herzfrequenz wurde zwar aufgezeichnet, aber die Wehen nicht. Und dass ich Wehen hatte, stand nicht zur Diskussion. Dann musste Schatzi halt mit dem Kugelschreiber die Wehen einzeichnen. Auch egal.
Plötzlich hört ich nur ein leises Krchhh, aber eh ich überlegen konnte, was das wohl für ein komisches Geräusch war, wurde ich auch schon von der nächsten Wehe unterbrochen. Mein Schatz dann nur zu mir: "Willst du mal lachen?" und dreht sich um. Hose gerissen!
Aber halt nicht zu ändern. Ich hab einen absoluten Lachkrampf bekommen. Die Hebamme, die in dem Moment grad reinkam, hat mich total irritiert angeguckt. Ich glaube, die hat mich in dem Moment für total bescheuert erklärt.
Leider war der Hebamme nicht nach Lachen zu Mute. Das CTG gefiel ihr gar nicht. Sie meinte noch zu mir, dass sie nicht genau wisse, ob unser Krümel noch ausreichend versorgt wird und hat die Ärztin zum Ultraschall geholt um dieses abzuklären. Sie meinte auch noch, dass evtl. doch noch ein Kaiserschnitt gemacht werden müsse. Aber das solle wie gesagt die Ärztin entscheiden.
Die Ärztin kam rein, schallte und ging ohne ein Wort wieder raus. Schatzi und ich haben uns nur angeschaut und wußten nicht, ob es unserem kleinen Spatz gut geht. 
Die Hebamme kam wieder rein und fragte, was die Ärztin gesagt hätte. Ich nur zu ihr: "Nichts". Darauf hin verschwand die Hebamme auch wieder um mal nachzufragen.
Zusammen mit der Hebamme kam der Anästesist rein und fragte, ob ich wach bleiben wolle oder nicht.
Ich war total perplex und konnte gar nicht antworten, weil mir ja noch niemand gesagt hatte, dass wirklich ein Kaiserschnitt gemacht wird. Die Hebamme im Hintergrund nickte nur. Also hab ich auch mal einfach mit "Ja" geantwortet.
Ich danke der Hebamme noch heute dafür, dass sie mich so beschworen hat. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Also wurde ich für den OP fertig gemacht und mein Mann konnte endlich aus seiner kaputten Hose raus 
Ich muss wirklich sagen, das Ärzteteam im OP war wirklich super. Ich hatte eine Heidenangst, aber allein durch ihre Gespräche und Scherze wurde ich ganz entspannt und gelassen. Und dann ging es ganz schnell. Am 29.04.2008 um 21.13 Uhr hörte ich den ersten Schrei meines Kindes und bekam ihn sofort kurz auf meinen Bauch gelegt, bevor die Hebamme ihn zum KIA gebracht hatte.
Die Hebamme wollte ihn grad zur Untersuchung mitnehmen, als uns aufgefallen ist, dass wir immer noch nicht wußten, ob wir nun einen Sohn oder eine Tochter bekommen hatten. Auf diese Frage hin, machte die Hebamme nur die Beine unseres Krümels auseinander und dadurch bekamen wir die Antwort: ein Junge.
Mein Mann durfte mit zur Untersuchung und anschließend schon die ersten Kuscheleinheiten mit unserem Kleinen genießen, während ich weiter "verarztet" wurde.
Während ich zugenäht wurde, begann schon einer der beiden Ärzte mit dem Wischen. Da ich ihn etwas ungläubig angeguckt hatte, meinte er nur, er hätte nebenher noch nen 400 €-Job als Putzfrau.
Danach durfte ich auch endlich mit in den Kreißsaal und die ersten Stunden als kleine Familie erleben.
Also, ich muss sagen, auch wenn es ein Kaiserschnitt war, war es eine schöne Geburt. Ich hätte zwar gerne normal entbunden, aber wenn nicht sicher ist, ob es dem Kind noch gut geht, ist es auch in Ordnung.
Wer es bis hier hin geschafft hat, Hub ab und danke fürs lesen! Ist doch ein bisschen länger geworden, als ich wollte. Aber die komischen Situationen vor und während der Geburt wollte ich euch nicht vorenthalten.
Lieben Gruß
Kalihra
Wie so oft im Leben.... einer kommt und einer geht (vorsicht lang!)
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Beitrag von kalihra - 07.11.11 - 14:34 Uhr
Beitrag von fantimenta - 07.11.11 - 15:13 Uhr
Sehr sehr toller Bericht.
Hab mich an manchen Stellen fast tot gegrinst 
Viel Spaß beim weiter basteln 
Lg fanti
Beitrag von sternenstaub000 - 07.11.11 - 16:55 Uhr
Danke für diesen Bericht 
Hat echt Spaß gemacht zu lesen!! Und meinen Respekt, dass du die Beerdigung und den Kaffee so prima gemeistert bzw. geatmet hast
Beitrag von mausebaer86 - 08.11.11 - 11:28 Uhr
Habt ihr der Familie denn noch Bescheid gesagt?
Beitrag von kalihra - 08.11.11 - 13:55 Uhr
Hallo mausebaer86,
natürlich haben wir der Familie Bescheid gesagt, als unser Kleiner dann da war. Aber halt erst nach der Beerdigung. Wie gesagt, ich wollte nicht, dass meinem Schwiegervater am Grab gratuliert wird.
Für uns stand jedoch auch schon vorher fest, dass wir erst Bescheid sagen, wenn das Kind da ist und nicht wenn wir uns auf den Weg ins Krankenhaus machen.
Lieben Gruß
Kalihra
Beitrag von mike-marie - 09.11.11 - 01:04 Uhr
Echt schwierig zu lesen,(gefühlsmäßig) auf der einen die Beerdigung und auf der anderen Seite deine tolle erfrischende Art zu schreiben.
Lg
Beitrag von kalihra - 09.11.11 - 13:54 Uhr
Hallo mike-marie,
wahrscheinlich konnte ich den Bericht so schreiben, weil ja immerhin schon fast 3,5 Jahre vergangen sind.
Dass es für Außenstehende, die diese Geschichte zum ersten Mal lesen/hören, etwas schwieriger ist, kann ich gut verstehen.
Lieben Gruß
kalihra
