5-jährige sehr schwierig (vorsicht lang!)

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Beitrag von guido75 - 16.01.12 - 09:22 Uhr

Hej. Ich brauche dringend mal Eueren Rat oder noch besser ein wenig Beruhigung, dass das alles ganz normal ist.
Es begann kurz vor Weihnachten, als meine Große im Kindergarten plötzlich weinte, wenn ein anderes Kind abgeholt wurde. Ich dachte mir zunächst nichts dabei. Über Weihnachten begann sie plötzlich, Personen, die nicht an den jeweiligen Ort gehörten, wegzuschicken. Also die Oma, der Opa, alle Besuche, die zu uns kamen, wurden weggeschickt. Wenn sie nicht schnell genug das Haus verliesen, begann sie fürchterlich zu weinen und wurde fast panisch. Zunächst versuchte ich auf sie einzugehen und hab die Personen um Entschuldigung gebeten aber auch gebeten, zu gehen. Aber mittlerweile schickt meine Tochter auch die Mütter anderer Kindergartenkinder weg, wenn sie ihre Kinder in der Gruppe abgeben. Sie verhält sich dann regelrecht hysterisch. Die anderen reagieren erschrocken und befremdlich, was ich auch absolut verstehen kann. Die anderen Kinder sind total verunsichert. Gestern sind wir spazieren gegangen und sind an einem Jungen, vielleicht 9, vorbeigelaufen. Eigentlich hab ich ihn gar nicht wahrgenommen. Plötzlich deutet meine Tochter mit dem Finger auf ihn und schreit "Der soll weg!!!!!! Geh weg!!!!" Der Junge war total erschrocken, die Eltern natürlich auch. Wir haben versucht, unsere Tochter zu beruhigen und einfach weiterzugehen, aber nichts half. Nachdem wir noch nicht weit von zuhause weg waren, sind wir umgekehrt. Kennt das jemand von Euch?
Ich mache mir Sorgen, ob meine Tochter ernsthaft verhaltensgestört sein könnte und ich vielleicht mit ihr zum Kinderpsychologen sollte. Aber im Kindergarten und auch zuhause ist nichts vorgefallen, was dieses Verhalten erklären könnte.

Ich darf jedoch den unerheblichen Aspekt nicht unerwähnt lassen, dass unsere Tochter aufgrund ihrer Epilepsie entwicklungs- und sprachverzögert ist. Wir sind gerade in der Testphase eines neuen Medikaments und wie es aussieht, befinden wir uns in einem Bereich, in dem wir ihre Absencen, langsam in den Griff bekommen. Ich versuche mich damit zu beruhigen, dass sie vielleicht nun mehr wahrnimmt und so wie z.B. Kleinkinder bei Entwicklungsschüben schwierig sind, nun auch sie schwierig ist, weil sich in ihrem Kopf einfach wieder etwas tut. Die Sprache alleine machte in den letzten 4 Wochen einfach gigantische Fortschritte.

Daneben ist sie absolut provokant. Ich hatte schon immer eine sehr willensstarke Tochter, die nie das machte, was andere von ihr wollten, wenn sie es nicht für richtig hielt. Aber das momentane Ausmaß nimmt Formen an, dass sogar der absolut geduldige und verständnisvolle Papa langsam mit den Nerven am Ende ist. Alles wird mit NEIN in einem absolut schrillen Ton kommentiert, IMMER ist sie gegen alles, wir können ihr nichts recht machen. Wir fassen sie schon mit Samthandschuhen an, aber selbst das ist noch nicht richtig.

Ich weiß natürlich, dass ich auch mit dem Arzt reden muss, wenn das nicht bald aufhört, weil es - obwohl es nicht im Beipackzettel aufgeführt ist - ja auch evtl. eine Nebenwirkung sein könnte (was schade wäre, es wirkt gerade so gut). Aber ich habe auch noch die kleine Hoffnung, dass es hier jemanden gibt, der mir ein bißchen Mut zusprechen kann und mir sagt, dass das auch alles ganz normal sein kann.

