Hallo zusammen,
ich muß mich mal ausk***
Mein Stiefsohn ist in allen Dingen so leidenschaftslos. Egal was er tut, es wird so larifari dahingelatscht. Hobbys (Musikunterricht, Sportverein, Jugendfeuerwehr...) hat er alle nach 3-5 Terminen wieder hingeschmissen. (Nein, er wurde zu nichts gezwungen, er hat sich alles selbst ausgesucht.) Bei der Feuerwehr hat er die Knoten nicht sofort gelernt (und es sich wohl auch anders vorgestellt...), an der Gitarre wird man nicht automatisch über Nacht zum zweiten Jimi Hendrix, und beim Basketball wirft man halt nicht 100 Körbe pro Stunde.
Kurz: Immer, wenn es darum geht, daß etwas geübt, trainiert, intensiviert werden muß, dann macht der Junge dicht. Daß etwas mehr Spaß machen kann, wenn man sich mal was zeigen oder erklären läßt, weiß er dadurch nicht.
Dabei geht es längst nicht nur um Sport oder Musikunterricht, sondern auch um ganz alltägliche Dinge. Es wird nicht probiert, nicht trainiert, nicht "geforscht". Mal ein paar Beispiele:
Wir sind im Schwimmbad, der Junge paddelt unbeholfen auf der Stelle vor sich hin. Vater fragt, ob er ihm mal ein paar Schwimmtechniken zeigen soll (ach ja, der Junge ist 14). "Och nö, ich mach das ja nur für mich selbst."
Der Junge "malt" ein Bild (das jeder Grundschüler besser gemalt hätte). Vater fragt, ob einer von uns ihm mal ein paar Tricks zeigen soll. "Nö, ich male ja nur für mich."
Bei uns im Wohnzimmer steht eine Harfe. Der Junge kommt rein, streicht ein paarmal drüber. Auf meine Frage, ob ich ihm mal ein einfaches Lied zeigen soll, kommt dann nur "nö, ich will das nicht lernen."
Wenn wir Monopoly spielen (auf seinen Wunsch hin), dann ist er sofort sauer, wenn er nicht die Felder kaufen kann, die er zum Gewinnen benötigt. Er spielt dann gnädig mit uns zuende, aber ist lustlos und macht uns immer wieder klar, daß er ja nun nicht mehr gewinnen kann, das Spiel sei für ihn gelaufen.
Wenn er aber mal den "schnellen Erfolg" erlebt, z.B. bei PC-Spielen
, dann ist der Junge begeistert und bleibt am Ball. Daß man aber nicht überall in 5 Minuten erfolgreich ist, damit kann er nur ganz schlecht leben. Was nicht sofort klappt, wird hingeworfen. Kampfgeist? Fehlanzeige.
Das gilt übrigens auch für die Schule: Wenn er dreimal im Vokabeltest eine 1 schreibt und einmal eine 5 (ist schon so passiert), dann sagt sein Vater, er soll sich die Vokabeln von letzten Test nochmal vornehmen. Antwort: "Nö, ich hab ja schon 3 Einsen geschrieben, da ist eine 5 nicht schlimm."
Manchmal nimmt er auch eine seltsame Verteidigungshaltung ein und mißt sich an Schwächeren. Nochmal am Beispiel Malen: Vater fragt, ob wir ihm ein paar Tricks zeigen sollen, wie er anders oder besser malen kann - dann kommt eine Antwort wie "nö, ich male ja nur für mich, und außerdem male ich ja immer noch besser als der X und der Y". Wenn wir aber versuchen, ihn anzuspornen mit "wenn du das lernst, dann bist du besser als der X", dann heißt es wieder: "Ich will aber gar nicht besser sein."
Irgendwie ist das echt ermüdend. Habt ihr auch Kinder, die so sind? Oder habt ihr einpaar Tips für mich oder auch für den Jungen?
Danke fürs Lesen und sorry fürs viele
Nur der schnelle Erfolg ist gut...?
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Beitrag von juliesunshine - 27.12.11 - 12:13 Uhr
Beitrag von jazzbassist - 27.12.11 - 13:05 Uhr
Also dieses "sich in keinster Weise helfen lassen wollen" kenne ich auch von meinem 12-Jährigen. Ich würde das einfach mal auf die Pubertät schieben ... ich glaube, denen ist das einfach peinlich, sich dort (gerade auch von den Eltern) helfen zu lassen. Wäre mir aber - als 14-Jähriger - auch so unendlich peinlich gewesen, wenn mich mein Vater - mit 14-Jahren! - in einem Schwimmbad darauf angesprochen hätte, mir Schwimmtechniken beizubringen. Das sind m.E. so die Momente, wo man als Teenie dann am liebsten vor Scham in den Boden versinken würde. Immerhin erzählen die uns ja auch von morgens bis abends "Ich bin kein kleines Kind mehr" ... da können die ja auch schlecht fragen, wie man richtig schwimmt oder malt. Da kommen Sie m.M.n. 8-10 Jahre zu spät. Ich finde das total normal.
Ansonsten ist mein Kurzer eher andersrum gepolt. Die Tatsache, dass er etwas nicht kann, hält ihn nicht davon aus, es trotzdem zu probieren. Was - gerade mit dem Skateboard - schon das ein oder andere mal etwas schmerzhafter ausgegangen ist
. Ansonsten hat er - zu seinen Hobbies - recht früh gefunden. Skateboard war irgendwann mit 8; Fechten ... da war er noch im Kindergarten, als der das erste mal ein Florett in der Hand hatte. Das hat dann jeweils bis heute angehalten ... die anderen Sachen, die später kamen ... Fussball ... Volleyball etc. ...da war die Lust auch nach spätestens 6 Wochen weg. Wobei das dann eher ein "Irgendwie macht das doch nicht so viel Spass, wie ich mir das vorgstellt habe" und weniger ein "Wie, da muss ich jetzt auch für üben?" war. Hatte uns aber - zugegebenerweise - auch nie gestört; der hat eh schon mehr Hobbies als Zeit.
Und das ein 14-Jähriger Teenie andere Sorgen hat, als sich das Harfe-Spielen beibringen zu lassen ... also ich hätte es andersrum: "Er hätte sich da ein Lied beibringen lassen" wesentlich ungewöhnlicher gefunden, als ein 14-Jähriger, der da antwortet: "Nö, ich will das nicht lernen". Vielleicht ist das auch eines der eigentlichen Probleme? Zu erkennen, dass Ihr Stiefsohn wirklich schon 14-Jahre alt ist und eben doch keine 6 mehr und somit auch ganz andere Interessen und Sorgen hat, als Bilder zu malen, Schwimmtechniken zu lernen oder Harfe zu spielen? Wenn man Ihren Beitrag ließt, ließt sich das nämlich wirklich so, als ob sie da von einem 7-8-Jährigen schreiben. Auch wenn er sich bei manchen Sachen wie ein Grundschüler anstellt... er bleibt ein pubertärer Teenie, der später wahrscheinlich weder Kunst, Musik noch Sport studieren möchte; finde ich gar nicht schlimm, damit lässt sich ohnehin kein Geld verdienen
.
