Papas Selbtsmord - ich brauche Hilfe

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Beitrag von -emily - 23.01.12 - 00:56 Uhr

Hallo

Ich mache sowas hier (in einem Forum schreiben) zum ersten Mal - eine Freundin hat mich auf die Idee gebracht. Der Grund weshalb ich es versuchen möchte ist der Tod meines Vaters und wie dieses mein Leben bisher beeinflusst hat.

Ich weiß nicht, was ich zu erwarten habe, aber ich möchte eigentlich nur meine Gefühle "los werden" und Response darauf bekommen.

Nun zu meiner Geschichte
Ich bin 20Jahre alt, studiere und bin eines der beliebten-immer-fröhlichen Mädchen - die meisten Menschen die mich nicht richtig kennen, glauben, dass ich ein wundervolles Leben führe, doch das entspricht nicht ganz der Wahrheit.
Vor gut 8 Jahren (als ich 12 war) hat mein Papa Selbstmord begangen, meine Mama sagt in seinem Abschiedsbrief stand, dass er nicht wollte, dass wir ihn leiden sehen (er war schon etwas älter) (ich hab mich nie getraut den Brief zu lesen). Seitdem fühl ich mich oft leer. Ich war das größte Papa-Kind das man sich vorstellen kann.

Wie sich das auf mein Leben ausgewirkt hat ist ziemlich klar, ich hatte noch nie eine Beziehung (ich wünsch mir so sehr jemanden an meiner Seite), ich trau mich nicht mich auf Menschen einzulassen, ich bin ständig von der Angst begleitet, dass die Menschen die ich in mein Herz schließe mich verlassen werden.

Die letzten 3 Tage hab ich damit verbracht nur zu weinen und zu trauern - dabei sollte ich mich eigentlich auf das bevorstehende Examen vorbereiten, aber ich kann nichts anderes als weinen.

Mein Vater hat mich immer unterstützt und war immer stolz auf mich, er hat mir immer geholfen. Seit seinem Tod fühl ich mich von allen allein gelassen und hab auch das Gefühl, dass keiner Stolz ist auf die Erfolge die ich erzielt habe.

Ich hab die furchtbare Angst mich zu verlieren.

Wie gesagt, ich weiß nicht, was ich mir hiervon verspreche, aber vielleicht hat Jemand von euch Tipps oder sowas.

Beitrag von kaminrot - 23.01.12 - 01:39 Uhr

Hallo!

Du hast den Tod deines Vaters nie richtig verarbeitet.
Dazu kommt noch, dass dein Papa selbst entschieden hat ``zu gehen``.
Dieses ``er hat mich verlassen`` und die Frage ``warum?``bereitet dir heute noch Kummer, oder?

Deine Mutter hätte damals gut daran getan, mit dir zu einem Kinderpsychologen zu gehen!
Dieses Trauma kann ein Kind nicht alleine verarbeiten!

Was ich dir dringend raten möchte:
Suche dir einen guten Psychologen, der dir dabei hilft, den Tod deines Vaters und die damit verbundenen Auswirkungen aufzuarbeiten!

Alles Gute,
k.

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:10 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Ja, es sind solche Fragen - jedoch sind es auch Situationen, in denen ich seine Kraft und Anerkennung (die mir meine Mutter nicht geben kann bzw nicht deutlich zeigen kann) brauche.
Kann schon sein, dass ich einen Kinderpsychologen gebraucht hätte, jedoch würd ich nicht meiner Mutter die Schuld an meiner Situation geben - ich hab zB nie die Chance genutzt mit meiner Familie über das Geschehene zu reden.

In Bezug auf den Psychologen ist das Problem, dass ich im Ausland wohne und hier alles ein wenig teurer und komplizierter ist.

Aber ich möchte auch gerne drauf hinweisen, dass es mir eigentlich immer gut geht - nur manchmal kommen diese Momente wo es so schlimm ist (wie zB als ich meinen Text in das Forum geschrieben hat - was mir aber irgendwie ein Form der inneren Ruhe gegeben hat)

Liebste Grüße

Beitrag von sparrow1967 - 23.01.12 - 09:29 Uhr

Hallo!