Unsere Nerven liegen blank. Ich weiß, dass ich mich davon frei machen muss, aber wir wohnen in einem kleinen Dorf. Die Leute reden eh schon weil sie Epi hat, dann passt natürlich ihr Verhalten gut dazu ...... Ich will sie nicht verstecken, um Gottes Willen. Es würde ihr aber einfach Unrecht getan, wenn die Leute denken "naja, die hat ja eh einen an der Klatsche" ........ Der Kindergarten reagiert noch absolut verständnisvoll, aber ich habe Angst, dass sie irgendwann auch sagen, dass das so nicht geht.

LG guido75

Beitrag von lisasimpson - 16.01.12 - 09:46 Uhr

hallo guido,

hm, du möchtest gerne eine beruhigung- das weiß ich nicht, ob ich dir die geben kann.

ich würde jetzt auch erst mal vermuten, daß es etwas mit der umstellung der medikation zu tun hat, ob nun nebenwirkung oder wie du vermutest, eine veränderun der wahrnehmung, bzw. eventuell damit einhergehend eine rasche entwicklung, die vesucht die verzögerung aufzuholen.

ich würde jedenfalls folgendermaßen darauf reagieren.
1. die leute werden NICHT weggeschckt.
sie reagiert panisch- d.h. sie befürchtet irgend etwas schlimmes. gehen die leute jetzt jedes mal, dann bestäötigt sich im grunde ihr verdacht. sie muß die verantwortung übernehmen, damit der familie nichts passiert, damit alles in ordnung ist.
2. beobachte mal, ob sie mit anderen "ordnungssystemen" ähnlich ist. kann sie unordnung ertragen oder fällt ihr das auch schwer, muß alles sehr ritualisiert verlaufen...

3. gib ihr starken halt von außen, auch wenn du das gefühl hast, sie sei "sehr willensstakr". oftmals reagieren kinder, die gerne klarheit und strukur brauchen so, wenn sie das gefühl haben, daß von außen zu wenig kommt- dann schaffen sie sich ihre eigene sturkur, die dann auf biegen und brechen so umgesetzt werdne muß.
sag ihr klar, daß die leute da bleiben können und es keinen grund gibt, diese wegzuschicken. besprich mit ihr, was sie tun kann, wenn sie diese angst hat (zu dir kommen, auf den arm gehen, kuscheln, in ihr zimmer gehen, etwas beruhigendes machen...) aber bestehe darauf, daß die angst/ panik ?! nicht euer leben behrrscht, sondern sie lernt, ihre angst zu beherrschen.

ich würde mit dem erziehern zusammen ein konzept entwickeln, bei dem alle gleichermaßen darauf reagieren (locker bleiben, enstpannt bleiben, ihr sagen, was sie tun kann, aber nicht die situation ändern)

und dann würde ich wohl ca 3 monaten mindestens abwarten.
sollte sich in den 3 monaten keine verbesserung zeigen, würde ich einen profi hinzuziehen (epilepiseberatung, arzt, erziehungsberatung...)

liebe grüße und alles gute

Beitrag von marion2 - 16.01.12 - 13:57 Uhr

Hallo,

das ist ja mal ne Masche, die kenn ich noch gar nicht. #rofl Auf was die lieben Kleinen so alles kommen #augen

Ich glaube, dass sie herausgefunden hat, wie sie euch immer wieder aufs Neue schocken, provozieren und beeinflussen kann.

Klappt ja ganz gut.

Vorschlag: Wenn Oma und Opa kommen, BLEIBEN sie.

5jährige kleine Zicken sind nicht der Nabel der Welt. Für viele Kinder ist dies eine schwerwiegende und unangenehme Erkenntnis - aber wichtig.

LG Marion

Beitrag von kati543 - 16.01.12 - 18:12 Uhr

Als ich angefangen habe zu lesen, habe ich erst gedacht, sich braucht Hilfe vom Psychologen...und dann kam der Satz: "Wir sind gerade in der Testphase eines neuen Medikaments und wie es aussieht, befinden wir uns in einem Bereich, in dem wir ihre Absencen, langsam in den Griff bekommen."

