Gewissensfragen

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von engelchen-123. - 06.01.12 - 22:35 Uhr

Guten Abend,

ich weiß nicht so genau, was ich tun soll und bin die ganze Zeit am Grübeln#kratz. Mich würden mal eure Meinungen so interessieren.

Es ist so, dass ich im August in einer Offenen Ganztagsschule als Sozialpädagogin angefangen habe zu arbeiten. Das Team und meine Arbeitskollegen sind super nett#herzlich und auch die Kinder mag ich sehr gerne.
Trotzdem merke ich immer mehr, dass dies nicht so mein Bereich ist. Ich kann es nicht so mit so großen Gruppen (teilweise 30 Kinder und mehr#schock) und bin auch nicht so der kreative Typ, der gerne bastelt etc.

Zudem arbeite ich 28,5 Stunden, was mir doch irgendwie ein bißchen viel ist, da ich noch eine zweijährige Tochter habe und ich das Gefühl habe, dass wir zu wenig Zeit haben.
Erst nach Vertragsunterzeichnung wurde mir gesagt, dass ich ab nächstes Jahr die Teamleitung übernehmen soll. Das macht mir auch irgendwie Bauchweh, ich bin überhaupt keine Führungspersönlichkeit.
Hinzu kommt noch, dass ich relativ schlecht bezahlt werde:-( (meine Freundin ist auch Sozialpädagogin und verdient bei 20 Stunden genausoviel wie ich).

All das bewegt mich nun dazu, mir etwas anderes zu suchen. Ich habe auch schon etwas gefunden, was mir eher zusagen würde und bewerbe mich gerade.

Irgendwie kommt bei mir aber auch ein schlechtes Gewissen auf#schmoll. Zum Einen leite ich einen Berufsparaktikanten (Annerkennungsjahr Erzieher) an, was nur ich (aufgrund meiner Ausbildung) machen darf. Sein Anerkennungsjahr geht noch bis August. Für ihn wäre es natürlich blöd, wenn ich aufhören würde, auf der anderen Seite müssten sie ja eh einen Ersatz für mich finden, der die entsprechende Ausbildung hat.
Dann ist es evtl. so, dass eine langjährige Kollegin dort demnächst aufhört und somit sowieso Personalmangel besteht.
Drittens bekomme ich immer wieder die Rückmeldung von meinem Team, wie harmonisch es jetzt sei, seit ich da wäre und wie schön die Arbeit in unserem Team ist (was auch definitiv so ist).

Ach ich weiß nicht...

Beitrag von diskurs - 06.01.12 - 23:38 Uhr

Du hast doch sicherlich mindestens eine Probezeit von 6 Monaten?
Es ist nur legitim, diese auch als Arbeitnehmer nutzen zu können (ohne Gewissensbisse).
Deine angeführten Argumente (Arbeitsklima, Team etc.) sind weit aus nicht so gewichtig, wie deine Einstellung zu deiner eigentlichen Arbeit, nämlich der Betreuung, Fürsorge und Einstellung gegenüber den Kindern. Um die geht es doch in deinem Metier, oder? Die Kinder werden es dir auf Dauer danken, denn sie haben feine Antennen.

Beitrag von cgwkmg - 07.01.12 - 04:39 Uhr

Hallo,

ich würde da langfristig auch an mich denken. Der Arbeitgeber denkt auch nicht an Dich wenn´s drauf ankommt.
Und wer gute Leute schlecht bezahlt muss damit rechnen, dass sie sich umsehen. Das musste mein alter Chef auch lernen. Eventuell suchst Du erst mal das Gespräch mit dem Träger? Man kann ja über alles sprechen und dann hat die Gegenseite die Möglichkeit zu reagieren. Reagiert sie nicht, weiß man ja auch wie "wichtig" man für sie war.

Miri

Beitrag von myimmortal1977 - 07.01.12 - 07:43 Uhr

Wichtig ist, dass DU Dich in Deinem Job wohl fühlst. Irgendwann, über kurz oder lang, werden Deine gefühlten Probleme massiver und Du trägst sie ggf. in Dein Privatleben mit hinein.

Meinem Mann erging es mal ähnlich. Er hat seine Meisterprüfung in seinem erlernten Beruf abgelegt, bekam dann, weil seine Firma es gut mit ihm meinte, einen Job in Führungsposition angeboten.

Mein Mann ist aber eher derjenige, von der Persönlichkeit her, der vorgesetztes lieber weg arbeitet, als selbst organisiert und Arbeit verteilt.

In dem neuen Job als leitender Angestellter ging es aber nur noch darum, Arbeitsabläufe zu organisieren, Personal zu verteilen, weitgreifende Entscheidungen zu treffen etc.....

In der Rolle fühlte er sich überhaupt nicht mehr wohl, stand nur unter Stress, dem entsprechend wahnsinning unglücklich.

