Hallo da draußen....
Ich bin mit unserem Sohn Luca nun fast 2 Jahre lang von Arzt zu Arzt gerannt, weil wir nicht wussten, was mit ihm los ist. Bis wir mal zur Kinderneurologin und zum Zentrum für Kindesentwicklung gegangen sind, die ihn wirklich mal lange untersucht haben. Nachdem uns alle Erzieher, die er bis jetzt hatte im Kiga sagten, dass er verhaltensauffällig wäre, u.a. auch Heilerzieher dabei, die sich etwas besser damit auskennen) und wir mit ihm mal einige tests machen lassen sollten, wurde beim Zentrum für Kindesentwicklung hier in Hamburg nun ADHS festgestellt. Wir haben 2 Jahre Tortur hinter uns, wo wir nichts wussten und die Hölle durchgemacht haben (unsere Ehe wäre beinahe daran zerbrochen). Dazu kam noch, dass unser Sohn Wahrnehmungsstörungen hatte, denn das ging soweit, dass er ständig versucht hat, Stromschläge zu kriegen. Andere Kinder versuchen sowas nur einmal und lassen es dann, weils ja auch wehtut. Er hat das nicht getan, er fand das wohl toll. Ich und mein Mann waren den ganzen Tag damit beschäftigt, ihn nicht aus den Augen zu lassen. Und auf Dauer ging das echt an die Nerven, man konnte nicht mal in Ruhe ne tasse kaffee trinken....es ging einfach nichts mehr. Das grenzte an die totale selbstaufgabe und das verhindern seiner sehr riskanten Streiche bzw. Versuche, sich in Gefahr zu bringen bzw. keine gefahr einschätzen zu können. dazu kam, dass er sich gegen alle Menschen sehr respektlos verhalten hat, obwohl wir ihm immer beigebracht haben, höflich zu sein und freundlich. Bei uns gibts keine Gewalt bzw. Misshandlung, weil wir davon nichts halten und es verabscheuen. Also ziemlich viele Punkte, wo wir nicht wussten, dass er das als richtig angesehen hat, was anderen missfällt. Das schlimmste für uns war, dass er letztes jahr in einen Kiga gekommen ist, wo die Eltern nach 5 Tagen auf die barrikaden gegangen sind und uns verklagen wollten, nur weil unser Sohn so ist wie er ist. Er hat ADHS, was sich nun rausgestellt hat und ich finds traurig, wie die gesellschaft heute damit umgeht und sogar Eltern verklagen möchte, nur weil der Sohn ein Handicap hat. Kinder können ja grausam sein, aber Eltern noch viel mehr. Wir mussten ihn aus dem Kiga wieder abmelden, er war nicht erwünscht. Das erlebte er noch ein zweites Mal und Du glaubst gar nicht, wie er gelitten hat darunter und wir noch viel mehr.
Inzwischen nimmt er Medikamente (wo wir uns ausführlich darüber informiert haben) und wir bekommen im März eine Kur, die uns hoffe ich, wieder Energie gibt für das weitere Leben mit diesem Handicap. Ansonsten hätten wir keine Kraft mehr gehabt, für ihn da zu sein und mit ihm viel zu erleben....wir waren echt am Ende!!!

Ist vielleicht ein SILOPO, aber ich musste meinem Ärger mal Luft machen. Bin unendlich traurig, dass in unserer Gesellschaft kein Platz ist für "solche" Kinder.
Diana
Eltern wollten unser Kind wegen ADHS verklagen!!!
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Beitrag von diary2801 - 22.01.12 - 20:50 Uhr
Beitrag von erdbeer11 - 22.01.12 - 22:20 Uhr
Hallo Diana,
das hört sich ja wirklich nicht schön an was euch passiert ist. Ich selbst kenne auch ADHS-Kinder (die nicht die eigenen sind, ich hab keine) und weiß, wie schwieirg es sein kann
Ich möchte dir sagen, dass es wirklich nicht einfach ist, mit diesen Kindern umzugehen und du die anderen Eltern verstehen musst. ABER sie haben absolut KEIN RECHT euch verklagen zu wollen!!! Die spinnen doch total!! 
Ist der Kindergarten, wo dein Sohn hingekommen ist, ein intergartiver? Versuche ihn in eine intergrativen KiGa zu geben, am besten mit Kleingruppen bis MAX. 12 Kinder und erzieherinnen, die sich mit ADHS auskennen.
Das mit den Medikamenten kann durchaus sinnvoll sein. Solange er keine Persönlichkeitsveränderungen hat, die ihn und euch belasten, ist das gut! Meine Erfahrung mit Kindern, die Medikamente wegen ADHS bekommen, ist durchaus positiv gewesen. 
Ansonsten hab ich das mit dem Hang zu Stromschlägen auch noch nicht gehört ... 
Ich wünsche dir weiterion starke Nerven 
Liebe Grüße,
erdbeer11
Beitrag von diary2801 - 22.01.12 - 22:42 Uhr
Hi!
Danke für deine Antwort. Ich bzw. wir haben nun einen intergrativen Kiga für Luca gefunden mit kleinen Gruppen. Da war es beim Vorstellungsgespräch total anders als in den anderen Kigas. Man wurde nicht beäugt von oben bis unten, sondern freundlich und offen empfangen. 
Als das mit den Eltern rauskam mit der Klage, die sie anstrengen wollten, dachte ich erst, ich höre nicht richtig. Um es genau zu sagen, ich war echt sprachlos!!!
Luca ist 6 Jahre alt und kommt im Sommer in eine integrative Schule, wo er die Betreuung bekommt, die er braucht. Aber dieses unerwünscht sein und von allen gemieden zu werden hat auch bei ihm Spuren hinterlassen...könnte manchmal heulen, wie die Gesellschaft mit Kindern umgeht.
