Mama ich schaffe es nicht

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Beitrag von schatzi2005 - 29.11.11 - 15:58 Uhr

Liebe Mama,

seit dem du im Februar auf einer so schrecklichen Art und weiße von uns gegangen bist, ist meine heile Welt wie ein Kartenhaus in sich zusammen gebrochen und ich weiß einfach nicht mehr wie ich weiter machen soll.
Du wolltest sicher das ich bei dir bin, bei deinen letzten Kampf. Mama es war ein schock als ich dich da so auf den Boden fand, alles was ich machte es brachte nichts, all meine Kraft dich zu retten waren vergebens. Ich schrie auf und konnte nicht mehr, in den Moment war mir klar das ich dich für immer verloren hatte. Mama ich wollte dich nicht gehen lassen, nicht dich. Du warst doch die Einzigste Person die mich so liebte wie ich war, du warst der Einzigste Mensch an meiner Seite mit dem ich wirklich alles reden und machen konnte. Ich wusste das du Krank warst, aber nicht das du daran sterben wirst. Wieso hast du denn nie etwas gesagt?

Mama seit diesen Tag habe ich den Boden unter den Füßen verloren, seit diesen Tag ist mein Leben ein Kampf. Ich habe mein lachen und meine freude am Leben verloren.#schmoll
Am Anfang waren alle noch lieb und verständnissvoll und jetzt höre ich von jeder Seite das ich komisch sei und ich immer nur rumjammern würde. Weißt du wie verdammt weh das tut?#heul Die eigene Verwandschaft spricht so von mir. Alle wollen mich ändern, du warst wirklich die Einzigste wo immer wieder gesagt hat, das ich mich nicht ändern soll. Das ich meine eigene aber liebenswerte art habe und du es auch immer wieder schätztest.
Alle sagen das ich endlich wieder leben soll, nicht mehr so viel über dich reden, einfach wieder in den Alltag rein kommen. Aber sie haben dich da nicht sterben sehen, sie haben nicht dieses Bild immer wieder vor Augen.
Mama ich habe es wirklich versucht aber ich schaffe es nicht.
Ich habe keine Kraft mehr und wenn ich meine es geht wieder ein bisschen besser, wird mir von irgendeiner Seite wieder weh getan. Meine Seele ist gebrochen und es tut so weh.
Wo soll ich jetzt noch mit meiner traurigkeit hin Mama?
Du bist einfach weg und hinterlässt in mir eine sehr große schmerzhafte Lücke.
Ich schaffe es nicht einmal mehr nach draußen zu gehen, was ich früher so gerne machte. Schon alleine wegen deinen Enkel sollte ich es tun. Ich hasse mich dafür#heul
Du hast deinen Enkel so sehr geliebt und wenn du wüsstest was er jetzt alles schon kann, du wärst so stolz auf ihn, so stolz wie ich es auf meinen wunderschönen kleinen Sohn bin.
Er gibt mir kraft Mama und für ihn kämpfe ich jeden Tag.

Ich fange nächstes Jahr eine Therapie an Mama, ich möchte wieder lachen können. Ich will mein Leben zurück!

Du fehlst mir jeden Tag so unendlich sehr.#schmoll

Sei nicht böse auf mich Mama, aber seit diesen Tag....

Ich liebe dich #kerze

Deine Tochter Christiane

Beitrag von dazed - 29.11.11 - 18:40 Uhr

hallo #liebdrueck

es tut mir sehr leid für dich, dass du diesen schweren verlust ertragen musst.

mein papa ist auch sehr plötzlich von uns gegangen und es war wirklich hart - er war mein ein und alles und er hat mir das gefühl gegeben sein alles zu sein. ich liebe ihn so sehr #herzlich

es ist verdammt schwer neuen mut zu finden, aber sei dir gewiss - es geht, egal wie sinnlos es momentan erscheint.

ich kann mich an einen traum erinnern: ich war bei seiner beerdigung auf dem weg aus der kirche. da legte er von hintern den arm ummich und sagte "weine nicht mein mädchen". alles war so real, jede kleinigkeit stimmte - ich konnte ihn riechen und spüren. er war da.

