abendsliche Eskalationen - wer kennt das? was hilft?

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Beitrag von kieselstein - 28.11.11 - 12:05 Uhr

Hallo zusammen!
wir haben daheim folgendes Problem:
Mein älterer Sohn (7) reagiert sehr sensibel auf Reizüberflutung und auf zu viel Programm. Er braucht täglich seine Ruhezeiten, in denen er nur spielen kann, was immer er will.

Ich versuche unser Tagesprogramm so schlicht wie möglich zu halten. Dennoch gibt es Tage, an denen halt manche Sachen zusammenkommen: Schule, Freizeitprogramm (macht er aus den genannten Gründen nur 1 Mal die Woche), Erledigungen, evtl. Arzttermin, Besuch oder was auch immer halt mal so ansteht.

Bzw. letzte Woche hatte er noch Geburtstag und da war natürlich noch seine Party - was ja anundfürsich etwas tolles ist und ihm Spass macht.
Trotzdem nach solchen Tagen kommt es bei ihm unweigerlich zu einer Gefühlsexplosion. Meistens ist der Anlass eine Kleinigkeit, die aber das Fass zum überlaufen bringt und es in einem Schreikrampf mit Türenknallen kommt. Aus diesem Zustand bringen ich ihn aber fast nicht mehr heraus (vorallem wenn ich keine Zeit habe, ihm einfach Zeit zu lassen).
Kennt das jemand oder hat jemand einen Tipp, wie man solche Anfälle verhindern kann oder wie ich ihn wieder zu Ruhe bringen kann?
Mir graut schon vor Weihnachten beispielsweise, weil ich weiss dass es unter dem Christbaum knallt....
Vielen Dank fürs Zuhören!
Angela

Beitrag von karna.dalilah - 28.11.11 - 12:28 Uhr

Ich schreibe dir von unserem Weihnachten, vielleicht kannst du etwas für euch daraus ableiten, weil es passen könnte.

Vormittags schmückt der Papa den Weihnachtsbaum mit den Kindern, egal wie abenteuerlich der Baum dann aussieht...
Dann gibt es Mittag und Mittagsruhe (auch für den heute 8jährigen).
Nachmittags gönnen wir uns einen Film, ein Spiel -wie auch immer.
Abendbrot wird von mir nebenher vorbereitet.
Abends unterm Weihnachtsbaum beginnt das kleinste Kind und darf eines seiner Geschenke öffnen und es wird dann von allen begutachtet und ggf bespielt. (Nimmt den Stress bei den anderen etwas beim anderen zu verpassen)
und so geht es reihum.
Wir überlassen der Sache eine gewisse Eigendynamik. Wenn sie bei einem Geschenk hängenbleiben lassen wir sie. (Wir haben schon über 2 Tage zum öffnen gebraucht, dabei waren es gar nicht so viele Geschenke...aber Murmelbahnen kreiren und bespielen das dauert :-D)
Die Kinder essen mit uns zur normalen Zeit Abendbrot und gehen auch nicht viel später als sonst ins Bett.
Auch wenn die Geschenke nicht ausgepackt sind.Die Kinder wissen Weihnachten ist Zeit und es wird am nächsten Morgen nach dem Frühstück weitergemacht mit dem Auspacken.
Besuch empfangen wir aus dem Grund am Heiligen Abend und am 1. Weihnachtsfeiertag gar nicht.
Am 2. Weihnachtsfeiertag erscheinen dann die Schwiegereltern zum Kaffee meist.
Aber sie haben auch nicht den Anspruch das sich die Kinder die gesamte Zeit verfügbar halten müssen.

Ich würde meinen Sohn ermutigen sein Gefühlsleben verbal mitzuteilen.
Das er dir sagt: Mama jetzt nicht mir schwirrt schon der Kopf...
Wenn er lernt das seinen Worten Bedeutungen beigemessen wird, seinen nonverbalen Gesten allerdings nicht- wird er hoffentlich bald seine Verhaltensweise ändern.
(ggf Belohnungssystem einführen)

Mehr fällt mir leider auch nicht ein.
Ach ja den Erfolg garanieren kann ich auch nicht.

