Mit zweisprachiger Erziehung erst später beginnen, geht das?

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Beitrag von tuttifruttihh - 29.12.11 - 14:26 Uhr

Hallo,

bevor meine Kleine auf die Welt kam hatte ich schon überlegt sie zweisprachig zu erziehen, da ich ein Jahr im Ausland gelebt habe. Hab damals aber kaum Englisch gesprochen und hatte das Gefühl dass es ein wenig eingerostet ist. Nun ist es aber so, dass ichs wieder regelmäßig benutze und im Sommer auch anfangen werde Englisch zu studieren. Meine Kleine ist nun 19 Monate alt, meint ihr man kann damit jetzt noch anfangen? Ihr würde es bestimmt viel bringen Englisch als zweite Muttersprache zu haben.

Eigentlich war das Thema für mich schon durch, hab aber in der Kita einen Vater mit seinem Sohn sprechen gehört, auf Englisch, und kam so mit ihm ins Gespräch. Er ist ebenfalls kein Muttersprachler.

Was meint ihr?

Beitrag von anja1968bonn - 29.12.11 - 14:44 Uhr

Also, über den Zeitpunkt würde ich mir jetzt nicht so viele Gedanken machen, aber darüber, ob das für Nicht-Muttersprachler überhaupt sinnvoll ist. Die meisten der zweisprachigen Familien, die ich kenne, erziehen ihre Kinder auch zweisprachig, was eben bedeutet, dass meine französische Kollegin mit ihren Kindern zu Hause französisch spricht und ihr deutscher Mann eben deutsch. Aber da liegt eben auch eine wirkliche Zweisprachigkeit vor, inklusive Gelegenheit für die Kinder, etwa beim Besuch der französischen Großeltern die Sprache auch zu verwenden.

Ich selbst habe Chinesisch studiert und auch eine Zeit im Ausland gelebt, mein Mann hat zwei Jahre seines Lebens in Polen verbracht - den Gedanken, dieses Wissens (was zum Teil auch schon etwas verschüttet ist) unserem Kind zu vermitteln, hatten wir noch nie ... dafür hat unser Sohn viel von unserer Liebe zu fremden Kulturen mitbekommen.

LG

Anja

Beitrag von dominiksmami - 29.12.11 - 14:46 Uhr

Huhu,

ganz ehrlich? Ich würde es den Muttersprachlern überlassen zweisprachig zu erziehen! Oder der Umgebung.

Mein Sohn spricht z.B. zu Hause nur deutsch, weil wir nunmal Deutsche sind. Er ging aber hier in NL in den Kindergarten und geht nun auch hier zur Schule, dadurch ist er schon zweisprachig, aber dennoch überwiegt für ihn das Deutsch.

Als nicht Muttersprachler wirkllich zweisprachig zu erziehen ist meiner Meinung nach verdammt schwer und man muß sich bewußt sein das man dem Kind auch jeden kleinen Fehler und Ausprachefehler ( und davon machen wir Deutschen im allgemeinen sehr viele und wenn es nur die Betonung ist) beibringt.

Wenn du dir absolut sicher bist nur noch englisch mit deinem Sohn reden zu wollen und dein Englisch wirklich perfekt ist, kannst du das aber sicher versuchen.

lg

Andrea

Beitrag von widowwadman - 29.12.11 - 14:58 Uhr

Wenn nicht mindestens ein Elternteil Muttersprachler der zweiten Sprache ist, oder die zweite Sprache Umgebungssprache ist kannst du die Idee getrost vergessen.

Gerade wenn dein Englisch eh eingerostet ist, wuerdest du damit deinem Kind keinen Gefallen tun.

Ich ziehe meine Kinder von Geburt an zweisprachig auf Umgebungssprache ist Englisch, der Vater spricht Englisch, ich spreche Deutsch und es ist harte Arbeit beide Sprachen den Kindern gleich nahezubringen und die Grosse mischt immer noch sehr viel (ihre deutsche Freundin in der KiTa auch - die beiden sprechen ein Pidgin miteinander, scheint also relativ normal zu sein).

