Trennung? 3 kleine Kinder, schaff ich das?

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von n.. - 07.12.11 - 21:11 Uhr

Hi.

Wir sind jetzt seit 9 Jahren zusammen, nicht verheiratet und haben 3 Kinder zusammen (5 Jahre, 2 1/2 Jahre und 3 Monate)
Wir sind ursprünglich aus Luxemburg, sind vor 3 Jahren nach Deutschland in unser eigenes Haus gezogen.
Ich hab jetzt nachdem die kleine auf der Welt ist bei meinem Arbeitgeber gekündigt um 4 Jahre Erziehungsurlaub zu nehmen.

Was die Trennung angeht, ich kann nicht mehr, er hat keine Geduld mehr mit den Kindern, letzten Montag ist ihm die Hand ausgerutscht und hat dem Kleinen eine Backpfeife verpasst, und ist wutentbrannt aus dem Zimmer gerannt und ich sass da mit den 2 und musste mich rechtfertigen gegenüber den Kindern :-(
Es geht schon seit einem guten Jahr so dass er so aufbrausend ist und sich direkt ärgert, die Kinder dürfen nicht laut spielen und gott bewahre der grosse wirft sein glas um auf dem Tisch :-(

Jetzt aber meine Frage, denn ich kenne die deutschen Gesetze nicht so gut.
Bekommt man als alleinerziehende Mutter Hilfe vom Staat? Und was muss man noch bedenken wenn man sich trennt?
Ich möchte auf jeden Fall in Deutschland wohnen bleiben denn der Kleine geht ja hier in die Kita.
Und ich mach mir natürlich auch sorgen wegen dem finanziellen, denn ich bekomm "nur" 1300€ Erzeihungsgeld, bis jetzt musste ich mir sorgen ums geld machen denn wir verdienten beide überdurchschnittlich gut.

Mein Vater steht voll hinter mir, er hatte mir letztes Jahr schon angeboten zu ihm zu ziehen (er wohnt allerdings in Luxemburg) aber da dachte ich noch wir würden es schaffen...

Hätten wir keine Kinder, ich wäre schon längst nicht mehr hier, aber ich hab zu grosse angst dass ich das alleine nicht schaffe.

Was soll ich tun??:-[

LG Nancy

Beitrag von comapo - 07.12.11 - 21:43 Uhr

Hey,

zunächst müsste er Dir für alle drei Kinder Kindesunterhalt zahlen, das sind mindestens 225 Euro pro Kind momentan, wobei einer ja bald 6 wird und das dann etwas mehr wird. Da Du sagst, er verdient gut, wird es eher mehr werden.

Auch Dir ist er zu Unterhalt verpflichtet, das aber

a) nur nachrangig nach den Kindern und
b) nur bis zum 3. Lebensjahr des jüngsten Kindes.

Willst Du also wirklich VIER Jahre Elternzeit nehmen, wird er das nicht finanzieren müssen und auch die ARGE, die im Zweifelsfall einspringen müsste, wird das nicht mittragen. Beim AG zu kündigen war definitiv schon mal keine gute Idee.

Mit 1.300 Euro EG, mindestens 775 Euro Unterhalt plus 3x 184 Euro KG hast Du gute 2.500 Euro zur Verfügung, ich denke, da werdet ihr mit klarkommen.

LG

Beitrag von coki01 - 08.12.11 - 09:33 Uhr

also mal ganz ehrlich........

Ich habe mich auch getrennt vor ca. 6 Monaten..bzw 7......ich habe mir natürlich auch meine gedanken gemacht über das allein sein und ob ich da alles schaffe.....ich dachte mir ja das bekommst du schon hin schliesslich bin ich tagsüber mit den kids auch alleine.....wieso sollte ich es nicht schaffen...

ABER:

mittlerweile stoße ich an meine grenzen..und ich denke nicht das ich mich jetzt dadurch schlecht fühlen muss oder als versagerin wenn ich mir das eingestehe das es doch nicht so leicht ist wie man am anfang dachte.....vorher war man zu zweit man konnte sich vieles teilen doch jetzt????..................

Man sollte sich hilfe holen wenn die möglichkeit besteht!!!!

Ich wünsche dir viel kraft!!!!

Beitrag von kaoh - 09.12.11 - 11:36 Uhr

Vielleicht erzähl ich dir mal meine Gedanken....

