HartzIV + Kinderwunsch Teil II: Was wäre ohne .....

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Beitrag von vwpassat - 06.12.11 - 20:41 Uhr

Ausgangspunkt der Diskussion:

http://www.urbia.de/forum/28-finanzen-beruf/3398784-mich-interessiert-eure-meinung-zu-hartz4-kinderwunsch/21576688

Ich leg jetzt einfach mal einen drauf.

Wie seht Ihr das Thema, wenn es keinerlei staatliche Gelder mehr gäbe (also kein ALGII, kein Kindergeld, kein Elterngeld)?

Jeder ist für sich selbst verantwortlich und jede Familie muss sich um die Bedürftigen kümmern.

Beitrag von our_darkness - 06.12.11 - 21:00 Uhr

Ich bin inzwischen geneigt, diesem Artikel zuzustimmen:

http://www.welt.de/die-welt/debatte/article6311869/Wie-man-mit-viel-Geld-Armut-vermehrt.html

Beitrag von leni.pfeiffer - 06.12.11 - 21:34 Uhr

Hat aber auch alles eine Kehrseite.

http://www.washingtonpost.com/national/in-southwest-va-as-more-need-help-aid-organization-has-less-to-give/2011/04/13/AFbvKyqD_story.html

Beitrag von lena1309 - 06.12.11 - 21:02 Uhr

Also ich habe jetzt nicht die ganze andere Diskussion gelesen, aber wenn ich mal das Szenario nehme, welches du gerade aufstellt, denke ich, das ist das Mittelalter.
Und das meine ich jetzt ohne Wertung.
Da war es normal, dass die Menschen sich selbst versorgen mussten oder die Kirchen sie bis zu einem gewissen Maße auffingen.
Das Problem damals waren aber beispielsweise Krankheiten, die es heute nicht mehr gibt, einfach weil jeder einen Ort zum Wohnen hat und nicht im Müll schlafen muss, sich ausbreiteten.
Auch wurden Kinder, frisch geboren, einfach am Waldrand abgelegt.
Gut man war auch mit der sichern Verhütung noch nicht so weit.
Aber ist dein Szenario sozial?
Heißt das, man darf nur Kinder kriegen, wenn man sie selbst finanzieren kann? Und was ist, wenn innerhalb der Schwangerschaft vieles weg bricht?
Wenn du alles geplant hast, aber das Leben dich mal fickt (ich formuliere mal etwas krasser)?

Ich halte nichts davon, wissentlich Kinder zu bekommen, wenn ALG II die einzige bekannte und akzeptierte Einnahmequelle ist.
Aber ich denke, wir sollten Menschen, die unmittelbar Hilfe brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen, unterstützen müssen.

Passt es ungefähr zu dem, was du anregen wolltest oder bin ich abgeschweift?

LG
M.

Beitrag von vwpassat - 06.12.11 - 21:13 Uhr

Das passt gut. #pro

Ich finde aber, wir sind teilweise zu sozial und es müsste sich Einiges ändern.

Ich hätte da einige Ideen, darf die aber nicht aussprechen.

Klar muss dennoch der Familie, wo der Hauptverdiener kurzfristig schwer krank geworden ist, etc.. geholfen werden.

Beitrag von lena1309 - 06.12.11 - 21:22 Uhr

Es gibt ja den Grundsatz; "Fördern und Fordern".
Mit diesem Grundsatz arbeite ich täglich.
Was mich immer wieder ärgert, Das Fordern wird vernachlässigt.
Ja es gibt finanzielle Einbußen, aber die können über andere Mittel aufgefangen werden.
Ich denke, die Ungerechtigkeit ist, dass es immer wieder der Fall ist, dass der ALG II-Empfänger mehr Geld zum Leben hat, als der Familienvater mit einem Vollzeitjob und Kindergeld.

Da stimmt doch was nicht.

Aber wenn ich jetzt mal den Fall sehe, der im Ausgangsfred beschrieben ist (Beide wollen arbeiten, aber in bestimmten Bereichen ist das Finden schwer und darum kriegen sie keine Kinder.) läuft doch auch was falsch.

Aber grundsätzlich würde ich sagen, man sollte sich selbst versorgen.
Da kann man dann jetzt beispielsweise sie Diskussion über den Mindestlohn anschließen.

Man Passat, da forderst du aber die Gerhirnzellen. Und das um diese Uhrzeit.

M.

Beitrag von our_darkness - 06.12.11 - 21:55 Uhr

"Mit diesem Grundsatz arbeite ich täglich."

Soso.

