Firmenübernahme oder selber Selbstständig machen???

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Beitrag von isabel_04 - 13.01.12 - 16:12 Uhr

Hallo,

ich habe mal eine Frage: mein Mann ist ein ganz toller Allroundhandwerker, gelernter Elektriker, spezialisiert auf Fenster, Rolläden und Markisen. Wir haben nun von entfernten Bekannten das Angebot eine Firma zu übernehmen. Er möchte für die Übernahme einen Wert von 95.000 Euro haben, fast ausschließlich die Firmendatei, es gibt sonst nur ein älteres Auto und ein paar Maschinen. Es ist ein Ein-Mann-Unternehmen, was gut läuft, Bilanzen habe ich leider noch nicht gesehen. Mir macht der Gedanke an so viele Schulden einfach ganz krank....

Wir spielen aber auch schon lange mit dem Gedanken, uns aus eigener Kraft selbstständig zu machen. Würde man 10.000 bis 20.000 Euro in die Hand nehmen, könnten wir losstarten. Er hat schon so einen großen Privatkundenstamm, ich bin gelernte Sekretärin/Buchhalterin, gemeinsam wären wir super und bestimmt auch erfolgreich.

Kann mir jemand einen Tipp geben? Könnt ihr mir aus eurer Erfahrung berichten?

Jetzt hat noch der Chef meines Mannes, der wohl den Braten riecht (er ist dort seit fast 10 Jahren Vorarbeiter und eigentlich unabkömmlich) ihm 500 Euro netto mehr angeboten. Jetzt weiß ich gar nichts mehr....was machen wir denn nun?

LG

Christina

Beitrag von vwpassat - 13.01.12 - 16:31 Uhr

Ich würde erstmal die 500 € netto mehr Lohn klar machen.

Beitrag von tigaluna - 13.01.12 - 16:35 Uhr

Ich würde ebenfalls erstmal den Lohn klar machen.

Danach könnt ihr euch immer noch in Ruhe überlegen, ob ihr selbst eine Firma aufmacht.

Übernehmen würde ich die andere nicht, es ist kein Zeugs da, was übernommen wird. Natürlich ist eine Kundendatei wichtig, aber wer weiss, ob diese dann euch auch noch akzeptieren würden.

Also wenn ihr wirklich beide die Chance habt und mit allen negativen Seiten der Selbständigkeit umgehen könnt, dann versucht euch das nebenbei aufzubauen.

Beitrag von isabel_04 - 13.01.12 - 16:46 Uhr

Danke für die Antwort :-D

Aber zwei Fragen hätte ich noch? Was sind die negativen Seiten einer Selbstständigkeit bis auf harte Arbeit, die mein Mann jetzt aber schon kennt mit bis zu 60 h Wochen??? Es gibt doch auch viele positive, oder???

Und was genau meinst du mit nebenbei aufbauen???

Der Lohn hilft uns einfach auch nicht weiter, es ist immer noch zu wenig, für das, was er leistet :-(

LG

Christina

Beitrag von tigaluna - 13.01.12 - 16:49 Uhr

Naja, kein Lohn, wenn wegen Krankheit ein Ausfall entsteht.

Für die Rente muss etwas beiseite geschafft werden.
Urlaub ist meistens schwer, weil dann wieder kein Lohn hereinkommt.
Wenn Rechnungen nicht bezahlt werden, muss man seine trotzdem noch bezahlen und das kann einen schnell in Schwierigkeiten bringen.
Es müssten Versicherungen, Steuern usw gezahlt werden.
Mann muss sich (meist) privat versichern.

Aber wenn dein Mann jetzt schon so viele Stunden hat, dann würde ich nicht nur den neuen Lohn nehmen, sondern auch um angemessenen Freizeitausgleich für die ganzen Überstunden bitten. Eine Selbständigkeit würde ich dann nicht in Betracht ziehen.

Beitrag von isabel_04 - 13.01.12 - 16:56 Uhr

Ja also ich weiß nicht, ob dir bekannt ist, was so ein Handwerker verdient, ich kann dir sagen, es ist nicht viel! Es reicht zum Leben, große Sprünge kann man davon einfach nicht machen und wenn man sieht, dass sein Chef sich in den letzten 6 Jahren das 4. Haus baut, ist das sehr frustrierend.

Es ist klar, dass eine Selbstständigkeit ein gewisses Risiko birgt. Klar kann man krank werden etc. aber mein Mann hat in den letzten 10 Jahren vielleicht 3 Tage wegen Krankheit gefehlt, selbst mit einer gebrochenen Rippe ist er arbeiten gegangen! Freizeitausglich ist nicht! Da kämpft mein Mann seit 8 Jahren für, ohne Erfolg!

