Wie lange "Ausfallzeiten" im Lebenlauf/beim Vorstellungsgespräch erklären?

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Beitrag von frau_e_aus_b - 16.12.11 - 09:50 Uhr

Guten Morgen....

ich brauche mal euren Rat. Es geht um meine Schwester (fast 22).

Diese hat heute ein Vorstellungsgespräch für einen Ausbildungsplatz (Arzthelferin).

Die schulische Vorgeschichte:
2007 beendete sie die Hauptschule mit dem erweiterten H-Abschluss.

Danach zog sie mit meiner Mutter in eine andere Stadt (private Gründe meiner Mutter). Meine Schwester ging auf eine "Berufsfachschule".

D.h. sie wäre dort 3 Jahre hingegangen und hätte dann einen schulischen Abschluss als Pflegeassistentin und hätte den Realschulabschluss bekommen

Die ersten Monate ging meine Schwester mit vollem Eifer und Begeisterung hin, Noten waren gut.

Dann verzog sie sich immer mehr in die virtuelle Welt, da sie wohl keinen Anschluss in der neuen Stadt fand (auch nicht in der Schule).

Im Internet lernte sie viele "arbeitsscheue" Leute kennen - teilweise älter wie sie, ohne Schulabschluss, ohne Arbeit oder überhaupt den Wunsch zu arbeiten.

Diese waren nur Nachts online und somit war sie teilweise auch die ganze Nacht im Internet.
Die Noten fielen immer mehr in den Keller, auch schwänzte sie ununterbrochen.

Meine Mutter bekam davon wenig mit, da sie ja selber Vollzeit arbeiten ging und dadurch dass meine Schwester volljährig war hatte sie da auch wenig Handhabe.

Meine Schwester bekam im Sommer 2008 eine 2.Chance und musste/durfte das 1. Jahr wiederholen. Daraus gelernt hatte sie nicht, es ging die ersten Monate in der neuen Klasse gut, dann lief es so weiter wie bisher.

Im Juli 2010 wurde sie dann von der Schule "geschmissen" wegen schlechten Noten und zu vielen Fehltagen - somit keinen Abschluss.

Seitdem ist sie zu Hause.

Dass sie von der Schule flog, macht ihr schon zu schaffen und sie versuchte sich aufzurappeln. Allerdings waren ihre "virtuellen Freunde" und ihr umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus zu sehr in ihr verankert.

Sie machte auf Drängen meiner Mutter im Herbst 2010 eine 3-monatige-Ausbildung zur Pflegehelferin bei den Maltesern.

Eigentlich wollte sich sich danach einen Praktikumsplatz bzw eine FSJ-Stelle suchen um die Zeit bis zum Sommer zu überbrücken und dann halt ne Ausbildung.

Wieder kam alles anders... Sie hatte während der Ausbildung "Probleme" bei einem Praktikum (sexuelle Belästigung, was wir aber erst diesen Sommer erfuhren).
Danach zog sie sich noch mehr zurück.

Gesundheitl Vorgeschichte:
Sie war schon immer sehr übergewichtig. Schon als Kind.

Im Januar diesen Jahres, sah sie im TV einen Bericht über eine Abnehmklinik in Bayern. Dort ist man 1Jahr, lebt in einer WG und macht nebenbei noch eine Berufsausbildung (halt so 1-jährige Ausbildungen z.b. Altenpflegehelfer) oder Schule.

Sie war hellaufbegeistert und motiviert.
Leider musste die Klinik ihr auf den letzten Drücker absagen (Mai 2011), da sie während des Aufenthaltes 22 Jahre geworden wäre und sie nur junge Leute bis 21 Jahre aufnehmen.

Sie wurde dann im Juli 2011 über die KK in eine Klinik in der Lüneburger Heide geschickt.
Dort war sie 10Wochen, hat auch gut abgenommen (Startgewicht bei 160kg).

Auch hat sie dort eine Psychotherapie bekommen, wo heraus kam, dass sie unter Depressionen leidet (wohl schon länger, deswegen auch der Rückzug in die virtuelle Welt und das schnelle Zunehmen).