Kurz zuvor noch was zu mir: ich bin Mutter von 5 Kindern, 3 davon aus erster "wilder" Ehe, die anderen zwei mit meinem jetzigen Mann. Ich habe mich 2003 von meinem Ex getrennt da waren unsere Kinder 1, 6 und 11 Jahre und wir 13 Jahre zusammen. Unsere Beziehung war von Einsamkeit, Ungeduld und Streit durchwachsen und ich dachte nur die Trennung kann das verbessern. Meine Kinder haben sehr gelitten, am meisten die 6 jährige. Sie weinte sehr viel, wurde sehr traurig und verlor ihre kindliche Fröhlichkeit. Mein jüngster damals ja grad 1 Jahr hörte mit sprechen auf und die älteste (11) rutschte in der Schule ab. Ich fühlte mich für alles verantwortlich, hatte permanent ein schlechtes Gewissen. Versuchte Mutter und kaum anwesenden Vater zu ersetzen und kann dir sagen es kann klappen....aber auf Kosten deiner Gesundheit. Ich war ein nervliches Wrack, musste 24 Stunden die alleinige Verantwortung tragen und habe in den Monaten danach erstmal gemerkt was mein Ex mir (doch so unbemerkt von mir) alles abgenommen hatte. Er kümmerte sich ums Einkommen(ich war Hausfrau), bezahlte die Rechnungen und den Urlaub, Tapezierte und bohrte und tat alles unliebsame was halt auch so neben der Familie anfällt. Das konnte ich aber erst "sehen"als meine erste Wut verflogen war. Plötzlich fand ich es sogar gemein ihn verlassen zu haben nur weil ich dachte es liegt ihm nichts an uns. Auch er war immer genervt von den Kindern und hielt sie sich lieber vom Hals.

Nun ich lernte meinen heutigen Mann kennen und Anfangs war er um so vieles "besser", geduldiger und einfühlsamer als mein Ex...nur meine Mutter warnte mich vor mit dem Spruch....neue Besen kehren immer erstmal gut.... und so war es auch! Als wir 2007 heirateten und unsere gemeinsame Tochter zur Welt kam zog auch er sich etwas zurück. Alles blieb an mir hängen, Tagschicht, Nachtschicht, Wochenende immer versorgte ich unsere schreiende Tochter. Um so mehr ich meckerte um so weniger tat er. Sex wurde immer weniger selbst das wollte er nicht mehr. Um die Zeit als die kleine ihren 1. Geburtstag feierte stellte ich ihn dann zur Rede, sagte entweder erklärt er sich jetzt mal oder ich lass mich scheiden. Dann erfuhr ich das auch ihm das alles über den Kopf wuchs, das Dauergebrüll, seine schwere Arbeit und die anderen 3 Kinder. Er hatte sich das anders vorgestellt, romantischer, kuschliger und zweisamer. Er vermisste die Ruhe nach Feierabend die er doch so dringend brauchte, deshalb war er gereizt und ließ seine Launen an den Kindern aus. Das öffnete mir doch sehr die Augen und seitdem verteilen wir unsere Familienarbeiten anders. Auf ihn verzichten konnte ich nicht komplett, aber er machte von da an am Wochenende Haus und Gartenarbeit, holte frische Brötchen und nahm mir ab und zu mal abends oder am WE die Kinder ab. Das ist auch hilfreich! Unser Sexleben blieb vorerst weiter auf der Strecke, jedoch das Familienklima wurde besser. Liebe muss erarbeitet werden und jeder oder jede sollte sich fragen ob sie wirklich daran zu arbeiten bereit ist. Kinder sind nicht nur süß sondern auch nervig, anstrengend und sehr laut. Männer haben eine andere Sichtweise, sie sehen sowas nicht so gefühlsbetont. Du beschützt als Löwenmutter deine Kinder, stellst dich immer vor sie, das ist für ihn 4 gegen 1.

Du möchtest 4 Jahre daheim bleiben und er soll das alles bezahlen....hast du dir mal überlegt was da auf ihm lastet? Ihr habt die Raten vom Haus, nebenbei noch die ganzen Gebühren für Strom, Wasser, Abwasser, Erdgas oder Heizöl, Müllgebühren usw. Das ist mit nur 1 Gehalt kaum zu schaffen. Dann warst du so unklug auch noch zu kündigen...war er damit wirklich einverstanden oder hast du das allein entschieden? Zwei Jahre daheim sind auch schon viel für die Kinder. Dann tut ihnen Fremdkontakt sehr gut für die Entwicklung. Nur an Muttis Rockzipfel zu hängen wird irgendwann langweilig und der Stress daheim wird auch immer anstrengender. Die Qualität der Kinderzeit wird immer schlechter weil neben dem vielen Haushalt der dann auf dir lastet, die Kinder ihre Rechte fordern und du auf der Strecke bleibst. Denk mal darüber nach das dein Mann 8-9 Stunden täglich durchweg arbeitet mit 1 Pause dazwischen. Wenn du daheim 8 Stunden durchweg putzen, waschen und kochen würdest hättest du auch am Abend keine Nerven mehr für die Kinder und ihr Gemecker.