Ich kann dir eines aus eigener Erfahrung sagen (bin selbst seit 29 Jahren Epileptiker und die Medis helfen mal mehr, mal weniger), Antiepileptika haben massive Nebenwirkungen. Welche Medis nimmt sie denn? Mein letztes Medikament hatte bei der Einführung dermaßen starke Nebenwirkungen, dass die Ärzte, trotz Anfallsfreiheit, mittlerweile ernsthaft darüber nachdenken, es wieder abzusetzen. Das geht bei massiven Wahrnehmungsstörungen los (ein Drogenrausch ist eine Spazierfahrt dagegen), sehr starke, unkontrollierbare Gewichtsschwankungen, Tremor, Vergeßlichkeit und dann solche Kleinigkeiten wie Haarausfall.

Beitrag von kati543 - 16.01.12 - 18:23 Uhr

Ach ja...eine Beruhigung kann ich dir geben. FALLS die Wahrnehmungsstörungen Medikamentenbedingt sind, werden sie mit der Zeit weggehen. Das Gehirn lernt ja mit den Medis zu leben und passt sich dem ständigen Konsum dieser "Drogen" an.
In der Anfangsphase konnte ich noch nicht einmal meine eigenen Kinder ertragen.

Ich würde auch dringend aufhören ihren "Wünschen" permanent nachzukommen. Besuch kann nicht weggeschickt werden. Aber sie sollte immer eine Rückzugsmöglichkeit haben.

Beitrag von guido75 - 17.01.12 - 10:45 Uhr

Hej kati543, schön mal wieder von Dir zu lesen ;-) Erinnerst Du Dich an mich? Ich habe Dich vor einiger Zeit mal darüber ausgefragt, wie man sich eine Absence verstellen kann? Deine Schilderungen damals haben mir wirklich viel weitergeholfen. Danke dafür noch einmal.

Wir haben uns auch schon gedacht und gehofft, dass es am Medikament liegt. Denn alternativ müssten wir wirklich zum Psychologen mit ihr.
Sie nimmt derzeit Keppra 2x 4ml und Lamotrigin 2x50 mg. Lamotrigin soll langfristig zur Monotherapie werden. Wir erhöhen seit ca. 2 Monaten alle 14 Tage Lamotrigin um 10 mg am Tag und seit sei 40 mg nimmt, ist sie sensibler. Bei 45 mg hat sich die Sache noch mehr zugespitzt. Ich bin mal gespannt, seit 15.1. sind wir bei 50 mg. Wir hatten früher 1 Absence täglich, jetzt waren es in diesem Jahr erst 5 und die waren auch nur abgeschwächt. Es tut sich also wirklich was. Ich merke es auch in der Sprache.

Ich habe gestern mit dem Doc telefoniert und er meinte, dass es ein gutes Zeichen sei! Das Medi scheint zu wirken, das wird man beim nächsten Mal wohl auch im EEG sehen, die Epi normalisiert sich und die Kinder beginnen sich schlagartig zu entwickeln (stimm!). Ich sage mir immer wieder, dass ich durchhalten muss, aber dieses Kind bringt mich täglich an meine Grenzen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich ihre Sprache nie lernen werde. Was heute funktioniert, ufert morgen wieder in den totalen Kampf aus.
Ich muss unbedingt etwas finden, was mich ruhiger werden läßt, damit ich ihr in dieser schwierigen Zeit helfen kann. Aber momentan ist es wirklich Horror.

Heute morgen habe ich sie bei minus 6 Grad im Schlafanzug in den KiGa gebracht. Sie wollte sich nicht anziehen lassen, also musste sie da durch. Im KiGa lächelte sie die Erzieherin an und sah es als Spaß an, dass alle um sie herumstanden und zuschauten, wie sie von der Erzieherin angezogen wurde.
Und das schlimmste ist, dass ich mir als Versagerin vorkomme. Sie braucht mich eben unheimlich und ich bin nicht fähig, mich in ihre Schwingungen einzuklinken.

LG guido75