für mich hat sich damals mein leben geändert. ich wusste, dass er nicht tot ist, sondern nur - wie sagt man so schön - die räume gewechselt hat.

der tod deiner mama scheint dir ungerecht, aber du musst wissen, dass eine person nur stirbt wenn sie das wirklich will. dann ist sie fertig mit dem leben, dann sind ihre aufgaben auf der erde erledigt, dann hat sie erfahren was sie erfahren wollte.
ein jeder stirbt durch sich und ist sich dessen bewusst.
es ist schwer zu verstehen - und da spielt das eigene ego wohl eine sehr große rolle - aber der sterbene war bereit zu gehen.

man selber steht nun da und denkt "warum hast du mir das angetan?" und solche sachen. ich kenne das selber, aber das darf man nicht und das muss man sich immer wieder vor augen halten. deine mama war bereit zu gehen, der zeitpunkt und die umstände waren perfekt - sie sind es immer.

was dir jetzt bleibt fragst du? ich sage dir deine mama hat dich für das leben stark gemacht - sie hat dich geliebt mit allen ecken und kanten - und als sie gegangen ist, da war sie gewiss stolz auf dich. es gab für sie einfach nichts mehr zu tun.

tröstend ist doch, dass nichts vergänglich ist (nimm einen kleinen punkt und teile ihn immer wieder - du wirst es nicht schaffen ihn zu zerstören. er verändert lediglich seine forn) - und auch deine mama bzw. ihre seele lebt noch - wenn auch nicht in dieser welt. sie will dich bestimmt nicht depremiert und traurig sehen. sie würde sich freuen wenn du dich des leben erfreust - sie hat es dir geschenkt. es ist DEIN leben.

es ist deine aufgabe nun dein leben zu leben und nicht ihrem hinterherzutrauen.
sei dankbar für die gemeinsame zeit und ziehe aus ihr alle kraft die du brauchst. es steckt alles in eurer beziehung, du brauchst dich nur zu erinnern.

wenn es mir schlecht geht, dann ist mein papa immer bei mir. es sind kleinigkeiten die mich daran erinnern - ein windhauch oder auch ein sonnenstrahl.

erlaube einfach jeder seele ihren eigenen weg zu gehen. jede seele hat eine aufgabe - deine mama hat ihre bestanden. freu dich für sie, dass sie es geschafft hat. lächle - für sie, für dich und für dein kind.

ich habe auch zwei kinder und mein papa passt auf sie auf. ich habe schon oft gedacht "gut dass papa da oben ist und auf alles acht gibt."

es ist kein leichter weg, mit deiner trauer umzugehen, ich wünsche dir alle kraft es zu schaffen. du darfst niemals vergessen: deine mama hätte nicht gewollt, dass du traurig bist!

und was deine verwandten angeht - lass sie reden...

du bist du. ich denke deine mama hat dir alles richtige mit auf den weg gegeben. das wichtigste im leben bist DU. verstell dich nicht um anderen zu gefallen - lebe wer du bist.

ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen...

lg dazed

Beitrag von dazed - 29.11.11 - 19:15 Uhr

ach und noch was...

es gibt in meinen augen kein richtiges oder falsches verhalten - kein richtiges oder falsches trauern.

du verhälst dich so, wie es DIR nützt, wie du es brauchst.
auch DEIN leben hat einen sinn - da gibt es ein bestimmtes ziel auf das du hinarbeitest (welches ziel - sprich welche erfahrungen von dir selber - das ist musst du selber herausfinden, das ist dann sozusagen der sinn deines lebens)

du kannst gar nicht von dem weg dorthin abkommen. ja zugegeben er hat vielleicht den ein oder andern schlenker (wäre ja auch langweilig wenn nicht - erfahren kann man schließlich nur indem man dieses oder jenes wählt. das eine existiert ohne das andere nicht) aber du kommst nie von ihm ab, wenn du auf dein herz hörst und die augen nicht vor den zeichen verschließt, die dir das leben schickt.

vielleicht hast du selber schon oft im ersten moment gefragt was gerade DAS jetzt für einen sinn hat - und später hast du es gemerkt und verstanden.

alles hat seinen sinn und seine zeit - so blöde das klingen mag #liebdrueck

Beitrag von schatzi2005 - 29.11.11 - 20:22 Uhr

Vielen dank für deine Antwort. #herzlich

Meine Mama starb an einen Lungenödem, es war kein frei tod. Wenn du das nicht meintest, entschuldige. Dann habe ich es falsch verstanden.