Das Kinder ne zweite Sprache ohne viel Zutun der Bezugspersonen mal eben aufsaugen ist ein hartnaeckiger Irrglaube

Beitrag von lena10 - 29.12.11 - 16:25 Uhr

Hallo,

ich denke ebenfalls, dass das zweisprachige Aufwachsen nicht gelingt, wenn nicht beide Sprachen von Muttersprachlern und eben auch deren Angehörigen gesprochen werden oder es sich um Umgebungssprachen handelt.

Meine Bekannte hat das auch versucht - sie leben in Deutschland, beide Eltern sprechen deutsch, aber sie hat Englisch studiert und als Übersetzerin gearbeitet.
Das Experiment ist völlig in die Hose gegangen! Die Tochter hat sich irgendwann schlichtweg geweigert englisch zu sprechen oder zu verstehen.

Was allerdings funktioniert hat und sicherlich auch zum Vorteil des Kindes ist: Sie haben dann immer mal wieder spielerisch die englische Sprache in den Alltag einfließen lassen, so dass das Mädchen immerhin viel versteht, auch wenn sie die Sprache nicht selbst verwendet.

Gruß, Lena

Beitrag von biene81 - 29.12.11 - 16:59 Uhr

Vergiss es.

Meine Tochter ist 2sprachig, allerdings hat sie fuer jede Sprache einen Muttersprachler an ihrer Seite. Und selbst DAS ist harte, harte Arbeit, glaubs mir.

LG

Biene

Beitrag von ballroomy - 29.12.11 - 20:12 Uhr

Eine Bekannte von mir erzieht ihre Tochter von Geburt an Spanisch/Deutsch. Da beide Deutsche sind (sie studiert Spanisch auf Lehramt und hat auch schon in Spanien gelebt), haben sie sich einen Muttersprachler ins Haus geholt. Im ersten Lebensjahr eine kolumbianische Kinderfrau und jetzt im Anschluss eine Tagesmutter aus Spanien, die mit den Kindern nur Spanisch spricht.

Danach soll es mit einem spanischen Kindergarten weitergehen.
Obs klappt weiß ich nicht, das wird die Zeit zeigen.

Ich denke mal, ohne echten Muttersprachler wirds schwer.
Es gibt hier einen Club zu dem Thema: http://www.urbia.de/club/zwei+bzw+mehrsprachige+Erziehung
Und ein wirklich gutes Buch ist dieses hier: Mit 2 Sprachen groß werden von Elke Montanari.

Grüße
ballroomy

Beitrag von mamemaki - 29.12.11 - 21:17 Uhr

lass dich nicht verunsichern! jede situation ist anders, jedes kind ist anders. nur weil es bei anderen nicht klappt heisst es nicht dass es bei dir auch nicht klappen muss. natürlich ist mehrsprachig erziehung schwierig, aber ich glaube es geht vor allem um den willen und konsequenz (und guten rahmenbedingungen ;-) die kann man sich aber doch auch selber basteln!)
hier zulande ist es üblich dass nur "echte" muttersprachler diese mit ihren kindern verwenden dürfen. es gibt jedoch viele muttersprachler denen ihre sprache nicht so wichtig ist, nicht genug energie in das projekt stecken und nicht durchhalten. die werden weniger erfolg haben als du, wenn du genug wille und elan hast, auch wenn dein englisch nicht perfekt sein sollte.

ballroomy hat dir hier ja schon ein gutes buch empfohlen. es geht dabei um mehrsprachigkeit allgemein. tipps und tricks.

ich würde dir in deiner situation noch ein anderes buch empfehlen:

"7 steps to raising a bilingual child" von Naomi Steiner.

es ist eigentlich an us-bürger gerichtet die in den usa leben. ich würde es sonst niemanden ausserhalb der usa empfehlen (ist auch sehr us-spezifisch in seinen tipps). aber: es richtet sich vor allem auch an leute die ihr kind als nicht-muttersprachler mehrsprachig erziehen wollen. von daher hilft es dir vielleicht.