Was mir - bei diesen Hobbies - aber nicht ganz klar wird (das wiederspricht sich nämlich mit ihrem "Schwächeren-Vergleich"-Ende): Hat er diese Hobbies aufgegeben, weil er keine Lust hatte, etwas neues zu erlernen; oder eher, weil die anderen Kinder/Teenies das einfach schon viel viel besser konnten und er dieses Erlebnis (den Vergleich) frustrierend fand? Da gibt es ja schon einen recht großen Unterschied, auch wenn das Ergebnis gleich ist. Und - was mir auch nicht ganz klar ist: Meinen Sie, dass Ihr Sohn darunter leidet? Also - wenn Sie diese ganze Teenie-"Ist mir doch egal!"-Selbstschutz-"Ich bin immer noch besser als..."-Fassade mal ausblenden? Also braucht Ihr Stiefsohn dort überhaupt Tipps ... oder ist das einfach nur eines der Themen ... die eigentlich nur die Eltern stören?
Beitrag von juliesunshine - 27.12.11 - 13:40 Uhr
Hallo und danke für die Antwort!
Oh je, ich habs geahnt... das, was ich genannt hatte, waren lediglich BEISPIELE. ich erwarte in keinster Weise, daß mein Stiefsohn nun Harfe lernen möchte oder sich völlig der Kunst oder dem Sport widmen soll. Es waren einfach nur ein paar Alltagssituationen.
Gestern abend haben wir noch ein paar Silvesterknaller gemacht (sein Wunsch!), und er war im wahrsten Sine des Wortes Feuer und Flamme - bis er nun ausgerechnet ein etwas schwergängiges Feuerzeug in der Hand hatte und auch noch etwas Wind wehte. Er hat keinen einzigen Knaller anbekommen, und statt es wieder und wieder zu versuchen oder einfach mal laut über den doofen Wind zu fluchen, setzte er sich ins Auto und sagte: Och, mir ist heute nicht nach Knallen. So. Ich erwarte nun auch nicht, daß der Junge Pyrotechniker wird. Es ist einfach ein weiteres Beispiel für diese Leidenschaftslosigkeit - an einer Stelle, an der andere Kinder noch längst nicht aufgegeben hätten.
Die Tatsache, daß mein Stiefsohn etwas nicht kann, hält ihn leider in 99% der Fälle davon ab, etwas zu probieren. Er geht schon immer mit dieser "ich kann das nicht"-Einstellung an etwas heran und fühlt sich dann bestätigt, wenn er etwas nicht gleich beim 1. Mal schafft.
Die Hobbies hat er aus verschiedenen Gründen aufgegeben:
- Basketball: er war zu klein und hat den Ball zu selten bekommen, das macht ja keinen Spaß. Da war er 9 Jahre alt, die anderen Kinder aus der Mannschaft auch in dem Alter, und klar, jeder 9jährige schmeißt einen Korb nach dem anderen, natürlich so aus dem Stand. Daß man bestimmte Techniken, Schrittfolgen etc. trainieren muß, hat ihn nicht interessiert, also Ende mit Basketball.
- Gitarre: Er hat die Koordination der beiden Hände nicht hingekriegt, also links greifen und rechts zupfen oder schlagen. Sagte uns, ihm seien die Tonfolgen zu leicht, obwohl er auch die ganz leichten Tonfolgen nicht mal ansatzweise spielen konnte.
- Feuerwehr: Er sah sich vor dem 1. Treffen als Brandmeister, der sofort alle Brände löscht. Dann hat er gemerkt, daß Löschen gaaaaanz hinten ansteht und man erstmal ganz viel lernen muß - Knoten, Handgriffe, Abfolgen. Also nicht der erste Erfolg nach 5 Minuten. Und ach, da war ja der böse Junge aus der Parallelklasse in seiner Gruppe, und in die Gruppe "kam er ja auch nicht rein" - ist kein Wunder, wenn man nicht hingeht.
Nicht zuletzt ist der junge Herr ein phlegmatischer Pascha, der seiner Mutter auch mal sagt: Wenn du mich jetzt nicht da hinfährst, dann geh ich auch nicht hin. Und statt den Jungen dann aufs Fahrrad zu setzen und rauszuwerfen, sagt sie dann: Na gut, dann bleib halt zu Hause, wenn du keine Lust hast. Übrigens: "Keine Lust" hat er schon, wenn es draußen regnet. 
Für mich klingt es so, als ob er zu Beginn immer dem Neuen aufgeschlossen war, denn er hatte die Vorschläge ja selber gemacht. Dann hat er gesehen, daß man erstmal was tun muß, um die Tätigkeit an sich zu beherrschen.
Daß er darunter leidet, ist offensichtlich. Am letzten WE hat er z.B. bei seinem einen Freund angerufen, ob der Zeit hat - hatte er nicht. Er sagte dann ganz traurig zu uns: "Der J. trifft sich heute mit seinen Kumpels vom Sport und morgen mit der Jugendgruppe." Auf unsere Frage, warum er denn nicht auch zum Sport oder zur Jugendgruppe geht, meinte er dann, daß er ja da keinen kennt und daß er "keinen Sport kann" etc., man merkte schon, daß er auch gerne mal wie der J. was machen würde. Alle seine Freunde haben zunehmend weniger Zeit, weil sie in Gruppenaktivitäten eingebunden sind. Und das kriegt er voll zu spüren.
Auch merkt man, wie er nach einem 1. Fehlversuch gleich total enttäuscht von sich ist, aber statt am Ball zu bleiben und etwas ein zweites, drittes, zehntes Mal zu versuchen, läßt er die Sache dann sein und zieht sich zurück. Vielleicht läßt er sich zu einem 2. Versuch hinreißen, aber wenn der schief geht, dann wird die Sache endgültig hingeschmissen. Und, ja, das gilt nicht nur für Exotisches wie Schwimmtechniken oder Harfe spielen, sondern für ganz einfache Dinge - z.B. eine Schleife binden. Oder ist es auch zu viel verlangt, daß ein 14jähriger Junge sich einen Schuh zubinden kann? Vielleicht ja, denn seine Mutter keuft ihm bis heute Klettverschluß-Schuhe...
Eigenartigerweise schiebt er sein Nicht-Können aber immer auf andere bzw. bezieht andere mit ein. "Ich kann das nicht gut, bin aber immer noch besser als X" (Vergleich geht positiv für ihn aus) - "die aus der Gruppe interessieren sich nicht für meine Sachen" (die anderen sind schuld) - "der J. hatte viel bessere Chancen, also mußte ich ja verlieren" (der J. ist schuld, nicht ich).
Beitrag von coffeefreak - 27.12.11 - 14:01 Uhr
Das Verhalten von deinem Stiefsohn scheint mir in der Tat sehr eigenartig zu sein. Klar, man könnte jetzt argumentieren, dass er sich einfach noch nichts gefunden hat, was ihn mit Leidenschaft erfüllt so dass er immer dranbleibt, aber wenn dann Sachen kommen, wie dass er mit 14 Jahren noch nciht richtig schwimmen kann oder aber sich seine Schuhe nicht binden kann mit 14, dann stimmt schon was nicht so wirklich.
Dass er diesen Ansporn nicht hat, wenn sich andere schon mit 6 die Schuhe binden können, sich auch zu lernen wie man sich die Schuhe bindet.
Was sagt er denn, wenn ihr ihn mal darauf ansprecht? Blockt er da sofort ab?
Ich meine, er ist 14. Da sollte man doch anständig mit ihm reden können. Ihm zeigen, dass halt nicht immer nur die anderen Schuld sind. Dass man die Fehler zuerst bei sich suchen soll. Dass man Sachen mehrmals ausprobieren muss um sich zu verbessern. Er glaubt doch nciht ernsthaft, Roger Federer sei schon mit Tennisschläger auf die Welt gekommen und hat grad mal als erstes sein erstes Turnier bravourös gemeistert?!
