Wieviel Gehalt ist angemessen?

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von nudelmaus27 - 12.12.11 - 12:46 Uhr

Hallo!

Ich habe glücklicherweise einen Job in Aussicht und in nächster Zeit wird es höchstwahrscheinlich zu einem Gespräch kommen.

Nun kommt ja immer die berühmte Frage, was man denn so verdienen möchte und da brauche ich euren Rat um mich nicht schon damit ins Abseits zu schießen.

Also es handelt sich um einen Job als Sekretärin, 30 Stunden/Woche in einer größeren Firma. Ich wohne im Osten, habe Bürokauffrau gelernt und mich zur Industriefachwirtin weiterqualifiziert. Auch habe ich bereits umfangreiche Berufserfahrung in dem Bereich. Das einzige was ich nicht gut kann ist Englisch aber das brauche ich da nicht und ich bin die letzten 2 Jahre ohne Job gewesen (war in Elternzeit). Das letzte Mal im Büro war ich vor ca. 6 Jahren, mein letzter Job war im Einzelhandel. Mit PC und Co. kann ich natürlich problemlos umgehen.

Also was meint ihr, kann man Brutto verlangen?

#danke, Nudelmaus

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 13:06 Uhr

29.000,- pro Jahr brutto.

Beitrag von siomi - 12.12.11 - 13:09 Uhr

Das halte ich jetzt mal für einen Scherz. Als Sekretärin für 30Std/Wo.? Never.

Beitrag von nudelmaus27 - 12.12.11 - 13:11 Uhr

Bin auch verwundert, das wäre ja ein Traum #schein.

Ich dachte an vielleicht 1400 Euro #kratz und da denke ich schon fast dass das zu viel sein könnte.

Hmmm......

Beitrag von berry26 - 12.12.11 - 13:28 Uhr

Hi,

ich denke das kommt sehr auf den Betrieb an.

Deine Ausbildung ist natürlich sehr gut aber du hast auch 6 Jahre nicht in diesem Beruf gearbeitet. Bei uns wären vermutlich 1700-1800€ angemessen. Ich komme auch aus einem Niedriglohngebiet (Norbayern).

LG

Judith

Beitrag von windsbraut69 - 12.12.11 - 13:13 Uhr

Im Osten vielleicht nicht aber sonst durchaus realistisch.

Gruß,

W

Beitrag von siomi - 12.12.11 - 13:13 Uhr

Ich komme nicht aus dem Osten!

Beitrag von windsbraut69 - 12.12.11 - 13:30 Uhr

Die TE aber und im Wesen dürfte es noch mehr Firmen geben, die vernünftig zahlen.

Beitrag von siomi - 12.12.11 - 13:33 Uhr

Ich kann jetzt nur von meiner Region sprechen (Süddeutschland). Mit Ausnahme der größeren Städte, kann sie die Zahl von Thea um einiges nach unten korrigieren.

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 13:15 Uhr

Was im Osten realistisch ist, ist ja da die zweite Frage.

Nur weil einige Betriebe dort im Osten Hungerläöhne zahlen, muss man das ja nicht annehmen und nicht jeder Betrieb zahlt schlecht Löhne.

Hilfreich wäre zu wissen, um welchen großen Betrien es sich handelt.

Nicht von der Hand zu weisen ist ihre Qualifikation.

Auch nicht unwichtig ist die Tatsache, das man höher pokert, um nicht sofort unten anzukommen.

Hier bei uns (liegt im Osten des Landes), großer Konzern, zahlt man für ähnliches Berufsbild bei 30 Stunden durchaus solch einen Lohn.

Beitrag von berry26 - 12.12.11 - 13:22 Uhr

Wer unverschämte Forderungen stellt, steht aber auch schnell vor der Tür.

Wenn man auf einen Job angewiesen ist, würde ich mich doch an realistische Forderungen halten und nicht an Münchner Niveau orientieren.

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 13:35 Uhr

Das zu bewertende Unternehmen arbeitet Deutschlandweit und scheint sich auch in einem entsprechend gut situierten Sektor zu bewegen.

Für die Arbeitnehmer im Osten, die für 900 netto arbeiten gehen, kann die TE nix.

Und die sollten für niemanden Maßstab sein!

MEIN Arbeitgeber würde sicherlich auch dankend annehmen, schlüge ich ihm vor für die Hälfte zu arbeiten. Das mach ich aber nicht, weil ich weiß was ich leiste und somit was ich wert bin.