auch in anderen werken (zb."bilingual siblings" von Suzanne Barron-Hauwaert) hab ich immer wieder von erfolgreichen beispielen gelesen bei denen die kinder mehrsprachig erzogen wurden - auch wenn die eltern keine mutterprachler waren.
ABER: es geht leichter mit muttersprachler, das müssen aber nicht unbedingt die eltern sein ;-)

au pair, überhaupt das langjährige kindermädchen, sprachlehrer, sportlehrer, ander bezugspersonen...

ich wünsche dir viel erfolg!

mamemaki

Beitrag von widowwadman - 30.12.11 - 11:25 Uhr

Was heisst "hierzulande ist es ueblich"? Das ist doch nicht nur in Deutschland so, sondern generell bei Zweisprachigkeit, dass beide Sprachen von Muttersprachlern dem Kind vermittelt werden sollten. Wenn es nun so ist, dass z.B. beide Eltern deutsch sind, aber in einem nicht deutschsprachigen Land lebt, dann lernt das Kind die zweite Sprache mehr (und richtiger) von der Umgebung, fuer die die zweite Sprache Muttersprache ist, als von den Eltern, die ggfs noch nicht mal wirklich akkzentfrei sauber und grammatikalisch richtig sprechen.

Da kannst du so viel Elan haben wie du moechtest, aber das Kind lernt so ne falsche Aussprache und falsche Grammatik, die es muehsam spaeter wieder verlernen muss.

Also, rein deutsche Eltern in nem deutschsprachigen Land, ohne Muttersprachler der zweiten Sprache in staendigem (taeglichen) Kontakt, das kann man echt knicken.

Beitrag von zahnweh - 30.12.11 - 20:46 Uhr

Hallo,

bei uns im Kindergarten gibt es Kinder, deren Eltern NUR in ihrer Muttersprache mit den Kindern sprechen. Selbst können sie fließend deutsch, haben es auch studiert, leben hier seit Jahren (aber nicht seit ihrer eigenen Kindheit). Ihrer kaum hörbaren Fehlerchen sind sie sich aber bewusst.

Ihre Kinder kommen mit 3 Jahren in den Kindergarten, können inzwischen selbst super deutsch. Allerdings ohne den Akzent der Eltern. Also lernten die Kinder von Geburt an die Elternsprache und hörten die Umgebungssprache (hier deutsch). Seit dem Kindergarten sprechen sie super deutsch (Umgebungssprache). Die Eltern sprechen weiterhin Muttersprache mit ihren Kindern, weil sie sich dabei wohler fühlen und eben auch Feinheiten (z.B. Ausdrücke für Gefühle) besser ausdrücken können. Und wenn die Eltern doch mal deutsch mit ihren Kindern sprechen, antworten die Kinder schon mal mit "Mama, das heißt aber .... und nicht ...." eben eine Aussprache mit Akzent.

Beitrag von mamemaki - 06.01.12 - 19:47 Uhr

hi widowwadman,

ich gebe dir recht, es ist natürlich eine ideale situation dass jeder elternteil die sprache an das kind weitergibt die er am besten beherrscht. keine frage. ABER...

es gibt halt immer abers.. in vielen ländern wird mehrsprachigkeit etwas relaxter gehandhabt als in, sagen wir mal deutschland, grossbritannien oder rumänien.

denk mal an indien (vielleicht kennst du inder? nicht so unwarscheinlich in grossbritannien). viele inder sprechen so super englisch, aber halt "indisches" englisch. ist es nun schlecht das an ihre kinder weiterzugeben? es wird so zu einer neuen sprache. in vielen teilen der welt ist es so mit den alten kolonialsprachen. genauso mit französisch in vielen afrikanischen ländern etc. nur, und da gebe ich dir recht, in den ländern in denen eine allgemeine mehrsprachigkeit herrscht, lernt man die zweit, dritt und manchmal sogar viert- etc. sprachen an verschiedenen orten/bei verschiedenen gelegenheiten. in der familie, in der schule. als offizielle sprache in der arbeit..
es ist nicht schlimm wenn man manche dieser sprachen nicht perfekt beherrscht. man kann nicht alle perfekt beherrschen! nur, man sollte eine perfekt beherrschen. und da liegt das problem.