Das sollte ihm doch einleuchten.
Sonst würde ich euch wirklich mal raten, zu einer Jugendberatungsstelle zu gehen. Denn das ist definitiv nicht ganz normal.
Was will er denn später werden? Hat er da schon ne Idee?
Beitrag von juliesunshine - 27.12.11 - 14:16 Uhr
Dir auch vielen Dank für Deine Antwort.
"Er hat halt noch nichts für sich gefunden" dachten wir auch immer, aber es scheint mehr ein allgemeines Problem zu sein.
Ja, er blockt sofort ab, wenn wir ihn auf sowas ansprechen. Wenn wir sagen: Das kann man alles lernen oder: Schau mal, so geht das, dann will er davon nichts wissen. Als ob es ihm peinlich ist, daß er Sachen noch nicht kann, die andere Kinder beim Eintritt in die Grundschule schon beherrschen.
Gespräche dieser Art hatten wir schon in Mengen und trotzdem sieht er es nicht ein. Er befindet sich wohl in einem Teufelskreis: Er kann die einfachsten Dinge nicht, es ist ihm peinlich, aber es ist ihm noch peinlicher, diese "Babysachen" jetzt noch nachzuholen.
Ach ja, er ist übrigens auch schnell beleidigt, wenn wir ihn auf etwas ansprechen, das er eigentlich können sollte (Schleife binden etc.) - das fasst er erstmal als böse Kritik an sich selbst auf.
Immerhin haben wir es geschafft, daß er inzwischen mit Messer und Gabel essen kann - bis vor einem halben Jahr hat er noch gefuttert wie ein Baby, Gabel in der Faust...
Das war ein (!) Jahr harte Arbeit. Anfangs war er total beleidigt, hat es dann aber doch eingesehen und wir haben ihm immer wieder gezeigt, wie man das Besteck hält... bis er es jetzt endlich so beherrscht, daß kein Essen mehr durchs Zimmer segelt und wir ihn nicht immer daran erinnern müssen, das Besteck richtig zu halten.
Was er später mal werden will? Weiß er überhaupt nicht. Er hat auch nie gesagt, daß er mal Lokführer oder Astronaut werden will. Er will nichts Handwerkliches, nichts Soziales, nichts mit Kindern. Bisher hieß es manchmal Informatiker, aber seit er gesehen hat, daß es da um mehr als nur Computerspiele geht, will er das auch nicht mehr so richtig. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, daß man ein Studium so ohne jegliche Leidenschaft durchziehen kann.
Beitrag von der_nick - 27.12.11 - 18:06 Uhr
Hallo Juliesunshine,
sorry, wenn ich durch's Überfliegen des kompletten threads die eine oder andere Info nicht mitbekommen habe (bitte in dem Fall einfach wild dagegenschimpfen;))...
Wenn ich das richtig verstanden habe:
Bei den Reaktionen Deines Sohnes auf die angebotene Hilfe, wenn er (mal wieder) was nicht hinbekommt, was er eigtl. dem Alter entsprechend können müsste, kommt immer ein Abwiegeln à la "Ich mach das ja eh nur so für mich" oder "ich will das ja sowieso nicht weiter machen". - und das anscheinend nur, um sich nicht selbst eingestehen zu müssen, dass hier Nachholbedarf herrscht.
Klar: Ein "Ich probier einfach mal so rum und kann's halt nicht. Macht ja nix." gesteht man sich eher zu als ein "Mist. Ich bin 14 und kann das immernochnicht!"
Wie Du sagst, hat er nichts, was ihn bei der Stange hält, woran er sich ausprobiert oder woran er Selbstbewusstsein oder Selbstwert erfahren kann. Ausser eben kurze, schnelle "Erfolgsquickies" beim Zocken.
Ich denke, offensichtliche Hilfestellung erscheint ihm als zu offen ausgesprochener Hinweis auf seine Missstände. Bei ihm scheint ein "soll ich Dir das mal zeigen" anzukommen als ein "Oh - Du kannst das nicht. Komm, ich bemüh mich jetzt darum, Dir das endlich beizubringen". Ein verdeckter Vorwurf also.
Sicher habt ihr aber auch schon versucht, beim Bolzen, Basketball spielen, Schwimmen,... eher spielerisch Dinge beizubringen, in dem ihr euch auf's gleiche Niveau begebt und (auch kleine) Erfolge in den Vordergrund stellt - und nicht die zu erreichenden Ziele. Eventuell kann man ja für Spiele gemeinsam eigene Regeln erfinden, die für jeden von euch spezielle Hürden und Herausforderungen bieten. So hat jeder sein handicap und seinen Spaß an der Tätigkeit, ohne dass einer überfordert ist und der Andere somit schulmeisterlich wirkt....
Vielleicht begebt ihr euch ja auf Gebiete, die für euch alle gleichermaßen Neuland sind. Findet gemeinsam ne neue Sportart, bei der jeder mies ist (fahrt doch mal Wakeboard, spielt Boccia, versucht euch im Eisstockschießen oder im Slackline,...) oder geht in ne Kunstausstellung und versucht dann, Kunstwerke im Stile von XY gemeinsam zu machen.... dreht gemeinsam nen Kurzfilm, ein Musikvideo,...
Nur ne Idee - und sicher kann man die nicht überall umsetzen. Aber ich denke, so erntet ihr mehr Anerkennung....
Viel Erfolg und liebe Grüße,
der_nick
Beitrag von juliesunshine - 06.01.12 - 10:41 Uhr
Huhu der_nick,
danke für Deine Antwort. Zum wild dagegenschimpfen hab ich nichts gefunden
Du siehst das richtig. Und sicher ist es nicht einfach, sich einzugestehen, daß man mit 14 immer noch vieles nicht beherrscht, was andere Kinder vor der Grundschule können.
Auf Gebiete, die für alle Neuland sind, haben wir uns schon mehrfach begeben. Z.B. ein Kanu gemietet und uns damit auf dem See getrudelt (richtig vorankommen konnte man das nicht nennen
). Ich habe vor 15 Jahren das letzte Mal in so einem Ding gesessen, Stiefsohn und Vater noch nie. Der Junge war nach einiger Zeit genervt: Wir schafften es nicht so recht, das Boot anständig voranzutreiben (wenn wir es mal geschafft hatte, dann ging es nur ganz langsam), aber er konnte auch selbst nichts dazu beitragen. Er hat als letzter von uns gelernt, wie man das Paddel halten und bewegen muß, um voranzukommen. Und da haben wir ihm nicht gesagt: Halt das mal so. Er fand es aber auch nicht lustig (so wie wir), daß wir uns zum Löffel gemacht haben und daß die "Kanutour" nur eine Spaßveranstaltung war. Selbst als er dann die Handhabung des Paddels raushatte, hatte er keine Lust mehr mitzumachen.
Klar stand der kleine Erfolg im Vordergrund: Das blöde Boot endlich mal ein paar Meter geradeaus vorwärts zu bewegen
Es ging ja nicht um eine Regatta auf Zeit, bei der der Junge nur verlieren konnte. Nein, auch der kleine Erfolg war keiner für ihn, also hat er keine Lust mehr.