"die Ungerechtigkeit ist, dass es immer wieder der Fall ist, dass der ALG II-Empfänger mehr Geld zum Leben hat, als der Familienvater mit einem Vollzeitjob und Kindergeld."

Dass dieser Familienvater bei gleicher Kinderzahl und Miethöhe Anspruch auf ergänzendes ALG II haben könnte (und damit durch den Freibetrag aufs Einkommen mehr Geld in der Tasche als der ALG II-Empfänger), das lassen wir mal lustig unter den Tisch fallen, was?

Schlimm, dass in solchen Diskussionen immer wieder die Stammtischschwafler aufkreuzen müssen.

Beitrag von lena1309 - 06.12.11 - 22:01 Uhr

Das ist ja gerade das Problem.
Wenn ich meinen Job richtig gut mache, hat ein ALG II Empfänger mehr Geld auf dem Konto als der Familienvater, denn dann kann ich neben dem Bildungspaket noch andere Zuschläge, Einmalzahlungen etc. locker machen. Und so einige brauchen meine Hilfe dazu nicht mal mehr.
Aber viele Zuschüsse fallen für den Familienvater dabei leider weg, weil er knapp über der Grenze liegt.

Das hat mit Stammtischschwafflern nichts zu tun.
Das ist die Realität, die auch die Hartz-Reform nicht ganz auslöschen konnte.

Beitrag von sassi31 - 06.12.11 - 23:32 Uhr

Mir scheint, du hast nicht verstanden, was our-darkness meint.

Beitrag von vwpassat - 07.12.11 - 11:41 Uhr

Das muss man auch nicht, weil es schlichtweg falsch ist.

Beitrag von lena1309 - 07.12.11 - 17:58 Uhr

Dann erklär es mir doch einfach.

Beitrag von sassi31 - 07.12.11 - 18:20 Uhr

Na der Punkt ist, wenn man selber Geld verdient und zusätzlich ALG II erhält, hat man immer mehr Geld, als Leute die nur ALG II erhalten. Die ganzen Zuschüsse wie das Bildungspaket usw. kann man ja dennoch erhalten.

Trotzdem bin ich persönlich der Meinung, dass Arbeit sich lohnen muss. Es kann einfach nicht angehen, dass Menschen trotz VZ-Job so wenig verdienen und noch staatliche Hilfe benötigen. Und ich bin auch der Meinung, dass ALG II so bemessen sein muss, dass es sich nicht lohnt damit daheim zu bleiben.

Beitrag von lena1309 - 07.12.11 - 19:12 Uhr

Aber ich meinte nicht die Menschen die noch ergänzend ALG II erhalten.
Ich meinte die Menschen, die aufgrund ihres Einkommens knapp über der Grenze liegen, um Zuschüsse zu bekommen.
Und wenn du so ein Gehalt nimmst und dann die Vergleichsrechnung zu ALG II machst, wirst du feststellen, dass derjenige, der Zuhause bleibt, mehr Geld zum leben hat.

Und das ist ein Punkt den ich nicht als sozial bezeichnen kann.

Beitrag von lichtenstein - 07.12.11 - 08:49 Uhr

Du lässt dabei ausser acht, dass ein Sozialsystem nicht nur aus Leistungsträgern besteht. Der Sinn eines Sozialstaates ist ja gerade der, die mit einzubinden, die eben nicht leistungsfähig sind. Diese Verantwortung ist höher zu bewerten als das Risiko, dabei auch ein paar Leistungsunwillige mit zu versorgen.

Beitrag von vwpassat - 07.12.11 - 10:36 Uhr

Ich gehe aber davon aus, dass das Mißverhältnis zwischen den beiden Gruppen immer größer wird.

Beitrag von lichtenstein - 07.12.11 - 11:18 Uhr

Hast Du Zahlen, die Deine These belegen?

Beitrag von vwpassat - 07.12.11 - 11:42 Uhr

Dazu brauche ich keine Zahlen.

Ich sehe das täglich auf unserer Straße.

Beitrag von leni.pfeiffer - 06.12.11 - 21:29 Uhr

Hallo,

ich habe schon das Gefühl, dass es in Deutschland einigen Menschen an Eigeninitiative fehlt. Ich denke auch, dass sich staatliche Gelder besser investieren lassen würden. Ich würde sowohl auf Elterngeld als auch Kindergeld verzichten, wenn sich dadurch die Betreuungssituation im Kitabereich verbessern würde bzw. das Geld der Bildung zukommen würde.

"Jeder ist für sich selbst verantwortlich und jede Familie muss sich um die Bedürftigen kümmern. "

Und was passiert, wenn das nicht geht? Würde der Staat soweit gehen und die Menschen verhungern lassen? Eher nicht. Das wäre auch nicht der Staat in dem ich leben möchte.