Daraus resultierte irgendwann, dass er massive Schlafstörungen bekam und fast vor dem Beginn stand, depressiv zu werden.

Er war dann zum Glück so mutig und hat seine Firma drum gebeten, wieder in seinen alten Job zu dürfen. Es klappte auch.

Jetzt ist er quasi zwar überqualifiziert für seine Arbeit, fühlt sich aber wieder wohl. Das ist die Hauptsache.

Das andere wäre früher oder später eskaliert.

Manchmal ist man für gewisse Aufgaben nicht geboren. Wichtig ist, dass man es selbst merkt. Den Weg der Selbsterkenntnis gehen kann und daraus die richtigen Entscheidungen und Rückschlüsse zu ziehen.

Man sollte immer, im privaten wie auch beruflichen Bereich, den Satz vor Augen haben: Wie viel bin ich mir selbst wert?

Man sollte sich selbst sehr viel wert sein, um Mann oder Frau genug zu sein, glücklich durch's Leben gehen zu können.

Eigenes Glück zu finden, bedeutet aber manchmal auch, anderen vor den Kopf zu stoßen.

Und wie ich immer so schön zu sagen pflege: Sollten betriebsintern mal personelle Entscheidungen oder Umstrukutierungen zu treffen sein, würde auch auf Dich, auf Dein einzelnes Schicksal, in den allermeisten Fällen keine Rücksicht genommen werden.

Daher denke ich musst Du, als einzelner Mensch, der seinen eigenen Weg sucht, auch kein schlechtes Gewissen haben, Dir was anderes zu suchen.

Alles Liebe, Janette

Beitrag von ashwini - 07.01.12 - 13:14 Uhr

Ist das Dein Ernst? Du hast ein schlechtes Gewissen weil Du Dir einen besser bezahlten Job suchen willst, der eher Deinen Neigungen entgegen kommt, in dem Du Dich wohler fühlst ?

Bei Dir ist wohl Nomen est Omen, oder möchtest Du Mutter Theresa Konkurrenz machen? Nein, im Ernst: Du bist in keinster Weise dem Arbeitgeber moralisch verpflichtet wenn Du einen besseren Job finden kannst. Harmonie hin oder her, es geht hier in erster Linie darum was das Beste für Dich ist.

Ganz ehrlich - gerade von einer Sozialpädagogin würde ich eine reifere Einstellung erwarten. Wenn Du dies nicht lernst, wirst Du gnadenlos ausgenutzt werden und völlig desillusioniert mit Burn-out enden, da ist der Weg vorgezeichnet

Beitrag von zitronenschnittchen - 08.01.12 - 15:43 Uhr

Hallo engelchen,
ich kann deine gedanken verstehen. Bin selber SA/SP und bin eigelntlich in einer ähnlichen lage. habe nach meiner elternzeit meinen ag gewechselt und dadurch meinen unbefristeten job aufgegeben. ich bin im selben bereich geblieben, da ich mir einen anderen bereich nach meiner elternzeit und nach dem alten ag nicht zugetraut habe. nun ist es so, der neue ag zahlt besser, team und direkter vorgesetzter sind kollegial und entspannt, der arbeitsweg ist deutlich kürzer und ich kann recht flexibel arbeiten (ambulanter bereich). dennoch merke ich, dass ich dennoch nicht wirklich 100% zufrieden bin und ich über kurz oder lang in einen anderen bereich wechseln muss!

ich weiß nicht, wie arg dir der schuh eine neue stelle annehmen zu wollen drückt. ich für meinen teil, habe mir vorgenommen, mich in ruhe umzuschauen, evtl. auch mal eine initiativbewerbung zu schreiben. Aber ich möchte auf einer neuen stelle dann auch für eine bestimmte zeit bleiben. ich habe gerade eine vertragsverlängerung bekommen und mein chef kämpft darum, mich nicht zu verlieren, denn ich bin ganz gut, denke ich ;-), aber wenn es soweit sein sollte, werde ich gehen... du musst dir sagen, dass -wenn dein ag dich nicht mehr möchte, auch nicht auf deine möglichen gefühle rücksicht nimmt, du bist dann auch nur eine mitarbeiterin von vielen, dazu noch eine von der man sich trennen möchte oder muss. der Annerkennungspraktikant ist natürlich in einer schwierigen situation, aber die bist doch hauptsächlich für dich und deine familie verantwortlich, d.h. du musst das tun, womit du dich wohlfühlst und zu wenig zeit für dein kind ist doch ein sehr gutes argument!!! dein praktikant wird mit seiner erzieherschule schon eine lösung finden (müssen).
Ich wünsche dir den mut, den richtigen schritt zu gehen (ist nicht einfach, ich weiß)

lg zitronenschnittchen.

erzähl mal von deiner entscheidung ;-)