Hi,
ich bin sehr ratlos.
Mein Bruder und ich sind leibliche Geschwister, die im Kleinkindalter adoptiert wurden.
Unsere Kindheit war grausam, geltungssüchtige, überforderte Adoptivmutter, die nur nach außen hin den Schein wahren wollte, Kinder die spuren, also wurde drauf geschlagen, wenn die Türen geschlossen waren.
Er, noch schlimmer, litt vermutlich auch unter ihr und schlug noch brutaler zu. Zog außerdem an den Ohren, den Haaren, trat, drohte, beschimpfte....er hasste meinen Bruder, der es primär abbekam, ich stand daneben und schrie. Einmal schmiss er einen Stuhl auf ihn, sodass er im KH genäht werden musste...
Sie, meine größte Feindin eigentlich, las jahrelang mein Tagebuch, durchschnüffelte meine Schreibtischunterlagen, schrieb Kommentare in mein Tagebuch wenn ihr was nicht passte was ich geschrieben hatte und lästerte mit anderen über den Inhalt.
Mit 15 war ich autoaggressiv, als ich es beichte, kam nur von ihr:"Bist du doof, das sieht man dein ganzes Leben lang!"
Als ich in einer Beziehung war und mich in einen anderen verliebt hatte (mit 17)
bezeichnete sie mich als Schlampe.
Nun hab ich selbst Familie, hab versucht drüber hinwegzusehen, sie sagen, sie bereuen es angeblich, haben voriges Jahr eine Therapie gemacht...wenn man ihnen Vorwürfe macht, das mit dem Stuhl zum Beispiel, sagt sie, das sei nur ein Stück von einem Stuhl gewesen....
ich hab wirklich ein starkes Bedürfnis nach einer harmonischen Familiensituation, aber erkannt, dass das mit diesen Leuten nicht möglich sein wird. Das steht einfach zwischen uns. Und das wird es auch immer....nun möchte ich den Kontakt wirklich gerne abbrechen, ich war auch schon einmal so weit, habe aber wegen meinem Bruder weiter gemacht....
ich habe natürlich auch Angst vor diesem Schritt, weil keiner mich irgendwie verstehen kann.....nur mein Bruder und ich und noch eine sehr gute Freundin...und ich habe Angst, dass ich irgendwann eine Strafe bekommen werde dafür, dass ich das mache.....
ich sehe diese Leute nicht als meine Eltern, habe ich nie....
ich hab einfach Angst, nachher alleine da zu stehen.
Wie sagt man das am besten jemandem? Dass man nicht mehr will? Kann etc?
Was würdet ihr tun? Bin ich eher im Recht oder Unrecht?
Soll ich wirklich riskieren, keine Eltern mehr zu haben? Den Kindern die Oma nehmen?
Was soll ich nur tun
Kontakt abbrechen?
Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.
Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.
Beitrag von mein2008 - 07.01.12 - 20:43 Uhr
Beitrag von 3erclan - 07.01.12 - 21:00 Uhr
Hallo
ich habe ähnliche Vergangenheit hinter mir.
Habe vor 4 Jahren den Kontakt komplett abgebrochen das war das beste was ich machen konnte für mich und den Kindern.
WEnn du möchtest schreib mich einfach an.
lg
Beitrag von lavala - 07.01.12 - 22:56 Uhr
Hallo, such Dir bitte ganz schnell professionelle Hilfe, um diesen ganzen schlimmen Komplex aufzuarbeiten, das Gleiche gilt für Deinen Bruder. Das kannst Du nicht allein schaffen.
Glaub mir, Du bist ganz allein besser dran als mit diesen Leuten, die noch jetzt versuchen, Dich zu brechen. kannst Du sie wirklich als Oma für Deine Kinder sehen?
Das kann ich mir nicht vorstellen.
Beitrag von mein2008 - 08.01.12 - 09:16 Uhr
Eine Weile habe ich es versucht, sie als Oma für meine Kinder zu sehen, es hat ganz gut geklappt, auch der Umgang. Als ich mich dann allerdings vor Kurzem hingelegt habe als ich bei ihnen war hab ich mal gehört, wie sie mit einem meiner Kinder gesprochen hat- nicht anders als mit mir früher....
ich will das definitiv nicht für meine Kinder und auch nicht mehr für mich.....nur leider kommt kein Verständnis vom Umfeld und ich hab Angst, nachher ganz alleine da zu stehen....
mein Bruder hat zum Glück schon professionelle Hilfe in Anspruch genommen, ich muss das erst noch in Angriff nehmen....ich danke dir für deine Antwort....