Ich bin durchaus bereit Steuern zu zahlen und damit die Menschen zu unterstützen, die es im Leben nicht so leicht hatten und haben wie ich.

Grüße. Leni

Beitrag von wieihrwollt - 07.12.11 - 14:57 Uhr

staatsgelder werden aber auch völlig unnütz eingesetzt. z.b. für einen bahnhof in bw, der im prinzip ok ist. aber weil manche leute meinen er muß schicker und größer und beeindruckender sein, werden milliarden investiert...

keine ahnung, aber ich sähe das geld lieber in familien, die an der armutsgrenze leben, ob mit oder ohne job. eine kollegin von mir ist arm wie ne kirchenmaus, bekommt aber ausser der üblichen zuschüsse keinen cent.... sie hat mehr arbeit als so mancher manager.. 3 kinder und alleinerziehend...

ich rede nicht von sozialschmarozern die nicht arbeiten wollen und denken, sie kriegen ja eh stütze, wenn sie sich nur blöd genug anstellen...

Beitrag von sassi31 - 07.12.11 - 18:24 Uhr

Ich glaube auch, dass es so einige unnütze Ausgaben im Staatshaushalt gibt (siehe Schwarzbuch der Steuerzahler). Dagegen sind die ALG II-Empfänger, die wirklich keinen Bock auf Arbeit haben, ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Großteil der ALG II-Empfänger sind Aufstocker und verdienen nur nicht genug.

Beitrag von our_darkness - 06.12.11 - 21:37 Uhr

"Jeder ist für sich selbst verantwortlich und jede Familie muss sich um die Bedürftigen kümmern."

Nachtrag: Was viele jedoch vergessen, ist die Tatsache, dass Sozialpolitik auch und vor allem ihren Ursprung als Ordnungspolitik (im Sinne der Sicherheit der öffentlichen Ordnung) hat und nicht allein aus reiner Barmherzigkeit alle möglichen Menschen "durchgeschleppt" werden.

Beitrag von nele27 - 07.12.11 - 09:38 Uhr

Das wird gern vergessen...

Aber genau, weil es Hartz4 gibt, kann man relativ sicher mit seinen Einkaufstüten nach Hause schlendern und wird nicht von einer hungrigen Meute angefallen...

Beitrag von shmenkman - 06.12.11 - 22:11 Uhr

Dann würden gerade die Armen noch mehr Kinder bekommen um ihr soziales Netz im Familienverbund zu knüpfen. Dieses Modell gibt es, soweit ich weiß, in den meisten Ländern/Kulturen dieser Welt.

Beinhaltet dein Szenario eigentlich auch kein Eltern-, Kindergeld, keine staatlichen Zuschüsse jedweder Art für Familien (Kitazuschuss, Familienzuschlag etc.)?

Beitrag von r.le - 06.12.11 - 22:25 Uhr

Hallo rudi dreiunddreißignochwas,

< Wie seht Ihr das Thema, wenn es keinerlei staatliche Gelder mehr gäbe >

dann hätten wir keinen Sozialstaat mehr und keine Basis für das, was man sozialen Frieden nennt und was uns als Gesellschaft nachhaltig stark und wohlhabend gemacht hat.

<Ich leg jetzt einfach mal einen drauf>

Ich auch, wenn wir schon auf einem Niveau unterhalb der Grasnarbe sind: Wenn es keinerlei staatliche Gelder gäbe, die, wie Du sicher weißt, im Zuge der Wiedervereinigung überreichlich geflossen sind, möchte ich nicht wissen, wo Du als ostdeutscher Gebrauchtwagenhändler heute stehen würdest.

Deine stetige Hetze gegen vermeintlich Schwächere widert mich an.

Gruß

Ralf

Beitrag von whitewitch - 06.12.11 - 22:45 Uhr

"Jeder ist für sich selbst verantwortlich und jede Familie muss sich um die Bedürftigen kümmern. "

Der Satz ist so gemeint wie er geschrieben ist?? Dann würde ich wohl auch bedürftig werden.

"Wie seht Ihr das Thema, wenn es keinerlei staatliche Gelder mehr gäbe (also kein ALGII, kein Kindergeld, kein Elterngeld)?"

Dann wäre ich alleinstehend, Vollzeit berufstätig und würde keine Kinder in die Welt setzen.

Ich/wir benötigen Gott sei Dank keine Hilfen vom Staat und sonstigen Stellen, aber alleine das Gefühl zu haben, dass man in einer Notsituation nicht am Hungertuch nagen muss oder unter die Brücke ziehen muss, das beruhigt enorm.