aber gerade in dem fall der ursprünglichen posterin - umgebungssprache und familiensprache deutsch, nur die mutter würde englisch sprechen. sehe ich keine gefahr dass das deutsche nicht perfekt erlernt werden kann. natürlich wird das englische gewisse lücken haben. grammatikfehler werden sich vielleicht einschleichen, das vokabular wird nicht perfekt sein, oder? aber das kann englischen muttersprachlern auch passieren ;-) es gibt genug migranten die keine schulbildung besitzen (englischsprachig ist vielleicht gerade ein schlechtes beispiel) und ihre eigene muttersprache nur fehlerhaft weitergeben können. aber bei ihnen wird es akzeptiert - sie geben ja mit der sprache auch ihre kultur mit an die kinder weiter (und ganz zurecht!).

warum werden dann ein paar grammatikfehler bei einer nicht-muttersprachlerin nicht akzeptiert? sie bemüht sich, versucht ihr bestes zu geben und ihr kind mehrsprachig zu erziehen. sie will ihrem kind auch etwas weitergeben. nicht ihre vergangenheit, ihre kultur die sie von ihren eltern bekommen hat, sondern ihren traum, ihre einstellung, ihre weltoffenheit und ihre hoffnung für eine offenere und mehrsprachigere zukunft. so sehe ich das!
und das gehört gefördert! und wenn sie schlau ist holt sie sich ganz viel hilfe von muttersprachlern (au pair, sprachlehrer, englische spielgruppe, dvd's, bücher, internet, spiele...)

lg
mamemaki

p.s.:. ich wäre sehr sehr froh und dankbar gewesen, hätten mich meine beiden einsprachigen eltern mehrsprachig erzogen. bereits eine passive zweisprachigkeit hätte mir den schritt zum späteren aktiven erlernen dieser sprache um so vieles erleichtert. so musste ich mir jede einzelne fremdsprache die ich sprechen sehr, sehr hart erkämpfen.

Beitrag von daniela0814 - 29.12.11 - 22:50 Uhr

Ich habe über 3 Jahre in Amerika gelebt und mein Englisch ist zumindest so gut, dass ich eine Radioshow moderiert habe, aber ich würde es mir nicht zutrauen, meinen Sohn zweisprachig zu erziehen. Klar, wir hören auch englische Lieder etc an, aber erziehen ist doch was anderes. Ich denke eigentlich nicht, dass es klappen kann, außer ein Elternteil ist wirklich Muttersprachler. Aber hey, who knows, vielleicht klappts ja.

Beitrag von anja-jay - 30.12.11 - 00:32 Uhr

Guten Abend!

Allein vom Alter deiner Tochter gesehen würde ich sagen, ist nichts zu spät!

Die Frage ist , wie gut dein Englisch ist und ob du es wirklich durchziehst, mit der Kleinen konsequent Englisch zu sprechen.

Mein Sohn ist bilingual deutsch-englisch, sein Vater ist US-Amerikaner. Mein Sohn ist in den Staaten geboren, Umgebungssprache war im ersten Lebensjahr Englisch, Daddy spricht Englisch mit ihm und ich versuchte, so viel Deutsch wie möglich zu sprechen. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass das nicht immer einfach ist. Wenn man von Menschen umgeben ist, die die 2. Sprache (in meinem Fall Deutsch, bei dir Englisch) nicht im Alltag sprechen, dann kann es mitunter unangenehm werden und man muss mit blöden Blicken rechnen. Du wirst wahrscheinlich auf mehr Kritik stoßen und schief angesehen werden, weil du kein Muttersprachler bist. Auch das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Denn als ich mich von dem Vater meines Sohnes trennte und mit meinem Kleinen zurück nach Deutschland kam, sah er seinen Vater nicht mehr oft und ich hatte Angst, er würde das Englische "verlernen". Also begann ich, mit ihm Englisch zu sprechen und das Deutschsprechen der Umgebung zu überlassen. Das klappt, vorausgesetzt du sprichst gut und mit nicht allzu starkem Akzent! Aber man wird schief angesehen.
"Wieso sprechen Sie denn Englisch mit ihm? Sie sind doch gar nicht Muttersprachlerin!"