Das mit den Stromschlägen hat was mit seinen Wahrnehmungsstörungen zu tun, sagte die Neurologin. Das kann durchaus vorkommen und da er sehr intelligent ist (wurde getestet), wusste er schon sehr früh, wie man die Kindersicherungen in den Steckdosen raus bekommt. Wie schon beschrieben, wir mussten ihn immer und überall beobachten, nicht aus den Augen lassen.
Werde versuchen, starke Nerven zu behalten...Dir eine gute Nacht!
Lieben Gruss Diana
Beitrag von arienne41 - 23.01.12 - 18:23 Uhr
Hallo
Die Eltern wollen ihn nicht verklagven weil er ADHS hat sondern weil er irgendwas getan haben muß oder sehe ich das falsch?
Was hat er getan das Eltern an eine Klage denken?
Beitrag von diary2801 - 23.01.12 - 20:33 Uhr
Hallo.
Du, das wissen wir bis heute nicht. Ganz ehrlich, bevor ich da eine Klage einreiche, rede ich doch erstmal mit den Eltern oder nicht???
Von der Kita-Leitung wurde uns nur gesagt, dass das so nicht geht und sie unbedingt verhindern wollen, dass wir verklagt werden. Warum, hat uns niemand gesagt.
Also beim Abholen habe ich immer alle Kinder gesehen und es war auch keines irgendwie verletzt oder sonst was. Es wurde einfach stillschweigend so geregelt.
Und das finde ich so blöd. Wenn ich nicht weiss, was er in seiner Impulsivität oder mit was auch immer das zu tun hatte, was er getan hat, kann ich dagegen auch nichts machen bzw. Schritte einleiten von meiner Seite aus oder was meinst du dazu???
Wieso redet niemand darüber und warum kriegen Heilerzieher (die im Vorgespräch sagten, sie kennen sich damit aus und würden das easy hinkriegen) das nicht hin??? Das sind doch die Experten.....die nach 5 Tagen aufgeben. Nach 5 Tagen wohlgemerkt! Darf er sich nicht mal eingewöhnen oder passte den anderen Eltern sein Gesicht nicht oder wie???
Ich hätte dadurch beinah meinen Job verloren und Luca fühlte sich ausgeschlossen. Er hat tagelang geweint. Und wenn die mir beim Treffen erzählen, dass sie sich damit auskennen (ich habe nichts verheimlicht, rein gar nichts, habe alles erzählt und auch darum gebeten, konsequent durchzugreifen), gehe ich davon aus, dass die vorbereitet sind. Ansonsten hätten sie mir das doch gleich sagen können, dass es zu kompliziert ist oder darf man das von Fachmännern nicht erwarten???
Wir sind jedenfalls aus allen Wolken gefallen...
Gruss Diana
Beitrag von kati543 - 24.01.12 - 14:52 Uhr
Hallo Diana,
ich gebe ja ehrlich zu, dass ich zu der Kategorie Menschen gehörte, die ADS/ADHS immer für eine "Modeerkrankung" gehalten haben. Irgendwie hatten das auf einmal viel zu viele Menschen. Ich bin heute noch immer der Meinung, dass diese Diagnose viel zu leichtfertig von Laien gestellt wird. Aber ich habe auch einmal ein Kind kennengelernt, dass wirklich ADHS hat - und seit dem glaube ich daran, dass es diese Krankheit wirklich gibt.
Ich wünsche dir viel Kraft und unendlich viel Geduld und Nerven wie Drahtseile. Ich hoffe die Medis können deinen Sohn helfen, sein "Ich" zu finden. Wenn ich dir einen Rat geben darf: Suche in der nächsten Zeit zumindest, mehr den Kontakt mit ebenso erkrankten Kindern bzw. Müttern von erkrankten Kindern. Das ist wesentlich entspannter. Niemand vergleicht dort Wissen und Können der Kinder. Niemand meckert, wenn das eine Kind sich falsch verhält und man findet wirklich Eltern, die einem viel Kraft geben können, weil sie das selbe durchmachen. Wenn du siehst, dass nicht nur dein Sohn anders ist, hilft das gewaltig.
In unserer Gesellschaft ist Platz für unsere Kinder. Aber wir müssen dafür kämpfen. Jeden Tag aufs neue.
Beitrag von diary2801 - 29.01.12 - 16:36 Uhr
Hi Kati.
Vielen lieben Dank für deinen tollen Beitrag! Habe echt ein bisschen geschmunzelt, weil ich auch mal zu der Kategorie gehört habe, sowas gibt es nicht. 
Du hast recht, dass man sich eher an Kinder und Eltern halten sollte, die was mit dem Thema anfangen können bzw. selbst betroffen sind. Und das habe ich auch getan.
Nerven wie Drahtseile muss man da haben, das ist korrekt. Wir haben die seit 2 Jahren. Und die Medis helfen ihm sehr gut. Klar haben die Nebenwirkungen, das ist uns klar, aber er wird keineswegs ruhiggestellt wie manche Eltern das darstellen. Es hilft ihm sehr gut, sich besser zu konzentrieren und soziale Kontakte besser zu gestalten. Das ist gut für sein selbstwertgefühl. Und wir geben ihm nebenbei ja Förderung in allem, was er braucht. Er bekommt Ergotherapie und Psychomotorik, wir gehen seit fast 1 Jahr zur Familien- und Paartherapie, um zu lernen, damit umzugehen. das geht schon an die Nerven, weil das an Selbstaufgabe ranreicht, aber wir kämpfen jeden Tag für Luca. Immer wieder aufs neue!!!
Danke für deinen Denkanstoss!!! Das gibt mir wieder Kraft. 
Lieben Gruss
Diana
