In der Nacht vom 10. auf den 11.12. hatte ich das erste Mal überhaupt so etwas, was ich als Wehen bezeichnet hätte. Da ich sowieso jeden Tag zum CTG in die Klinik musste, weil ich schon über ET war, freute ich mich richtig, da ich davon ausging, dass sie mich gleich da behalten würden. Mein Mann und ich sind also an dem Sonntag (11.12.) schon um 8 Uhr aufgestanden und ich rief direkt im Kreissaal an, wann ich kommen könnte. Leider ging es erst um 11 Uhr und deshalb beschlossen wir, noch in Ruhe in einem Lokal brunchen zu gehen. Die ganze Zeit über hatte ich sehr starkes periodenartiges Ziehen in relativ regelmäßigen Abständen.
Als wir dann in die Klinik kamen und das CTG gemacht wurde, waren lediglich leichte Kontraktionen zu sehen und der Muttermund - der bis dahin noch fest verschlossen war - war gerade mal fingerdurchlässig und die nette Hebamme sagte, es könne sowohl jederzeit losgehen, als auch noch gut und gerne 3 Tage dauern. Das was ich da spüren würde seien Senkwehen. Sie schickte uns nach Hause. Ich war total enttäuscht, denn diese Warterei hat mich total fertig gemacht. Alle sagten mir, mein Kind würde mindestens 4000g wiegen bei Geburt und es war auch schon von Einleitung am Montag oder spätestens Dienstag die Rede. Zu Hause hatte ich schon ALLES an Hausmittelchen aufgefahren was man sich nur vorstellen kann: Wehentee, Wehenöl, Heublumendampfsitzbad, Himbeerblättertee, Ananas in rauhen Mengen, jeden Tag in die heiße Badewanne, ein Glas Rotwein, Treppensteigen, Sex . . . Es tat sich einfach nichts!
Sonntags im Laufe des Tages wurden die Kontraktionen jedoch stärker und auch regelmäßiger. Abends um 22 Uhr fing ich dann doch mal an, auf die Uhr zu schauen und die Wehen kamen alle 6 Minuten, allerdings waren sie nur jeweils 30 Sekunden lang. Mein Mann schlief bereits auf dem Sofa und ich telefonierte mit einer Freundin, die schon 2 Kinder hat, die mir riet in die Badewanne zu gehen, um zu gucken, wie es sich dann mit den Wehen verhält. Sie sagte: "So wie Du jetzt drauf bist, kommt die Kleine heute Nacht noch." Ich dachte nur, ja, ja, glaub´ ich nicht, das dauert bestimmt. Also ging ich in die Wanne, sie blieb am Telefon. Erstmal ließen die Wehen kurz nach, dann allerdings als ich aus der Wanne stieg, kamen sie alle 2 Minuten. Ich rief in der Klinik an und fragte, ob es jetzt an der Zeit wäre zu kommen und die Hebamme meinte, die Wehen seien noch etwas zu kurz, allerdings überließe sie natürlich mir die Entscheidung, ich müsse das einschätzen.
Ich entschied mich dann dafür, nochmal eine Weile auf die Uhr zu schauen und zu notieren. Da war es ca. 23 Uhr. Die Wehen kamen alle 3-4 Minuten und hielten 35 Sekunden an. Vom Schmerz her war es noch ganz gut erträglich, dennoch musste ich sie schon veratmen. Um 0 Uhr entschied ich mich dann meinen Mann mal so langsam zu wecken und wir machten uns in aller Ruhe fertig.
