Spannende Geburt mit Saugglocke. Achtung lang, wirklich!

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Beitrag von lacamerounaise - 14.11.11 - 15:31 Uhr

So, die Geburt ist zwar schon ein kleines Weilchen her, aber nun will ich euch endlich mal dran teilhaben lassen. Ich hab nämlich vorhin das Ganze mal als Brief an meine später dan große Maus geschrieben, also kopier ich euch das alles mal hier einfach so rein. Viel Spass beim Lesen! Und wer Rechtschreibfehler findet der darf sie gerne behalten.

Meine liebe süße kleine Maus,

Nun will ich dir endlich mal aufschreiben, wie du auf die Welt gekommen bist. Bis du diesen Text mal von mir zu lesen bekommst, hast du die Geschichte aber sicherlich schon über tausend Mal von uns gehört, so beeindruckend und spannend war deine Geburt für uns ;-)

Ich muss ein kleines wenig ausholen, und die Vorgeschichte aufschreiben, sonst kommt gar nicht raus, wie Nervenaufreibend es für mich, deine hormonüberladene Mutter war. Aber dein Papa hat auch echt Nervenflattern gehabt, auch ganz ohne den Schwangerschaftshormoncocktail.

Mitte Januar sind wir ja erst mal umgezogen. Beim letzten Besuch bei meinen Hebammen (Praxis mit vier Hebammen, wo man im Laufe der Schwangerschaft alle kennenlernen sollte da sie sich mit der Bereitschaft abwechseln. Ich habe sogar fünf kennengelernt dort, da eine im Laufe meiner Schwangerschaft gekündigt hatte und eine andere dafür eingestellt wurde), hat mir die Hebamme geraten schön das Delegieren beim Umzug zu übernehmen, und bloß nicht zu viel zu machen, da du schon schön tief und schon recht fest im Becken warst mit dem Köpfchen. Es wäre echt nicht schön gewesen, dich schon im Januar zu entbinden, da ja noch fast zwei Monate zu dem errechneten Entbindungstermin (01.03.2011) waren.

Nun denn Umzug war geschafft, und wir hatten auch schon quasi alle Kartons ausgepackt, da kam die Nachricht, dass dein Papa in die USA (Ostküste) fliegen muss für ein paar Tage. Wann? Vom 27.02. bis zum 04.03.! Er hat dann vorsichtig angefragt, ob er diese Reise nicht auslassen oder verschieben könnte, aber es wurde ihm recht schnell klar gemacht, dass das nicht ginge und sogar zum Verlust seiner Arbeitsstelle hätte führen können. Da blieb uns dann wohl keine Wahl, als zu beten, dass du dich entweder davor schon, oder aber danach auf den Weg machst. Meine Mama, deine Oma hat sich dann auch bereiterklärt ihre Reise zu uns vorzuverlegen, um bei mit zu sein in der Woche in der dein Papa unterwegs ist.

Am 14.02. bin ich morgens auch schonmal mit Wehen aufgewacht, die echt schön regelmäßig waren (von allen 20 Minuten bis später teilweise sogar auf alle 3 Minuten!). Da eine Hausgeburt geplant war, hab ich dann schonmal die Hebamme angerufen um mit ihr zu besprechen was wir davon halten sollten. Die Wehen waren nämlich nicht sehr stark, zwar teilweise schon so, dass ich sie veratmen musste, aber eigentlich ein Spaziergang. Die Hebamme war übrigens eine Urlaubsvertretung für meine neue Hebamme, also die 7. im Laufe meiner Schwangerschaft! Sie kam dann auch kurz vorbei und hat mich untersucht. Das Ergebnis war recht ernüchternd, da sich eignetlich noch nichts verändert hatte. Kopf fest im Becken, Gebärmutterhals (GBH) verstrichen aber Muttermund (MM) gerade mal weich und ein Finger einlegbar. Abends sind wir dann nochmal zu der Hebamme in ihre Praxis gefahren, aber es hatte sich nichts verändert. Ich bekam zwei Schmerz- und eine Schlaftablette die ich eine halbe Stunde vorm Schlafen gehen nehmen sollte. Das hab ich gemacht und so gut geschlafen wie lange nicht mehr! Und am nächsten Morgen war leider der Spuk auch wieder vorbei.