Ich bin jetzt so schlau weil ich es rückblickend sehen kann. Ich habe meinem Exmann viel unrecht getan, wollte immer das er nach der Arbeit noch mit mir den Haushalt schmeißt und die Kinder betreut. Hatte ganz vergessen das er davor bereits 8 Stunden schwer gearbeitet hatte. Mein Tag war viel leichter verlaufen, ich war auch K.O. nur eben anders.

Seit dem ich mehr Rücksicht auf meinen Mann nehme und ihn die Arbeiten aussuchen lasse leben wir viel ruhiger. Bei unserem kleinsten wars dann für ihn viel leichter sich mal durch zu ringen ihn zu wickeln oder zu füttern. Auch mal ein Spaziergang ist nun drin.

Ihr habt 3 sehr kleine Kinder das heißt euer Leben wurde in kürzester Zeit umgehaun, nichts mehr mit weggehen oder Zweisamkeit. Statt dessen nur Babygeschrei oder Trotzköpfe. Verstehst du was ich dir damit zu sagen versuche?

Wenn du ihn noch immer liebst dann kämpfe um deine "Ehe" Es ist es immer Wert zu kämpfen auch der Kinder wegen.
Vielleicht solltest ihr mal in Ruhe miteinander reden. Du bleibst 1 Jahr in Elternzeit daheim, danach können die beiden großen in den Kindergarten und du könntest mit dem kleinsten Kind Zeitungen austragen und was zum Einkommen beitragen. So hast du dein kleines bei dir und unterstützt deinen Mann.

Trennst du dich dann verabschiede dich davon jährlich in Urlaub zu fahren oder ohne Geldnöte zu leben. Du musst du dich sofort beim Arbeitsamt melden, denn du müsstest ja neben dem Elterngeld noch Harz 4 beantragen. Du müsstest dir eine kleine Wohnung suchen denn es steht dir nur eine 3 maximal 4 Zimmer Wohnung zu. Denn deine Kinder sind noch zu klein (laut Behörden) um ein eigenes Zimmer zu brauchen. Erst ab der Einschulung steht dem Großen dann ein Zimmer zu. Auch das ganze Geld für Auto oder Versicherung musst du aufbringen, Miete wird übernommen- Auto meist nicht. Dir steht dann auch kein Kindergartenplatz vor dem 3. Lebensjahr zu und du darfst den großen nur noch den Mindestsatz an Stunden bringen. ABER wenn du es wirklich alles gut durchdacht hast..so ganz ohne Wut! Dann trenn dich - du schaffst das bestimmt, wenn auch mit viel Entbehrungen. Ich hab es geschafft und meine Kinder auch.

Liebe Grüße Kaoh

Beitrag von starshine - 09.12.11 - 15:40 Uhr

hmmmmm auch mal gut so was zu lesen :-) Hut ab, Du hast hart an Dir gearbeitet!

Ich kann Dir aber auch die andere Seite erzählen. Ich war in unserer Familie die Alleinverdienerin und mein Ex sollte sich eigentlich um Haushalt und Kinder kümmern. Das hat er aber nicht und zum 100% Job habe ich alle Nachtschichten mit den Kindern gemacht und am Wochenende den Haushalt und den Garten (850m2) auf Vordermann gebracht.

Genervt und ungehalten mit den Kindern war aber nicht ich sondern ER!