Wir sind gemeinsam ein paarmal zum Badminton gegangen, eine Hobbygruppe mit Freunden vom Vater. Da ging nichts auf Leistung, und wer wie gut war, war wurscht. Der Junge schlug aber jeden Ball ins Netz, und irgendwann kam einer der anderen Mitspieler (mal NICHT ich oder mein Freund) auf ihn zu und zeigte ihm, daß man den Ball von unten an den Gummiteil schlagen muß und nicht einfach irgendwie. Er machte es ein paarmal mit dem Mitspieler zusammen (wohl ihm zuliebe), dann war er beleidigt, schlug noch ein paar Bälle ins Netz und setzte sich dann an den Spielfeldrand. Die Male darauf kam er zwar noch mit und zog sich auch mit um, aber hat trotz Drängen von uns nie wieder einen Schläger in die Hand genommen.
Und da steckte nun wirklich kein Vorwurf hinter, und es war auch keine (empfundene) Bevormundung. Es war ein freundlicher Hinweis, wie es besser geht und Spaß macht. Kann er denn nichts einfach mal annehmen?
Das war eine von vielen Situationen, in denen ich nicht weiter weiß!
Deine Ideen für gemeinsame Aktivitäten finde ich super, vielen Dank dafür!
Aber ich stelle mir gerade vor: Kunstwerke im Stil von XY malen (und wenn's nur Strichmännchen werden)? Einen Film, ein Video drehen? Ich würde ja sooo gerne... aber der junge Mann hat dann entweder keine Lust oder er wird sich zumindest nicht kreativ dran beteiligen. D.h. für einen Film, ein Video o.ä. müßten mein Freund und ich schon ein fertiges Konzept vorlegen, damit er sich überhaupt zum Mitmachen bequemen würde. Und dann würde er auch nur das Nötigste tun. (Umsetzung ist kein Problem, Kamera und PC sind vorhanden!)
Dafür, daß der kleine Herr keine eigenen Interessen und auch keine Ansätze von Kreativität hat, ist er nämlich ganz schön anspruchsvoll...
Liebe Grüße zurück, Julie
Beitrag von jazzbassist - 27.12.11 - 14:49 Uhr
Ich wollte zu den Beispielen auch eigentlich gar nichts schreiben
- nur - war mir beim lesen halt einfach direkt ins Auge gestochen, dass das alles irgendwie Beispiele waren, die ich jetzt eher bei einem Grundschüler und nicht mehr bei einem pubertären Teenie erwartet hätte ... darum wollte ich dazu mal zwei-drei Sätze schreiben.
Ist natürlich schwierig, wenn das Selbstvertrauen / Selbstbewusstsein eines Kindes nicht so groß ist ... wobei ... wenn ich mir so Ihre anderen Beiträge hier im Forum durchlese, habe ich eher das Gefühl, dass vieles davon auch einfach von der Mutter anerzogen wurde. Ein Kind, dass hier von der Mutter immer "klein" gehalten wird und nichts alleine darf, wird dort halt einfach ein angeknackstes Selbstvertrauen / Selbstbewusstsein haben. Finde ich eines der schlimmsten Dinge, die man Kinder da in der Erziehung antun kann.
Bei Meinem waren die Gründe immer "Mannschaftssport" als allgemeines. Er hat viel viel mehr Lust auf ein 1 zu 1 Kräftemessen, und, auch wenn er es z.B. liebt, Fussball im Fernsehen zu gucken; da selbst auf den Platz mit 10 anderen Teamspielern zu stehen, fand er irgendwie langweilig. Das erkennt man ironischerweise sogar, wenn der Online mit der X-Box spielt. Als Spielmodi kommen da eigentlich nur Jeder gegen Jeden oder Einer gegen Einen in Frage. Wie ist es dann bei Ihrem Großen bei einem PC-Spiel, dass dann irgendwann auch mal schwierigere Stellen hat? Absolut identisches Verhalten (ausschalten/anderes Spiel) ... oder ist dort die Ausdauer, die Sie sich wünschen würden, plötzlich doch vorhanden?
Wobei ich ohnehin befürchte, dass Sie da bei einem Wochenend-Stiefkind recht wenig machen können. Zumal er jetzt mit 14 auch schon etwas zu alt ist. Bei einem 9-Jährigen hätte man m.E. noch erzieherisch sagen können: "Okay, du darfst Baskettball spielen, aber unter der Bedingung, dass du das mindestens 6 Wochen lang versuchst (auch wenn es nicht auf anhieb klappt), ansonsten ...". Können Sie Ihren Stiefsohn denn irgendwie motivieren? Also ich hab' dem besten Freund meines Sohnes mal 10 Pfund angeboten, wenn er ein Stück Sushi probiert. Der hat wirklich kurzzeitig gezögert! Vielleicht sollte man da dann mal mit den ganz banalen Dingen (sich die Schuhe zuzubinden) anfangen. Nur, solange Sie da keinen größeren erzieherischen Einfluss haben ... also wenn dieses Kind bei mir wohnen würde, hätte ich notfalls die Klettverschluss-Schuhe weggenommen, bis das Schleife-Binden funktioniert ... oder er muss für den Rest seines Lebens Barfuß rumlaufen. Stelle ich mir im Winter zwar etwas gemein vor ... aber ... ich würde es darauf ankommen lassen.
Wenn er das immer auf andere schiebt, versucht er damit einfach nur, sein Selbstbewusstsein etwas abzufangen ... sehen Sie es als eine Art Stoßdämpfer; so eine Art Selbstschutzfunktion. Vielleicht sollte es hier mal mit Kursen versuchen, die versuchen, dieses Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein zu stärken. Gibt es denn - vom PC mal abgesehen - irgendetwas, was Ihr Stiefsohn besonders gut kann? Also irgendetwas, wo man mal ansetzen könnte, ihm etwas - bezüglich dieses Selbstbewusstseins/Selbstvertrauens - zu stärken? Wie ist er denn z.B. schulisch so drauf? Eigentlich heißt Selbstvertrauen manchmal nur, wesentlich öfters das Erlebnis "Hey, dass kann ich ja richtig gut" gesammelt zu haben, als das Erlebnis: "Verdammt, dass kann ich ja auch nicht!". Und, so öfters man letzteres Ergebnis gesammt halt, des so schneller ist man geneigt, diese "Ernüchterung" zu vermeiden. Das kann sich dann in eine Art Teufelskreis entwickeln: "Man versucht es mit Baskettball, stellt fest, dass die anderen besser sind ... man hört auf ... und hat einen weiteren Punkt auf der Strichliste der Dinge, die man nicht kann und ist dadurch noch weniger gewillt, etwas neues zu probieren und wird beim nächsten mal noch schneller aufgeben - weil man ja ohnehin nichts auf die Reihe bekommt". Ihr Stiefsohn scheint dort schon etwas länger drin festzustecken.
Und ... wenn er sich mit 14 Jahren nicht einmal die Schuhe zubinden kann, weil er sich da selbst im Weg steht (obwohl er dazu motorisch und geistig in der Lage ist), hätte ich ihn da vor spätestens 6 Jahren bereits zu einem Kinder- und Jugendpsychiater geschleppt. Haben Sie schon mal überlegt, hier einen Schritt weiter zu gehen und ihm mal professionelle Hilfe zu suchen? So ganz normal klingt das ja nun ernsthaft nicht mehr!
Beitrag von juliesunshine - 06.01.12 - 11:08 Uhr
Ja, wir hatten mal professionelle Hilfe angedacht, in Form von Ergotherapie wegen der unterentwickelten Motorik. Er war tödlich beleidigt, als sein Vater ihm den Vorschlag unterbreitete, und empfand das sofort als herbe Kritik an ihm selbst. Auch seine Mutter war tödlich beleidigt: "Willst du mir etwa sagen, daß der Junge nicht normal ist??!! Komm her, mein Kleiner, Mama mag dich so, wie du bist." (Zitat!)
