Was haltet ihr von heilpädagogischen Kindergartengruppen?

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 11:36 Uhr

Hallo,

Leonie leidet ja nun unter Wahrnehmungsstörungen im Bereich der Körperwahrnehmung, Entwicklungsverzögerungen, Sprachstörung, motorische Verzögerung.
Der I-Status ist noch nicht durch, wir haben nun aber die Möglichkeit, 4 Wochen zur Probe in eine heilpädagogische Gruppe zu schnuppern#freu#ole.
Dabei handelt es sich um einen relativ neuen KiGa, der auch noch freie Plätze hat#ole.

Eigentlich hatten wir immer eine integrative Gruppe ins Auge gefasst und ich würde nun sehr gerne mal Erfahrungen aus heilpädagogischen Gruppen hören.
Welche Behinderungs"arten" gibt es denn da bei euch so und wie zufrieden seid ihr? Die individuelle Förderung wird in solchen Gruppen ja wahrscheinlich noch mit am besten sein, oder?

Ich freue mich über Erfahrungen,
lg kathrin

Beitrag von nicolee2207 - 03.01.12 - 13:41 Uhr

Hallo Kathrin,

meine 5jährige Tochter geht in eine heilpädagoische Kleingruppe in einem Integrativen Kindergarten. Es werden dort etwa 8 Kinder von 3 Betreuern versorgt (2 Heilerziehungskräfte und 1 Kinderpflegerin) Am Anfang war ich skeptisch, nach kurzer Zeit aber sicher, dass sie sich dort (erstmal) am besten entwickelt und Unterstützung erfährt.
Die Summe der unterschiedlichen Behinderungen in der Gruppe ist zwar hoch und natürlich sehr unterschiedlich, aber die Kinder in der Gruppe werden individuell gefördert und unterstützt. Viele unserer Therapien laufen während der Kiga zeit, sodass der Nachmittag nicht von Terminen usw. zerrissen wir.
Es gibt Fördergespräche, es werden Entwicklungberichte geschrieben und man erhält viele gute Tipps.
Unser Kiga hat ein offenes System, also es besteht auch der Kontakt zu anderen Gruppen, es gibt einmal in der Woche ein Morgenkreis mit ALLEN Kindern, also haben sie viel Kontakt zu gesunden Kindern.
Wenn ihr die Zustimmung zur Kostenübernahme vom Amt habt, zahlt man nur einen ganz geringen Betrag an Kigakosten, was natürlich ebenfalls durchaus positiv ist.

Ich denke ihr solltet es ausprobieren, in eine I-Gruppe kann sie später durchaus auch wechseln, was wir für das letzte Kiga Jahr ebenfalls überlegen!
LG Nicole

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 15:02 Uhr

Hallo Nicole,

die Idee, fürs letzte KiGa zu wechseln klingt super#freu. Das letzte KiGa Jahr steht bei uns allerdings auch schon ab Sommer an, aber bis dahin könnte sie ja mit passender Förderung vielleicht einiges aufgeholt haben#freu.

ich bin wirklich schon sehr gespannt, und freue mich auf die 4 Probewochen:-)

lg kathrin

Beitrag von nicolee2207 - 03.01.12 - 16:07 Uhr

Hi Kathrin,

probiert es auf jeden Fall. Und wenn es wirklich gut läuft, lässt du sie im letzten Jahr auch noch dort.
Bei uns gibt es schulanfängerprojekte auch in den heilpädagogischen Gruppen. Ich schicke meine Tochter im letzten Jahr vielleicht noch einen Tag in der Woche in die Vorschule, die ebenfalls auf "Problemfälle" spezialisiert sind.

Kannst ja mal berichten, wenn ihr gestartet habt :-)
LG Nicole

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 16:13 Uhr

Hallo Nicole,

darf ich mal fragen, was deine Tochter hat?

Für uns ist das halt alles noch total neu. Lange Zeit wurde unsere Tochter einfach für aktiver als andere Kinder gehalten, von Außenstehenden als "schlecht erzogen" betitelt:-[.

Ich bin froh, dass es nun endlich alles seinen Lauf nimmt und das Telefonat heute hat mir richtig gut getan und ich bin wirklich sehr gespannt, wie es klappen wird.
Der "normale" kindergarten scheint nämlich noch das ganze Gegenteil zu bewirken, sie ist einfach vollkommen überfordert dort, auch wenn sie dort schon versuchen, ihr ruhephasen zu verschaffen.
Zusätzlich hat sie ein großes Problem bzgl. des Einnässens. Andere Kinder können ja so gemein sein #schmoll.