Bei meinem Sohn hat es so aber funktioniert, jedoch hatte er auch Kontakt zu Muttersprachlern, wenn er seinen Daddy oder seine Großeltern in den Staaten besuchte. Ohne Kontakt zu Muttersprachlern weiß ich nicht, in wie weit das wirklich klappt. Ich würde auf jeden Fall sicherstellen, dass deine Tochter ihr Englisch auch aktiv anwenden kann- sonst erscheint es ihr womöglich sinnlos und Spaß und Motivation vergehen ihr eines Tages.

Und jetzt noch ein Beispiel, was passiert, wenn man nicht konsequent vorgeht: Mein Sohn lebt seit seinem achten Lebensjahr auf eigenen Wunsch bei seinem Dad in den Staaten, sieht mich nicht mehr oft und schreibt/telefoniert sonst nur manchmal. Deutsch als Umgebungssprache fiel weg, ich sprach manchmal Englisch, manchmal Deutsch. Die Folge: Mein Sohn war über Weihnachten bei mir und erzählt mir: "Der Pullover muss noch in DIE Schrank!" #heul

Also Fazit: Es ist sicherlich möglich, ich würde aber auf jeden Fall Kontakt zu Muttersprachlern suchen und konsequent vorgehen! Und du solltest dir gut überlegen, ob du das wirklich auf dich nehmen willst.

Good luck and best wishes!

Anja

Beitrag von isi1709 - 30.12.11 - 06:36 Uhr

Hallo,

ich habe selbst Englisch auf bilinguales Lehramt studiert und bin daher (zumindest in der Theorie der bilingualen Kindererziehung) geschult, unterrichte teilweise SU und Geschichte auf Englisch und habe längere Zeit im englischsprachigen Ausland gelebt.

Falls du dein Kind wirklich bilingual aufziehen möchtest musst du ganz konsequent sein. Du musst wirklich ausschließlich Englisch sprechen. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie gut dein Englisch ist, aber vielleicht solltest du dir mal vorstellen, wie es ist , wenn du mit deiner Süßen spazieren gehst er dich fragt: "What's this mummy?" und auf irgendwelche Blumen oder Bäume zeigt, Gerätschaften von Bauarbeitern (Bagger, Presslufthammer,...) etc..... würdest du diese Begriffe kennen und ihr spontan nennen könnnen? Also ich trotz Englischstudium nicht immer und im Wörterbuch nachzuschlage ist ja dann auch nicht der Hit. Daher würde ich nicht auf die Idee kommen, mein Kind bilingual aufzuziehen.
Außerdem muss die Sprache beim bilingualen Erziehen mit dem kulturellen Hintergrund verknüpft werden, nur so ist es für ein Kind von Bedeutung. Also bilinguale Erziehung beinhaltet nicht nur die Sprache, sondern eben auch die andere Kultur und das ist bei dir meines Erachtens nicht gegeben.

So, hoffe ich konnte noch ein paar Dinge ergänzen zu den bisherigen Posts

LG

Isabel

Beitrag von mamemaki - 05.01.12 - 08:34 Uhr

Hi Isabel, ich gebe dir ganz recht, dass mehrsprachigkeit ganz stark mit dem kulturellen hintergrund verknuepft ist. Aber gerade desshalb glaube ich dass dein erstes argument, nur wenn ich ein super vokabular habe kann ich die sprache an mein kind weitergeben, in der praxis oft nicht umsetzbar ist. Ich kenne viele familien bei denen es so laeuft wie bei uns. Ich spreche deutsch, mein mann rumaenisch mit unserem kind. Er selbst ist aber bereits zweisprachig, deutsch ist seine staerkere sprache. Soll er jetzt sein kulturelles erbe nicht weitergebe, nur weil er nicht weiss was ahorn oder abschleppwagen heisst? Wir haben uns anders entschieden, und er lernt ganz viel mit dem kind mit... Er verwendet viel hilfsmaterial auf rumaenisch und kommt gut zurecht!