Beitrag von berry26 - 12.12.11 - 14:31 Uhr

Nun ich kann ja nur aus eigener Erfahrung sprechen.
Mein Mann ist Physiker und wir befinden uns hier auch eher im Niedriglohnsektor. Er hatte 5 Vorstellungsgespräche hier und nur einer hat ihm das gezahlt was er wollte. Er verdient nun rund 40% mehr als hier üblich (in etwa deutscher Durchschnittsgehalt in diesem Beruf) ABER er war auf diesen Job nicht angewiesen weil er eine feste Anstellung hatte und er ist Physiker (Fachkräftemangel) und keine Sekräterin die man an jeder Straßenecke findet. Würde ich mich (Industriekauffrau mit 10 Jahren Berufserfahrung, Führungserfahrung etc.) hier bewerben, dürfte ich nicht so "freche" Forderungen stellen, wenn ich tatsächlich einen Job haben MUSS. Dabei ist es egal ob es um einen Konzern wie Siemens oder ein mittelständiges Unternehmen geht.

Mal abgesehen davon hat das Gehaltsgefälle auch einen Grund. Bei uns hat man im Schnitt wesentlich mehr Geld in der Tasche als in vielen Großstädten, obwohl man wesentlich weniger verdient. Daran orientieren sich auch Großkonzerne oder meinst du es hat einen anderen Grund warum BMW vor einigen Jahren ein Werk in Leipzig und nicht in Stuttgard oder Köln eröffnet hat?

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 14:39 Uhr

Nunja, das man eine ausgebildete Fachkraft (und dazu zählen auch Sekretärinnen, bzw. Kaufleute) an jeder Straßenecke findet, halte ich für ein Gerücht!

Ein Physiker wird nur häufig seltener gesucht. Mein vorheriger Vorgesetzter war einer und hat mit Sicherheit ein Gehalt gehabt, welches zusammen 10 Sekretärinnen hatten (10 Stück mit meiner Lohnvorstellung)

Aber, um auf das Thema zurückzukommen: Ja, es gibt ein Lohngefälle, was allerdings schon lange nicht mehr gerechtfertigt ist (was aber ein anderes Thema ist).

ICH habe solch eine "freche" Forderung gestellt und bin weder ausgelacht, noch weggeschickt worden.

Diesen Lohn hätte ich mit Sicherheit nicht in einem Autohaus im Harz, aber da bewerb ich mich auch nicht.

Genauso wie die TE sich nicht bei einer Hinterhoffirma bewarb.

Solche Löhne sind generell nicht gerechtfertigt. Es gibt diese Unterschiede je nach Art und Größe des Unternehmens, aber die Rechtfertigung sehe ich trotzdem nicht.

Einzig das Aufgabengebiet würde DA noch einen Umschwenker meinerseits bewirken, aber auch da hat jeder eine andere Auffassung, was eine Sekretärin den ganzen Tag so macht ... (oder auch nicht ;-))

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 14:40 Uhr

*GUT ausgebildete Fachkräfte.

Beitrag von berry26 - 12.12.11 - 16:15 Uhr

Entschuldige aber ich arbeite ja nun auch in dem Bereich und ich weiß wieviele Mitbewerber/innen es gibt. Das sind um einige mehr als bei meinem Mann. Von kaufmännischen Berufen ist im allgemeinen der Markt eher "überschwemmt". Je spezialisierter man ist, desto höher ist natürlich der eigene Marktwert aber bei einer Sekretärin kann man kaum von Spezialisierung sprechen, da es ja hier um allgemeine Verwaltungstätigkeiten geht und um eine Bewerberin die 6 Jahre nicht in ihrem Beruf gearbeitet hat.