Wir haben dann auch zwischenzeitlich über eine Einleitung vor Termin nachgedacht. Unter gewissen Umständen wären die Ärzte dem nicht abgeneigt gewesen angesichts der Tatsache, dass ich ganz klar gesagt hab ohne deinen Papa entbinde ich nicht. Ich hatte gehörigen Respekt davor, und konnte dem Ganzen auch nur recht ruhig entgegen sehen, da ich wusste, dass es mir dich bescheren würde, und das dein Papa alle Vorbereitungen, vom Kurs über jede einzelne Untersuchung bis dahin mir immer wieder geduldig zuzuhören wenn ich mir mal wieder Sorgen gemacht hab, ohne zu klagen mitgemacht hat und dabei so eine Ruhe und Zuversicht ausgestrahlt hat! Nun ja, das mit der vorzeitigen Einleitung sollte aber nicht sein. Zum unreif war der Befund. Im Nachhinein bin ich auch ganz froh drum, aber in dem Moment war ich nur sauer und enttäuscht, da mir die Situation auswegslos vorkam und ich echt Angst hatte, dass dein Papa bei der Entbindung nicht dabei sein können würde.

Nun denn, Oma kam, und am nächsten Tag (ein Sonntag) ist dein Papa dann weg. Das war ein schwerer Abschied für uns beide! Oma und ich haben uns dann eine gemütliche Woche gemacht. Viel Salat gegessen (ohne Chlorgeschmack!) und uns viel unterhalten. Am errechneten Entbindungstermin hat sie mich zum Frisör begleitet. Die Dame dort fragte "Na? Wann ists denn bei Ihnen so weit?" Worauf ich ihr geantwortet hab "Am 01.03.". Erst hat sie es zur Kenntnis genommen und wir haben weiter geplaudert bis sie kurz gestutzt hat und meinte "Am ersten März sagten Sie?" "Ja" "Aber, aber... Aber das ist doch heute!?" :-) Danach hab ich Oma noch den Strand hier gezeigt. Einen richtigen Spaziergang haben wir aber nicht gemacht, das soll ja Wehenauslösend sein, und das wollte ich ja auf keinen Fall!

In der Nacht vom 03. zum 04. hab ich nicht schlafen können. Dein Papa hatte seine Uhr schon wieder auf unsere Zeit umgestellt und meinte er sei mit auf einen Schlag dadurch sechs Stunden näher! Ein paar SMS haben wir uns noch geschrieben, dann musste er sein Handy ausmachen. Einerseits schade, da ich nun keinen aktiven Kontakt mehr zu ihm hatte für die nächsten neun Stunden, aber andererseits auch echt eine Erleichterung, da er mir jetzt mit jeder Sekunde näher kam wieder. Schlafen konnte ich in der Nacht nicht. Ich hatte so eine innere Unruhe. Ausserdem so dachte ich leichte Magenkrämpfe, was ich auf die Anspannung schob. Oma hat sich dann irgendwann hingelegt, aber ich hab mir ein paar Filmchen angeguckt. Um kurz nach 3h herum bin dachte ich mir, es sein nur vernünftig mich doch auch hinzulegen, auch wenn mir so gar nicht danach war. Um halb vier musste ich aber auch schon wieder aufstehen um auf Toilette zu gehen. Auf dem Rückweg ins Bett hatte ich dann die erste Wehe. Und die war gleich so, dass ich mich am nächst besten Stuhl abstützen und gut atmen musste. Da war mir klar, dass ich wohl nicht mehr ins Bett zurück kann. Ich bin dann durch die Wohnung gepilgert und hab mich mal hier mal dort festgehalten. Kurz nach Vier ist dann Oma davon auch aufgewacht. Sie meinte "Na? Gehts los?" das hab ich aber wehement verneint, Papa war ja noch nicht wieder da, und ich hatte doch einen schönen ruhigen Tag geplant mit einem Brunch zu dritt wenn er dann so gegen neun eintreffen würde. Ausserdem hatte ich doch die Nacht gar nicht schlafen können, und dein Papa sicherlich genau so wenig, ausserdem der Jet-Lag. Es konnte einfach noch nicht soweit sein. Hach wie falsch ich doch lag!