Das nicht zahlen der Rechnung kann man eigentlich auch eingrenzen, indem man zumindest sich die Materialkosten per Vorkasse erstatten lässt. Rente und Krankenkasse muss natürlich erwirtschaftet werden, das ist klar!

Ach, ich weiß auch nicht, wir sind jetzt um die 35 Jahre, entweder jetzt oder nie! Wir können so bis ans Rentenalter weitermachen oder es einfach wagen....

Beitrag von ballroomy - 13.01.12 - 16:53 Uhr

Nehmt erstmal die Lohnerhöhung!

Und dann würde ich mich ggf. selbständig machen, aber nicht 95.000 Euro für eine Kundendatei zahlen.

Grüße
ballroomy

Beitrag von bruchetta - 13.01.12 - 16:53 Uhr

Das Geschäft des Bekannten würde ich nicht übernehmen, das ist wirklich viel Geld!

Ich würde die € 500,-- annehmen, dort erstmal weiterarbeiten und nebenbei (abends, Wochenende) das eigene Geschäft aufbauen.
Das ist einfach am sichersten!

Beitrag von isabel_04 - 13.01.12 - 17:02 Uhr

Na ja, also da wir das schon länger planen, steht das eigentlich alles in den Startlöchern, genug Kunden, die auf jeden Fall den Qualitäten meines Mannes vertrauen etc. haben wir! Er arbeitet seit 10 Jahren da, das ist seine erste Gehaltserhöhung. Er macht sich den Buckel krumm, sein Chef wird immer reicher....Seine Arbeit ist das Aushängeschild der Firma für die er jetzt arbeitet und das für einen erbärmlichen Lohn.

Beitrag von lichtenstein - 13.01.12 - 18:50 Uhr

Ich finde "mein Chef liebt mich nicht" ist kein gutes Argument für eine Selbständigkeit. Denn, mal ganz ehrlich, wenn jemand sich seinem Vorgesetzten gegenüber nicht durchsetzen kann, wie will er das dann bei Kunden, Banken, Ämtern und Lieferanten schaffen? Da weht ein richtig rauher Wind!

Was meinst Du mit "genug Kunden"??? Habt ihr schon mal ausgerechnet, wie viele Kunden Dein Mann pro Monat braucht, bzw. wie viele Stunden er in Rechnung stellen muss, damit ihr zu schwarzen Zahlen kommt? Auch wenn er seine Handwerkerstunde mit 60 Euro ansetzt - 30 davon gehören trotzdem dem Staat.

Beitrag von derhimmelmusswarten - 13.01.12 - 17:48 Uhr

95.000 Euro für altes Gerümpel und Adressdaten?! Nein. Das würd ich niemals machen. Ich würde es wenn, aus eigener Kraft probieren. Und natürlich erstmal die Lohnerhöhung nehmen.

Beitrag von lichtenstein - 13.01.12 - 18:44 Uhr

95.000 Euro????? #rofl#rofl#rofl Ich hätte auch noch eine sagenhafte Kundendatenbank über. Für Sonderpreis 100.000 Euro gebe ich sie raus.

Spass beiseite, das "Angebot" kannst Du getrost in die Tonne kloppen. Da kannst Du auch ein Telefonbuch abtippen und hast genausoviel in Händen. Auch wenn das 1-Mann-Unternehmen "gut läuft" kann ich mir nicht vorstellen, dass es dem Gegenwert von 95.000 Euro entsprechen soll.

Tja, das mit dem selbständig sein ist so eine Sache. Ich bin Kind eines selbständigen Handwerksmeisters, der in Zeiten tätig war, als die Banken noch nett und kulant waren und einen Betrieb nicht über die Klinge springen liessen, weil der Dispo wegen Wareneinkaufs überzogen werden musste. Heute, in Zeiten von Basel II sieht das alles etwas anders aus.

Mein Mann ist selbständig, ziemlich erfolgreich und völlig schuldenfrei und trotzdem wird in manchen Monaten nur für Finanzamt und Gewerbesteuer gearbeitet. Gerade jetzt am Jahresanfang, wo die ganzen Betriebsversicherungen abgebucht werden, ist man schon ganz froh, wenn der eine oder andere Kunde seine Rechnung mal früher bezahlt.

Beitrag von manavgat - 14.01.12 - 16:02 Uhr

Dein Mann wäre bescheuert, wenn er für die Adressen und ein bischen Krempel so viel Geld hinlegt!

Wenn er handwerklich gut drauf ist und sich das zutraut, dann reicht es, wenn er einen Businessplan macht, eine Werbekampagne plant und durchführt und dann funzt das.

Ansonsten: Die Gehaltserhöhung erst mal nehmen. Selbstständig machen kann er sich ja jederzeit, damit geht er ja keine Verpflichtungen ein.

Gruß

Manavgat