Wir waren dann ca. um 0.30 Uhr in der Klinik - die Autofahrt war schon echt heftig - und ich war froh, dass wir nun da waren. Ich wurde sofort ans CTG gehängt, hatte dabei schon sehr kräftige Wehen und wusste garnicht mehr, wie ich liegen soll. Die Herztöne vom Kind waren bei 200, also viel zu schnell und sie strampelte wie wild in meinem Bauch. Ich sollte ganz viel trinken, damit sich die Frequenz normalisiert. Mein Mann versorgte mich mit Wasser und ich trank 2 Liter innerhalb kürzester Zeit. Um ca. 1.30 Uhr kam die Ärztin und es wurde überlegt, ob mir ein Zugang gelegt werden solle, um intravenös Flüssigkeit zu verabreichen, damit sich die Herztöne bessern. Allerdings war das dann kurze Zeit später nicht mehr nötig, da sich alles von selbst normalisierte. Mein Muttermund war zu diesem Zeitpunkt erst 2 cm geöffnet und ich dachte nur "Oh Gott, ich hab jetzt schon solche Schmerzen, wenn das noch bis morgens so geht?!" Für mich kamen weder Schmerzmittel, noch PDA je in Frage, ich wollte mir das selbst unbedingt beweisen, dass es auch ohne geht.
Um 2 Uhr durften wir dann ins Wehenzimmer umziehen, wo ich mich schön ins große Bett legte. Die Wehen wurden immer heftiger und kamen in extrem kurzen Abständen. Alles was ich mir so vorgestellt hatte - Vierfüßlerstand, Hocke, Laufen - ging überhaupt nicht mehr. Ich konnte nur noch auf der linken Seite liegen und habe mich durch das riesige Wehenbett gewühlt. Mein Mann konnte mir auch nur helfen, indem er einfach da war und mir ab und zu etwas zu trinken reichte. Alles andere war mir zu viel, Massage ging garnicht, Gespräche überhaupt nicht möglich. Ich hatte das Gefühl, dass garkeine Pausen mehr zwischen den Wehen waren und ich kämpfte mich von einem Abklingen zum nächsten. Ich war wie in Trance, teilweise richtig weggetreten und atmete so, wie meine Hebamme in der Klinik - die übrigens SUPERTOLL war - mir es nochmal gezeigt hatte. Ich empfand die Wehen als absolute Konzentrationsarbeit und stellte mir immer einen Zug vor, der langsam einen steilen Berg bis aufs Plateau hochfährt und dann auf der anderen Seite wieder runter.
Im Nachbarzimmer schrie eine Frau ganz fürchterlich, aber auch das bekam ich nur am Rande mit, ich selbst atmete auch ganz laut mit UUUUH´s und OOOOH´s - Yoga sei Dank!
Ich musste oft auf die Toilette, was echt schwer war mit den Wehen, denn ich wusste dann garnicht, wie ich stehen oder sitzen soll. So gegen 3 Uhr kam dann total viel Blut als ich auf der Toilette war und ca. 30 Minuten später sagte ich meinem Mann, er solle mal die Hebamme rufen. (In der Klinik fummelte nicht ständig einer an einem rum, oder dauernd CTG, sie kamen eigentlich nur auf Abruf und sporadisch mal zum Schauen - das habe ich als äußerst angenehm empfunden!). Sie kam dann auch und machte nochmal kurz ein CTG und schaute nach dem Muttermund. Und dann konnte ich es echt nicht glauben: Er war inzwischen 9 cm offen, das heißt er ist in 2 Stunden 7 bzw. 8 cm aufgegangen. Die Hebamme sagte nur: "Du hast Dich hier aber vorwärts gekämpft!" und ich dachte, sie will mich verarschen. Aber dann sollte ich in den Kreissaal umziehen, der gerade frei wurde. Ich musste aufstehen, während noch beide Betten frisch bezogen werden mussten. Das war echt der Horror, denn ich konnte unter den Wehen einfach nicht stehen. Ich hab mich dann an meinen Mann mit vollem Gewicht drangehängt und nur gehofft, dass ich ganz schnell wieder liegen darf. Auf einmal verspürte ich den Drang zu pressen