Hallo Zusammen,
vor nicht ganz zwei Wochen ist unser Sohn Lars auf die Welt gekommen. Ich hatte eine Traumschwangerschaft ohne Probleme und habe mir auch eine Traumgeburt gewünscht. Leider war die Geburt ziemlich krass und so gar nicht wie ich sie erwartet habe.
Ich schreibe nun den Geburtsbericht um die Sache für mich abzuschließen. Das klingt so negativ, das soll es aber gar nicht sein. Unser Sohn ist herzallerliebst und ihm geht es gut. Auch mir geht es inzwischen wieder gut. Ich will auch keine Angst machen, aber ich möchte es für mich einfach mal loswerden. Und eines sei noch gesagt: Man kann als Frau eine Geburt schaffen und überstehen und verarbeiten. Das geht. Weil wir Frauen sind.
Also, los geht es:
Unser Sohn ist 10 Tage überfällig. Wir haben alles versucht: Wehentee, viel Bewegung, Akupunktur, Bauchmassage, sogar eine Muttermundmassage hat meine wunderbare Hebamme gemacht. Aber es half leider gar nix. Ich verspürte seit einigen Tagen ganz leichte Regelschmerzen, aber wirklich nur schwach.
Am Samstag, 27.11.2011 ging es um 8 Uhr in die Klinik. Ich wurde untersucht, ein CTG wurde geschrieben. Alles war gut, der Muttermund 1-2 Zentimeter geöffnet. Man entschied mit der Einleitung zu beginnen. Also habe ich um 11 Uhr mit der ersten Tablette begonnen. Wir waren frohen Mutes, ich habe mich auf unseren Kleinen gefreut. Wir haben ein Partnerzimmer bezogen. Meine Schwester kam vorbei und wir klönten nett. Wir waren alle frohen Mutes, freuten uns auf den Kleinen.
Um 14 Uhr ging es zum CTG. Dem Kleinen ging es immer noch gut, ich habe keinerlei Wehen. Also die nächste Tablette. Meine Schwester ist nach Hause, ich mit meinem Mann aufs Zimmer. Ich bemerke leichte "Regelschmerzen". Mehr nicht.
18 Uhr: CTG ok. Die dritte Tablette. Wieder aufs Zimmer.
21 Uhr: CTG ok, etwas stärkere Regelschmerzen. Vierte Tablette. Wieder aufs Zimmer.
0 Uhr: Die Schmerzen werden stärker. Ich liege im Bett. Mein Mann hinter mir. Ich veratme die Schmerzen. Sie sind stark. Ich bin mir unsicher ob sie ausreichend sind. Mache ich mich lächerlich wenn ich in den Kreissaal gehe?
1 Uhr: Liegen geht nicht mehr. Ich laufe im Zimmer umher. Veratme Wehen. Stütze mich am Tisch ab, bewege mein Becken (das hilft übrigens sehr). Mein Mann entscheidet: wir gehen rüber in den Kreissaal, fragen mal nach.
Ein CTG wird geschrieben. Ich kann kaum liegen, bin genervt. Hoffe sehr, dass es was bringt. Dass die Schmerzen die Geburt voranbringen. Muttermund: 3 Zentimeter. Immerhin. CTG: Man kann sehen, dass der Kleine ein wenig Stress hat. Wir dürfen im Kreissaal bleiben. Ich bekomme einen Schmerzmitteltropf. Die Schmerzen werden besser, nicht mehr so stechend. Meine Schwester kommt gegen 3 Uhr. Wir können noch lachen, auch wenn ich immer wieder Wehen veratmen muß. Liegend. Sitzend. Stehend.
Ich überlege, wie lange dauert so eine Geburt. Meist 10-12 Stunden beim ersten Kind. Das ist noch lange hin.
Die Hebamme die da ist mag ich nicht. Fühle mich nicht ernst genommen. Sie meint, ich solle ein Bad zu Entspannung nehmen. Meine Schwester sagt nein, sie kennt meinen schwachen Kreislauf/Blutdruck. Ich merke, dass ich nicht mehr klar denken kann. Brauche meinen Mann und meine Schwester die da sind und meine Hand halten. Für mich etwas entscheiden.
Ein Bett wird in den Kreissaal geschoben. Damit die beiden sich zwischendurch auch mal hinlegen können. Mein Mann legt sich gegen 5 Uhr endlich mal hin, schläft sofort für ein paar Minuten ein. Trotz meines Stöhnens.