"Ein Physiker wird nur häufig seltener gesucht" Das ist Blödsinn! Physiker und Ingenieure werden momentan häufiger gesucht als Bürokauffrauen! (Ich hab mich zeitgleich mit meinem Mann nach einem Job umgesehen und fand nur halb soviele passende Stellen wie mein Mann.) Zumindest in Industriebetrieben und Gegenden wo Industrie eine große Rolle spielt. Und was Physiker mit entsprechender Erfahrung verdienen weiß ich auch ganz gut. Meiner ist erst seit 1,5 Jahre mit dem Studium fertig und seit 6 Monaten im neuen Betrieb und hat schon 2-3 Gehälter einer Sekretärin mit deinen Gehaltsvorstellung in einem Job ohne Führungsverantwortung (bisher). ;-)
Du sprichst hier nur von dir. DU hattest einfach Glück wenn man deiner hohen Forderung nachgegangen ist. Wobei ja gar nicht klar ist wie hoch du tatsächlich gepokert hast. Das was du der TE jedoch als "angemessen" genannt hast, finde ich schon extrem hoch für dieses Gebiet. Auch Unternehmen haben einfach einen Rahmen den sie einhalten müssen und gerade in großen Unternehmen ist dieser Rahmen GESETZ, da hier nicht der Inhaber persönlich übers Gehalt verhandelt sondern auch nur ein Angestellter der seine Vorgaben hat. Wie gesagt mein Mann hat sich sehr spezialisiert und 2 "perfekte Stellen" wegen seiner Forderung nicht erhalten. Das Gespräch war nach dieser Forderung von beiden Seiten beendet worden und so hätte es dir auch gehen können. Bei ihm waren es auch immer größere Firmen und Konzerne!

"Solche Löhne sind generell nicht gerechtfertigt. "
Nun ich wäre sofort dafür ein Münchner Gehalt zu bekommen aber nur wenn ich dafür nicht auch Münchner Mieten und Lebenshaltungkosten zahlen müsste. Mein Eigenheim hat 150.000 € gekostet und ist eine Villa für Münchner und andere Großstadtverhältnisse. Dafür verzichte ich auch gern auf 500€ - 1000€ Brutto wenn ich dafür rund 2000€ weniger Hausrate zahlen muss und auch gerne jedes WE essen gehen kann und trotzdem weniger Haushaltsgeld brauche als die schicke Münchner Sekretärin mit Traumgehalt aber Horrormiete und Kinderbetreuungskosten zum schwindlig werden.

Und nur um mal klarzustellen. Ich verdiene für unsere Verhältnisse hier sogar sehr gut und arbeite auch nicht bei Klaus Müller KG nebenan sondern für einen internationales Unternehmen mit rund 10.000 Mitarbeitern. Mein Gehalt liegt in etwa 5% unter dem eines Siemensangestellten, deren Gehaltstabellen ich sehr gut kenne.:-p Ich verdiene in etwa soviel wie du vorgeschlagen hast aber ich bin auch keine Sekretärin und habe mehr Berufserfahrung.

Man sollte sich schon an örtliche Gegebenheiten halten. Das kann man ja auch bei entsprechenden Gehaltschecks rausfinden.

Ich bin auch absolut dafür sich nicht unter Wert zu verkaufen aber überhebliche Gehaltsvorstellungen helfen auch nicht weiter wenn man nicht in der Position ist hoch zu pokern. Zudem spricht das nicht für den Arbeitnehmer.

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 20:12 Uhr

Wenn du selbst in dem Bereich arbeitest und weißt, was man "wert" ist und DAS auch selbst bekommst, warum der ganze Wust an Argumentation, der eigentlich nichts anderes aussagt als das, was ich die ganze Zeit erzähle?

Du verdienst gut, überdurchschnittlich gut, ich verdiene gut und ja, ich halte das für nomal und durchaus für durchsetzbar, solange man eben nicht für den Tante Emma Laden die Akten schubst.

Und von örtlichen Gegebenheiten kann man bei der TE kaum sprechen, selbst wenn sie im Osten ansässig ist.

Und wenn du, als besser qualifizierter Angestellter ähnlich verdienst, wie die "popelige" Sekretärin, soll mir das was sagen?

Der Schuh passt mir zB. gar nicht, da ich mit einer Sekretärin ungefähr soviel gemein habe, wie mit einem Fleischer.

Und nun lassen wir die Worteschieberei, denn ich bin einfach nach wie vor der Meinung (popelige kaufmännische Angestellte hin oder her), dass der Lebensweg einiger Bekannter und auch meiner nicht ausschliesslich durch Glück gepflastert wurden.

Und wenn du die "Gehaltstabellen" von Siemens kennst, weiß du ja sicherlich, das die Qualifikation da vorrangig unwichtig ist, da die Stelle an sich bezahlt wird, nicht ob du 1 oder 3 Ausbildungen hast.

Beitrag von berry26 - 13.12.11 - 09:44 Uhr

Der Unterschied besteht ganz einfach darin das du hier jemanden zu völlig unrealistischen Gehaltsforderungen rätst und jemand der sich darauf verlässt auch garantiert auf die .... fällt.