Vielleicht solltest du den Brief lesen um zu "begreifen" - und um zu verarbeiten.
Suche dir aber auch jeden Fall einen guten Psychologen, der dir dabei hilft!!

lg
sparrow

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:12 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Ja, ich habe schon oft darüber nachgedacht - allerdings ist auch die Angst da, etwas negatives zu lesen oder auch die Handlung meine Mutter nach diesem Brief zu fragen, würde mir schon Bauchschmerzen bereiten.

In Bezug auf den Psychologen ist das Problem, dass ich im Ausland wohne und hier alles ein wenig teurer und komplizierter ist.

Aber ich möchte auch gerne drauf hinweisen, dass es mir eigentlich immer gut geht - nur manchmal kommen diese Momente wo es so schlimm ist (wie zB als ich meinen Text in das Forum geschrieben hat - was mir aber irgendwie ein Form der inneren Ruhe gegeben hat)

Liebste Grüße

Beitrag von lisboeta - 23.01.12 - 15:00 Uhr

Hallo,

mein Vater war auch viele Jahre depressiv bevor er 2003 starb. Nach außen wirkten wir auch wie ein glückliche, harmonische Familie. Ich denke, dass du der Trauer und der unangenehmen Gefühle Raum geben musst. Es ist wichtig, dass du dir professionelle Hilfe suchst. Im Alter von 12 Jahren den Vater durch Selbstmord zu verlieren ist nicht einfach zu verarbeiten.

Vielleicht würde das Lesen des Abschiedsbriefes Dir auch weiter helfen.

Lg
lisboeta

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:13 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Ja, ich habe schon oft darüber nachgedacht - allerdings ist auch die Angst da, etwas negatives zu lesen oder auch nur meine Mutter nach diesem Brief zu fragen, würde mir schon Bauchschmerzen bereiten.

In Bezug auf den Psychologen ist das Problem, dass ich im Ausland wohne und hier alles ein wenig teurer und komplizierter ist.

Aber ich möchte auch gerne drauf hinweisen, dass es mir eigentlich immer gut geht - nur manchmal kommen diese Momente wo es so schlimm ist (wie zB als ich meinen Text in das Forum geschrieben hat - was mir aber irgendwie ein Form der inneren Ruhe gegeben hat)

Liebste Grüße

Beitrag von hello-kitty1979 - 23.01.12 - 19:45 Uhr

Du hast den Tod, oder besser "Freitod" Deines Vaters nicht verarbeitet. Ewig verdrängt, holt es Dich jetzt ein. Man kann nichts verdrängen, nur eben nach hinten schieben.
Lies den Brief Deines Vaters ist einfach gesagt.. Du brauchst Hilfe, auch, wenn Du den Brief lesen möchtest. Tu es nicht alleine.
Wie Du schon schreibst, Du bist das ewig fröhliche und glücklich wirkende Mädchen. Du spielst einfach eine Rolle perfekt.
Wende Dich an Trauerbegleiter oder einen Psychologen. Notfalls auch an einen Seelsorger. Ich finde gerade Deine Situation nicht ungefährlich.
Was macht Dich wütend, was belastet Dich am Meisten? Das Warum? Das muss man raus finden.
Es gibt auch Bücher, z.Bsp. "Warum hast du uns das angetan".

Aber an Deinem Post sehe ich eine Akutsituation, die sofort angegangen werden sollte.
Leider kann ich grade nicht soviel schreiben, aber wenn Du magst, kontaktiere mich über VK.

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:18 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Ich würde es nicht als einholen bezeichnen, der Schmerz ist manchmal schlimmer als andere Male und als ich diesen Beitrag geschrieben habe, war der Schmerz wieder auf eine schlimme Art und Weise da (wobei ich sagen muss, dass das Schreiben des Beitrags mir geholfen hat wieder eine innere Ruhe zu finden).
Ich würde nicht sagen, dass meine Situation gefährlich ist (falls es so gemeint ist, dass ich mir was antun könnte oder mich von den Menschen aus meiner Umgebung abkapseln würde), wie gesagt, an manchen Tagen ist es lediglich schlimmer als an anderen Tagen.

In Bezug auf den Psychologen ist das Problem, dass ich im Ausland wohne und hier alles ein wenig teurer und komplizierter ist.

