Auszubildende duzen oder siezen?

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Beitrag von my.jessi - 07.01.12 - 19:31 Uhr

Hallo zusammen,

ich gehe ab Montag wieder arbeiten und werde dann das erste mal Unterstützung bekommen. Zu mir kommt ein Mädel, sie ist schätzungsweise Anfang 20, zur Zeit noch im letzen Ausbildungsjahr und soll, wenn denn dann alles klappt, übernommen werden um mich zu unterstützen. Ich bin Ende 20, also auch nicht viel älter als sie, bin aber schon seit 10 Jahren in der Firma. Ich habe es bisher mit den Azubis immer so gehalten, dass ich sie gesiezt habe. Ich habe oft mitbekommen, dass die Azubis die Kollegen, mit denen alles locker und lustig ist, nicht so ernst nehmen, ich finde, das "Sie" oder "Du" spielt da eine große Rolle. In unserer Firma arbeiten ca. 400 Mitarbeiten, ich duze viele mit denen ich regelmäßig zu tun habe aber sehr viele auch nicht. Ich persönlich habe auch kein Problem damit, Leute zu siezen. Gerade wenn man Anweisungen gibt macht es doch vieles einfacher. Jetzt weiß ich noch nicht genau, wie ich das am Besten mit der "Neuen" handhaben soll. Ich kenne sie zwar "vom Sehen", habe aber noch nie mit ihr gesprochen. Wir werden uns ein Büro teilen wenn sie dann da ist. Einerseits finde ich es komisch, mit jemandem zusammen zu sitzen und sich zu siezen, andererseits ist es auch komisch, gleich das "du" anzubieten wenn man gar nicht weiß, wie die Zusammenarbeit funktioniert. Vielleicht ist es ja ganz gut, erstmal etwas Distanz zu halten. Andererseits möchte ich natürlich auch ein gutes Verhältnis zu ihr aufbauen weil sie mich unterstützen soll und ein sehr umfangreiches und komplexes Aufgabenfeld auf sie wartet.

Ich weiß auch nicht, was würdet ihr machen bzw. wie handhabt ihr soetwas?

Beitrag von kati543 - 07.01.12 - 19:37 Uhr

Ich würde eine 20-jährige nie einfach so duzen. Allerdings gibt es Firmen, in denen das "du" normal ist zwischen allen. Also wenn sie dich auch duzt, dann ist das ok, ansonsten nicht. Ich würde eine Woche oder so warten und dann in einer Kaffeepause das "du" anbieten.

Beitrag von nina-laura - 07.01.12 - 19:39 Uhr

Hallo

ich würde Sie am Anfang siezen und wenn man sich an einander gewöhnt hat das du anbieten. So habe ich das mit meinen Azubis auch immer gemacht, kleiner unterscheid ich war am Anfang meistens jünger wie meine Azubis! In meiner jetztigen Firma ist es so, das wir Frauen uns im alle dutzen, die Männer in der Werkstatt ebenso gedutzt (ist in der Branche so üblich), nur einige Herren im Verkauf und der Chef werden gesiezt.

LG

nina

Beitrag von lamia1981 - 07.01.12 - 19:45 Uhr

Ich hatte schon viele Auszubildende unter meinen Fittichen.

Ich handhabe es verschieden. Ich sieze zunächst alle Auszubildenden. Wenn ich nach einer gewissen Zeit merke wie sie ticken, dann kommt es vor, dass ich ihnen das Du anbiete. Bei manchen ist das schon nach einem halben Jahr, bei anderen biete ich es garnicht an.

Wenn eine Auszubildende übernommen wird und dann in unserer Abteilung (in der wir uns duzen) arbeitet, dann biete ich ihr natürlich auch das Du an.

An deiner Stelle würde ich es auf mich zukommen lassen. Siezt euch zunächst mal und wenn ihr gut klarkommt, dann biete es ihr an wenn es passt.

Beitrag von coffea - 07.01.12 - 20:00 Uhr

Hallo!

Als ich noch mit der Aufgabe betraut war, die Auszubildenden zu betreuen, waren wir per Sie.
Dies haben wir am Abschlussabend, als sie unsere Abteilung verliessen dann geändert, sprich, als wir nicht mehr dafür verantwortlich waren, sie keine Benotung oder Probezeit-Gespräch mit uns hatten.