Sorry aber 29.000€ für eine 30 Std-Stelle als Sekretärin sind absolut utopisch und das auch bei uns obwohl man hier ca. 10-15% mehr verdient als in Sachsen, ausser man wäre evtl. 20 Jahre im Job. Das würde auch kein Großkonzern zahlen, die im übrigen sehr wohl auch Ausbildung und Erfahrung mit einrechnen um dich in die Tabelle einzugliedern. Wäre ja auch sehr ungerecht wenn ein Berufsanfänger das gleiche verdienen würde wie ein Angestellter mit 15 Jahren Erfahrung in diesem Bereich. Es wird auch mit berücksichtigt ob man sich durch ein Studium oder eben durch Erfahrung für diese Stellung qualifiziert etc.

Beitrag von thea21 - 13.12.11 - 09:47 Uhr

Und wenn ich dir nun erzähle was ich verdiene, lüge ich?

Ich sehe hier JEDEN Tag das diese Gehaltsforderungen realistisch sind, denn unter anderen bin ich es, die dafür jeden Tag aufsteht!

Zwar unterscheidet sich meine Berufsbezeichnung von dem der Sekretärin, Meilen auseinander liegen die beiden Berufe dennoch nicht auseinander.

Beitrag von berry26 - 13.12.11 - 13:01 Uhr

Du arbeitest aber warscheinlich auch nicht in Sachsen und hast einen AG der überdurchschnittlich gut bezahlt und an keine Gehaltslisten gebunden ist. Keiner behauptet das du lügst aber das ändert ja nichts daran das deine vorgeschlagene Gehaltsforderung eher ein Grund für den sofortigen Rauswurf aus dem Büro ist als eine angemessene Verhandlungsgrundlage.

Beitrag von thea21 - 13.12.11 - 13:06 Uhr

Ich wohne in Berlin.

Ich habe bei bisher 3 Arbeitgebern hoch gepokert und gewonnen, wenn nicht sofort befriedigend, dann wenigstens im Anschluss bei "Beweis" meiner Arbeit.

Alle Vorschläge wären in deinen Augen unverschämt gewesen, aber es saß und machte wenig Mühe.

Davon war auch nur ein Arbeitgeber ein Weltkonzern und bei dem war meine Vorstellung auch eher eine pro forma Sache.

Beitrag von thea21 - 13.12.11 - 09:49 Uhr

Und:

Das Qualifikation und Erfahrung garkeine Rolle spielen, sagte ich nicht. Jedoch ist es vordergründig, wie die Tätigkeitbeschreibung ausfällt.

Beitrag von berry26 - 13.12.11 - 13:00 Uhr

Dagegen habe ich ja nichts gesagt. Es ist trotzdem so das man für ein und denselben Job in der gleichen Firma durchaus auch Spannen von bis zu 100% und mehr liegen allein wegen diesen Nebensächlichkeiten (Ausbildung, Erfahrung etc.).

Beitrag von nudelmaus27 - 12.12.11 - 13:23 Uhr

Hallo!

Also es ist ein deutschlandweites Unternehmen, das sich mit Krankenkassenabrechnungen beschäftigt.

Auch gebe ich dir Recht, dass man im Osten bei Siemens und Co. ;-) sicherlich mehr bekommt aber in der Regel kommt man kaum über 1500 Euro für nen Teilzeitjob.

Und was mich bissel stört du schreibst, dass man das ja nicht annehmen muss. Klar aber es wimmelt auch nicht gerade von Jobs. Ich bin ortsgebunden, habe 2 Kinder die ich auch nur bestimmte Zeit unterbringen kann usw. usw., da kann man nicht so wählerisch sein.
Meine Freundin z. B. arbeitet 26 Stunden und ist im öffentlichen Dienst und bekommt trotzdem "nur" 1400 Euro (im Osten :-)).

LG; Nudelmaus

Beitrag von thea21 - 12.12.11 - 13:29 Uhr

<<<sicherlich mehr bekommt aber in der Regel kommt man kaum über 1500 Euro für nen Teilzeitjob.>>>

Aus eigener Erfahrung kann ich etwas anderes berichten. Und da bin auch nicht ich ausschliesslich Erfahrungsträger.

Gerade ein Deutschlandweites Unternehmen sollte wohl angemessene Löhne zahlen können.

Da wir wissen, das die eigene Vorstellung nie durchsetzbar ist, rifft man sich eben tiefer.

Und wenn man tief anfängt, kommen da Quarklöhne bei raus.