Oma hat dann Kaffee aufgesetzt und sich ein bisschen frisch gemacht. Als sie damit fertig war, war es so kurz vor fünf und ich hatte immer noch Wehen. In welchen Abstand, das weiss ich nicht mehr. Jedenfalls recht häufig und kräftig, wenn auch noch auszuhalten. Oma meinte zu mir "Glaubst du mir jetzt, dass es los geht?" "Nnnnjaaneejaaadoch...irgendwie aber ich will doch jetzt noch nicht..." "Ruf die Hebamme an." "Nein, ich ruf nicht an, man ruft keinen Menschen um fünf in der Früh an!" "Sie ist deine Hebamme, und sie sollte Bescheid wissen was hier am Gange ist" "Aber..." "Entweder rufst du sie an oder ich tue es!". Wir hatten gesagt bekommen, dass die Schwangere gefälligst selber anrufen soll, damit die Hebamme sich an der Stimme, dem Atmen ect ein Bild machen konnte wie "ernst" es schon ist. Am Telefon musste ich eigentlich gar nicht viel sagen, weil ich gerade eine Wehe bekam und wohl auch ein wenig herumgetönt habe dabei. Jedenfalls hies es nur "Ok, ich muss eben schnell die Termine für den Tag an meine Kollegin weiter geben, alles organisieren und bin in einer Stunde circa bei dir". Da ist mir erst so halb aufgegangen, dass es wohl doch echt alles real ist! Die andere Hälfte des Lichtleins ging mir ca gegen 6h auf, als die Hebamme da war und gleich erstmal den MM kontroliert hat. Der war schon bei sechs centimetern! Da war sogar die Hebamme ein wenig überrascht. Bei einer Erstgebärenden ahtte sie nach so kurzer Zeit Wehen nicht so viel erwartet. Oma hat dann auf Anweisung der Hebamme hin die Hebammenhilfe/Krankenschwester/Haushaltshilfe (den Beruf gibt es in Deutschland nicht und ich kürze das hier mal mit HKH ab) angerufen. Ich schätze, die war so gegen 7h oder halb 8 da. Genaue Zeitangaben kann ich dir nicht geben, da die Hebamme mir gegen 6h die Fruchtblase geöffnet hatte und ich von da an die Wehen nur noch vorm Sofa kniend ertragen konnte. Ich war wie in meiner eigenen Welt. Um 7h waren wir dann bei 7cm. Ich hab kurz gedacht "Ok noch drei cm die vor mir liegen, in ca 2-3 Stunden ist mein Schatz da... Passend zum Finale!" Um 8h warens dann auch planmäßig 8cm, ich war stolz wie bolle, genau wie uns beigebracht wurde, ein cm die Stunde. So schöne kleine Erfolge! Kurz nach 8h hab ich sogar unter der Wehe!!! den kurzen SMS-Klingelton gehört. In der Verschnaufpause hab ich dann nach meinem Handy verlangt, und siehe da, eine SMS von deinem Papa. Er schrieb: "Guten Morgen Sonnenschein, raus aus den süßen Federn und Kaffee kochen, dein Mann ist gelandet!". Der Ärmste wusste noch gar nichts von seinem Glück, als er in den Flieger gestiegen war, war ja noch alles ruhig! Nachdem ich die SMS gelesen hatte und die nächste Wehe verflucht, pardon veratmet hatte hab ich ihn kurz angerufen. Oma und Papa haben mir das später so erzählt dass ich, kaum dass Papa ran gegangen war ihn angeschnauzt hab "Sach mal gehts noch??? Vertrödel hier keine Zeit sieh zu, dass du nach Hause kommst! Ich bin bei acht Centimetern!!!" und danach einfach aufgelegt und das Handy weggeschmissen habe. Zu mehr war auch keine Zeit in der Wehenpause! Jedenfalls hat Papa dann den Weg vom Flughafen bis nach Hause in nur knapp einer Stunde statt der eigentlich üblichen anderthalb zurückgelegt, und das mit der Bahn!