Im Prinzip hast du mit allen recht was du schreibst, aber diesen Schalter habe ich noch nicht gefunden#schmoll Deswegen werde ich diese Therapie machen, denn ich muss reden, es einfach alles raus lassen.

Aber ich habe ab und an auch solche Träume, wenn man das so sehen kann. Einmal meinte meine Mama zu mir, das sie sehr stolz auf mich sei und das gab auch wieder Kraft.

Ich werde es mir zu Herzen nehmen #danke

Beitrag von dazed - 29.11.11 - 21:29 Uhr

hallo,

nein das hast du falsch verstanden, ich bin nicht davon ausgegangen, dass sie den freitod gewählt hat.

(mein papa ist übrigens auch an einem lungenödem gestorben #liebdrueck )

vielleicht hab ich mich aber auch einfach nur ein bisschen missverständlich ausgedrückt und du hast es in verbindung mit meinem verstorbenen bekannten gebracht.

wenn ich meinte, dass sie "freiwillig" gegangen ist, dann meinte ich eher damit, dass sie UNTERBEWUSST die entscheidung gefällt hat, dass es zeit ist zu gehen.
die zeit ist immer dann gekommen wenn das lebenswerk getan ist, wenn es vollendet ist - so schwer diese einsicht auch fallen mag.

nichts geschieht was du nicht geschehen lassen willst. du kannst dir einbilden, dass dinge geschehen die nicht sein sollten. das erlaubt dir aber bloß dich in einer opferrolle zu sehen

wie gesagt sind wir hinterbliebenen da wohl etwas egoistisch. wir beschweren uns, dass die verstorbenen uns alleine lassen, viel zu früh gegangen sind... deine mama hat dir gesagt, dass sie stolz auf dich ist - ich finde das ist doch ein wunderbarer beweis, dass sie noch bei dir ist.

es hat lange gedauert bis ich das alles erkannt habe (die letzten 4 jahre eigentlich), aber ich kann sagen dass mein leben leichter zu leben ist, seit mein papa gestorben ist.
da ist jetzt diese kraft und diese energie, die vorher nicht da war.

ich vermisse von ganzem herzen einen wunderbaren menschen und ich würde ihn so gerne wieder in die arme nehmen können, mit ihm worte wechseln und ihn spüren.

aber das geht nicht mehr. es gibt kein zurück. und was bringt es, dass ich mich verkrieche und die welt anschreie wie ungerecht sie ist? macht es das alles wirklich besser?

dreh den spieß "einfach" um - sage dir dass du ihre bekanntschaft als geschenk siehst. du lebst nach ihrem vorbild. sie hat dich geprägt, lass sie durch deine taten weiterleben und freu dich wann immer du durch sie an sie denkst.
du wirst viele gelegenheiten bemerken, wo sie dir nahe ist und wo du voller stolz zum himmel aufblickst und da einfach nur liebe bleibt.

hätte mir das jemand kurz nach papas tod so erklärt, hätte ich ihn wahrscheinlich gar nicht ernst genommen, es als irgendeine art zu trösten abgetan. wie oft habe ich gedacht "du hast doch keine ahnung wie es ist schwanger zu sein und dann stirbt plötzlich dein vater in dem alter".

wie gesagt - vielleicht schenken dir diese worte dennoch ein bisschen mut und lassen dein herz erkennen, dass deine mama ihren weg gegangen ist und es ihr gut geht. sie ist bei euch und möchte, dass es dir gut geht, da bin ich mir sicher #liebdrueck

Beitrag von .ka-ka-du - 29.11.11 - 20:29 Uhr

In deinem Beitrag ist so viel Schmerz und Traurigkeit.