Aber ich möchte auch gerne drauf hinweisen, dass es mir eigentlich immer gut geht - nur manchmal kommen diese Momente wo es so schlimm ist (wie zB als ich meinen Text in das Forum geschrieben hat - was mir aber irgendwie ein Form der inneren Ruhe gegeben hat)

Liebste Grüße

Beitrag von cool.girl - 25.01.12 - 13:09 Uhr

Oh je das hört sich gar nicht gut an.

Aber ich würde an deiner Stelle auch einen guten Psychologen/gin suchen und das ganze mal aufarbeiten.

Meine Eltern haben sich vor sehr langer Zeit getrennt. Am Anfang war der Kontakt zu meinem Vater noch regelmäßig und schön, aber irgendwann wurde das immer weniger bis letzendlich der Kontakt abbrach!
Daran knabbere ich noch sehr, ok ich könnte ihn suchen, aber so richtig will ich nicht bzw. fehlt mir die Motivation. Habe ihm schon x Briefe geschrieben + damals vom 1. Kind erzählt (geburtskarte geschickt) und es kam nie eine Antwort. Dazu habe ich nicht mal eine richtige Adresse... und im rießigen WWW finde ich leider auch nichts von ihm...

Wünsche dir alles gute & das dein Leben noch schön wird. #liebdrueck
LG Claudia

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:29 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Ja, ich habe auch beschlossen das Geschehene jetzt aufzuarbeiten, muss noch den richtigen Weg finden dies zu tun.

Das mit deinem Vater tut mir leid - allerdings würde ich an deiner Stelle alles dafür geben ihn zu finden und wenn es nur ist, um zu erfahren warum kein Kontakt mehr besteht. Seit mein Vater gestorben ist, sorge ich bei jedem Menschen in meiner Umgebung den ich liebe, dass wir uns nicht über Banalitäten streiten und immer im Guten auseinandergehen, weil es immer das letzte Treffen sein kann.

Natürlich könntest du sagen, dass es mal an der Zeit ist, dass er den Kontakt sucht - aber evt ist ja etwas vorgefallen, das ihn dran hindert (sei es psychisch oder physisch).

Ich wäre einfach dankbar, wenn ich noch einen Papa hätte.

Liebste Grüße

Beitrag von .antonia - 25.01.12 - 13:11 Uhr

Es macht mich sehr sehr traurig, wenn ich so etwas lese. Mein Bruder hat auch zwei Gesichter. In der Gesellschaft ist es der beste Kumpan und dabei ist er tief, sehr tief depressiv. Ich kann meinem Bruder nicht helfen, wenn er an deiner Stelle wäre, würde ich ihm fongendes sagen:

Wenn du nicht zuläßt, dass nicht alle schlecht sind und alle einen verlassen, wenn du nicht mal eine einzige chance gegeben hast, wird es immer so bleiben. Es kann dir natürlich passieren, dass dich wieder jemand tief verletzt, dies gehört leider zum Leben.

Es ist mir lieber wenn ich einmal tief verletzt werde, dazwischen sind aber ganz viele wunderschöne Momente, als wenn ich mich in meiner Einsamkeit wie ein Motte einhülle und so auf ewig verreckte.

Es tut mir leid, dich so leiden zu müssen und dir nicht helfen zu können. Ich würde dir am besten einen Therapeuten um den hals hängen aber das geht nicht, DU bist erwachsen und du musst es selbst wollen.

Es macht mich sehr truarig, WIE es es dir geht. Ich sehe schweigend zu, es zerreißt mich aber das herz.

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:04 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)
Ich möchte nicht, dass sich jemand hier, um mich sorgt - ganz speziell zu deiner Nachricht habe ich eine positive Nachricht, ich habe mich nach 3 Jahren "getraut" eine Feierbekanntschaft zu daten und es ist schön gewesen. Selbst wenn das mit uns nichts werden sollte, habe ich das Gefühl einen großen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben :)