Ich habe auch gemerkt, dass das so für alle ganz ok war.

Ich selber war mit den anderen aus anderen Abteilungen oft per Du... aber das war schlussendlich auch ein anderes Verhältnis!

Ergo, ich persönlich würde für den Moment noch das Sie vorziehen.

VG coffea

Beitrag von jurbs - 07.01.12 - 20:38 Uhr

ich würde in dem Fall siezen und wenns nach 2-3 Wochen klar ist, dass Ihr gut harmoniert das Du anbieten als Ältere und Vorgesetzte.

bei uns isses so, dass ich alle in der Abteilung (ca 80 Leute verschiedenster Berufsgruppen) außer dem Chef duze.

manche Vorgesetzte duzen eh alle und darum auch ich sie, eine hat mir erst (für sie früh) nach 3 Jahren das Du angeboten.

eine neue Vorgesetzte besteht darauf, dass alle sie siezen, weil sie Respekt haben will - blöderweise war sie früher schon in der Abeiltung, damals in einer Nichtleitenden Funktion und zahlreiche Kollegen duzen sie von damals noch. das ist sehr seltsam. werde ab Februar mit ihr zusammenarbeiten und das wird echt komisch, weil ich, wenn ich über sie spreche, den Vornamen gebrauche (weil die anderen engen Kollegen sie eben schon lang kennen)

Die Auszubildenden siezen alle und werden von allen gesiezt, die gelten nicht als Kollegen.

Beitrag von windsbraut69 - 08.01.12 - 09:39 Uhr

Warum zählen denn bei Euch die Auszubildenden nicht als Kollegen und werden mit dem Siezen so auf Distanz gehalten?

Ist bei uns anders, es wird zum Großteil geduzt, die älteren Kollegen teils nach kurzer Anlaufzeit und gesiezt wird nur bei fehlender "Sympathie" auf Dauer oder einige der langgedienten Vorgesetzten alter Schule.

Auszubildende, Praktikanten, Diplomanden usw. sowie zeitweise eingesetzte Aushilfen werden sofort voll integriert und gelten natürlich als Kollegen.

Hast Du die neue Vorgesetzte in ihrer alten Position gesiezt oder geduzt? Das würde ich doch einfach beibehalten, was ich nicht kompliziert oder komisch finde. Über sie würde ich dann natürlich genau so sprechen, also nicht per Vornamen, wenn ich sie nicht duze....

Gruß,

W

Beitrag von jurbs - 08.01.12 - 15:07 Uhr

die Auszubildenden werden auf Distanz gehalten, weil wir sie auch als Prüflinge haben können am Ende ihrer Ausbildung. Außerdem isses im Klassenraum so leichter. Zudem gehören sie einer anderen Berufsgruppe an und die "Ausgelernten" siezen ihre Auszubildenen, da wär es seltsam, wenn ich duzen würde. Last not least sind es keine Kollegen, die meisten werden es nie. Soll man sich von jedem duzen lassen?

andersherum würde es bei uns extrem Distanz schaffen, wenn man bei fehlnender Sympathie siezen würde - dann würde sowas offensichtlich werden und das will keiner.

die neue Vorgesetze kenne ich nicht als Kollegin. Sie war früher in meiner Position, dann etwas über 6 Jahre weg. Ich kam vor 6 Jahren in die Abteilung. Jetzt vor nem guten Jahr kam sie zurück um die Leitung einer anderen "Niederlassung" zu übernehmen. bis das klar war und als es dann klar war bis es wahr wurde wurde über sie immer nur mit dem Vornamen gesprochen. ich bin jetzt 12 Monate weg, da Mutterschutz und Elternzeit, und wechsle zum Februar in ihre Niederlassung. wir kennen uns von öfter mal aufm Flur, Besprechungen, Betriebsfeiern und sie hat mir ganz offiziell erklärt, dass sie gern bei allen das SIE hätte, wegen ihrer Leitungsfunktion. (wobei sie eben von allen, die vor 6 Jahren schon da waren geduzt wird) ... wenn ich mit ihr spreche über einen Kollegen, den wir beide duzen nutzen wir die Vornamen, wenn ich mit jemandem, der sie duzt, spreche, nehm ich auch der Vornamen, sonst "die Nachname". so find ichs eben am wenigsten komisch.