Ich werde den Ansatz mit der professionellen Hilfe allerdings nochmal aufgreifen, denn normal ist das ja wirklich nicht mehr. Vielleicht kann man da ja auch ohne Einverständnis der Mutter irgendwo ansetzen, im Rahmen einer Routineuntersuchung oder wo auch immer.
Solch konsequente Ideen wie Schuhe wegnehmen, bis es mit der Schleife klappt, sind bei der Mutter leider nicht umsetzbar...
und bei uns ist er zu selten, um sowas nachhaltig und konsequent durchzuziehen.
Wie der Junge sich verhält, wenn er bei einem PC-Spiel nicht weiterkommt? Genauso wie sonst auch: Nächstes Spiel. Am besten verbunden mit einer Rechtfertigung: "Ich wolte ja sowieso nur bis Level 10 spielen, danach wiederholt sich ja alles." Durchbeißen? Ausdauer? Schön wär's.
Was er richtig gut kann? Spontan fällt mir nur ein: Schulfächer, nämlich Englisch und Latein. Also nichts, was ihn von seinen Altersgenossen abhebt oder wodurch er neue Freunde gewinnen kann... und nichts, was ihm Selbstbewußtsein gibt. Er bekommt eine gute Zensur zurück, sackt das Heft ein und dann war's das. Vom Vater gibts dann eine kleine Belohnung (Taschengeldzuschuß). Hier ist der Erfolg zur reinen Routine geworden.
Doch, mir fällt noch was ein: Er ist ja ein echt lieber Kerl. In der Schule wurde er mal als Streitschlichter vorgeschlagen, da hätte er dann bei einer Gruppe mitgemacht, die in den Pausen ansprechbar ist, und er hätte einen Kurs machen müssen. Ja, er war megastolz, als er uns das erzählte! ER wurde vorgeschlagen, als einziger aus der Klasse! Und dann? Kurs - keine Lust. Und in den Pausen bereit sein? Keine Lust. Warum? Erst ist er so stolz und dann hat er wie immer keine Lust, sich mit einem neuen Thema zu beschäftigen? Jedes andere Kind wäre doch Feuer und Flamme gewesen. Ich verstehe es einfach nicht.
Ja, sehr viel geht davon leider aufs Konto der Mutter und deren "Erziehung". Ich habe in mehreren Antworten hier geschrieben, wie die in etwa aussieht. Dadurch, daß sie ihm alles abnimmt und hinterherträgt, erzieht sie den Jungen zur Unselbständigkeit, und so hat er auch gar keine Möglichkeit, mal Erfolge zu erleben. Und damit meine ich nicht den 100. Korb beim Basketball, sondern auch mal kleine Alltagserfolge, wie z.B. mit der Bahn nach Hamburg reinfahren und "shoppen" (und wenn es ein PC-Spiel ist... egal!) - sein Zimmer mal absichtlich superordentlich aufräumen (und dann freut Mama sich ein Loch in den Bauch) - lernen, wie man einen Fahrradreifen flickt - tausend Dinge, die mir einfallen. Die an sich nichts Besonderes sind, aber bei denen man sagen kann: Ja, das habe ich getan/geschafft!
Aber solange Mama alle Sonderwünsche erfüllt, sein Zimmer täglich aufräumt und das platte Rad zum Fahrradladen bringt, habe ich da wenig Hoffnung...
Beitrag von felis02 - 27.12.11 - 16:06 Uhr
Dieses Verhalten, wenn etwas nicht sofort klappt, ist es doof und wird nicht weiter gemacht, beklagen viele Eltern und auch Lehrer und Ausbilder. Viele Kinder und Jugendliche haben keine Lust mehr, sich anzustrengen.
Ich hatte das jetzt z.B. bei meiner Tochter (12) auch. Sie spielt Klavier und eine lange Zeitlang ging ihr das sehr mühelos von der Hand. Dann wurde es komplizierter und sie hätte üben müssen, damit es weiterhin so gut klappt. Dazu hatte sie überhaupt keine Lust, war beim Üben schnell gefrustet und wollte das Klavierspielen aufgeben. Sie ist aber in der Musikschule angemeldet und wir haben gesagt, bis der Vertrag ausläuft, muss sie dort weiter hin gehen. Gemurre, Gezicke, Lustlosigkeit, ja sogar Geheule. Schließlich vereinbarten wir, dass sie pro Tag nur 10 Minuten üben soll, was sie auch tat. Nach einiger Zeit verbesserte sich natürlich ihr Spiel und jetzt hat sie wieder Spaß daran und es ist nicht mehr die Rede davon, aufzuhören. Und beinahe hätten wir ihr nachgegeben und sie aufhören lassen - wie bei einigen Aktivitäten davor. Sie hat es bereits mit Ballett, mit Hip-Hop-Tanz, mit Mitspielen in einer Band versucht und nach kurzer Zeit wieder abgebrochen. Wir haben sie, glaube ich, immer zu schnell gelassen. Sobald sie mal eine lustlose Phase hatte und aufhören wollte, haben wir sie zu schnell auch gelassen.
Machen wir es den Kindern vielleicht immer zu leicht?
Fragend
suse
Beitrag von manavgat - 31.12.11 - 16:11 Uhr
unterschreibe ich voll und ganz:
Sie ist aber in der Musikschule angemeldet und wir haben gesagt, bis der Vertrag ausläuft, muss sie dort weiter hin gehen. Gemurre, Gezicke, Lustlosigkeit, ja sogar Geheule.
Das ist zwar anstrengend für die, die erziehen, aber anders geht es nicht, wenn wir aus den Kindern lebensfeste Menschen machen wollen.
Gruß
Manavgat
Beitrag von juliesunshine - 06.01.12 - 11:22 Uhr
Das unterschreibe ich so
Schön, daß Du mit Deiner Tochter so konsequent warst. Die Mutter meines Stiefsohns macht das leider nicht so. Wenn der Herr keine Lust hat, müßte man ja konsequent sein und das ist durchaus anstrengend. Ein Kind zu motivieren kann manchmal sehr zäh sein - einfach "dann bleib doch zu Hause" sagen ist soooo viel einfacher! 
Ich denke, jedes Kind sollte die Möglichkeit zum Probieren haben. Und manchmal merkt man auch erst nach einem halben Jahr, daß man etwas doch nicht so mag oder etwas anderes viel lieber machen möchte. Aber nach so kurzer Zeit ein Kind wieder aufgeben zu lassen finde ich einfach nicht gut. Nach 3 Stunden kann es doch noch gar nicht wissen, daß es keinen Spaß an etwas hat. Meiner Meinung nach kommt der Spaß einmal am Anfang, wenn etwas neu ist - und dann nochmal so richtig, wenn man ein paar Hürden überwunden hat und etwas langsam richtig gut kann. Dann wird man aber für die Mühe echt belohnt! Deine Tochter hat das ja mit dem Klavier so erlebt.