Beitrag von lavala - 08.01.12 - 13:24 Uhr
Hallo an Dich,
vom Alter her gesehen könntest Du meine Enkelin sein. Ich denke, dass ich Deine innere Not recht gut verstehen kann. Du wirst die Hilfe einer objektiven Person brauchen, um mit Dir selbst erst einmal ins Reine zu kommen.
Es wird Dir nicht wirklich helfen, mit Menschen aus Deinem Umfeld zu sprechen, weil diese in irgendeiner Form emotional involviert sind. Oft wirkt es so, als würde man "Fronten" errichten wollen und das ist keine angenehme Situation. Außerdem ist das Verhältnis der Personen Deines Umfeldes zu Deiner Adoptivmutter ein völlig anderes als Deines.
Darum meine dringende Wiederholung: Such Dir sachkundige, objektive Gesprächspartner, die Dir wirklich helfen können zu Dir vorzudringen und Dich mehr von dem Kind in Dir zu lösen. Es wird Zeit und Geduld nötig sein, aber DU musst es angehen. Erst wenn Du Dir über Deine eigenen Gefühle wirklich im Klaren bist, wirst Du eine tragfähige Entscheidung treffen können.
Setz Dich nicht selbst unter Druck, Du kannst eine für Dich so schwerwiegende Entscheidung nicht übers Knie brechen.
Du bist heute nicht mehr das schutzlose und abhängige kleine Mädchen von damals, das alle Anweisungen befolgen musste. Du wirst merken, das Du genügend Stärke in Dir hast, Deine Entscheidungen nicht mehr davon abhängig zu machen, ob Dein Umfeld si gutheißt.
Ich wünsche Dir viel Kraft!
I
Beitrag von mein2008 - 08.01.12 - 17:24 Uhr
Ich danke dir für deine wirklich sehr hilfreiche Antwort
Ich habe mich derzeit rar gemacht, weiß aber nicht, was ich sagen soll, wenn sie anruft und fragt, was los ist.
Dass ich einfach mal meine Ruhe brauche?
Beitrag von lavala - 08.01.12 - 19:38 Uhr
Ja, nicht so leicht zu beantworten. Ich schaffe es jetzt, Leuten zu sagen, dass ich keinen Kontakt will, frühjer war das auch sehr problematisch.
Versuch vielleicht mal, laut ein paar Antworten auf eine solche Frage zu formulieren auszusprechen. Was Dir am besten und einfachsten erscheint, hast Du dann parat. Sprich es laut aus, denk es nicht nur, das gesproche Wort fällt einem viel schwerer als das gedachte, deshalb musst Du es Dir selbst erst mal anhören.
Dass Du einfach mal ein wenig Ruhe brauchst und darüber jetzt auch nicht diskutieren kannst, halte ich für eine gute Antwort.
Viel Glück!
Beitrag von sumsum-43 - 08.01.12 - 16:26 Uhr
was für menschen, dieser gedanke kam mir zuerst als ich deinen thread gelesen habe..
du musst ja nicht von jetzt auf gleich alles hinter dir lassen... mach dich rar, vielleicht ist das einfacher für dich als dich zu "erklären"...
leider wirst du die menschen nicht ändern oder "verbessern" können aber du kannst etwas für dich tun. du kannst alles besser machen und du bist nicht allein, du hast deine eigene familie, kinder und menschen die dich gern haben. du willst glücklich sein? du bist dein eigener mensch, du bist für dich verantwortlich. such dir einen profi der dir hilft deine vergangenheit aufzuarbeiten. du kannst alles schaffen was du möchtest, hab vertrauen !
eine frage hab ich leider noch;
wenn du diese leute nicht als deine eltern ansehen kannst, wie können sie dann oma und opa sein?
ich wünsche dir viel energie und alle kraft die du benötigst..
liebe grüsse
sumsum
Beitrag von mein2008 - 08.01.12 - 17:22 Uhr
Ich danke dir für deine Antwort
du hast Recht- im Grunde sehe ich sie auch nicht als Oma und Opa an, aber meine Kinder!
Sobald sie überhaupt nur in irgendeiner Form behaupten, dass meine Kinder ihre Enkel seien, zieht und sticht es in meinem Inneren!
Rar mache ich mich derzeit. Aber was sage ich, wenn Fragen kommen?
Beitrag von sumsum-43 - 08.01.12 - 21:23 Uhr
*Aber was sage ich, wenn Fragen kommen? *
nichts, ist eben zur zeit stressig bei dir und wenn du dann irgendwann entschieden hast wie das ganze für dich weiter gehen soll, kannst du immer noch sagen das dir die beziehung mit deinen eltern nicht gut tut und du dich mit dem gewonnenen abstand ihnen gegenüber sehr wohl fühlst, seelisch sowie emotional.
wie sind sie denn im umgang mit deinen kindern? wie jung sind deine mäuse?