Beitrag von windsbraut69 - 09.01.12 - 07:04 Uhr

Sind das keine Auszubildenden Eurer Firma, dass sie für Euch keine Kollegen sind oder unterrichtest Du sie nur in der Berufs- oder firmeneigenen "Schule"?

Was das Duzen der neuen Vorgesetzten angeht, finde ich persönlich es befremdlich (haben da auch so einen vereinzelten Fall), wenn ich mitbekomme, dass jemand, der mich nicht offiziell duzt, mit anderen per Vornamen/Du-Form über mich redet. "Korrekt" ist das m. E. nicht und würde ich auch nicht tun.

LG

Beitrag von jurbs - 09.01.12 - 08:20 Uhr

sie werden ganz ofiziell ausgebildet, aber die Schule dazu haben wir auch im Haus quasi und ich muss dort ab und an Unterricht erteilen und auch Prüfungen abnehmen. ist aber nicht meine Berufsgruppe.

und wie würdest Du reagiere, wenn jemand sagt ... die Claudia hat das und das gesagt ... antwortest Du dann mit - ja genau Frau Müller meinte ...

Beitrag von windsbraut69 - 09.01.12 - 12:21 Uhr

Ja, genau so.
Ich sieze wie gesagt nicht viele Leute hier aber m. E. "gehört es sich nicht", über Leute, die man siezt, mit Vornamen zu sprechen und ich käme mir auch blöd vor.

Ich sage auch nicht "Ihr" zu 2 Leuten, wenn ich einen davon sieze...

Mich wundert das in Deinem Fall jetzt aber auch nur, weil Du es aus der anderen Perspektive so "eng siehst".

LG

Beitrag von jurbs - 09.01.12 - 12:28 Uhr

ich komme mir auch blöd vor .... sie weiß es, das über sie außer den ganz jungen und dem Chef alle mit Vornamen sprechen. also tu ichs eben auch.

wenn wir zusammen arbeuten wird das sicher schnell anders, momentan isses aber noch so.

ich finde gar nicht, dass ich es eng sehe mit Duzen und Siezen. meine Mutter ist immer irritiert wie viele ich doch duze, dass ich meine (deutlich älteren) Vorgesetzten zu Partys einlade usw.
aber unsere Auszbildenden haben mir mir nicht wirklich was zu tun, weil sie, wie gesagt, zu einer anderen Berufsgruppe gehören. sie kommen eben mal an und fragen, ob ich ihnen was erklären kann oder schleimen, wenn auf die Prüfungen zugeht ... wir gehen nie zusammen essen oder haben Dienste oder sonst privaten Kontakt - den ich zu den anderen Kollgegen durchaus habe!

Beitrag von windsbraut69 - 09.01.12 - 13:23 Uhr

Na, wenn Du davon sprichst, sie bewußt auf Distanz zu halten oder dass es keine Kollegen seien, klingt das schon eng :)

LG

Beitrag von jurbs - 09.01.12 - 13:39 Uhr

es sind keine Kollegen ... warum sollten sie das sein?

aber auf Distanz halte ich sie absolut nicht. ich bilde mir ein sogar recht beliebt zu sein bei den "Kleinen". ich erkläre gern und viel.

aber man hat naturgemäß keinen privaten Kontakt - es ist schon verwunderlich, dass wir überhaupt nicht zwischen den Bertufsgruppe unterscheiden - das ist eher ungewöhnlich

Beitrag von lieselotte02 - 07.01.12 - 21:21 Uhr

hallo,

persönlich duze ich liebe als ich sieze.
ich arbeite in einem konzern, der viele tausend mitarbeiter beschäftigt.
in unserer niederlassung duzen sich alle leute.
die frisch angestellten werden vom ersten tag an geduzt (wenn sie es wollen)

dadurch, dass ich es ausschließlich mit duzenden kollegen und mitarbeitern zu tun habe, wäre es mir mitlerweile fremd, zu siezen.
aber ich gehöre auch zu den leuten, die im hippen fitnessstudio den trainer sofort duzt oder auch den gepiercten verkäufer im sportcheck, der mitte 20 ist und mir inlineskates verkauft.

für andere unvorstellbar, für mich völlig normal.
ich bräuchte das "sie" nicht, um respektvoll miteinander umzugehen.

gruß

Beitrag von sassi31 - 08.01.12 - 00:05 Uhr

Hallo,

ich habe meine Azubis immer geduzt, weil sich in unserer Firma alle geduzt haben. Da mache ich dann keine Unterschiede, ob Azubi oder ausgelernter Kollege.