Ich frage mich bei meinem Stiefsohn immer öfter, wie der mal eine Ausbildung oder ein Studium durchziehen will, wenn er nicht mal ansatzweise eine Selbstmotivation hat. In der Schule klappt es ziemlich gut mit ihm, durch den Druck der laufenden Leistungskontrollen. Da will er gut abschneiden (das ist aber mehr die Fremdmotivation durch die Lehrer - nicht ER will den Stoff beherrschen, sondern er will vom Lehrer eine gute Note haben). Nur in der Ausbildung und noch weniger im Studium gibt es das in dieser Form. Da muß man sich selbst hinsetzen und sagen: Das will ich jetzt lernen. Noch ist er einer von 25 Schülern. Wenn er erstmal einer von 50 Azubis oder gar einer von 500 Studenten ist, wird es ganz anders aussehen... gerade als Student ist man sehr auf sich allein gestellt. Der Prof da vorne erzählt 12 Wochen lang was und unterschreibt dann einmal die Prüfungsnote. Und die ist das Ergebnis der reinen Selbstmotivation!
Beitrag von mmemaman - 28.12.11 - 01:18 Uhr
Schwierig... Ich sehe da ganz verschiedenen Problematiken.
1) Er ist 14 Jahre alt, also in der Pubertät. Wahrscheinlich beschäftigen ihn jetzt ganz andere Sachen - Mädchen, der eigene Körper, Status in der Schule u.ä. - bei weitem mehr als Kleinigkeiten, wie Schwimmen oder Malen.
2) Das mit den Vokabeln verstehe ich so, dass er mit den drei Einsen die Fünf ausgleichen kann und deshalb nicht zwingend nochmal den schlechten Test durchsehen möchten - man sieht das eigene Versagen auch nochmals. Vielleicht hatte er aber Probleme mit dem Test, weil er abgelenkt war, sich unwohl fühlte oder nicht konzentrieren konnte. Dann ist es aus seiner Sicht auch nicht nötig das nochmals durchzusehen - er kann es ja generell.
Ich denke mit 14 Jahren muss er selber abwägen, wie relevant es für die Schule ist.
3) In allen Beispielen, die ihr gebracht habt, bietet ihr ihm an, sich zu verbessern. Das ist aber nicht mehr nur fördern, wie bei einem Kleinkind, sondern gleichzeitig versteckt sich auch die Aussage: "Das ist nicht gut genug." und als Konsequenz: "Du bist nicht gut genug."
Als Beispiel muss ich leider sagen, dass ich eine sehr talentierte Zeichnerin bin und viele Freunde habe, die auf dem Level eines Kleinkindes zeichnen. Ich käme aber nie auf die Idee ihnen Ratschläge geben zu wollen, weil sie nur zeichnen, weil es für sie ist. Weil es entspannt oder Spass macht oder... Ich bevormunde nicht und bis zu einem Grad macht ihr das. Manchmal möchte man eben nur mit etwas spielen, anstatt ernsthaft damit beschäftigen.
Auch beim Schwimmen - solange er sich sicher über Wasser halten kann, reicht es doch? Vielleicht wird auch er an einen Punkt kommen, wo er seine Freunde sieht und die vielleicht "cooler" schwimmen und hat dann die Motivation, wo er anknüpfen kann.
An seiner Stelle würde ich mir eher beobachtet und bedrängt vorkommen.
4) Manche Menschen haben ein allgemeines Interesse, die können einfach bei verschiedenen Sachen neues dazulernen, manche Menschen brauchen eher ein oder zwei Punkte, die sie motiviert, sich zu verbessern. Manche haben das Glück dies früh zu finden, manche nicht.
5) Ich bin bei Monopoly genauso. Und ich bin erwachsen... man kann mit mir dieses Spiel nicht spielen - und ich kenne viele, denen es auch so geht. Ist es nur bei Monopoly oder kann er generell nicht verlieren?
6) Und das ist der springende Punkt: der Junge schien sich bis jetzt nie wirklich durchbeissen zu müssen und ein gewisses Desinteresse - genauso, wie eine absolute Leidenschaft - ist in der Pubertät normal, auch wenn es nach Faulheit oder übermässigem Ehrgeiz riecht. Wenn er drei Hobbies, ein bisschen Malen nicht durchzieht oder verbessern will und keine Harfe spielen will - das ist pi pa po. Nur, wenn er mal auf die Nase fliegt, ein ernsthaftes Problem hat oder gefordert wird, dann muss er in der Lage sein, sich zusammenzureissen und die Situation zu lösen - in diesem Alter noch mit Unterstützung, aber weitgehend alleine.
All deine Liste sagen nicht aus, ob er einem richtigen Problem mit Konsequenzen gewachsen ist. Sie sagen aber auch nicht aus, dass er es nicht ist.
Ich kenne Bekannte, die hatten nie ernsthafte Hobbies, schlängelten sich so mittelmässig durch's Leben, aber wenn's nötig wird, haben sie die Energie und den Durchhaltewillen. Und dann wieder solche, die immer brav der Linie folgten, das gleiche Hobby hatten, ein Instrument gelernt, aber beim ersten Problem im realen Leben in ein Loch gefallen sind.
Man kann nicht immer absehen, wie sich der Jugendliche entwickelt. Da ist immer ein Restrisiko in der Erziehung durch eine Variable - den eigenständigen Charakter des Kindes. Ich würde mal einen Schritt zurück treten von der permanenten Bevormundung. Ihr könnt die Schulleistung hinterfragen, aber auch da muss er bald selber Verantwortung übernehmen.
Beitrag von juliesunshine - 06.01.12 - 10:17 Uhr
Vielen Dank für Deine Antwort! ich war ein paar Tage nicht online, möchte Dir aber gerne noch antworten, auch wenn's schon etwas her ist...
Ich gehe mal auf Deine Punkte ein:
1. Ihn beschäftigt NICHTS. Gut, beim eigenen Körper kann ich es nicht sagen - aber Mädchen interessieren ihn noch überhaupt kein Stück, genausowenig experimentiert er mit seinem Aussehen oder mit Klamotten, Haarstyling - nichts. Schule interessiert ihn nur am Rande, man muß halt hingehen... solange seine Zensuren einigermaßen okay sind und alles normal läuft, ist es auch kein Thema bei ihm.
2. Klar wird er gedacht haben, mit den Einsen kann er eine Fünf ausgleichen. So denkt jeder und ich hab mich da sicher auch nicht ausgenommen
Aber mir kam es eher so vor, als wenn er sein eigenes versagen nicht nochmal ertragen wollte - denn er versagt ja nie.
3. Zu dem Beispiel mit dem Zeichnen: Sein Vater hatte überlegt, ob es ihm vielleicht keinen Spaß macht, weil er es nicht gut kann. Wenn er vielleicht einige Techniken beherrscht (und ja, ein Kind sollte mit 14 ein Haus in 3D zeichnen können!), dann hätte er viel mehr Möglichkeiten. Es war mehr als freundliches Angebot gemeint, auch wenn es vielleicht wie eine Bevormundung rüberkam.
Ach ja, beim Schwimmen ist es mit dem "sicher über Wasser halten" nicht so wirklich weit her, auch da war es ein freundliches Angebot, ihm mal zu zeigen, wie das geht. Und zwar genau aus dem Grund, daß wir es gut finden, wenn er sich sicher über Wasser halten kann... Er hatte übrigens Schwimmunterricht als kleines Kind, ohne wirklichen Erfolg - beim Schulschwimmen hat seine Mutter ihm ein Attest besorgt. Das nur nebenbei.