In der zwischenzeit ging es mir aber immer schlechter. Die Hebamme war nicht so toll im begleiten wie ich fand. Viele andere haben sie gelobt, aber irgendwie hatte sie bei mir einen schlechten Tag. Sie hatte mich quasi gar nicht beim Atmen angeleitet, so dass ich dauernd am Hyperventilieren war, was natürlich nochmal extra Kräftezehrend ist. Die HKH hingegen hat mir immer wieder mal ein Stückchen Traubenzucker oder einen Schluck Wasser aufgezwungen und einfach ihre Hände zerquetschen lassen. Mit der anderen Hand hab ich Omas maltraitiert. Die Hebamme hat wohl (meint Oma) ihren Kaffee getrunken, musste zwischendurch nochmal weg, weil sie was vergessen hatte... Und das alles, obwohl ich sichtbar immer mehr Betreuung gebraucht hätte! Die Wehen kamen nämlich eine nach der anderen, nur hatten sie inzwischen vergessen auch wieder zu gehen. Später hat die HKH mich aufgeklärt, dass ich wohl einen ziemlichen Wehensturm gehabt hätte. Schon vorher waren die Wehen in der Wehenpause nie ganz abgeklungen, aber jetzt konnte von Abklingen noch nicht einmal mehr ansatzweise gesprochen werden! Bis heute glaube ich, dass diese berühmten Wehenpausen in denen man entspannen kann erstunken und erlogen sind, um Schwangere in Sicherheit zu wiegen. Und wenn Schwangere das später selber glauben, dass ists nur fiese Gehirnwäsche :-P Naja, nee, aber schon irgendwie. Ich habs nicht kennengelernt.

Um 9h war es wieder soweit, es sollte nach dem Stand der Dinge geguckt werden. Und was die Hebamme da sagte unterstreicht wie ich finde nochmal ihre komische Art bei der Belgeitung: "Na, nun sind wir ja schon bei 7-8 cm!" Das war ein Schlag... Oma meinte zur Hebamme "Aber vorhin sprachen sie ohne Unsicherheit von 8cm, was soll das jetzt?" "Oh naja, dann sinds wohl acht, aber der Rand verdickt sich, weil sie (Kopfnicken zu mir rüber) schon mitpresst obwohl sie das noch nicht sollte". Na toll. Ich war inzwischen schon echt fertig, das viele Hyperventilieren und die pausenlosen Wehen hatten mich schon echt ausgelaugt. Und somit konnte ich dem heftigen Druck nach Unten den ich verspürte auch nichts mehr wirklich entgegen setzen. Es hieß dann "So, Geburtsstillstand bei Wehensturm, Krankenhaus." Ich hab dann aber darum gebeten, dass wir noch etwas warten, da Papa ja jeden Augenblick ankommen sollte. Ich hätte es nicht verkraftet, wenn er wegen der paar Minuten deine Geburt verpasst hätte, und ausserdem wusste ich, dass mir alleine die Tatsache dass er da ist schon einen enormen Kraftschub geben würde. Kurz darauf kam dein Papa auch wirklich an. Er hatte gerade so Zeit seine Koffen in die Ecke zu schmeissen und sich die Hände zu waschen da hieß es "Abmarsch Krankenhaus!". Oma ist gefahren, und Papa hat sich zu mir auf die Rückbank gesetzt. Natürlich waren alle Ampeln auf Rot und es war Berufsverkehr, so wurde es die längste Autofahrt meines Lebens. Im Krankenhaus angekommen wartete die Hebamme schon mit einem Rollstuhl auf uns. Oma hat dann das Auto geparkt und uns später gefolgt, während Papa mich in windeseile in den Kreissaal geschoben hat. Dort musste ich mich dann aufs Bett legen. Auf den Rücken! Ich wäre schier kaputt gegangen. Glücklicherweise gab es eigentlich sofort einen Tropf für mich. Irgendein tollen Zeug, das dazu geführt hat, dass ich zwischendurch sogar mal kurz eingenickt bin! Ich hatte auch einen Knopf, da konnte ich mir minütlich eine Extradosis von dem Wundermittel verpassen. Es war echt toll. Papa war da. Er hat einfach nur meine Hand gehalten, sich mit mir, sofern ich ansprechbar war, sonst mit Oma und der Krankenschwester unterhalten. Die Hebamme war verschwunden. Die Krankenschwester war aber total lieb, hat mir das Atmen gezeigt, mich betüddelt, einfach so, wie ich mir die Betreuung einer Gebärenden vorstelle.

