Der kleine Muck-eine Punktlandung 2 Stunden vor errechnetem Termin

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Beitrag von jennyks - 15.12.11 - 16:29 Uhr

Da ich selber vor der Geburt viele Berichte gelesen habe, allerdings nicht die abschreckenden...
Vermutlich wird mein Bericht recht lang.

Am 7.11.11 wachte ich nachts um halb zwei mit leichten Wehen auf. Da diese von Übelkeit, Durchfall und Schmierblutungen begleitet wurden war ich mir sicher, dass es richtige Wehen sind. Eigentlich wollte ich so lange wie möglich zuhause bleiben, da mein Mann aber morgens um 8 die Herztöne unseres Babys nicht mehr hören konnte-in den letzten Tagen war ihm dies mit bloßem Ohr auf meiner Bauchdecke möglich-fuhren wir ins Krankenhaus.

Dort angekommen waren die Kontraktionen auf dem CTG sichtbar, der Muttermund war bei 2 cm. Da der kleine Muck, wir hatten uns das Geschlecht nicht sagen lassen, noch nicht tief genug im Becken saß wurden wir Treppensteigen geschickt. Mittags wurde, am nun drei Zentimeter weit offenen Mumu der Eipol gelöst, was die Wehen verstärkte. Und weiter Treppen laufen und nun auch Globulin nehmen um die Serben anzutreiben.

Wieder ca zwei Stunden später verpasste mir die nun Diensthabende Hebi einen Einlauf und mit diesem die ersten schmerzhaften Wehen. Es war glaube ich 14 Uhr. Diese fingen in den Oberschenkeln an, krochen dann über Rücken und Bauch. Nun durfte ich in den Kreissaal um in ständig wechselnden Positionen, stehend, auf dem Pezziball, hockend, die Wehen zu verarmen und dabei mein Becken kreisend unser Kind tiefer zu befördern. Irgendwann untersuchte mich die Hebi erneut, da war der Mumu bei 8 cm, welch eine Freude! Es waren ungefähr 4 Stunden vergangen, mittlerweile wollte ich auch lieber wieder nach Hause, da die Schmerzen immer mehr wurden. Statt nach Hause wechselten wir den Kreissaal und ich durfte in die Wanne. Kaum drinnen wollte ich eigentlich wieder raus. Die Presswehen begannen. Und jetzt durfte ich nicht pressen, sondern musste veratmen und durfte maximal etwas mitschieben. Die Hebi, die nun permanent anwesend war, fragte mich wie ich entbinden wollte. Mein Wunsch war es nach wie vor dies mit Hilfe der Schwerkraft zu tun. Also wechselten wir von der Wanne auf den Hocker. Mittlerweile zwangen mich die Wehen immer mehr in die Knie, verarmen habe ich nur Dank meines Mannes geschafft, der mich immer wieder dazu anhielt und mitmachte. Da der Kopf immer noch nicht die richtige Position eingenommen hatte, musste ich vom Hocker aufs Bett, auf die Seite, auf den Rücken immer im Wechsel. Irgendwann war eine weitere Hebi da und die Ärztin. Mir wurde erklärt, nachdem ich nun schon einige Wehepressen durfte, dass man nun den Cristeller Griff anwenden würde, was mir erstmal Angst machte. Dann sagte ich die nächste Wehe an, presste, die Ärztin schmiss sich auf meinen Bauch, ich zog beide Beine bis hinter die Ohren, die Hebi wässerte meinen Damm, was die andere Hebi tat weiß ich nicht mehr. Diese Prozedur immer wieder. Irgendwann habe ich gesagt man könne ruhig schneiden. Viel um mich herum bekam ich nicht mehr mit. Meine Augen zu, im Sicheren Glauben mein Kind auf diesem Wege gebären zu können. Ohne diesen Glauben und das Wissen in Gottes Hand zu sein, wäre es vermutlich nie gegangen!

Unglaublich froh, dass ich im gesamten Scheidenbereich keinerlei Schmerzen verspürte, feuerten michbdie Anwesenden bei der entscheidenden Wehe an, und da war Julie!!!

Sie schrie wie am Spiess, war knallrot und pausbäckig! Ihre Maße waren 53cm, 3950g und 37,5 Ku. Kein Wunder, dass es für mich eher zierlich, ein Riesen Kraftakt war dieses Kind zu gebären. Die Plazenta kam praktisch direkt hinterher. Dann zückte die Ärztin auch schon Nadel und Faden und ich bat nur um eine Betäubung, woraufhin mir freundlich geantwortet wurde, dass wir ja nicht im Urwald seien! Da erfuhr ich auch, dass der Damm geschnitten wurde und ich leider noch bis in den Anus weiter gerissen bin.
Ich war mir sicher Sturzbäche vergießen zu müssen, konnte aber nichts mehr, diese kamen ein paar Stunden später. Vom Kreissaal aus kamen wir nach 2 Stunden aufs Zimmer, die ganze Zeit lag Julie nackt auf meiner Brust.
Am nächsten morgen musste ich zweimal in den Spiegel schauen. Ich sah aus wie ein Streuselkuchen. Überall geplatzte Blutgefäße, sogar in den Augen. Mein Kinn war fast schwarz.

Ohne meinen Mann wäre die Geburt unendlich schwerer gewesen. Er war immer da und hat mich angeleitet was zu tun war. Auch die Hebi war super, ich bin selten einem Menschen so dankbar gewesen, habe mich immer gut aufgehoben gefühlt. Gott sei Dank ging es Julie die
gesamte Zeit blenden. Sie hatte die besten Apgar Werte die man sich Wünschen konnte.

An alle noch schwangeren: schwieriger als die Geburt fand ich die 14 Tage danach. Ich schlief eine Woche lang nur 2 Stunden pro Nacht, dazu kam, dass Julie ein sehr starkes Bedürfnis nach Körpernähe hat, sie lässt sich nicht weglegen. Außerdem will sie permanent gestillt werden, jetzt, nach fast 6 Wochen geht es langsam aufwärts. Der Babyblues packte mich dann auch ordentlich, ich dachte mit mir stimmt was nicht, wer heult denn grundlos?! Keine Sorge, es ist alles normal!

Beitrag von 1986bella - 16.12.11 - 09:04 Uhr

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!!!

Beitrag von sisely - 16.12.11 - 18:03 Uhr

Also ehrlich das ist wunderbar geschrieben. Ich war ganz gefesselt.

Beitrag von amina-85 - 17.12.11 - 18:06 Uhr

wow, guter bericht....war in der vorstellung bei der geburt dabei #rofl

alles gute euch dreien :-)