Sie wurde von der Klinik entlassen und sollte sich dann hier einen Therapeuten suchen (leider hat keiner in der Umgebung vor Januar 2012 einen Platz frei) und dann in eine spezielle Reha-Klinik überwiesen werden (da stellt sich leider die KK quer, da sie keinen Sinn darin sieht - KK bearbeitet den "Fall" aber noch, def entschieden ist noch nix).

Sie nimmt seit dem Antidepressiva und es geht ihr deutlich besser, natürlich will sie trotzdem im Januar zu einem Therapeuten gehen. Ausserdem wurde sie von der Klinik bis zum Januar 2012 arbeitsunfähig geschrieben.

So ich hoffe, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt #schein

Meine Schwester möchte nun nächstes Jahr eine Ausbildung machen, hat viele Bewerbungen geschrieben.
Ganz überraschend kam dann gestern Abend ein Anruf von einem Kinderarzt, dass er sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen möchte. Das Vorstellungsgespräch ist heute.

Tja und nun mache ich (wir) mir den Kopf (ich begleite sie dort hin) wie sie ihre fast 1,5Jahre Ausfallzeit und die Tatsache dass sie die Berufsfachschule vergeigt hat erklären soll?!

Ich denke schon dass die Frage kommen wird...

Soll sie ihre Depression als Grund nennen?
Sagen dass sie faul war und jetzt aber ihre Sichtweise geändert hat?
was ganz anderes?

Ich finde das echt schwierig...

Vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen...

LG und danke

Steffi

Beitrag von thea21 - 16.12.11 - 10:06 Uhr

Ich würde ehrlich sagen, das die Prioritäten sehr verschoben waren und sie irgendwann erkannte, dass es so nciht weiter geht und nun genau HIER steht und den Anfang finden will!

Der Lebenslauf lässt eh einiges erahnen und hätte er nicht generell Interesse, wäre sie nichtmal zum Gespräch geladen.

Beitrag von fbl772 - 16.12.11 - 10:53 Uhr

Hallo Steffi,

ehrlich währt am längsten. Sie braucht nun aber nicht in Demut zu verfallen, sondern sollte klar und zielsicher zum Ausdruck bringen, dass sie sich geändert und aus der Zeit gelernt hat.

VG
B

Beitrag von kati543 - 16.12.11 - 10:58 Uhr

Sie soll ehrlich sein. Die Frage ist nur, ob sie selbstbewußt genug bei dem Kinderarzt rüberkommt, wenn sie dort mit ihrer Schwester auftaucht als 22-Jährige.

Beitrag von frau_e_aus_b - 16.12.11 - 14:05 Uhr

Ich bin nur das Taxi, dass sie dort hinfährt ;-) hier gießt es in Strömen und ich würd da auch nicht durchnässt ankommen wollen (der Arzt ist in einer anderen Stadt). ich warte dann halt im Auto

Beitrag von clementi - 16.12.11 - 12:53 Uhr

Hallo Steffi,

sie sollte offen und ehrliich sein. Ich glaube, dann hat sie gute Chancen.

Allerdings ist es besser für sie, wenn Du draußen wartest. Schließlich braucht Deine Schwester niemanden, der Händchen hält bzw. es sollte nicht so auffallen :-)

GLG und viel Glück für Deine Schwester #herzlich

Beitrag von frau_e_aus_b - 16.12.11 - 14:06 Uhr

ich hatte nicht vor mir reinzukommen....

Beitrag von frau_e_aus_b - 16.12.11 - 14:09 Uhr

Danke für eure Antworten. :-D

ich hab auch dazu tendiert, dass sie ehrlich sein soll. Ich denke wenn sie sich irgendeine Geschichte ausdenken würde, würds evtl irgendwann rauskommen und dann steht sie doof da.

Und sorry nochmal falls es so rüber gekommen ist, dass ich ihre Hand halten würde. Das ist nicht der Fall, ich bin nur ihr Taxi und warte im Auto (der Arzt ist auswärts und bei dem Regen + Wind würde ich auch nicht unbedingt mit den Öffis (inkl Fußweg) zum Vorstellungsgespräch wollen)

LG

Beitrag von risala - 16.12.11 - 14:38 Uhr

Hi,

Ich wollte nur mal loswerden, dass ich es super finde, wie Du zu Deiner Schwester hälst und sie auch nach so vielen schwierigen Jahren nicht hängen lasst!

LG
Kim