***Gerade wenn man Anweisungen gibt macht es doch vieles einfacher.***
Für mich hat siezen nichts mit Respekt zu tun. Respekt muss man sich verdienen und bekommt ihn nicht nur dadurch, dass man sich siezen lässt. Anweisungen erteilen kann man auch, wenn man sich duzt.

Gruß
Sassi

Beitrag von windsbraut69 - 09.01.12 - 07:06 Uhr

So sehe ich das auch. Respekt erfordert mehr Voraussetzungen als das erzwungene "Sie".

LG,

W

Beitrag von danaz - 08.01.12 - 11:42 Uhr

Hallo,

Auszubildende werden von mir grundsätzlich gesiezt.

An Deiner Stelle würde ich das auch so machen und dann, wenn Sie ihre Ausbildung abgeschlossen hat und Deine "Kollegin" wird, würde ich ihr das Du anbieten, wenn ihr Euch bis dahin gut verstanden habt. Das ist dann auch für die Kollegin ein schöner Wendepunkt und noch mal etwas wie Anerkennung, dass sie jetzt so richtig dazu gehört. Denn Azubis könnten ja zum einen die Ausbildung nicht schaffen (was ja sicher eher selten vorkommt), zum anderen aber auch den Betrieb wechseln.

So würde ich das machen.

danaz

Beitrag von windsbraut69 - 09.01.12 - 07:10 Uhr

"Denn Azubis könnten ja zum einen die Ausbildung nicht schaffen (was ja sicher eher selten vorkommt), zum anderen aber auch den Betrieb wechseln."

Ja und?
"Fertige" Kollegen können auch wechseln oder gekündigt werden. Das "Du" ist doch kein Eheversprechen oder Schlimmeres...

LG,

W

Beitrag von gr202 - 08.01.12 - 12:12 Uhr

Ich arbeite in einer amerikanischen Firma, da duzt man die Azubis und auch den höchsten Chef.

Ich habe kein Problem damit, Anweisungen mit "du" zu geben.

Gruß
GR

Beitrag von meckikopf - 08.01.12 - 13:10 Uhr

Hallo,

ich würde sie auf jeden Fall siezen. Denn damit ist man immer auf der sicheren Seite - und diese "Duzerei" - auch bei noch ganz jungen Leuten - finde ich total respektlos. Und ja, ich würde "sogar" 16 oder 17jährige (Azubis) siezen. Warum auch nicht; haben die Lehrer/innen mit uns, als wir in der Berufschule waren, auch so gehandhabt.

Meine ehemaligen AG haben sich auch "einfach so" erlaubt, mich (mit DAMALS 22) zu duzen, aber da habe ich darauf bestanden, dass ich doch bitte gesiezt werden möchte, was sie dann zwar "komisch" und "pingelig" fanden, aber doch taten. Die waren (damals - inzwischen leben die gar nicht mehr) zwar viel, viel älter als ich, aber trotzdem hat man dann auch nicht das Recht, weitaus jüngere Leute/Angestellte/Azubis einfach zu duzen.

Beitrag von schwizer-mami - 08.01.12 - 20:27 Uhr

Also wir sind in unserer Firma allgemein sehr wenig Leute (20) und arbeiten alle sehr eng zusammen (auch räulich gesehen). Wir sind bunt gemischt, sowohl Alter als auch charakterlich...
Wir duzen uns alle. Somit war auch von Anfang an klar, dass wir unseren Azubi duzen. Für mich war das sowieso klar, da ich mir ein Büro mit ihm teile und wir gleich alt sind (er hat sich mit 24 dafür entschieden nun doch eine Ausbildung zu machen).
Ich habe damit nur gute Erfahrung und kann nicht sagen, dass er vor mir weniger Respekt hat. Ok, ich kann zwar nicht sagen, wie es wäre, wenn wir uns siezen würden, aber unsere Kommunikation ist sehr respektvoll und trotzdem sind wir mittlerweile auch gute Freunde.

Ich denke, ich würde deine Auszubildende einfach fragen, was ihr lieber ist.