Selbstmord ganz in der Nähe

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Beitrag von kleinekroete1201 - 23.11.11 - 08:03 Uhr

Ungefähr 5 Minuten von uns entfernt hat sich gestern abend eine Frau vor einen Zug gestürzt. Sie hat es natürlich nicht überlebt. Hier war natürlich viel los, da die ganzen Einsatzkräfte alle direkt vor unserem Haus her gefahren sind. Die Frau wurde noch nicht identifiziert.

Nun macht man sich natürlich Gedanken, ob man die Frau kennt. Viele Urlauber sind hier im Moment nicht unterwegs, sodass man davon ausgehen kann, dass es eine Person hier aus der näheren Umgebung ist. Das geht mir seit gestern abend schon durch den Kopf.

Warum passiert sowas ständig vor Weihnachten? Ist doch irgendwie jedes Jahr.

Ich wünsche auf jeden Fall ihren Angehörigen ganz viel Kraft für die nächste schwere Zeit und auch dem Lokführer ganz viel Hilfe, um das Erlebte verarbeiten zu können.

Danke fürs Lesen, es belastet mich schon irgendwie, auch wenn man gar nicht direkt betroffen ist.

Beitrag von juniorette - 23.11.11 - 08:49 Uhr

"Warum passiert sowas ständig vor Weihnachten? Ist doch irgendwie jedes Jahr."

Die lange Dunkelheit macht depressiv und gerade in der Vorweihnachtszeit wird vielen Menschen ihre Einsamkeit und das Defizit, kein fröhliches Weihnachtsfest feiern zu können, bewusst.

Das nur als Antwort auf deine Frage (es gibt vermutlich noch mehr Faktoren).

Natürlich ist trotzdem jeder Selbstmord tragisch.

LG,
J.

Beitrag von siomi - 23.11.11 - 10:03 Uhr

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Statistisch gesehen ist die Anzahl der Suizide im Frühling und zu Beginn des Sommers höher als im Herbst/Winter.

Beitrag von lemon007 - 23.11.11 - 11:20 Uhr

Huhu,

ich sehe es auch so wie du.

Zur Weihnachtszeit bin ich auch eher melancholisch. Ich neige dann eher mal zum Selbstmitleid und bin oft auch mal einfach so traurig. Warum, keine Ahnung!

Natürlich ohne dabei Suizid-Gedanken zu haben, nicht, dass das hier gleich falsch rüberkommt...

LG

Beitrag von das.rote.pferd - 23.11.11 - 11:19 Uhr

Traurig für die Frau, dass es ihr so schlecht ging, dass sie diese Entscheidung getroffen hat.

Mich ärgert es nur immer ein wenig, dass oft Unbeteiligte bei so etwas mit hinein gezogen werden.

Der arme Lokführer wird doch seines Lebens nicht mehr froh, auch wenn ihn natürlich absolut keine Schuld trifft. #schmoll

Beitrag von minimal2006 - 23.11.11 - 11:48 Uhr

Hallo

Das ist wirklich schlimm.
Ich arbeite auch bei der Bahn. Habe, Gott sei Dank, selbst noch keinen Personenschaden miterleben müssen.
Dafür aber schon einige Lokführer und auch Zugbegleiter, die ich kenne!

Leider steigen in den Wintermonaten die Selbstmorde auf den Schienen.
Die triste Jahreszeit, depressive Menschen...

Die variante "Ich schmeiß mich vor den Zug" ist in den meisten Fällen, die sicherste zum gewünschten Tod zu kommen.
Tabletten nehmen.. aufhängen... so schlimm das auch ist, aber die Selbstmörder würden andere da nicht mit rein ziehen!
Sie haben Angst davor, das man sie findet und sie gerettet werden.

Wirklich sehr schlimm, was da passiert ist.
Immer, wenn ich zum Dienst gehe, gerade in dieser Jahreszeit, hoffe ich, das mir das nicht mal passiert.
Aber statistisch gesehen, passiert das einem Eisenbahner drei mal in seiner Berufslaufbahn!

Dann weißt du in etwa, wieviele Personenschäden wir täglich auf unserem Schienennetz haben :-(.

Beitrag von sacredheart - 23.11.11 - 12:54 Uhr

hallo,
warum das immer kurz vor weihnachtne passiert ist ganz einfach. die medien trimmen einen auf familie und glücklichsein. jetzt stell dir aber mal vor, du hast eine krise zu bewältigen und kannst dich nicht oder nur unzureichend um deine familie kümmern, was dich natürlich nicht wirklich glücklich macht. oder du hast selbst jemanden verloren, der vielleicht durch jahreszeitbedingte straßenverhältnisse einen unfall hatte oder so und du wirst damit einfach nciht fertig. welcher ausweg läge da näher, als sich das leben zu nehmen, damit man weder diese blöden werbungen im tv sehen muss, noch sich mit seinen schei* problemen rumschlagen muss?!

und ein zug ist leider das sicherste mitel, sich das leben zu nehmen, denn der kann nicht mal eben schnell anhalten und es steckt eine enorme kraft dahinter(wie man an der leiche bestimmt ohne probleme feststellen konnte)
hier an unserer örtlichen bahnstrecke passiert das auch knap sechs bis sieben mal im jahr, obwohl wir nur ein kleines dorf von 6000 einwohnern sind.