Lg mamemaki

Beitrag von aylin80 - 30.12.11 - 14:01 Uhr

Zweisprachig sollten nur native speaker erziehen. Würde ich auch mit einem Jahr Ausland nie machen. Ich war auch ein Jahr in den USA, merke aber immer, wenn ich in GB oder USA unterwegs bin, dass ich eben "gut", aber mehr auch nicht spreche. Und ich finde nichts schlimmer, als Leute (hab auch so eine Bekannte), die meinen ihren Kindern Englisch beibringen zu müssen bzw. meinen super zu sprehcen und dann Aussprachefehler und Grammatikfehler machen, dass sich einem die Haare hochstellen. Lass es lieber bleiben.

Ach ja, Englisch hab ich ürbigens auch studiert, deswegen bist du trotzdem kein native speaker.

Beitrag von jade_ffm - 30.12.11 - 15:59 Uhr

ich kann dir folgenden Beispiel nennen: Unsere Nachbarn sind beide Deutsche und haben 2 Söhne. Die Mutter spricht mit ihnen Deutsch, der Vater permanent Englisch.
Oft wunderte ich mich darüber und fragte mich, ob die Kinder wohl verstehen, oder gar Englisch sprechen. Ich fragte letztens den Älteren, ob er seinen Papa versteht, bzw. ob er Englisch antwortet, wenn sein Vater mit ihm Eng. spricht. Er verneinte beides.

Meine Tochter wächst bilungual auf. Ihr Vater ist Deutscher, ich Kroatin. Ich versuche stets Kroatisch mit ihr zu sprechen, und es fällt mir oft auf, dass ich dies vergesse und auf Deutsch antworte. Es ist nicht einfach ständig daran zu denken. Ihre Oma spricht nur Kroatisch mit ihr, Tochter versteht auch, doch ich merke dass sie nicht viel auf Kroatisch antwortet. Jedoch wäre es mir sehr wichtig, dass sie dies kann!

lg

Beitrag von widowwadman - 30.12.11 - 18:02 Uhr

Ich halte meine Tochter dazu an auf Deutsch zu antworten wenn sie mit mir spricht, sprich, wenn sie Englisch spricht, bitte ich sie das auf Deutsch nochmal zu wiederholen.

Beitrag von jade_ffm - 30.12.11 - 19:25 Uhr

ja, das mache ich auch. Ich bitte sie es dann noch mal in Kroatisch zu sagen. Mal klappt es sehr gut, mal weniger gut...!

Beitrag von imzadi - 31.12.11 - 02:43 Uhr

Freunde von uns haben eine 5 jährige Tochter. Sie spricht nur Deutsch mit der Kleinen, er ist Deutscher und er spricht nur Englisch mit ihr. Das Mädchen spricht astrein Deutsch und (so weit ich das beurteilen kann) super Englisch. Ich bewundere es immerwieder wie XXX das so durchzieht über Jahre hinweg nur Englisch zu sprechen.

Beitrag von s-maria - 01.01.12 - 19:26 Uhr

Hallo,

warum haben die Eltern Angst ein Zeitfenster für das Erlernen einer Fremdsprache zu verpassen? Kein Kind hat später Probleme in der Schule, nur weil es von Geburt an eben nur die Muttersprache (in der Regel die deutsche Sprache) lernt. Erstmal sollte es die Muttersprache lernen, Fremdsprachen können Kinder noch in der Kita, in der Schule und sogar als Erwachsene lernen.