und sagte das auch der Hebamme. Sie sagte, es fehle noch ein Zentimeter und ich fragte, ob ich nicht in die Wanne dürfe. Sie fragte mich, ob ich ein Wassergeburt wolle und ich sagte, gerne. Allerdings kam es nicht mehr dazu, denn der Pressdrang wurde immer heftiger und schon saß ich auf dem Bett im Kreissaal. Ich krallte mich an dem von der Decke hängenden Tuch fest und meine Hebamme meinte, ich könne ruhig schonmal etwas pressen, wenn ich wolle. Das tat ich und war echt schockiert, wie weh das tat. Ich dachte immer, Presswehen seien nicht so schlimm. Ich fand das echt krass. Ich hatte das Bedürfnis zu schreien, nicht nur vor Schmerz, sondern weil es mir Kraft gab nach unten zu schieben. Nach drei Presswehen sagte die Hebamme, ich solle doch mal "reinfassen" der Kopf käme schon. Das machte ich und ca. 5 cm hinter dem Scheideneingang konnte ich tatsächlich den Kopf fühlen. Da stand ja noch ne Menge Arbeit bevor. Nach der nächsten Presswehe dachte ich echt, ich kann nicht mehr und fragte, ob wir nicht mal ne Pause machen könnten. Die Hebamme sagte: "Du weißt doch, dass das nicht geht, es gibt jetzt kein zurück mehr. Fühl doch nochmal." Und siehe da, da war der Kopf nur noch ca. 2 cm hinter dem Scheideneingang und mir leuchtete ein, dass ich jetzt alles geben muss. Die Hebamme hatte das Telefon schon an meinen Füßen liegen und sagte, sobald der Kopf geboren sei, rufe sie die Ärztin an, die dann käme. Sie motivierte auch meinen Mann, doch mal zu schauen. Obwohl wir vorher ausgemacht hatten, dass er an meinem Kopfende bleibt, hatte ich jetzt nichts mehr dagegen. Er konnte sehen, wie der Kopf kam. Mein Mann stellte mir dann das Kopfteil vom Bett höher, sodass ich jetzt quasi angelehnt auf meinen Füßen hockte, ich krallte mich erneut fest ins Tuch, ließ einen Urschrei los und presste so fest ich konnte. Es machte platsch und die Fruchtblase ergoss sich auf der Hebamme. Das war um 4.05 Uhr. Ich dachte nur, Oh Gott, nochmal packst Du das nicht und da sagte die Hebamme schon, ich solle mal gucken und ich traute meinen Augen nicht, der Kopf war schon geboren. Was sie dann sagte, beeindruckt mich bis heute zutiefst, denn sie konnte offenbar genau erkennen, was für mich das Richtige war: "Wenn Du willst, kannst Du sie jetzt rausziehen!". "Wie, echt? Ich?" Also packte ich mein Baby an der Schulter und zog es selber aus mir raus. Das war der absolute Wahnsinn und ich bekomme immernoch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das war dann um 4.15 Uhr. Leider riss dabei die Nabelschnur, da sie wohl zu kurz war. Die Hebamme meinte aber, das wäre bei ihr auch passiert. Die Ärztin kam dann erst, als das Baby schon geboren war. Es ging einfach alles in rasantem Tempo vonstatten. Die Hebamme sagte zu ihr, ich hätte die Geburt so gut wie alleine gemacht. Sie haben mich aber auch machen lassen. Absolut selbstbestimmt, natürlich und mit ganz viel Einfühlungsvermögen. Ich bin unheimlich begeistert von der Klinik und hätte mir nicht träumen lassen, dass sowas in einem Krankenhaus möglich ist. Ganz toll!
Ich war so glücklich und so stolz als ich die Kleine auf der Brust liegen hatte - geschafft! Und keinen Dammriss, nur die Schamlippen sind innen oben gerissen und mussten genäht werden.
Mein kleines Mädchen war von dieser extrem schnellen Geburt nicht sehr angetan. Sie weinte erstmal eine Stunde lang. Dann langsam kam sie zur Ruhe. Wir genossen die ersten 2 gemeinsamen Stunden und danach wurde sie gemessen und gewogen.