Liebe Grüße und viel Kraft
Karna

Beitrag von karna.dalilah - 28.11.11 - 12:30 Uhr

aarrgh ...garantieren soll es heißen
ok die anderen Rechtschreibfehler verschenke ich- ist ja schließlich bald Weihnachten :-)

Beitrag von kieselstein - 29.11.11 - 09:32 Uhr

vielen dank für deine antwort!
ich stimme dir vollkommen zu, dass es viel hilft, wenn man einfach die dynamik der kinder annimmt mit auspacken, spielen etc.

leider haben wir meine eltern an weihnachten zu besuch, aber ich werde sie wohl vorwarnen, dass wir einfach mal ein anderes tempo vorlegen. das werden sie sicherlich verstehen. (ich selbst habe früher auch nur immer 1 weihnachtsgeschenk ausgepackt und meine mutter hat den rest für später aufgehoben :-).
ich wünsche euch auch schöne weihnachten und danke nochmal!
angela

Beitrag von sunny42 - 28.11.11 - 14:44 Uhr

Liebe Andrea,

ich verstehe, dass diese Gefühlsexplosionen für Dich nicht einfach sind aber ich möchte versuchen Dir eine andere Sicht der Dinge zu erzählen.

Es ist toll wenn Kinder ihre Gefühle rauslassen können!
Viele Kinder (und später noch viel mehr Erwachsene) wissen zu genau, dass Gefühlsausbrüche nicht gern gesehen und in unserer Gesellschaft schon gar nicht akzeptiert sind. Sie schlucken lieber alles herunter und es sammelt sich im Körper an und kann nicht entweichen. Das führt dann irgendwann zu Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und schlimmerem. Dein Sohn kann es regulieren!
Der Druck entweicht und das tut ihm gut.

Es ist also erst einmal grundsätzlich nichts schlechtes.
Was man mit dem Kind üben kann, ist diese Gefühle früher wahrzunehmen.
Du weißt wann ihm etwas zuviel wird. Frag ihn schon vorher ab und an:

"Wird es Dir zu viel?"
"Geht es Dir gut?"

"Was brauchst Du damit es Dir auch nachher noch gut geht?"
Wenn er vorher ausdrücken kann was ihn belastet muss es nachher nicht explodieren.

Wenn es aber doch soweit ist und der Abend eskaliert, dann hilft (bei uns) dem Kind zu vermitteln, dass man versteht, dass es zuviel war und das es gut ist, dass es die Gefühle raus lässt. Weint es dann nimmt man sich die Zeit zum trösten. Ist es wütend zeigt man ihm wie man die Wut an einem Kissen auslassen kann ohne etwas kaputt zu machen oder jemandem zu schaden.
Es ist ein Weg und er wird bestimmt nicht von jetzt auf gleich mit seinen Gefühlen umgehen lernen, aber es ist eine riesige Chance seinem Kind beizubringen wie man Gefühle wahrnimmt und durchlebt ohne sie zu verdrängen.
Das ist so wichtig und die wenigsten Erwachsenen unserer Zeit können das.

Liebe Grüße
und viel Geduld
Sunny

Beitrag von kieselstein - 29.11.11 - 09:36 Uhr

vielen dank für deine antwort!
da stimme ich dir voll und ganz zu! ich bin nur immer noch auf der suche nach einer geeigneten art, seine wut rauszulassen. das kissen ist ein guter tipp, bisher war es immer die zimmertüre und seine laute stimme. vielleicht sollte ich ihm ein wut-kissen schenken #aha.
vielen dank nochmal und eine schöne weihnachtszeit!
angela

Beitrag von locke1910 - 29.11.11 - 10:06 Uhr

Hi.
Du mußt ihn da nicht "rausbringen" - nur begleiten...
Wenn bei einem meiner Kinder (eigene und früher auch Tageskinder) das Fass "voll" war, war ich meistens nur anwesend...
Als Signal, "ich bin da, wenn Du mich brauchst!"
Und sie lernten, dass es völlig okay ist, Gefühle zu haben und diese zu äussern, solange kein anderer zu Schaden kommt#liebdrueck
Dauert etwas, aber ich bin irgendwann dahinter gekommen, wann ich bei dem einen oder anderen das Gas runternehmen mußte - kleine Pausen eingelegt, mal einfach kurz ums Haus rennen lassen, mal austoben oder ein Buch angucken, puzzeln usw...-je nach Temperament!
Dadurch konnten wir schon vorher eingreifen und ich finde, es hilft ihnen auch selber, da sie feststellen, wo ihre Grenzen liegen.
Aber leicht ist das nicht, ich finde es aber klasse, dass Du Dir da Gedanken machst und nicht einfach schimpfst, dass er durchdreht!
Ich wünsche Euch gute Nerven und eine ruhige Weihnacht, es wird bestimmt wunderschön!
GlG, Locke