LG
Maria, die ihren Sohn einsprachig erzieht ;-)

Beitrag von widowwadman - 02.01.12 - 10:51 Uhr

Das Zeitfenster von dem die TE spricht ist das Zeitfenster fuer Erstpracherwerb - der Spracherwerb einer Muttersprache unterscheidet sich von dem Erwerb einer Zweitsprache - das wird anders gelernt und funktioniert anders (da gibt's Tonnen von linguistischer Fachliteratur dazu)

Ich gebe dir allerdings damit recht dass, sofern das Kind nicht mit mehr als einer Umgebungssprache, die von Muttersprachlern gesprochen wird aufwaechst, sollte man tatsaechlich warten.

Beitrag von hippychick - 02.01.12 - 10:34 Uhr

ich denke es geht auch wenn man kein muttersprachler ist....

mein mann und ich sind deutsch, sprechen deutsch miteinander. unsere kinder sind in england geboren und bisher in hauptsaechlich englisch sprachigen laendern aufgewachsen.
ich lebe seit fast 12 jahren im englisch sprachigen ausland.

wir sprechen zuhause eine mischung aus deutsch (hauptsaechlich) und englisch. fernsehn radio schule etc sind englisch, draussen mit freunden unterwegs sprechen wir englisch.

unsere kinder haben keine probleme, mischen die sprachen auch eigentlich nicht.

aber...

wuerde ich in deutschland leben, mit "eingerosteten" englischkentnissen, wuerde ich es lassen.

Beitrag von widowwadman - 02.01.12 - 10:44 Uhr

In Eurem Beispiel kommt das Englische ja durch die Umgebungssprache und die Kinder lernen durch euch Deutsch - das ist ja was voellig anderes als das was die TE machen moechte.

Beitrag von hanutella - 05.01.12 - 21:54 Uhr

Hallo :)

Wir leben in Portugal und haben unsere ochter bewusst deutschsprachig erzogen, bis sie mit fast drei Jahren in den Kindergarten kam, weil ich bei Bekannten gesehen habe, dass eine zweisprachige Erziehung nicht funktioniert, wenn sie nicht konsequent durchgezogen wird. Dort ist die Mutter zwar Portugiesin, ist aber in Deutschland aufgewachsen. Ab und an hat sie dann mal mit ihren Kindern Deutsch gesprochen. Die mögen vielleicht noch das ein oder andere verstehen (sagt die Mutter), aber ich habe sie nie ein Deutsches Wort sprechen hören und das obwohl der Grosse inzwischen in der Schule ist.

Wir haben uns also bewusst dazu entschieden die ersten Jahre mit wenigen Ausnahmen wie "Bitte", "Danke" oder "Guten Tag", auf Portugiesisch zu verzichten, damit sie Zeit hat vernünftig Deutsch zu lernen. Hier ist es so, dass die Kinder von halb 8 bis halb 8 in den Kindergarten können. Meine Tochter geht von 9 bis 6. Sie spricht also die meiste Zeit des Tages eh Portugiesisch und wir wollten so sicherstellen, dass Deutsch nicht zu kurz kommt.

Inzwischen ist sie 8 Monate im Kindergarten und kann sich vernünftig ausdrücken. Laut Erzieherin hat sie sehr viel gelernt und nur noch leichte Schwächen, die ihrer Aussage nach für Kinder, die zweisprachig aufwachsen, vollkommen normal sind. Sie bildet noch keine längeren Sätze auf Portugiesisch und hat noch Schwierigkeiten mit Worten wie "vorher", "nachher", "gestern", "morgen" usw. Auf Deutsch beherrscht sie all dies schon. Und ich bin überzeugt, dass Sie solche Dinge auch bald auf Portuigiesisch kann.

Nun habe ich dir zwei Beispiele gebracht und hoffe, du kannst deine Schlüsse daraus ziehen. Auf jeden Fall solltest du, wenn du dich für die zweisprachige Erziehung entscheidest, dies sehr konsequent tun und genug Zeit dafür einplanen. Zwei Stunden am Abend bringen es nicht.

Viel Erfolg!