6 Uhr: Anke kommt. Anke ist meine Akupunktur-Hebamme. Wir haben einen besonderen Draht zueinander. Ich vertraue ich voll. Sie hat Frühschicht. Ich danke dem lieben Gott dafür.
Sie erkennt sofort was los ist. Ich muß gar nichts sagen. Ich bekomme eine PDA und einen Wehentropf. Die Minuten nach der PDA waren herrlich 
Bis 11 Uhr veratme ich Wehen. Sie sind immer noch trotz PDA schmerzhaft, aber nicht so stechend. Ich dachte immer, eine PDA stellt den Schmerz aus. Ist normalerweise auch so. Später erfahre ich: die Dosierung wurde herabgesetzt weil meine Wehentätigkeit abgenommen hat.
Ich bekomme einen Wehentropf.
Plötzlich heisst es: Muttermund ist 10 Zentimeter geöffnet, ich möchte pressen, darf aber noch nicht, muß echt blöd herumhecheln. Aber es hilft gegen den Pressdrang.
Irgendwann darf ich pressen. Ich merke richtig, wie der Kleine immer weiter herunterkommt und ich spüre ihn genau im Becken.
Plötzlich passiert was: Die Tür fliegt auf, diverse Ärzte und Hebammen sind da. Ich merke, da stimmt was nicht. Meine Wehen werden immer schwächer und ich presse irgendwann einfach so. Ich werde angeschrien, dass ich mehr pressen soll. Ich kann aber nicht mehr. Ich presse was das Zeug hält, ich habe aber keine Kraft mehr. Und die Wehen sind nicht mehr so stark. Ich merke, dass einer der Ärzte mir unten etwas reinsteckt. Ich denke noch "bitte keine Saugglocke". Der arme Kleine. Ich merke den Dammschnitt. Nicht während einer Wehe, sondern einfach so. Ich merke das Blut das aus mir herausläuft. Ich merke eine Hebamme, die sich auf meinen Bauch legt. Einer der Ärzte zieht an der Saugglocke. Ich presse. Wir brauchen zwei Anläufe. Dann ist er da. Zwischendurch merke ich, dass ich nicht mehr so ganz da bin. Ich bin zwar noch in meinem Körper, sehe alles aber mit Abstand. Als würde ich einen Film ansehen.
Blau. Mit der Nabelschnur um den Hals. Mein Mann wird angeschrien, er soll herkommen und die Nabelschnur durchtrennen. Ich sehe meine Schwester heulend. Ich frage, ob es wirklich eine Junge ist. Ob es ihm gut geht.
Ihm geht es gut. Er wird abgerubbelt, schreit ganz leise, dann immer lauter. Ich bemerke, dass das eigentliche Gebären eines Kindes weniger weh tut als die Wehen davor.
Irgendwann ist alles gut. Ich werde untersucht. Keine weiteren Verletzungen. Nur der Dammriss. Und das obwohl die Saugglocke riesig war. Die Glocke, die die uns im Vorbereitungskurs gezeigt haben war viel kleiner.
Ich werde genäht. Plötzlich sind alle entspannt. Anke, "meine" Hebamme weint. Vor Erleichterung. Ich denke nichts. Meine Schwester säubert den Kleinen und zieht ihn an. Ich bekomme ihn zum Stillen. Er schaut mich mit großen Augen an. Ich stille und es klappt sofort.
Ich merke, dass das gerade wohl kritisch war. Alle sind erleichtert, schauen immer wieder nach uns. Der Arzt entschuldigt sich für sein grobes Vorgehen. Ich entschuldige mich für mein lautes Geschrei und dafür, dass ich nicht mehr konnte. Blöd, ich weiß.
Später, wir sind im Zimmer, raus aus dem Kreissaal. Langsam wird alles klar: Es ging um Leben und Tod. Der Kleine steckte fest weil er sich doch nochmal gedreht hatte. Ein Sternengucker. Sein Kopf war ein Widerhaken in meinem Becken. Die Nabelschnur um den Hals. Mein Kreislauf zusammengebrochen. Kein Kaiserschnitt möglich, ich hätte die Narkose nicht überlebt. Heißt es. Da half nur brachiale Gewalt, den Kleinen aus mir herausreissen.
Ich habe drei Tage gebraucht um das zu kapieren. Ich konnte kaum aufstehen. Immer nur herumliegen. Den Kleinen stillen und bewundern. Zum Glück hatten wir ein Familienzimmer. Mein Mann ist dageblieben. Er hat alles gemacht. Den Kleinen gewickelt. Mich gefüttert. Mich gewaschen. Alles Dinge die ich jetzt einfach noch nicht erleben wollte.
