opa ist schon so alt

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Beitrag von milimi123 - 15.12.11 - 19:34 Uhr

hallo!

mein lieber opa, 90 ist er fast...

wir wohnen leider sehr weit weg und ich sehe ihn nur 3 x im jahr. wenn ich an ihn denke, bzw. daran denke, dass seine zeit nun doch langsam abläuft, könnte ich sofort anfangen zu weinen...

ist es nicht absurd, er lebt noch und ist für sein alter auch noch ganz fit, naja 10 tabletten täglich muß er nehmen.. er hat eine lebensgefährtin und sie passen aufeinander auf.. dennoch, immer wenn ich dann bei ihm zu besuch bin, muß ich mich total zusammenreißen, so traurig macht mich die vorstellung, dass es vielleicht das letzte mal sein könnte, dass wir uns sehen.

kann mich jemand verstehen? wie kann ich damit besser umgehen und wie wird das nur wenn er tatsächlich geht?

lg

Beitrag von schwanog - 15.12.11 - 21:03 Uhr

Hallo,
schau mal, an vielen Tatsachen kannst du nichts ändern: Opa wohnt weit weg, er ist alt und wird irgendwann sterben. Es gibt jedoch Dinge, die du gestalten kannst: Vielleicht kannst du es einrichten, ihn BALD mal wieder zu besuchen, zu Weihnachten eine Karte zu schreiben oder ihn anzurufen und ihm so zu zeigen, dass du an ihn denkst und er wichtig ist. Lass dir doch beim nächsten Mal von ihm erzählen, was er erlebt hat und was ihn in seinem leben erfüllt hat. Erst vor ein paar Tagen hat mir unser Pfarrer erzählt, dass er Hinterbliebene oft frägt, was dem Leben des Verstorbenen Sinn gegeben hat. Und oft haben Hinterbliebene keine Antwort darauf - erschreckend! Wäre das nicht schön, dies von deinem Opa zu wissen?
Hast du ihn schon mal gefragt, ob er Angst vor dem Sterben oder dem Tod hat? Vielleicht eine absurde Idee, vielleicht aber auch eine, der ein sehr intensives Gespräch folgt, dass dir selbst aber ein gutes Gefühl gibt, wenn du an deinen Opa denkst, der weit weg wohnt. Wenn ich an meine Omas denke, die gestorben sind, als ich erwachsen war und mir auch meine Gedanken über den Tod gemacht habe, weiß ich, dass es für beide ok war, zu gehen. Sie haben ihr Leben gelebt und sahen sich in ihren Kindern und Enkeln weiterleben. bestimmt ist es bei deinem Opa auch so und vielleicht tut dir das gut zu wissen...
Ich wünsch dir ganz viele und tolle Gespräche mit deinem Opa!
LG
schwanog

Beitrag von milimi123 - 15.12.11 - 21:10 Uhr

vielen dank für deine antwort. ich bin froh über das was du geschrieben hast, denn ich habe das gefühl doch das richtige zu tun..

ja einiges habe ich schon getan und tue ich auch, wir telefonieren einmal die woche kurz.. ich war gerade dort und werde auch versuchen in 2-3 monaten wieder hin zu fahren..

ich habe ihm auch schon diese fragen gestellt, aber wie vielen männer fällt es ihm nicht leicht über gefühle zu reden. er hat mir eine familienchronik zusammengestellt.. darin sind leider hauptsächlich geschichten von vor dem krieg und dem krieg selbst.. die zeit mit meiner oma und seinen kindern kommt sehr kurz.. dennoch eine sehr schöne sache.

er hat keine angst zu sterben. das ist schön, ich aber schon.

Beitrag von schwanog - 15.12.11 - 21:46 Uhr

Es hört sich gut an, was du schreibst! Dein Opa ist sicher stolz auf seine tolle Enkelin! Aus deinen Zeilen lese ich ganz viel Liebe und Einfühlungsvermögen, das tut deinem Opa gut...
Mein Opa erzählte auch oft vom Krieg - das war eben eine prägende Zeit, die uns, so Gott will, hoffentlich erspart bleibt. Allerdings konnte mein Opa auch viele Geschichten aus Kriegszeiten erzählen, die unmittelbar mit Oma zu tun hatten. Ich kann mich an diese Geschichten gut erinnern.
Ganz bestimmt machst du das Richtige, lass Opa einfach spüren, dass er wichtig ist, das läuft auch Männern um die 90 runter wie Öl!!!
Ganz liebe Grüße
P. S.: Grad hab' ich gerechnet und festgestellt, dass mein Opa am 13. Mai 2011 auch 90 geworden wäre, leider ist er schon 1998 gestorben.