Beitrag von mein2008 - 08.01.12 - 22:33 Uhr
Ok, danke, dann hab ich schon einmal die Antwort für die anderen....aber für meine Eltern..wie sag ichs denen? Meine Adoptivmutter ist keine, die sich leicht abwimmeln lässt....
Meine Kinder sind klein, 3, fast 2 und das Dritte soll in wenigen Wochen kommen....
Sie sind schon sehr bemüht und auch engagiert und ich denke sie lieben sie schon sehr! Nur wie gesagt, als ich mich einmal hingelegt habe hab ich gehört, wie sie mit meinem größten Kind gesprochen hat....NICHTS hat sich da geändert im Vergleich zu früher...und sie vertritt auch die Devise: "Wie du mir, so ich dir!" Da hat sie zum Beispiel wenn das größere Kind dem Kleineren etwas kaputt gemacht hat, dann hat sie dem Größeren das auch kaputt gemacht, um ihm zu zeigen, wie sich das anfühlt
und sie hat zum Beispiel mich als Baby gebissen, weil ich sie gebissen hatte und von da an hab ich das "NIE WIEDER GEMACHT!"
Beitrag von nana141080 - 08.01.12 - 19:45 Uhr
Hallo!
Wie sind sie denn HEUTE? Ich glaube dass ist wichtiger als das wie sie (auch wenn es mit Sicherheit schlimm war!!!) mal gemacht haben.
Wie sind sie zu deinen Kindern?
Nimm den Kindern nicht GUTE Großeltern. Mach dich rar, aber dann gib ihnen die Enkel.
An deiner Stelle würde ich eine Therapieform anstreben um es zu verarbeiten! Oder vielleicht auch eine Familienaufstellung? Das geht auch mit den Adoptiveltern.
Wie sieht dein Bruder das alles?
Mit den eigenen Eltern nie wieder reden ist ein großer Schritt der vielleicht nie wieder zu behebn ist. Wie nah wohnt ihr?
LG Nana
Beitrag von mamita2012 - 09.01.12 - 16:18 Uhr
Ich kenne deine Situation aus eigener Erfahrung. Ich habe seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu meinen Adoptiveltern. Habe ihn vor kurzem erst wieder aufgenommen, um meine leiblichen Eltern zu suchen und weil meine Adoptiveltern die ganzen Unterlagen haben, war ich dazu gezwungen. Für mich ist das Thema durch und ich erwarte nichts mehr von ihnen, ich hatte mein ganzes Leben lang nichts von ihnen zu erwarten und ich frage mich manchesmal, was für Beweggründe vorliegen, ein Kind zu adoptieren um es dann so zu behandeln. Wie dem auch sei. Ich habe mich auf die Suche meiner leiblichen Eltern gemacht und weiß seit einer Woche, wie meine Mama aussieht. Mein Papa ist leider schon verstorben. Jetzt muss ich nur noch irgendwie mit meiner leiblichen Mutter in Kontakt kommen und ich bin soweit, dass ich mich liebendgern von ihr wieder zurückadoptieren lassen würde, nur um alle Verbindungen zu meinen Adoptiveltern hinter mich zu lassen. Meinen Kindern habe ich nichts genommen, weil sie meine Adoptiveltern ohnehin nicht kennengelernt haben. Nicht dass sie nicht gewusst hätten, dass sie Enkelkinder haben, darüber habe ich sie jedesmal aufgeklärt, aber das Interesse ihrerseits ist auch einfach nicht gegeben.
Du musst für dich ganz alleine entscheiden, ob deine Mutter so eine wichtige Rolle in dem Leben deiner Kinder spielen soll und sollte. Ich persönlich sehe es nicht als sehr vorteilhaft an, wenn deine Mutter so über dich denkt und dies evtl. auch deine Kinder mitbekommen.
Ich kann dir nur sagen, dass ich seit dem Kontaktabbruch wesentlich ruhiger und glücklicher lebe, als zuvor.
Viel Glück bei deiner Entscheidung.
LG
Beitrag von mein2008 - 15.01.12 - 20:39 Uhr
Hallo,
ich danke dir für deine Antwort.
Ich habe genau an dem Tag, an dem du geantwortet hast tatsächlich abgebrochen mit diesen Leuten.
Leider schmerzt es sehr, dass meine Kinder immer wieder nach ihrer Omi fragen. Nun überlege ich, dass mein Mann vll ab und zu mal hin fahren sollte mit den Kindern, unter der Bedingung, dass er gut auf sie aufpasst.....
meine Adoptivmutter hat Kontakt zu meinem Mann aufgenommen, er hat mit ihr telefoniert, was genau da gesprochen wurde weiß ich leider nicht.....