Nachdem ich da eine Weile gelegen hatte hat sich der immense Druck nach Unten nochmal verstärkt. Bestimmt verdoppelt, wenn nicht verdreifacht! Ich rief "Also jetzt press ich, egal was ich mir sagt. Ich will jetzt pressen also tue ichs!" Die Schwester hat mir dann aber gut zugeredet, dass ich das noch nicht darf, solange kein Arzt oder Hebamme bestätigt hat, dass der MM 10cm offen ist. In dem Moment war ich echt traurig, dass das mit der Hausgeburt nicht geklappt hatte und hab ganz heimlich trotzdem schonmal ein wenig mitgepresst. Was will man auch sonst tun. Veratmen? Bei Presswehen? Der war gut...

Ich erinner mich dann eigentlich nicht mehr an viel. Mir wurde gezeigt wie ich am "effektivsten" pressen kann. Natürlich ohne Rückenstütze, im liegen, nurdie Beine angezogen und mit meinen Armen gehalten. Optimal nenn ich was anderes! Krankenhaus halt... Die Hebamme ist dann auch irgendwann wieder aufgetaucht, aber hat mehr als Zuschauerin fungiert. Zwischendurch hieß es mal von ihr "atme nicht so, anders!" aber das wars auch schon. Und plötzlich, das weiss ich noch, war der ganze Raum mit Frauen in Weiss gefüllt. Deine Herztöne sind unter jeder Presswehe dramatisch abgefallen. Einmal sogar wohl bis auch 40 pro Minute! Von dem Moment an ging es schnell. Die eine Ärztin, die wie es schien das Kommando hatte meinte kurz "Wir helfen ihnen JETZT ihr Baby zu bekommen, und zwar hiermit" und zeigte uns die Saugglocke. Meine Gedanken fingen an zu rasen: Saugglocke – Dammschnitt – Aua – will nicht – aber Baby – aber Dammschnitt... Ich meinte dann nur "Also muss ich geschnitten werden?" "Ja, aber keine Sorge, sie werden nichts davon spüren." Und was soll ich sagen, ich hab echt nichts, aber auch nicht das leiseste bisschen davon gespürt! Dann hieß es, bei der nächsten Wehe zieh ich mit und zack da wurdest du mir auch schon auf den Bauch gelegt. Das ging so schnell, dass ich eine Weile gebraucht hab um zu realisieren, dass es schon vorbei war. Da war es 12h18. Du hast dich ganz kurz beschwert, dich dann aber so fest an mich gekuschelt, dass ich dich fast nicht mehr sehen konnte. Du lagst nämlich ziemlich weit oben auf meiner Brust. Dort bist du dann auch liegen geblieben. Auch als du abgerubbelt wurdest, keiner hat auch nur die leiseste Anstalt gemacht dich auch nur für wenige Sekunden von mir weg zu nehmen! Dein Papa war ganz gerührt dass du gleich seinen Finger festgehalten hast. Ausserdem hast du ihn mit ganz großen Augen angesehen. Diesen ersten Moment mit dir werde ich wohl nie vergessen. Es war so schön! So innig... Deine Oma musste auch erst mal ein paar Tränchen verdrücken.

Wir waren so sehr damit beschäftigt dich zu bewundern, dass wir alles um uns herum vergessen hatten. Irgendwann hies es dann ich solle nochmal pressen damit auch die Plazenta geboren würde. Das lief Problemlos und ohne Anstrengung. Dann wurden wir gefragt wie du denn heissen solltest, worauf ich deinem Papa die Ehre gelassen habe, deinen Namen zu verkünden. Niemand ausser uns wusste den ja. Noch nicht mal der Oma die uns ja so unterstützt hat hatten wir ihn verraten!

"Alicia soll sie heissen. Was bedeutet von edlem Wesen, edler Art oder auch die Edle." Stolz wie Oscar war der Papa dabei, als er das verkündet hat!

Du durftest auch weiterhin auf meinem Bauch liegen bleiben, währen die Ärztin mich genäht hat. Eine Stunde hat sie dafür gebraucht! Ich weiss nicht wieviele Stiche es wahren. Aber ich durfte dich die ganze Zeit bei mir halten. Niemand hat gestresst, nur haben sie immer wieder mal das Handtuch das über dir lag gegen ein frisches, aufgewärmtes ausgetauscht. Ich war ganz dankbar dafür sich bei mir zu haben, da ich ja Nadeln nicht abkann, und auch die Betäubung nicht so gewirkt hat wie sie sollte, aber da du bei mir warst war mir das herzhaft egal! Irgendwann kam dann eine Schwester und hat mich gefragt, ob sie dich eben kurz entführen darf, um dich zu wiegen und dich nochmal richtig sauber zu wischen und anzuziehen. Das war dann auch ok. Nur du hast gleich angefangen zu weinen, bis ich mit dir geredet habe. Da war alles wieder ok. 3180G hast du auf die Waage gebracht. Gemessen wurdest du nicht, das würden sie seit einer Weile nicht mehr tun, da das Baby dabei in die länge gezogen wird oder so. Auch nicht schlimm. Wir schätzen, dass du so ca 52cm groß warst.