Nach drei Tagen bekomme ich einen Krankenhauskoller. Will nur noch nach Hause. Das machen wir auch - wir fahren nach Hause und seitdem geht es mir stündlich um 100% besser. Ich habe noch Wundschmerzen. Kann aber wieder aufstehen, alleine aufs Klo, alleine Duschen. Was das wert ist. Das Stillen klappt so gut, ich merke richtig dass unser Sohn Lars leben will.
Hätte man etwas anders machen können? Klar wenn ich das gewusst hätte, hätten wir einen Kaiserschnitt gemacht. Aber es war nicht abzusehen.
Eingeleitete Geburt mit gutem Ausgang aber ein schwerer Weg...
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Beitrag von rubenia325 - 09.12.11 - 21:21 Uhr
Beitrag von pfeff1979 - 09.12.11 - 21:50 Uhr
Schöner Bericht.... kommt mir sehr bekannt vor.
Hatte auch einen Sternengucker, Saugglocke usw.
Beitrag von erdbeer-hase - 09.12.11 - 22:29 Uhr
Ohje das war ja keine leichte Geburt.
>>Später, wir sind im Zimmer, raus aus dem Kreissaal. Langsam wird alles klar: Es ging um Leben und Tod. Der Kleine steckte fest weil er sich doch nochmal gedreht hatte. Ein Sternengucker. Sein Kopf war ein Widerhaken in meinem Becken. Die Nabelschnur um den Hals. Mein Kreislauf zusammengebrochen. Kein Kaiserschnitt möglich, ich hätte die Narkose nicht überlebt. Heißt es. Da half nur brachiale Gewalt, den Kleinen aus mir herausreissen.<<
Da dachte ich gerade an den Satz "Irgendwie kommen sie alle raus"
Es kann aber doch so verdammt schwer sein
Ich hoffe, dass du das alles bald richtig verarbeitet hast
Alles Gute
Beitrag von angeleye07 - 10.12.11 - 09:21 Uhr
ohjee, du arme. kann mitfühlen. ich lag drei tage in den wehen, die geburt ging ewig und mein kleiner war auch ein sternkucker und musste mit der glocke geholt werden 
seine herztöne flachten ab und er musste beatmet werden. dazu holte er sich noch einen geburtsinfekt und musste 5 tage auf intensiv, daß war das schlimmste.
du wirst sehen, in ein paar wochen hast du die geburt verarbeitet und alles ist gut.
wünsche dir und deiner familie alles gute
Beitrag von rubenia325 - 10.12.11 - 18:08 Uhr
Oh weh, das war dann auch ein harter Start ins Leben...
Eigentlich ist schon jetzt wieder alles gut - es wird jeden Tag besser und unser Kleiner ist wirklich ein ganz Lieber. Ich bin immer ganz fasziniert, wie gut er die schwere Geburt wegsteckt
Beitrag von angeleye07 - 11.12.11 - 10:02 Uhr
Ja, die Kleinen sind zäher als man denkt.
Freut mich das es Dir gut geht
LG
Beitrag von lacky06 - 10.12.11 - 11:14 Uhr
Lass dich
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Ich wünsche Euch allen, eine wunderschöne Kennlernzeit und eine schöne Weihnachtszeit.
Es wird eine weile dauren, aber du verarbeitest es, wenn du siehst, wie dein kleiner Mann wächst und gedeit. Rede so oft du kann und dir zu mute ist, darüber, das hilft verarbeiten und wenn es Tränen sind.
Liebe grüße wünscht claudi mit Max 5 Jahr und Püppie 36+4, wird am 27.12. per KS geholt.
Beitrag von rubenia325 - 10.12.11 - 18:07 Uhr
Danke für die lieben Worte! Ich muß immer weniger daran denken, seitdem wir aus dem Krankenhaus raus sind, wird es jeden Tag besser.
Der Kleine wird auch immer ruhiger.
Beitrag von hippogreif - 13.12.11 - 21:16 Uhr
Es tut mir sehr leid, dass die Geburt so schwer war. So stellt man sich das vorher bestimmt nicht vor... 
Aber das Ergebnis zählt: Du hast einem kleinen Wesen das Leben geschenkt!
Wünsch euch eine tolle Kennenlernzeit!