Ich habe mich getrennt und mein Haus verkauft und heute kann ich mir eine Nanny leisten und wenn ich nach Hause komme, dann muss ich nicht mehr einkaufen, nicht mehr waschen oder bügeln und auch nicht mehr putzen und die Hausaufgaben der Kinder sind auch erledigt. Unterhalt von meinem Ex bekommen die Kinder bis heute nicht aber unser Anwalt arbeitet daran ;-)

Also: ich glaube nicht, dass man die "Last der Verantwortung" als Ausrede nehmen kann, denn ich trage BEIDES und bin trotzdem nicht genervt von meinen Kindern :-)

Beitrag von kaoh - 12.12.11 - 08:03 Uhr

Naja, du hattest vor der Trennung einen gut bezahlten Job, Kontakt zur "Außenwelt".... Ich war Hausfrau und außer dem Kindergeld und 300 € Unterhalt für 3 Kinder völlig mittellos da ist die Überlegung eine andere. Mir ging da schon häufig durch den Kopf ob ich es überhaupt schaffen könnte die Kinder satt zu bekommen. Auch eine Arbeit bekam ich nicht da ich schon 11 Jahre ohne Fortbildung war. Da bekam ich schon Angst vor der Verantwortung nun alles alleine auf die Reihe bekommen zu müssen. Unsere Tread-Autorin ist ja auch daheim und mittellos, dazu mit 3 recht kleinen Kindern. Es gibt bestimmt immer Gründe für eine Trennung. Ich finde nur das Sie vielleicht die Situation falsch sieht und sauer ist weil sie selber mit ihrer Situation überfordert ist. Nun hofft sie auf Hilfe wenn endlich der Mann heim kommt, hofft auf mal ne Auszeit und der Mann braucht auch ne Pause. Mein Ex sagte dann früher immer einen recht verletztenden Satz....was ich nur wolle, wäre den ganzen Tag daheim hätte immer Urlaub....er dagegen ginge schwer arbeiten nur ihm stünde eine Pause zu. So erging es mir auch damals am WE oder im Urlaub. Ich war immer das ganze Jahr für die Versorgung allein verantwortlich, ausschlafen kannte ich nicht und mal bekochen lassen auch nicht. Mein Ex-Gatte meinte Urlaub sei nur was für Arbeitnehmer. Es hat mich sehr verletzt das meine auch sehr anstrengende Arbeit zu Hause nie gewürdigt wurde. Bestimmt hatte ich zwischen drin mal mehr Pause oder auch mal ein Gespräch mit ner Bekannten, jedoch war das Haus geputzt, Essen gekocht und eingekauft, die Kinder versorgt. Also auch ich hatte meinen "Teil" getan.

Ich glaube das unsere "Autorin" noch zusätzlich unter den Nachgeburtlichen depressiven Verstimmungen leidet denn das kleinste ist ja erst 2 Monate.

Ich gratuliere dir jedenfalls für dein neues Leben und wünsche dir und deinen Kindern eine schöne Vorweihnachtszeit.

Liebe Grüße Kaoh

Beitrag von starshine - 12.12.11 - 13:50 Uhr

Hallo Kaoh

ich denke, es fällt vielen Menschen schwer, den Beitrag an das gemeinsame Leben wirklich zu sehen, der zuhause (meist von Frauen) geleistet wird. Mir ist das sehr bewusst, weil ich beides machen musste und als ich meinen Ex rausgeschmissen hatte, da hatte ich nur einen riesigen Schuldenberg...

Ich bin heute auch sehr dankbar für alles, was unsere Nanny für uns tut und spare weder mit Lob noch mit Geld. Es hängt natürlich immer noch sehr viel an mir und ich habe leider nicht so viel Zeit für meine Kinder, wie ich das gerne hätte. Aber ich habe den Kopf freier, weil ich weiss, dass die "Alltagsdinge" erledigt sind. Und wenn ich auch nicht so viel Zeit habe, so ist das heute qualitativ hochwertige Zeit, die ich mit den Kindern verbringen darf. Den Männern, die denken ihre Frauen würden zuhause nur rumhocken, würde ich gerne mal eine Gehaltsabrechnung meiner Nanny vorlegen ;-)

Im Prinzip ist es ja nichts anderes, als wenn zuhause ein Partner/in einem den Rücken frei hält, ausser, dass ich jeden Monat ein Gehalt an sie überweise und abends und an den Wochenenden alleine mit den kids bin. Ich weiss heute sehr genau, was die Arbeit zuhause auch in Geld "wert" ist ;-)

Und deshalb weiss ich auch ganz genau, was ich auch heute in den Unterhalt und die Zukunft der Kinder investiere und habe gar kein schlechtes Gewissen, den Beitrag des Vaters dazu gnadenlos einzutreiben.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie auch eine schöne Adventszeit und ein besinnliches Fest :-)

Beitrag von starshine - 09.12.11 - 15:41 Uhr

Es ist hart, aber Du kannst das schaffen!