Ich hoffe, dass dieser KiGa ein voller Erfolg sein wird:-)

LG Kathrin

Beitrag von nicolee2207 - 03.01.12 - 17:50 Uhr

eine andere Mutter, die ähnliche Probleme hat mit ihrer Tochter wie wir, hat nur positive Erfahrungen gemacht mit dem Wechsel aus einem normalem Kiga in eine heilpädagogische Gruppe.
Ihre Tochter war aggressiv, jedem Tag gab es neue Probleme, alle haben immer nur den Fokus auf DIESES Kind gelegt. Irgendwann fühlt man sich als Mutter auch schlecht und betritt den Kiga schon in der Anspannung "was heute wohl passiert ist" das übertrgägt sich auf die Kinder und wird wirklich zum Negativkreislauf. Ihre Tochter macht in dieser Gruppe viele Fortschritte und ist entspannter, weil sie, wie meine, nicht mehr so reizüberflutet ist.

Meine Tochter...mhhh ganz lange Geschichte. Sie war von anfang an irgendwie krank...mit 2 Monaten künstlich beatmet (2 Monate lang), ein Leberproblem. Mit 2,5 Monaten wurde sie lebertransplantiert, was nicht so gut lief. Wir waren 6 Monate im KH Entlassung mit Katheter und Magensonde. Naja und sowas hat Folgen. Sie musste letztes Jahr erneut transplantiert werden, hat Entwicklung und Wahrnehmungsstörungen. Durch die Medikamente und die Wahrnehmungsstörung wirkt sie hyperaktiv, ist aber eher eine Reizüberflutung, weil sie nicht zw. wichtigen und unwichtigen Reizen filtern kann.
Sie kann Gefahren nicht einschätzen und braucht eigentlich die ganze Zeit Betreuung und "Überwachung". Ich glaube ich könnte Romane schreiben.
Wisst ihr was bei euch los ist und warum?
Wir waren in einem SPZ und dort wurde auch eine Testung bezüglich koknitiver Fähigkeiten, IQ usw. gemacht. Der ist zwar noch nicht ausgewertet, aber sie ist wohl nicht auf dem Stand von gleichaltrigen Kindern (eher wie 3, manche Sachen eher wie ein Kleinkind) andererseits ist sie ziemlich schlau in anderen Bereichen. Naja sie kompensieren Defizite wie z.B. Blinde und spezialisieren sich in anderen Bereichen.
Dieses Jahr werden wir nochmal in eine Klinik gehen 3-4 WOchen um sie bezüglich der Schule usw. testen zu lassen und zu sehen welche Möglichkeiten sie hat und was ihr wirklich zu zu trauen ist.

Oft ist es ja nicht einfach den Grad zwischen Über und Unterforderung einzuhalten. Ihre kleine Schwester ist in einigen Bereichen schon deutlich weiter (aber das darf man wohl eher nicht vergleichen)
SO bevor das hier ein Buch wird :-p , wünsche ich euch lieber einen schönen Abend.
Liebe Grüsse, Nicole #winke

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 18:15 Uhr

Sag mal schreibst du von meiner Tochter? Einziger Unterschied: Sie hatte nicht diese Startschwierigkeiten und auch sonst eigentlich keine Erkrankungen. Sie war immer ein "normales" Kind.
DieseReizüberflutung hat Leonie auch #schwitz, daher ist sie in einem Regelkindergarten total falsch und es gibt eigentlich keinen KiGa Tag, an dem mal nichts vorgefallen ist:-(. Für mich als Mama ist es super blöd, weil andere Eltern sie eben oft auch nur als völlig frech ansehen. Warum sie so ist interessiert ja oft keinen.

Kognitiv ist Leonie eigentlich total pfiffig, aber auch nicht in allen Bereichen. Fynn ist ja nun auch 20 Monate jünger als sie, in manchen Dingen aber auch schon weiter als sie und das merkt sie auch, dass er schon Dinge kann, die bei ihr einfach nicht klappen wollen:-(. Ganz große Angst habe ich davor, wenn wir bei Fynn bald nachts die Windeln weglassen können, davon sind wir bei ihr nämlich noch ganz weit entfernt#heul.
Sicher darf man nicht vergleichen, aber Kinder vergleichen sich ja auch untereinander...