Beitrag von kieselstein - 29.11.11 - 10:33 Uhr

vielen dank für deine antwort!
ja, ich versuche immer dabeizubleiben. aber das ist oft sehr anstrengend und ich muss mich schwer beherrschen, nicht auch laut zu werden #schwitz
ich hoffe, es fruchtet irgendwann und er findet einen weg, besser damit umzugehen!
liebe grüsse
angela

Beitrag von heikeundleon - 29.11.11 - 10:10 Uhr

Hallo,

mein Sohn ist ganz genauso. Auch 7 Jahre. Er war ein Schreikind und brauchte von Anfang an einen ganz festen Tagesablauf, an dem er sich orientieren kann.

Ist Dein Sohn in diesem Jahr zur Schule gekommen? Das wäre schon mal ein Ansatz. Meiner geht jetzt 2. Klasse. Dort wurde das Lernpensum (das war in der 1. Klasse schon nicht zu verachten) sehr hoch geschraubt, z.B. jede Woche mindestens zwei Kurzarbeiten, Gedichte, Lesetests. Schulisch ist er gut, aber es hängt ihm auch sehr an.

Mein Sohn kommt kurz nach 16 Uhr nach Hause. Nach dem Ranzen ausräumen fällt es ihm erst mal schwer, eine Beschäftigung für sich zu finden. Oft entscheidet er sich für ein Buch oder Lego. Er hat dann meistens auch gleich Hunger, deshalb essen wir beide (meist ist mein Mann noch auf Arbeit) auch spätestens 17 Uhr. Mein Sohn ist auch schnell müde, und dann unberechenbar. Also versuche ich alle abendlichen Tätigkeiten zügig aber ohne Stress und ohne größere "äußere Einflüsse". Das heißt für uns: kein Fernsehen, keine laute Musik. Natürlich passiert es trotzdem fast jeden Tag, dass er einen Tobsuchtsanfall wegen irgendeiner (in meinen Augen) Kleinigkeit bekommt. Er sagt selbst, dass er das gar nicht will, es einfach passiert.

Heiligabend ist bei uns auch so eine Sache, da hat mein Sohn nämlich auch noch Geburtstag. Früh kleine Feier mit den Nachbarn. Mittag wird geruht und zwar alle. Am Nachmittag kommen die Gäste.

Euch würde ich empfehlen, den Film am 24.12. wegzulassen, lieber in aller Ruhe am 23. oder 25. schauen. Für uns mag Fernsehen Entspannung sein, aber Kinder putscht es auf. In dieser Zeit würde ich lieber ein Stück raus gehen.

Diese Anfälle zuverlässig verhindern wirst Du sicher nicht können, manchmal vielleicht anfangs gegensteuern, ein Bad einlassen, zeitiger essen, bei frühem zu-Bett-gehen eine Hörspiel-CD einschalten oder jetzt in der Weihnachtszeit gemeinsam vorlesen bei Räucherkerzenduft.

Übrigens hat mein Sohn KISS und wird jetzt auf Anraten der Schule auf ADS (ohne H) getestet. Wird sich aber sicher nicht bestätigen. Aber mit seinen Blockaden bringe ich das Verhalten schon in Verbindung. Habt ihr euch dahingehend mal kundig gemacht?

Gruß

Heike

Beitrag von kieselstein - 29.11.11 - 10:32 Uhr

vielen dank für deine antwort!
es tut mir nur schon gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind mit dem problem.
ja, meiner ist dieses jahr in die schule gekommen und ich merke auch, dass es ihn sehr anstrengt. er würde lieber dauernd nur spielen ;-)
ansonsten ist er aber ein eher ruhiger, zurückhaltender, schüchterner junge. er ist eigentlich bis auf diese aussetzer sehr ausgeglichen.
aber du hast recht, hunger und müdigkeit führen bei ihm auch oft zu aggressivität..
vielen dank für deine tipps!
grüsse
angela

Beitrag von majanti - 29.11.11 - 20:32 Uhr

Hallo!
Habe deinen Beitrag eben gelsen. Weiß nicht ob du mit Kiss in Behandlung bist. Bei meinem Sohn wurde es nach der Geburt auch festgestellt und wir waren gleich als er 3 Monate alt war bei einer Osteopathin und nach 5 Sitzungen war alles gut. Jetzt gehen wir einmal im Jahr zur Kontrolle. Wäre vielleicht auch was für euch.

Marion