Als du angezogen warst wurdest du in ein kleines Bettchen neben mich gelegt. Ein gutteil des Personals das bei deiner Geburt mit dabei war kam nacheinander nochmal um zu gratulieren. Und die Ärztin die ja fertig war mit nähen zeigte und erklärte uns die Plazenta, die dich neun Monate lang versorgt hat. Dann hat sie sich nochmal Zeit genommen um uns zu erklären, warum sie die Saugglocke angewendet haben. Wie ich ja schon geschrieben hatte sind die Herztöne stark abgefallen, und die Sauerstoffsättigung (du hattest eine kleine Sonde an den Kopf bekommen) war nicht messbar. Wie es scheint war das Gerät defekt, jedenfalls wollten sie kein Risiko eingehen. Und ausserdem hattest du dir die Nabelschnur einmal um den Hals gewickelt. Daher hielten sie es für notwendig dich so schnell wie möglich zu entbinden.

Die freundliche Schwester kam dann auch wieder, und fragte was sie uns zu essen bringen könne. Erst wollten wir nichts, aber dann hat sie uns, also Papa und mir jeweils eine Scheibe Brot mit Wurst und Käse gebracht. Und war zu trinken. Das hat echt gut getan. Ausserdem hat sie uns den üblichen Zwieback mit Muisjes in rosa gebracht. Und wir waren zum aller ersten Mal zu dritt alleine. Oma war nämlich gefahren noch ein paar Sachen zu holen. Und ich konnte endlich auch deinen Papa willkommen heissen.

Nachdem wir uns gestärkt hatten hat mir die freundliche Schwester beim Duschen geholfen. Währenddessen hat Papa dich einfach nur bestaunt. Geschlafen hast du übrigens nicht, du hast einfach nur neugierig um dich geschaut.

Als ich mich wieder hingelegt hatte, wurde mir gezeigt wie ich dich am besten halte zum stillen. Du hast dich dabei auf jeden Fall besser angestellt als ich ;-) Aber den Dreh hatten wir nach wenigen Tagen beide raus. Während den Stillversuchen kam dann auch die frohe Botschaft, dass du auch Rhesus negativ bist, weswegen ich diese ekelhafte Spritze nicht nochmal benötigte. Und ausserdem, dass alle Laborwerte erstklassig seien, und wir eigentlich auch (es war kurz vor 16h) nach Hause dürften. Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen, und sowie Oma wieder da war hat die Schwester zusammen mit der Oma dich bereit für deine erste Autofahrt gemacht. Währenddessen hat Papa mir geholfen beim anziehen. Und schon ging es heimwärts. Bis zum Auto durfte ich im Rollstuhl sitzen, was wesentlich angenehmer war als wenige Stunden zuvor.

Oma hat uns dann nach Hause kutschiert wo wir auch um 17h schon wieder waren, und wir haben uns alle zusammen einen schönen Abend gemacht und uns sehr darüber gefreut, dass dein Papa wieder Erwarten bei deiner Geburt mit dabei sein durfte.

Wenn ihr bis hierhin durchgehalten haben, meinen Respekt!

Inzwischen ist Alicia etwas über acht Monate alt, sehr quirlig, krabbelt, sitzt und stellt sich sogar schon aus eigener Kraft aufrecht hin!

Liebe Grüße und schönen Tag euch,

LaCamerounaise

Beitrag von fiffifluffi - 14.11.11 - 15:38 Uhr

Glückwunsch zum Kind und jaaaaaaaaaa, wirklich laaaaaang der Beitrag #schwitz

Beitrag von muddi-88 - 14.11.11 - 16:18 Uhr

ein sehr schöner bericht #danke das du uns dran teilhaben lässt

deine kleine maus wird sich sicher später sehr über diesen bericht freuen

lg

Beitrag von fain - 14.11.11 - 20:50 Uhr

Wie soll man auch im flachliegen ohne Hilfe der Schwerkraft und in der für eine Geburt unmöglichsten Stellung ein Baby rauspressen können? #klatsch
Klar, man kac*t ja auch im Liegen...