Aber ich als Mama muss auch ehrlich gesagt zugeben, dass ich bei ihr oft an meine Grenzen stoße. Ich dachte immer nach Zwillingen kann mich nichts mehr schocken, aber Leonie ist einfach ganz anders#schwitz. Sie hat auch überhaupt kein Gefahrenbewusstsein, dennoch bin ich nicht immer hinter ihr her#schwitz. Passiert dann trotzdem mal was, kann ich mir meistens Vorwürfe anhören, nach dem Motto: Du weißt doch, dass dein Kind ständiger Aufsicht bedarf, wieso warst du nicht da???

Wieso bedarf sie ständiger Aufsicht? Alle Kinder verletzen sich mal, aber auch alle Kinder brauchen mal ihre Freiheiten, auch Leonie! Beaufsichtige ich sie zu stark, gerät es auch völlig aus dem Ruder, denn das möchte sie gar nicht.

Auch was Schmerzen angeht ist sie total Unterempfindlich, daher braucht sie eben auch viel stärkere Reize von außen, daher wohl auch teilweise die Aggressionen, die sie nutzt, um sich selbst zu spüren#schwitz.

Ach ja, es ist alles nicht leicht.

Ich wünsche euch aber alles gute und dass es bald vorbei ist mit den ständigen KH aufenthalten#liebdrueck

Alles Gute,
Kathrin

Beitrag von nicolee2207 - 03.01.12 - 20:40 Uhr

Na siehst du, so unnormal sind dann unsere Mädels gar nicht!!!

Mit den Windeln mach dir mal keinen Stress. Bei uns ist es genauso. Lotti (die große) braucht nachts noch welche, die sind zu 90% morgens total voll. Ich bekomme die von der Krankenkasse bezahlt. Die kleine (Annika) wird im Februar 3 und ist schon seit 6 Monaten trocken, nachts hat sie nur zur Sicherheit eine an, da ist aber fast nie was drin.
Dafür ist ja ein Hormon zuständig (bei uns können auch die Medikamente schuld sein), bis zum 6. Geburtstag ist es ok nachts noch eine Windel zu tragen.

Wir haben unserer Großen zu Weihnachten eine Schaukel geschenkt (die rote rune von Ikea) dadrauf hält sie stundenlang drauf aus und fährt total runter. Vielleicht auch was für deine Leonie?!!
Das mit den Gefahren...mhhh naja ich lasse sie nicht an der Strasse Fahrrad fahren, dafür gehen wir in den Wald oder auf kleine Schleichwege. Ich könnte sie nie alleine im Garten lassen, weil ich mich nicht auf sie verlassen kann, dass sie nicht abhaut.
Ich denke IMMER kann man die Kinder nicht beaufsichtigen, man muss ja auch loslassen, aber an der Strasse usw. gibt es das nicht. Bei euch ja sicher auch nicht, oder?!!
Macht ihr Krankengymnastik mit Leonie? Wir machen das um ihre Wahrnehmung zu verbessern, sie turnt also nicht sondern wird mal massiert, Pizza backen auf dem Rücken, Rassierschaum, Pinsel usw. um die Tiefenwahrnehmung zu stärken. Könnte Leonie auch helfen.
Mein Mann und ich hatten im Dezember einen Termin zur Elternberatung. Als wir dort über unsere alltäglichen Probleme gesprochen haben, ist uns schon manches aufgefallen. Und wir haben Tipps zur Verbesserung bekommen. Werden dort auch weiter hingehen. Schaden kann das ja nicht.
Kinder mit Wahrnehmungsstörungen müssen ja immer einen Gang höher schalten um sich zu spüren. Lotti hat Musik immer sehr laut, glaube sie spürt die Bässe dadurch.
Vielleicht deshalb auch die Aggressionen bei Leonie, eine Umarmung von ihr wird sicher auch viel heftiger sein, als bei anderen Kindern.....
Wir fahren Ende Januar erstmal zu viert zur Familienreha und werden uns ordentlich erholen, hoffentlich ;-)
Lasst es euch gut gehn!
LG Nicole

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 20:53 Uhr

Leo bekommt ergotherapie, da macht sie die sachen, die eure Tochter bei der Krankengymnastik macht. Zusätzlich macht sie Psychomotorik;-).
Quatsch, an der Straße passe ich natürlich auf#schock, aber hier zuhause bin ich nicht immer hinter ihr her;-).

Ja, Leo´s CD Player, da haben wir auch den Bass voll eingestellt. Sie hat zu weihnachten einen coddle loop von land of toys bekommen, der tut ihr auch richtig gut. Eine Hängematte hat sie auch, hat allerdings nur selten die Ruhe, sich da wirklich längere Zeit reinzulegen.