Beitrag von trauerzentrum - 25.01.12 - 17:11 Uhr

Guten Tag emily.
Ich habe einen ähnlichen Fall in einer Trauergruppe. Wir arbeiten gemeinsam an Lösungen. Es ist sicher sehr schwierig damit zu leben, ja, sie sollten die Trauer aber auch zulassen. Ihr Vater hat einen, seinen Weg gewählt. Da kommt immer die Warum Frage.
Suchen sie eine Trauergruppe auf. Dort werden viele Fragen abgearbeitet. Hier im Forum zu schreiben hilft ein wenig. Es ist schon ein kleiner aber mutiger Schritt. Es zeigt mir auch, dass sie das Geschehene aufarbeiten möchten. Gehen sie den Weg weiter. Wenn sie mögen, schreiben sie mir weiter. Es wird Ihnen sicher gut tun und ich versuche zeitnah zu antworten. Unter berndwalter-beratung.de finden sie auch meine email adr.
Haben sie weiter Mut. Gerne suche ich auch eine gute Trauergruppe in ihrer Nähe für sie. Etwas ist augenblicklich auch ganz wichtig das sie weinen. Jede Träne befreit sie.
Ganz viel Kraft wünscht ihnen Bernd Walter vom Trauerzentrum Garbsen.

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:20 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Ich würde das Geschehene wirklich gerne aufarbeiten (fühle mich das erste Mal so richtig bereit dazu), allerdings ist das Problem in Bezug auf Psychologen oder ähnliches, dass ich im Ausland wohne und hier alles ein wenig teurer und komplizierter ist.

Aber ich möchte auch gerne drauf hinweisen, dass es mir eigentlich immer gut geht - nur manchmal kommen diese Momente wo es so schlimm ist (wie zB als ich meinen Text in das Forum geschrieben hat - was mir aber irgendwie ein Form der inneren Ruhe gegeben hat)

Liebste Grüße

Beitrag von trauerzentrum - 01.02.12 - 10:04 Uhr

Guten Tag emily.
Es ist manchmal gut und doch immer wieder nicht so gut. Genau dies ist die nicht verarbeitete Trauer. Ich kann ihnen wirklich nur nahe legen, gehen sie den Weg des Abarbeitens von Trauer weiter. Es wird leichter mit der Zeit.
Eines sollte ihnen dennoch klar sein. Die Zeit heilt nicht alle Wunden, es bleibt immer eine Narbe die schmerzt. Wenn sie jetzt aufarbeiten, können sie besser damit leben.
Wenn sie mögen schreiben sie mir direkt. Unter berndwalter-bertung@t-online.de erreichen sie mich und wir suchen nach einer Lösung. Gerne dürfen sie mich auch anrufen.
05031-7069116 Das ist eine Notfallnummer, unter der mich Menschen in Not immer anrufen können. Wenn sie mir auch mitteilen wo sie wohnen, kann ich mich gerne nach einem systemischen Kollegen erkundigen. Liebe Grüße, Bernd Walter vom Trauerzentrum Garbsen

Beitrag von lacora - 29.01.12 - 21:39 Uhr

Hallo!
Als ich vier Jahre alt war,ist meine Mutter gestorben.Sie hat sich regelrecht zu Tode "gesoffen",starb an Leberzirrhose und einer tödlichen Blutung der Speiseröhre.Sie war vor ihrem Tod noch ein Vierteljahr im Krankenhaus und zwangsläufig auf Entzug.Kurz vor ihrem Tod tat ihr alles leid und wollte alles ungeschehen machen,wollte die Chance zum Neuanfang haben,die sie vorher nie haben wollte. Aber die Einsicht kam zu spät.
Was ich sagen will:

Vergib Deinem Vater,daß er euch verlassen hat.Er hat den Tod einem Leben mit euch vorgezogen- vergib ihm.
Kein Lebender weiß,wie es ist nach dem Tod und trotzdem hat Dein Vater den unbekannten Weg des Todes gewählt.
Menschen machen viele Fehler. Sicher würde Dein Vater den Fehler,euch zu verlassen nicht nochmal machen,aber er kann es nicht mehr ändern.
Und Du kannst es auch nicht ändern,aber Du kannst Deinem Vater verzeihen.Vielleicht hilft Dir das,endlich Frieden zu finden.

Beitrag von -emily - 31.01.12 - 14:23 Uhr

Vielen lieben Dank für die Nachricht :)

Es tut mir leid, was mit deiner Mutter geschehen ist.

Ich habe mir auch vorgenommen, jetzt einen Weg zu finden das Geschehene aufzuarbeiten (es scheint der einzig vernünftige Weg)

Liebste Grüße