Ich wünsche dir alles gute der Welt und dass du auch irgendwie glauben kannst, dass dein Mama auf irgendwelche Art und Weise hier ist, auch wenn deine Augen sie nicht sehen können.

Eine #kerze für deine Mama und ein#klee für dich

Beitrag von jettekul - 29.11.11 - 23:39 Uhr

Hallo,
ich weiß nicht, ob es Dir in dieser Phase der Trauer weiter hilft, aber im Nachhinein erkenne ich, dass der Tod auch viele Weichen für mein neues Leben gestellt hat.

Nicht falsch verstehen, ich finde es nicht gut, dass meine Mama gestorben ist, ich dsachte, ich könnte es nie verwinden und sie fehlt mir auch jeden Tag.

Aber ich hätte meinen Mann nie kennengelernt, weil ich nach dem Tod mein Leben völlig umkrempeln musste, dieser ganze weitere Lebensweg wäre in DIESER Art nie passiert--also diese Tochter, die ich habe, wäre so nicht auf die Welt gekommen.
Der Gedanke tröstet mich etwas, dass eine so schreckliche Sache wie der Tod eine geleibten Menschen zu diesem Kind geführt hat, das mir Ein- und Alles ist.

Ich bin mir sicher, sollte es eine Existenz nach dem Tod geben, wäre meine Mama sehr glücklich darüber, wie es mir jetzt geht.

Hoffentlich hab ich mich nicht blöde ausgedrückt--der Tod meiner Mama ist für mich immer noch eine entsetzliche Sache und ich würde es gerne ungeschehen machen--aber da ich es nicht kann, denke ich an das Gute, was ich später erleben durfte.

Ich hoffe so doll für dich, dass du auch nach der Zeit der Trauerbewältigung trotz des Schmerzes mit einem Lächeln über die Liebe zu und von deiner Mama reden kannst, und du sie zwar vermisst, aber nicht mehr diesen unendlichen, scheinbar unerträglichen Schmerz fühlst.

Lg, Jette

Beitrag von jettekul - 29.11.11 - 23:41 Uhr

Bitte entschuldige die Tippfehler, bin doch schon etwas müde, aber dein Posting hat mich sehr bewegt, deshalb wollte ich jetzt noch antworten.#hicks

Beitrag von myimmortal1977 - 30.11.11 - 11:24 Uhr

Ich möchte Dir an dieser Stelle gern einen Tipp geben. Du hast geschrieben, dass Du nächstes Jahr eine Therapie anfangen möchtest, um wieder lachen zu können :-)

ICH finde es erstmal ganz toll, dass Du Dir helfen lassen möchtest und möchte Dich in dem Schritt auch sehr gern ermutigen, ABER:

Wenn es ausschließlich um die Trauerbewältigung in Deiner Thematik gehen wird, ist ein Psychologe nicht unbedingt der richtige Ansprechpartner für Dich.

Eine Selbsthilfegruppe für trauernde Menschen, die von einem Fachmann (ggf. Kirche, Sozialpädagoge) begleitet wird, ist für dieses Thema effektiver, als ein Psychotherapeut in Einzelsitzungen.

Der Psychologe KANN Dir im Weg der Trauerbewältigung nur bedingt helfen, da er eigentlich keine Lebensberatung durchführen darf. Der Psychologe ist dafür da, um mit Dir Geschehnisse, die Dich belasten aufzuarbeiten, aber den Weg gehen, musst Du selbst. Du wirst auch von ihm keine Beispiele erfahren, wie man besser mit der Trauer umgehen kann....

Ich habe schon von einigen gehört, die sich bei dem Thema bei Psychologen falsch aufgehoben gefühlt haben und mehr Rat bei Selbsthilfegruppen fanden.

Dort wirst Du Menschen treffen, die in gleicher Situation sind und versuchen ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.

Fragen nach diesen Gruppen kannst Du bei der Kirche, bei der AWO, beim DRK und vielen anderen gemeinnützen Institutionen. Auch bei Beerdigungsinstituten! Klingt ungewöhnlich, ist aber so.

Ich wünsche Dir alles nur erdenklich Gute!