Ja, ihre Umarmungen sind heftiger, oft meint sie es gar nicht böse, aber andere Kinder empfinden es so:-(

Wünsche euch eine erfolgreiche Familienreha#klee

lg kathrin

Beitrag von minkabilly - 03.01.12 - 20:29 Uhr

Ich kann die heilpäd. Gruppe nur empfehlen;-)...mein Sohn war dort auch bis zur Einschulung. Gerade wenn der Förderbedarf noch groß ist sollte man frühzeitig handeln. Und kleine Gruppe ist da von Vorteil. Und oft sind die Gruppen mit Kindern mit Entwicklungsverzögerungen etc. da...nicht wie manche denken nur "schwere Fälle"

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 20:37 Uhr

#danke

geht dein sohn nun auf eine "normale" grundschule oder auf eine förderschule?
ich habe Angst, dass es vielleicht dann heißt: heilpäd. gruppe = später förderschule, obwohl es vielleicht doch nicht notwendig ist.

Beitrag von minkabilly - 03.01.12 - 21:05 Uhr

Er ist auf einer Förderschule für motorisch beeinträchtigte Kinder.

Vorteil :kleine Klasse mit 8 Kindern, 2 Lehrer und 1 Erzieher...
für meinen Sohn wurde noch zusätzlich ein I-Helfer bewilligt.

Unterrichtet wird dort "individuell" in jeder Klasse: d.h. nach Förderschule und Regelschule -je nachdem wo das Kind Probleme hat.

Mein Sohn wird nach Regelschule unterrichtet. Er ist Autist, vom Kopf her aber fit.

Beitrag von 2mama - 03.01.12 - 21:10 Uhr

tolles prinzip#freu

Beitrag von turbokristel - 03.01.12 - 22:48 Uhr

Davor hatte ich anfangs auch Angst - die wurde mir aber mittlerweile genommen, denn die drei Kinder aus der Gruppe meines Sohnes (siehe Posting weiter unten), welche im Sommer auf die Schule wechseln werden auf eine ganz normale Schule gehen :-).

Beitrag von turbokristel - 03.01.12 - 22:46 Uhr

Hallo Kathrin,

ich kann auch nur Positives berichten!

Mein Sohn, ein ehemaliges Extremfrühchen, hat eine Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung und diverse körperliche Baustellen (Probleme mit dem Gleichgewicht u.ä.). Er ist mit 2 Jahren als I-Kind in eine integrative Krippe gegangen und nun im Sommer mit 3 Jahren in den HPK gewechselt. In seiner Gruppe sind 8 Kinder (z.B. ADHS, Asperger, allgemeine Entwicklungsverzögerung), die von 2 Heilpädagogen und einem FSJler betreut werden.

Alle notwendigen Therapien (Logo, KG, Psychomotorik) werden im Kindergartenalltag eingebaut. Zusätzlich gehen sie alle 2 Wochen zum therapeutischen Reiten und zum Schwimmen (immer abwechselnd). Mein Sohn macht tolle Fortschritte, so toll, dass sie ihn eigentlich zum Sommer wieder "loswerden" wollen, da sie ihm nun einen I-Platz zutrauen :-D. "Leider" sieht es aber so aus, dass ich keinen mehr bekomme und er dann noch ein Jahr bleiben darf. Ehrlich gesagt, bin ich fast froh darüber, denn er geht dort so gern hin und auch ich finde es einfach toll dort. Auf jedes Kind kann durch den guten Betreuungsschlüssel individuell eingegangen werden. Da es sich um einen Kindergarten der Lebenshilfe handelt, sind alle notwendigen Therapeuten, Psychologen usw. immer vor Ort und es kann immer sehr schnell gehandelt werden. Das spart oft viel Zeit und auch viele Arztbesuche ;-)

Viele Grüße

Kristin

Beitrag von 2mama - 04.01.12 - 11:43 Uhr

Hallo Kristin,

danke für deine Antwort.

Das hört sich wirklich gut an, was du schreibst#freu.

Ich bin echt schon total gespannt, wie es mit Leo klappen wird, wie es ihr gefällt, wie es mir gefällt#schein.

LG kathrin

Beitrag von turbokristel - 04.01.12 - 14:07 Uhr

Ich bin auf deinen Bericht gespannt!

#winke

Beitrag von alpenbaby711 - 10.01.12 - 11:04 Uhr

Ich hatte damals meine Entscheidung nie bereut. Wir wußten damals auch vieles noch nicht, was dann erst nach und nach rauskam. Aber es war mir eine große Hilfe und ich würde jederzeit wieder dort ein Kind hin geben.
Ela