4. Wirkliches "dazulernen" sehe ich bisher nicht. Wenn wir eine Aktivität beendet haben, dann ist der Junge damit auch "durch" - es wird nicht nach einer Wiederholung gefragt, es erfolgt kein Gespräch oder Erzählen. Wenn wir im Schwimmbad, Zoo, weiß-der-Geier-wo waren, dann sagt er nicht: Können wir da mal wieder hingehen? Wenn wir irgendwo (z.B. im Museum, Kino... also was "Passives") waren, erzählt man doch zumindest auf der Rückfahrt über das gerade Erlebte, was einem gefallen hat etc. - nichts. Kaum ist die Autotür zu, ist das Thema für ihn beendet. Keine Reflektion, nichts wird "mitgenommen". Ich muß dazu noch sagen, daß wir den Jungen nicht zwanghaft durch die Gegend schleppen und ihm Museumsbesuche aufnötigen. Die allermeisten Sachen hat er mit ausgesucht und vorher gesagt, daß er da Interesse hat und es ihm bestimmt Spaß machen wird.
5. Es ist generell so, er kann nicht gut verlieren. Mißerfolge sind für ihn ganz schrecklich, und sei es beim Spielen.
6. Nein, er mußte sich bisher nie durchbeißen. Ich bin gespannt, ob er es jemals lernen wird.
Dazu mal eine kleine Situation: Er und sein Freund J. sind beide bei einem Klassenkameraden zum Geburtstag eingeladen. Sein Vater sagt zu, daß wir J. auf dem Weg mit abholen, die Eltern von J. haben kein Auto und der Geburtstag findet in der Nachbarstadt statt. Am Tag vor dem Geburtstag gibt es aber Streit zwischen J. und meinem Stiefsohn, der damit endete, daß J. ihn (eher aus Versehen) getreten hat. Wir waren zufällig gerade da und wollten ihn abholen, als das passierte, und wunderten uns nur, daß J. so schnell abzischte und mein Stiefsohn heulte. Am nächsten Tag erzählte er uns dann, was genau passiert war (er war nicht unschuldig an dem Streit!), und sagte auch, daß er nicht mit J. zusammen zu dem Geburtstag fahren möchte. Und was passiert? Sein Vater ruft bei J.s Vater an und sagt, daß die Jungs sich gestritten haben und er nicht mit J. zusammen... arrrggghhh!!
Meine Mutter hätte mich den Streit bis zum Geburtstag aus der Welt schaffen lassen und eine eventuelle Absage hätte ich selbst klären müssen, wenn es mir denn sooo wichtig gewesen wäre.
Unnötig zu sagen, daß sich die Jungs auf dem Geburtstag wieder vertragen haben und wieder gute Freunde waren, oder?
Das mit der Eigenverantwortung für die Schulleistung ist momentan ein großes Thema bei uns. Er hat einen schlechten Test geschrieben, mit der Begründung, seine Mutter hätte ihn ja nicht abgefragt. Da ist meinem Freund - gelinde gesagt - der Kragen geplatzt und es gab mal eins von diesen Vater-Sohn-Gesprächen...
An allem ist seine Mutter schuld, sagt er. Wenn er zu lange am PC gespielt hat, ist sie schuld, weil sie ja auf die Zeit hätte achten können. Wenn er eine schlechte Zensur schreibt, ist sie schuld, weil sie ihn nicht abgefragt hat. Wenn er Hunger hat, ist sie schuld, weil sie ihm nichts zu essen gemacht hat. Kommt er zu spät zur Schule, dann ist sie schuld, weil sie ihn nicht in letzter Minute hingefahren hat oder zu spät geweckt hat oder nicht drauf geachtet hat, daß er rechtzeitig ins Bett geht...
Das Lösen von größeren Problemsituationen stand ihm noch nicht ins Haus. Probleme werden von seiner Mutter abgefangen oder von seinen Eltern für ihn gelöst, siehe obige Geschichte. Und DAS sind ja nun wirklich kleine Problemchen.
LG, Julie
Beitrag von locke1910 - 30.12.11 - 06:47 Uhr
Hi.
Hatte kurz überlegt, ob ich antworte (meine sind "erst" zwischen 12 und 8 Jahre...) - allerdings fiel mir in dem Zusammenhang ein Buch ein "Erziehung zur Resilienz"; sprich: Wie mache ich mein Kind stark?...
In dem Alter habe ich meiner Mutter sehr viel abgenommen (Trennungszeit); daher ist mir so ein Verhalten unverständlich und wirft für mich Fragen auf, zb, wie seine Mutter ihn behandelt, der Vater, ob er durch die Trennung es dazu kam, dass er "übermässig" betüddelt wurde usw...?
Denn normalerweise streben Kinder/Jgendliche ja nach Unabhängigkeit - die "Null-Bock-Phase" ist zwar normal als Teenie, dachte auch erst, er reagiert so, weil er keinen Bock hat, dass Ihr Euch auf eventuelle Interessen seinerseits stürzt, aber es scheint mehr dahinter zu stecken.
Bin einfach neugierig, wie sein Alltag aussieht - und wie seine Hauptbezugsperson auf sein Verhalten reagiert...
Unter Umständen hat er zuviel abgenommen bekommen und daher von vorneherein nie gelernt, sich selber zu "behaupten" - wenn man nie muß, muß man auch nicht mehr wollen... (grenzt dann schon an eine gewisse Resignation).
Lg, Locke
Beitrag von juliesunshine - 06.01.12 - 09:45 Uhr
Hi Locke1910, auch Dir vielen Dank für die Antwort!
Nach der Trennung hat sein Vater ihn angefangen, zu "betüdeln", und alles für ihn gemacht. Ich vermute mal ein schlechtes Gewissen, aber zum Glück hat er meine Bedenken ernst genommen und das entsprechend wieder abgestellt. Wir wollten nicht, daß es bei Papa immer toll ist und bei Mama gibts nur doofen Alltag. Und ich habe gesagt: verwöhnen gerne, den Ar*** hinterhertragen nicht. Ich koche gerne sein Lieblingsessen, wenn er bei uns ist, oder er darf abends einen Film aussuchen, den wir dann gemeinsam schauen. Aber immer nur Extrawürste braten, alles für ihn holen/bringen, für ihn denken etc. ist nicht drin!
Seine Mutter hingegen hat 14 Jahre lang nichts anders gemacht als ihn zu betüdeln, also auch schon vor der Trennung, mit entsprechender Inkonsequenz. Er nimmt ihr keinen Handschlag ab, macht nichts im Haushalt, hilft ihr nicht, auch nicht auf Anfrage. Eine typische Situation wäre z.B.: Sie fordert den Jungen auf, das Geschirr abzutrocknen (dauert 5 Minuten). Er sagt: Mach ich später. Sie läßt es ihm durchgehen, vielleicht besteht auch gerade keine Notwendigkeit, das sofort zu tun. Er tut es aber nicht, auch nicht nach mehrmaliger Aufforderung. Schließlich sagt sie, wenn er jetzt nicht abtrocknet, dann darf er morgen nicht am PC spielen. Schließlich macht sie es selber. Am nächsten Tag hat sie aber gerade keine Lust, sich um ihre Drohung von gestern abend zu kümmern (sich mit dem Sohn beschäftigen ist ja unbequem, ihn zu irgendwas bewegen erst recht). Also ist der PC ein willkommener Babysitter und natürlich darf er spielen. Was lernt der Junge daraus? ...eben! 
Ich denke, man hat ihm ganz klar zu viel abgenommen. Er mußte nie etwas tun, und wenn, dann siehe oben...