Dennoch herzlichen Glückwunsch zum Töchterchen!

(Und vllt setzt du die Hausgeburt ja nächstes Mal um ;)

lg fain

Beitrag von lacamerounaise - 16.11.11 - 10:22 Uhr

Wie man das hinkriegen soll ist mir auch ein Rätsel. Wäre ich nicht so fertig gewesen und so passiv, abwesend hätte ich mich wahrscheinlich auch dagegen gewehrt. Mein Mann wusste das eigentlich auch, aber der hatte so einen Jet-Lag, nichts gegessen und war durch die Situation in die er reinkam so völlig aus der Bahn geworfen, dass er auch nicht unternommen hat. Er meinte später zu mir, dass er sich mehr als Statist gefühlt hat, da er nicht von Anfang an dabei war.

Nun ja, wir haben gelernt, und fürs nächste Kind wissen wir es besser ;-) Und ja, ich konnte mich schon nach ca einem Monat mit dem Gedanken an ein 2. anfreuenden. Aber da ich diesmal auf keinen Fall umziehen will während der Schwangerschaft, weil ich meine Hebamme kennenlernen will und die mich auch durch die gesammte Schwangerschaft begleiten soll, werden wir wohl noch ein bisschen warten.

Und was die Hausgeburt angeht, ja, ich denke schon. Das würde allerdings davon abhängen wie das mit der Betreuung von meiner Maus klappt ohne Verwandtschaft und noch nicht lang an einem Ort. Ausserdem von dem Gesundheitssysthem in dem wir uns dann befinden.

Mein ultimativer Favorit wäre eigentlich dieses Mal auch schon ein Geburtshaus gewesen, da unsere Wohnung eigentlich recht klein und das Bad mikroskopisch ist (konnte daher auch nicht ins Wasser). Aber dafür hätte ich wieder die Hebamme wechseln müssen und dann auch noch eine Sprachbarriere gehabt... Schon so musste ich mich unter Wehen mal auf Deutsch (mit meinem Mann, der "tollen" Hebamme und meiner Mutter), Englisch (Ärzten ect) artikulieren, und Holländisch im Verstehen, da die Schwestern und die andere Betreuerin zwar Englisch und Deutsch verstanden haben aber mir lieber auf Holländisch geantwortet haben. Ich mein ist ja auch ok, aber... Schonmal versuch unter Wehen Fremdsprachen zu sprechen? Nun ja, die optimale Geburt war es nicht, und ein bisschen schade (mehr inzwischen nicht mehr) finde ich, dass ich das Gefühl hab das meine Tochter zur Welt gebracht wurde, aber nicht so wirklich von mir. Aber ich finde schon, dass acht Stunden vond er ersten richtigen Wehe bis zum Baby für eine Erstgebärende keine schlechte Zeit ist. Naja, am wichtigsten war mir aber dass mein Mann von der ersten Sekunde an Papa sein durfte und da nichts verpasst hat :-) Und ausserdem kennen wir jetzt das ultimative Mittel gegen Jat-Lag :-P

Danke übrigens auch für die Glückwünsche! ;-)

LaCamerounaise

Beitrag von hippogreif - 18.11.11 - 23:06 Uhr

Ach weißt Du, meine Mutter hat so 5 Kinder geboren.
Und zwar ohne jegliche Dammverletzung.

Meine Oma hat ebenfalls so 4 Kinder auf die Welt gebracht. Auch ohne Dammverletzung.
Ganz so furchtbar ist das also nicht.
Ich dagegen habe NICHT im liegen entbunden, habe Dammmassagen bekommen und unter der Geburt Kaffeekompressen usw. Und hatte weder eine Sturzgeburt noch ein besonders großes Kind (50 cm um KU von 34 cm) und bin 2. Grades gerissen.

Beitrag von sterretjie - 17.11.11 - 16:43 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zu deiner Tochter.

Ich fand es auch super zu lesen wie deutlich es ist das du dein Mann liebst. Ihr seit bestimmt super Eltern.

Lg S

Beitrag von sinem86 - 22.11.11 - 17:38 Uhr

ooooo sooo süüüüüüüüüüssss.alles alles gute für euch.