Mieke *12.12.2011, 4.15 Uhr (ET+4)
3710g - 52 cm - KU 36 cm
Um 9 Uhr morgens sind wir dann nach Hause gefahren.
Ich bin soooo dankbar für dieses wunderbare, unfassbare Erlebnis. Ich bin unheimlich glücklich darüber und fand es im Nachhinein einfach nur beeindruckend. Ein Naturereignis, man kann es wirklich nicht beschreiben.
Die kurze und heftige Geburt meiner ersten Tochter Mieke
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Beitrag von lili-piti - 27.12.11 - 14:29 Uhr
Beitrag von babsi1972 - 27.12.11 - 15:02 Uhr
Ein schöner Bericht!
Gratulation und eine tolle Kennenlernzeit!
Lg
Babsi
Beitrag von janimausi - 27.12.11 - 16:33 Uhr
Wow, unglaublich toller Bericht und für mich klingt es nach einer perfekten Geburt.
So hätte ich es auch sehr, sehr genr gehabt, doch leider kam es ja anders, zwar trotzdem natürlich aber auf dem Rücken, Beine in den Stützen und als er da war wurde er auch gleich weggenommen...
Naja ich hege die Hoffnung das es beim zweiten irgendwann schöner wird.
LG
Beitrag von maymay - 27.12.11 - 21:08 Uhr
Liebe lili-piti!
Einfach wundervoll! 
Ich habe selten einen so schönen Bericht gelesen und habe Tränen in den Augen, weil ich mich so sehr für dich freue!
Du hast wirklich ein doppeltes Geschenk bekommen! Ein Baby (sehr süßer Name übrigens!) und eine bemerkenswert selbstbestimmte Geburt!
Ein klitzekleines bisschen bin ich ja neidisch, leider hatte ich nach 40 Stunden
Wehen keine Kraft mehr und es gab einen Geburtsstillstand bei 7 cm Mumu. Da wurde es doch der KS, den ich niemals wollte. Aber unsere Tochter ist ein zufriedenes gesundes Baby, also bin ich auch zufrieden! 
Ich wünsche euch eine tolle Kennenlernzeit!
Alles Liebe! 
Maymay
Beitrag von lili-piti - 28.12.11 - 09:03 Uhr
Liebe Maymay,
vielen Dank für Deine lieben Worte. Ich habe mich unheimlich darüber gefreut! Wie traurig, dass es bei Dir anders kam, als gewollt. Es ist wohl doch immer eine Menge Glück mit im Spiel. Aber ich glaube es kommt darauf an, dass man - egal wie es kommt - das beste daraus macht und das hast Du ja bereits getan. Das finde ich die richtige Einstellung! ![]()
Ganz liebe Grüße,
Lili
Beitrag von sophia13102008 - 28.12.11 - 22:47 Uhr
Habe gerade sehr ehrfürchtig Deinen Geburtsbericht gelesen... Das hört sich soo toll an, dass ich fast schon ein bisschen neidisch bin
Meine zweite Geburt war leider alles andere als leicht, was allerdings daran lag, dass unsere Maus eine ziemlich dicke Hummel war uns es alleine nie ans Licht der Welt geschafft hätte. So muss man halt alles so nehmen wie es kommt und ich bin trotzdem dankbar, dass es kein Not-Kaiserschnitt geworden ist! Im nachhinein kann ich sagen: Ende gut, Alles gut!
Alles Liebe für Euch und Euer Baby
Beitrag von lili-piti - 29.12.11 - 09:22 Uhr
ja, du hast recht. im endeffekt weiß man nie, wie es kommt! natürlich hatte ich es mir so in etwa gewünscht - es war dann sogar noch besser, als ich jemals erwartet hätte - allerdings hätte auch alles GANZ ANDERS kommen können, dessen war und bin ich mir bewusst!
das beste draus machen ist immer gut. wer weiß, wie es beim nächsten kind wird!
ganz liebe grüße!
lili