Sich selber behaupten mußte er auch nie. Freunde hat er so ausgesucht, daß er stets der "Stärkere" ist. Er kann immer etwas besser (PC-Spiele, oder er ist einfach besser in der Schule). Er würde sich nie mit anderen Kindern abgeben, denen er unterlegen ist.
Unabhängig wäre er manchmal gerne, das haben wir schon rausgehört. Aber irgendwie will er dafür nichts tun. Er wollte letztens am Sonntag seinen einen Freund besuchen, und normalerweise haben wir es so gemacht, daß wir ihn dort abgeliefert haben und er ist dann gegen 19 Uhr selbständig nach Hause gegangen. Diesmal sagte er: Ich möchte ja gerne P. besuchen, aber wie komm ich nach Hause? Unverständnis bei uns, sonst ging es doch auch immer. Ja, aber seit das Fahrrad mal kaputt gegangen war und er entsprechend zu spät kam, darf er nicht mehr alleine zu P., da muß Mama ihn bringen und holen, oder wenigstens die Eltern von P.! Wir haben dann gesagt, er hat ein Handy - damit kann er anrufen und Bescheid sagen, daß sein Fahrrad kaputt ist. Oder Bescheid sagen, daß er jetzt bei P. losgeht und gegen 19 Uhr zu Hause ist. Oder Bescheid sagen, daß es später wird... daß er den Bus um 19 Uhr nimmt.. blablabla. Voraussetzung wäre natürlich, daß er das Handy dann auch mal mitnimmt. Och ja, ist ja ne schöne Idee, aber auch noch ans Handy zu denken (neben Schuhen, Jacke, Schlüssel, Brille), das ist ihm dann zu viel. Dann möchte er doch lieber nicht zu P. - übrigens wohnen die beiden Jungs etwa 1,5 km auseinander...
Übrigens: Diese Phase, alle Vorschläger der Eltern doof zu finden, ist ja bei mir auch noch nicht so lange her... ich sollte ja auch zur Tanzschule (da gehen ALLE hin! - ja, aber ICH nicht...), ich sollte mir doch mal einen hübschen Blazer kaufen (mit 15 in der Punk-Phase!!), der Haarschnitt von A. aus dem Nachbarhaus würde mir super stehen (kurze Dauerwelle!) etc. - na da hatte ich vielleicht Lust zu! Und entsprechend hab ich es umgesetzt - nämlich gar nicht.
Aber eine solche Situation liegt hier ja nicht vor. Außerdem hatte ich genug eigene Interessen und war eigentlich immer ganz gut auf Achse.
Ups, das ist jetzt ganz schön lang geworden, aber vielleicht hat es Dir ja einen kleinen Einblick gegeben!
Liebe Grüße, Julie
Beitrag von manavgat - 31.12.11 - 16:10 Uhr
Hobbys (Musikunterricht, Sportverein, Jugendfeuerwehr...) hat er alle nach 3-5 Terminen wieder hingeschmissen.
Das hätte ich gar nicht durchgehen lassen. Wer erzieht denn hier, bzw. hat ihr überhaupt mal jemand so was wie Erziehung versucht?
Der Junge hat keinerlei intrinsische Motivation. Das ist ein Ergebnis vom Setzen falscher Anreize.
Ich habe allerdings auch keine wirkliche Idee, wie man da wieder rauskommt. Vielleicht fragt ihr mal jemand, der etwas davon versteht: eine Kinder- und Jugendpsychologin.
Gruß
Manavgat
Beitrag von juliesunshine - 06.01.12 - 09:15 Uhr
Hallo manavgat,
danke Dir für Deine Antwort. Ich war einige Zeit nicht online, wollte das aber auch nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.
"Wer erzieht denn hier" - hauptsächlich seine Mutter, bei der er lebt (wir haben ihn nur jedes 2. WE bei uns). Trotzdem hält sein Vater Kontakt, ruft an, fragt nach - bei ganz unterschiedlichen Dingen. Dumm ist nur, daß seine Mutter seit der Geburt des Jungen zu Hause ist, sich 24 Stunden am Tag um ihn kümmern kann, sie hat wenige Sozialkontakte und keine Hobbys. So hat sie sich hauptsächlich um den Jungen gekümmert, während der Vater morgens um 6.30 Uhr aus dem Haus gehuscht ist und abends um 19 Uhr nach Hause kam. Dementsprechend wenig Einfluß hatte er auf die gesamte Erziehung, und er räumt auch ein, wohl einiges übersehen zu haben - aus dem einfachen Grund, daß er bestimmte Dinge einfach für selbstverständlich hielt, die die Mutter aber auch nicht vermittelt hat. (z.B. mit Messer und Gabel essen, hat er jetzt erst gelernt, mit 14 Jahren!)
Eigenartigerweise scheinen sich hinter meinem Stiefsohn zwei Menschen zu verbergen. Bei uns ist er wirklich lieb, folgsam und "macht mit". Bei seiner Mutter ist er gegen alles, macht nichts, pöbelt auch mal rum (ist bei uns noch nie vorgekommen). Wir merken, daß er vor uns und unserem Handeln Respekt hat, und er weiß, daß er sich auf Aussagen von uns verlassen kann.
Seine Mutter scheint ein recht planloser Mensch zu sein. Von dem, was mein Freund und auch mein Stiefsohn mir so zugetragen haben, hat sie viel damit zu tun, ihr eigenes Leben einigermaßen organisiert zu bekommen. Manchmal ruft sie dreimal, viermal bei uns an und fragt, wann wir den Jungen denn abholen - verwundert haißt es dann "das haben wir dir doch schon zweimal gesagt" - nein, sie besteht dann darauf, daß sie uns ja gerade das erste Mal deshalb anruft, sie kann es also noch gar nicht wissen. Anfangs hat mein Freund immer gesagt: Ach, so war sie immer. Aber inzwischen finden wir das nicht mehr witzig. Sie vergißt viel, verschusselt viel, verplant viel - und ist immer der Meinung, alle anderen sind schuld.
Dazu kommt, daß seine Mutter ihm den Allerwertesten hinterherträgt. Sie fährt ihn überall hin, packt seine Tasche, wenn er zu uns kommt, managt seine Termine, organisiert sein ganzes Leben. Dementsprechend unselbständig ist er. Wenn er sagt, er möchte den P. besuchen, dann sagt sie: Komm, ich fahr dich hin (1,5 km Weg, wenn's hochkommt). Er protestiert natürlich nicht, sondern läßt sich fahren und abholen, Mama macht's ja. Und genauso ist es mit seinen "Hobbys" gewesen: Wenn er sagt, er hat heute keine Lust, zum Sport zu gehen, dann sagt sie: Gut, bleib zu Hause. Wenn er sagt: Ich gehe nur zum Sport, wenn du mich hinfährst, dann sagt sie: Ich hab keine Lust, dich zu fahren, bleib doch zu Hause. Daß das nichts werden kann, ist mir klar. 
Ach ja, uns gegenüber jammert seine Mutter immer rum: Ich muß den Jungen ja so viel durch die Gegend fahren, ich hab gar keine Zeit mehr für irgendwas. Wir wissen genau, wenn er jetzt einen Anlauf für ein neues Hobby nehmen würde, dann würde sie ihn nicht unterstützen und ihn auch nicht mal schubsen, daß er die Anfangshürden überwindet. Andererseits beschwert sie sich, daß er ja nur am PC hockt...
Du schreibst, es ist das Ergebnis vom Setzen falscher Ansätze - was genau meinst Du?
Grüße zurück!
Julie