finde es nur mies, dass gerade die unschuldigen, in diesem fall der zuführer und die passagiere, zu beteiligten und geschädigten werden. die müssen nämlich zum größten teil psychisch betreut werden, was ich mir auch nicht als sehr angenehm vorstelle.

dennoch ist es wirklich traurig, dass jemand wirklich so weit geht und sich vor den zug wirft, weil er/sie keinen anderen ausweg mehr gesehen hat.
auch von mir eine #kerze

lg
sacredheart

Beitrag von kleinekroete1201 - 23.11.11 - 19:43 Uhr

Du hast recht. An der Stelle, wo es passiert ist, fährt der Zug nicht wirklich schnell. Aber eine Gefahrenbremsung bringt da auch nichts mehr. In diesem Zug waren 20 Fahrgäste, die alle psychologisch betreut wurden, 3 Jugendliche wohl besonders. Du sagst es, der Zugführer wird von vielen vergessen in solchen Situationen. Der wird doch sein Leben nicht mehr froh. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich umzubringen. Warum ausgerechnet so? Das frag ich mich öfter.
Habe inzwischen auch erfahren, wer es war. Ich kannte sie Gott sei Dank nicht persönlich, sondern nur vom Sehen. Aber sie hat eine 17 jährige Tochter. Die tut mir super leid und auch ihr Lebensgefährte.

Beitrag von binnurich - 23.11.11 - 13:39 Uhr

Warum Selbstmordraten zu bestimmten Zeiten steigen oder nicht, dazu gibt es enige wissenschaftliche Publikationen.

es gibt saisonalabhängige Depressionen, dszu s. z. B. hier http://www.meduniqa.at/Medizin/Erkrankungen/Depression/

Beitrag von sohnemann_max - 23.11.11 - 14:27 Uhr

Hallo,

schlimm nicht? Wie verzweifelt muss ein Mensch sein...

Wir wohnen direkt neben den Gleisen - also der Gartenzaun grenzt an die Schienen. Wir wohnen jetzt seit 5 Jahren hier. Gleich im ersten Jahr hat sich einer vor den Zug geschmissen. Unser Nachbar.... vor genau einer Woche um 4 Uhr morgens gab es eine Vollbremsung vom Zug. Unser Sohn weckte uns, weil draußen lautes Reden zu Hören war. Kurze Zeit später wimmelte es nur so von Einsatzkräften. Wieder einer. Diesmal ein 20jähriger, nicht von unserer Siedlung.

Auf der anderen Seite von uns ist ziemlich nah der Kanal. Ich bin vor 6 Monaten abends mit unserem Hund Gassi gegangen. Eine Frau stand auf der Brücke, fesselte sich mit Handschellen und sprang, das ging binnen Sekunden.... ich und noch viele Autofahrer riefen den Notruf. Sie wurde wieder rausgezogen und hat es überlebt. Im August warf sie sich am Bahnhof - ca. 5 Minuten von uns - vor einen ICE. Sie überlebte dieses Mal nicht (mein Mann war zufällig bei beiden Einsätzen dabei, deswegen weiss ich das).

Warum vor Weihnachten? Das hat generell mit den kurzen Tagen zu tun. Es wird spät hell morgens und abends schnell dunkel. Eine sehr depressive Zeit für labile Menschen. Viele sind durch Schicksale gebeutelt und sehen gerade in der besinnlichen Zeit keine Zukunft mehr für sich. Es gibt zwei "heikle" Zeiten. Einmal zwischen Oktober bis Anfang Dezember und dann noch ein Mal von ca. Februar bis Anfang April. Bis eben die Tage wieder länger werden....

LG
Caro mit Max 7 Jahre und Lara 2 Jahre

Beitrag von our_darkness - 23.11.11 - 15:36 Uhr

"Warum passiert sowas ständig vor Weihnachten? Ist doch irgendwie jedes Jahr."

Weihnachten eben. November eben. "Im Herbst und Winter sterben die Leut'." sagt man hier und es ist wohl wirklich so. Ohnehin schon depressive Menschen fallen in noch tiefere Löcher (Stichwort "Winterdepression", die ganze Todesstimmung und die Gedenktage im November) und kranke Menschen geben in dieser Zeit oft einfach auf, verlieren jeden Lebendwillen.

Schlimm, aber ich kenne das, mir geht es in dieser Zeit auch manchmal mau.

LG

Beitrag von michaela1020 - 24.11.11 - 18:49 Uhr

Blablabla, wenn ich schon "Die Medien trimmen" sehe... es ist bewiesen dass es einfach an der Jahreszeit und Dunkelheit liegt.

Nicht an Weihnachten. Wird keiner gezwungen gut drauf zu sein, meine .... - Schlimm dieses Grintch-Anti-Weihnachtszeit-Gelaber, als ob man gut drauf sein müsste!

nene, Weihnachtszeit ist schön. Solche Dinge sind schrecklich, gab es aber auch schon vor XXX Jahren... So ist der Mensch nunmal.

Für dich alles Gute, dass es zumindest kein ganz naher Bekannter war. Und wenn: Manchmal kann so ein Freitod das Beste für den jenigen selbst sein.

Beitrag von kleinekroete1201 - 24.11.11 - 22:02 Uhr

Nein , Gott sei Dank war es keine nahe Bekannte. Ich kannte sie nur vom sehen.